Sponsor-Ausfall

Böse Überraschung für Österreichs Filmfestivals: A1 zieht sich zurück

19. Jänner 2012 15:08
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    Foto: diagonale

    Kleines Detail am Rande, hier noch mit Sponsoraufdruck: Mit dem Sattelüberzug für Schlechtwetter erfreut die Diagonale die Grazer Radfahrer - und bleibt im Stadtbild präsent

Telekom-Unternehmen: "Kostenbewusst agieren" - Diagonale, Crossing Europe und Sommerkinos massiv betroffen

Wien  - Ein finanziell schwerer Schlag für die Filmfestivalszene: Der Großsponsor A1 fährt sein Engagement für 2012 radikal zurück, mit der Diagonale und Crossing Europe verlieren die beiden nach der Viennale größten Filmveranstaltungen in Österreich damit ihren privaten Hauptgeldgeber. Auch die Wiener Sommerkinos "Kino unter Sternen" und "Kino wie noch nie" werden künftig ohne A1 auskommen müssen, bestätigte das Unternehmen über seine Sprecherin Livia Dandrea-Böhm: "Wir müssen kostenbewusst agieren". Nach dem Markenumbau im vergangenen Jahr wolle man nun "die Ressourcen bündeln" und sich "auf einige wenige Kulturevents konzentrieren".

Für die Festivals kam die Strategieänderung des Sponsors nach dem langjährigen Engagement  überraschend - und mitten während der Vorplanungen:  "Wenn ein großer Sponsor ausfällt, dann kommt die Stabilität ganz schön ins Wanken", kommentierte Diagonale-Chefin Barbara Pichler die Abhängigkeit der meisten Festivals von privater Finanzierung. "Es gibt natürlich keinen Anspruch auf Geld von einem Sponsor", formulierte Pichler, deren Festival Ende März  in Graz als Plattform für den österreichischen Film mit den Erfolgen der vergangenen Jahre eine zusätzliche Bedeutungssteigerung erfahren hatte. "Aber in der derzeitigen Wirtschaftslage kann ein solcher Ausfall nicht einfach kompensiert werden." Die fehlenden Geld- und Sachleistungen werden demnach "quer durch das Festival" spürbar sein.

Christine Dollhofer, Leiterin von Crossing Europe in Linz, schlägt in eine ähnliche Kerbe: "Es ist bedauerlich und trifft uns alle hart. Wichtig ist, dass diese Entwicklung publik wird, damit auch die öffentlichen Fördergeber erkennen, wie verletzlich und unsicher unsere Budgets sind." Wie auch für die Diagonale stellte die Partnerschaft mit A1 einen "wichtigen Finanzierungsbaustein" für das Ende April stattfindende, international hoch vernetzte und respektierte Festival für europäisches Filmschaffen dar.

Mit der Viennale werde derzeit noch verhandelt, hieß es vonseiten des Telekommunikationsriesen. Das Wiener Festival wollte aus diesem Grund nicht zu der Entwicklung Stellung nehmen. (APA)

 

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Amanda Gallas
03.02.2012 12:27
Diagonale

Das Filmfestival ist leider immer mehr ein Branchentreffen geworden. Anstatt ein bürgerliches Kinopublikum anzustreben setzte man mehr auf Austroprominenz, die ohnehin nichts für ihre Akkreditierungen bezahlen müssen. Die Diagonale wirft mit ihren Akkreditierungen nur so herum, kein Wunder, das da kein Geld reinkommt, da ist beispielsweise die Viennale wesentlich reglementierter - Pichler ist eben kein Hurch und sollte sich auch überlegen ihren Platz wieder frei zu machen. Bei Floß war die Diagonale noch etwas anderes...

vanessa g,
23.01.2012 13:49
zur kritik

diagonale okay, die ist leider mehr und mehr zur faden inzucht-show mutiert. aber warum die kritik oder der sponsorausstieg beim crossing europe film festival? crossing europe begeistert auch viele nicht-insider, bringt spannende filme aus europa UND aus österreich, dazu viele premieren, nette gespräche und gäste, neue gesichter. christine dollhofer hat eine hand für die positionierung von festivals, das sollte a1 nicht unterschätzen.

W.v.Grün, Erfinder düsengetriebener Wunderwaffeln
20.01.2012 16:26
Ganz bezeichnende Reaktion übrigens

Ganz viele Poster schlagen in die Kerbe à la "für KHG, Hochegger & Co haben sie Geld, für uns nicht!".

Anstatt sich zu fragen: warum sind wir nicht mehr attraktiv genug, um potente Sponsoren zu halten?

Was übrigens nicht heissen soll, dass ich genannte Herrschaften nicht umgehend hinter Gittern sehen möchte.

Rawunzel
24.01.2012 16:50

Aber wer definiert "attraktiv genug" ?
A1 sicher nicht, oder?

haphazardly
21.01.2012 12:04

sie vermischen bei diesem thema immer die österreichische filmproduktion und die festivallandschaft - das sind aber zwei völlig unterschiedliche dinge.

und wenn ein unternehmen in der vergangenen zeit vorwiegend durch einen überdimensionierten markenrelaunch und zweifelhaften lobbyingaktivitäten aufgefallen ist, dann ist die "schuldsuche" bei den veranstaltern für den ausfall eben dieses sponsors nicht unbedingt gerechtfertigt, finden sie nicht?

locken
20.01.2012 16:05
Braucht das Geld für Hochegger !

Bortolino
20.01.2012 15:16
Was sind die Lehren für die Kulturpolitik?

1. Mit den neoliberalen kulturpolitischen Paradigmen der 80er, 90er und 00er Jahre, die Kulturbetreiber sollen mehr von privaten Sponsoren einwerben, ist keine langfristig gesicherte Arbeit zu machen.

2. Sponsoren sind meist flüchtig wie Benzin. Finanzieren im Kulturbereich meist nur die Flaggschiffe des jeweiligen Genres. Und meist auch nur so lange, so lange diese auf dem Zenit ihres Erfolges sind.

fizcaraldo
20.01.2012 15:12

Man hat sich durchgerechnet wie viele Politiker heuer noch geschmiert werden müssen, und dann hat man entschieden dass ganz einfach kein Geld mehr für die Festivals übrig ist und man außerdem noch 20€ Schmiergeldpauschale pro Jahr von den Kunden abbuchen muss. Zweiters wurde aber im letzten Moment noch geändert und heißt jetzt Servicepauschale.

sloatvie
20.01.2012 14:47

Warum wird hier so böse gepostet????

Ist es nicht Sache vom jeweiligen Sponsor (in diesem Falle A1) sich zu überlegen und letztlich selber zu entscheiden, wo er sein Marketinggeld investieren will?

haphazardly
20.01.2012 16:55

naja, wer sich für sein sponsoring-engagement (das in wahrheit eh lediglich knallhart durchkalkuliert wird) abfeiern lässt, muss sich eben dann für seinen rückzug auch kritik gefallen lassen..

120 Jahre Karl Schranz
20.01.2012 18:39
warum?

das ist einfach unlogisch. das jahrelange engagement wird dadurch ja nicht schlechter.

haphazardly
21.01.2012 12:13

ich vestehe, was sie meinen. aber sponsoring ist eben keine werbung. bei sponsoring präsentieren sich unternehmen als wohltäter. lassen sich abfeiern, lassen sich das erwähnen in dankesreden etc. in die verträge schreiben..sprich: es geht bei sponsoring darum, einen positiven image-transfer zu erwirken und modernes mäzenatentum vorzugaukeln.

und wenn ein unternehmen (bleiben wir beim emotionalen) dann die kulturinstitutionen, die sie ja so großzügig unter die fittiche genommen hatten, aufgrund einens strategiewechsel im regen stehen lassen, dann ist es doch nur logisch, wenn auf die vielen guten emotionen von seiten des publikums die enttäuschung & negative emotionen folgen.. dadurch wird rückwirkend das engagement sogar noch legitimiert.

sloatvie
20.01.2012 17:01

Ja natürlich, die knallharte Kalkulation muss ja Bestandteil jedes Sponsorings sein. Die Unternehmen sind ja ex Definitione keine Wohltäter ...

120 Jahre Karl Schranz
20.01.2012 13:19
ich kann die bösen kommentare in dem fall nur bedingt nachvollziehen.

ich finde es sehr schade für die filmfestivals. aber A1 ist in dem fall nicht vorzuwerfen, dass sie die förderung jetzt einstellen, sondern zugutezuhalten dass sie diese bis jetzt ausgeschüttet haben.

W.v.Grün, Erfinder düsengetriebener Wunderwaffeln
20.01.2012 10:43
Gleich hagelt es rot, trotzdem muss es gesagt werden:

Wäre ich ein Marketingverantwortlicher bei A1 und sähe mir die Leistungsbilanz des österreichischen Films im letzten Jahr an, würde ich mir auch einen Rückzug überlegen.
Bis auf ganz wenige Ausnahmen graues, düsteres, pseudokritisches, selbstreferenzielles und eitles Autoren- und Betroffenheitskino, das weltweit 200 Festival-Fachleuten gefällt, aber beim Publikum total durchgefallen ist. Eine Branche, die unentwegt nach fremdem Geld schreit, um sich selbst zu verwirklichen, ohne dabei an ein Gegenüber, sprich Publikum zu denken.

Auf der anderen Seite hätte die Filmbranche ja eine Möglichkeit zur Antwort (ja, sie könnte Filme machen, die relevant sind, aber das schafft sie nicht): sie kann geschlossen A1 als Provider boykottieren.

Franz Huber
20.01.2012 15:15
Ähm

Sie wissen aber schon, dass Filmfestivals per se - mal mit Ausnahme der Diagonale, und dort auch nicht zu 100% - nichts mit dem Output und der Qualität des österreichischen Films zu tun haben. Nein, wissen Sie natürlich nicht, sonst würden Sie so einen Holler nicht schreiben.

W.v.Grün, Erfinder düsengetriebener Wunderwaffeln
20.01.2012 16:21
Ich habe auch (meine schuld, das nicht detlich genug herausgestrichen zu haben)...

... vor allem die Diagonale gemeint.

MeerSchweinderl
20.01.2012 14:10

Die Festivals haben sehr gute Besuchswerte, die österreichischen Filme (Atmen) ebenso. Dass Sie Ihnen nicht gefallen, spricht zwar nicht für Sie, ist aber natürlich Ihr gutes Recht.

W.v.Grün, Erfinder düsengetriebener Wunderwaffeln
20.01.2012 15:09
Liebes Meerschweinderl,

Atmen war die Ausnahme, hatte recht gute Besucherzahlen - als einziger von über 35 Filmen. Der Rest war weit, weit unter den Erwartungen. Kein einziger Spielfilm ausser Atmen (Die Hexe Lili rechne ich als mehr oder weniger deutschen Film nicht mit) hat 2011 die Grenze für Referenzfilmförderung erreicht. Und die gilt als Messlatte für Erfolg oder Flop.

dabu dabu
20.01.2012 12:52

es werden aber von A1 die festivals gefördert und nicht der österreichische film (über den ich eine ähnliche meinung habe wie sie). die filmfestivals finanziell im stich zu lassen finde ich elendiglich, da werden sehr interessante und kunstvolle filme abseits des mainstreams gezeigt und das soll auch weiterhin passieren können.

erwin meier
20.01.2012 12:33

das wäre schon schlau, genau den zu boykottieren, der einem jahrelang geholfen hat. das würde auch zukünftige sponsoren sehr motivieren!

fritz hubermaier
20.01.2012 11:12

ähh, beim crossing europe warst noch nie

sekir 09
20.01.2012 11:11

da braucht es keine roten striche. sie sind offensichtlich weder bei der diagonale, noch bei crossing europe noch bei kino wie noch nie, noch bei der viennale jemals gewesen.
da spricht ein blinder vom sehen.

W.v.Grün, Erfinder düsengetriebener Wunderwaffeln
20.01.2012 11:43
Noch so eine Eigenschaft des Österr. Films:

Kritikunfähig wie Strache. Eitel wie Vranitzky. Verstockt wie Schüssel. Politisch korrekt wie Glawischnig. Relevant wie der Buchner.

Mit einem Wort: Ein Abbild Österreichs. Ich ziehe meine Einwände zurück. Habt's weiterhin viel Spaß in Eurer von öffentlichem Geld gut bezahlten Scheinwelt. Ich geh mir derweil was anderes anschauen.

Rawunzel
20.01.2012 14:47

Was anderes?! Das kannst Du auf der Viennale, oder bei Crossing Europe! Hihi.
Also, worüber man nichts weiss, darüber sollte man besser schweigen!

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