Erdogan stellt Gerechtigkeit im Fall Dink in Aussicht
Istanbul - Die türkische Staatsführung zeigt sich
unzufrieden mit dem umstrittenen Urteil im Prozess wegen des Mordes
an dem türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink.
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verwies in einem
Fernsehinterview am Donnerstag auf ein anstehendes Berufungsverfahren
und sagte: "Ich bin sicher, dass es Gerechtigkeit geben wird."
Präsident Abdullah Gül sagte, ein fairer und transparenter Abschluss
des Verfahrens sei für die Türkei ein wichtiger Test.
Ein Gericht in Istanbul hatte am Dienstag entschieden, dass es
keine Verschwörung für den Mord gegeben habe und sich die Angeklagten
nicht wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung
schuldig gemacht hätten. Anwälte der Familie Dinks gehen dagegen
weiter davon aus, dass es Drahtzieher in den Sicherheitsbehörden und
in nationalistischen Kreisen des Staatsapparates gegeben hat.
Am Donnerstag zogen in Istanbul mehrere tausend Demonstranten
durch die Straßen, um gegen das umstrittene Urteil in dem Verfahren
zu protestieren. "Wir sind alle Hrant, wir sind alle Armenier",
lauteten Spruchbänder. Dink, Herausgeber der türkisch-armenischen
Wochenzeitung "Agos", war ins Visier türkischer Ultranationalisten
geraten, weil er die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich
als "Völkermord" bezeichnet hatte.
Der ultranationalistische Todesschütze Ogün Samast wurde bereits
im vergangenen Jahr zu fast 23 Jahren Gefängnis verurteilt worden.
Wegen Anstiftung zu der Tat vor fünf Jahren verurteilte das Gericht
am Dienstag zudem Yasin Hayal zu lebenslanger Haft.
Der Vorsitzende Richter in dem Prozess, Rüstem Eryilmaz, sagte der
türkischen Zeitung "Vatan", er wolle nicht bestreiten, dass der Mord
gut vorbereitet worden sei. Es seien aber keine Beweise für die
Existenz einer terroristischen Organisation vorgelegt worden. "Aber
wir können auch nicht sagen, dass es keine Organisation gibt", sagte
er. (APA)