US-Studie geht davon aus, dass im bisherigen Bollwerk gegen den Klimawandel in Zukunft mehr Treibhausgase produziert als gebunden werden
Washington - Das Amazonasgebiet gilt gemeinhin als Bollwerk
gegen den Klimawandel. Nun sieht es so aus, als würde es diese Funktion verlieren. Schlimmer noch: Die Region selbst produziert mehr und mehr umweltschädliche Treibhausgase. Die bisher positive CO2-Bilanz des Amazonas-Beckens sei derzeit dabei zu kippen, stellten US-Wissenschafter in einer im Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlichten Studie fest. Als
Gründe gaben sie Bevölkerungswachstum und die damit einhergehende Abholzung an.
In der Biomasse des Amazonas-Beckens sind etwa 100 Milliarden Tonnen
Kohlenstoff gebunden, mehr als weltweit in zehn Jahren an fossilen Brennstoffen
verbrannt wird. Bei Brandrodung von riesigen Waldflächen wird der in den
Pflanzen gespeicherte Kohlenstoff als Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre
freigesetzt.
CO2-Bilanz im Wandel
Genaue Zahlen für die Entwicklung der CO2-Emissionen im Amazonasraum seien
schwierig zu erheben, räumte das Forscherteam unter der Leitung von Eric Davidson vom Woods Hole Research Center
im US-Bundesstaat Massachusetts ein. Doch sei die Bevölkerung in dem Gebiet in
50 Jahren von sechs auf 25 Millionen angestiegen; weite Landflächen würden
deshalb für Landwirtschaft und Hausbau benötigt. Die CO2-Bilanz des Gebietes -
also der Vergleich zwischen dem aus der Atmosphäre durch die riesigen
Waldflächen aufgenommenen Kohlendioxid und dem Ausstoß des Treibhausgases in der
Region - sei daher im Wandel und das Amazonas-Becken könnte so bald schon zu einem
Netto-Emittenten von CO2 werden.
Auch durch den Klimawandel und Wetteränderungen könnte ein Teil aus diesem
Kohlenstoff-Speicher freigesetzt werden, warnten die Wissenschafter in ihrem
Bericht. Ein Großteil des Regenwaldes halte saisonale oder mäßige Dürre aus,
doch diese Belastbarkeit könne überschritten werden und sei in der Vergangenheit bereits
überschritten worden. Wo Abholzung im Amazonasgebiet verbreitet sei, verlängere
sich der Zeitraum der Trockenheit. (APA, red)