Jung, männlich, Nazi

73 Prozent Nationalsozialisten in Anhaltelagern des Ständestaates

22. Jänner 2012, 12:07

Zeithistoriker untersucht Sozialstruktur der zwischen 1933 und 1938 vom Dollfuß-Regime Inhaftierten

Wien - Das im Oktober 1933 in Wöllersdorf bei Wiener Neustadt eingerichtete Lager wurde zum Synonym für das System der "Anhaltung" der Ständestaat-Diktatur (1933-1938). Erstmals wird nun die Sozialstruktur der Häftlinge empirisch genauer untersucht. In ersten Ergebnissen kommt der Wiener Zeithistoriker Kurt Bauer dabei zu einem "in der Deutlichkeit überraschenden" Schluss: Fast 73 Prozent der Inhaftierten waren Nationalsozialisten. Jene Ständestaat-Opfer, die sich für ein unabhängiges und demokratisches Österreich eingesetzt hatten, wurden durch den gestrigen Beschluss des "Aufhebungs- und Rehabilitierungsgesetz" im Nationalrat nun rehabilitiert.

Die Möglichkeit der "Anhaltung" ohne richterlichen Befehl und auf bloßen Verdacht hin wurde in Österreich am 23. September 1933 geschaffen. Bauer, dessen von Jubiläumsfonds der Nationalbank und Zukunftsfonds der Republik gefördertes Projekt noch im Laufen ist, hat die Daten von 11.500 Personen ermittelt, die in Wöllersdorf und anderen Lagern, aber auch in Polizeigefängnissen und Arresten "angehalten" wurden. Er geht aber von insgesamt rund 12.000 bis 14.000 Anhaltehäftlingen aus. Davon entfallen 72,79 Prozent auf Nationalsozialisten und 27,21 Prozent auf Sozialdemokraten und Kommunisten.

Reaktion auf "Juli-Putsch" 1934

Dieser deutliche Überhang nach rechts lässt sich, so Bauer, als Reaktion auf den nationalsozialistischen "Juli-Putsch" 1934 erklären. Dieser endete mit der Erstürmung des Bundeskanzleramts und der Ermordung des christlichsozialen Kanzlers Engelbert Dollfuß. Generell wäre der politische Druck von Seiten der Nationalsozialisten als stärker einzustufen.

Während Nationalsozialisten im Schnitt etwas länger festgehalten wurden (3,5 Monate gegenüber Kommunisten mit drei Monaten), änderte sich das Verhältnis nach dem Juliabkommen 1936: Nach der österreichischen Annäherung an Nazi-Deutschland wurden mehr Linke als Nationalsozialisten in Haft genommen. Generell könne aber von einer Bevorzugung der Nationalsozialisten eher nur durch deutschnational eingestellte Richter, nicht aber von Seiten der Sicherheitsbehörden ausgegangen werden, meint der Historiker.

Unter den inhaftierten Linken stellten die Sozialdemokraten 63 Prozent und die Kommunisten rund 37 Prozent. Hält man sich vor Augen, dass die Kommunistische Partei bei den Nationalratswahlen 1930 nur 0,6 Prozent erhalten hatte, die Sozialdemokratie hingegen 41,1 Prozent, so spiegelt die Statistik wieder, dass der "aktive, illegale linke Widerstand zum überwiegenden Teil von Kommunisten getragen" wurde, so Bauer.

Nur ein Prozent Frauen

Jung und männlich waren die Inhaftierten, nur ein Prozent davon waren Frauen. Vor allem nationalsozialistische (im Schnitt 29 Jahre) und kommunistische (28) Häftlinge waren durchwegs sehr jung. Die politisch etablierte Sozialdemokratie erscheint hingegen als Partei der Frontgeneration des Ersten Weltkriegs mit deutlich älteren Proponenten (36 Jahre).

84 Prozent der linken Inhaftierten kamen aus Wien und Niederösterreich, während der Anteil dieser Bundesländer an der Gesamtbevölkerung 50 Prozent betrug. Linke Hochburgen waren Wiener Arbeiterbezirke, aber auch niederösterreichische und obersteirische Industriebezirke. Nationalsozialisten kamen überdurchschnittlich oft aus der Steiermark und Kärnten (56 Prozent der NS-Häftlinge, bei einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von 21 Prozent) sowie Salzburg.

Laut einem am Mittwoch im Nationalrat beschlossenen Gesetz werden alle Personen rehabilitiert, die während des "Austrofaschismus" verurteilt, angehalten bzw. ausgebürgert wurden, weil sie sich für ein unabhängiges und demokratisches Österreich eingesetzt haben. Nationalsozialisten fallen nicht unter diese Kategorie. (APA, red)

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Posting 1 bis 25 von 36
1 2
Braunes Österreich Du bist in Gefahr!
00
23.1.2012, 23:53
Bevor man hier Behauptungen anstellt sollte man sich immer informieren!

https://www.facebook.com/gegenbraun

Cthulluh
11
23.1.2012, 14:32

Ich seh das so: Die "Illegalen" wurden aus anderen Gründen verfolgt als die Kummerln und die Sozis, die ja vom grundsätzlichen Weltbild her für die Rechte der Arbeiter und Gleichstellung aller Menschen, aber gegen die im Staate mitregierende Religion eintraten. Die NS'ler waren aus damaliger Sicht der CS zumindest mal auf der "richtigen Seite", aber wohl auch die Umtriebigeren -sh "nau Bumsdinazi" das bis heute im Gebrauch gebliebene Sprachartefakt dieser Zeit - und als direkte Konkurrenten im gleichen Habiat äusserst erfolgreich und somit zuerst potentiell gefährlicher. Auch der spätere Paradigmenwechsel spricht für diese Hypothese.

Tom93
12
23.1.2012, 10:16
linker widerstand von kommunisten getragen?

wenn fast zwei drittel der inhaftierten sozialdemokraten waren? wo ist da die logik? und von den kommunisten waren ja 99% vor dem feber '34 auch sozialdemokraten.

nicht die kommunisten haben den widerstand getragen, sonern viele derjenigen, die noch aktiv widerstand von links leisten wollten, sind aus enttäuschung über die niederlage zur KP gegangen.

Tom93
21
23.1.2012, 10:13
erst wurden die ns eingesperrt...

...dann hat das "heldenhafte" dollfuß/schuschnigg-regime sie nicht nur freigelassen, ihnen die möglichkeit gegeben sich ganz offen politisch zu betätigen, sondern ihnen im märz 1938 auch noch den roten teppich ausgerollt und kampflos die macht übergeben. das nenne ich widerstand!

Corello
 
54
22.1.2012, 20:32
"Fast 73 Prozent der Inhaftierten waren Nationalsozialisten."

also waren die Hahnenschwanzler jetzt also doch Gutmenschen?

Oder wie?

Tom93
11
23.1.2012, 10:18
aber nein..sie haben ihre späteren partner halt erst eingesperrt...

...bevor sie sie in die regierung geholt und legalisiert haben und ihnen letztendlich österreich kampflos zu fraß vorgeworfen haben. as kann man ja wohl nicht als "gut" bezeichnen. außer man heißt martin graf...

Kein Kommentar
13
23.1.2012, 10:10
Einfach nur doof - Ihr Posting....

Hier werden wissenschaftlich erarbeitete Fakten und keine Rechtfertigungen, etc. präsentiert.

Daseine solche Studie keinen Platz in ihren kleinkarierten Denkschemata findet, ist bedauerlich - für Sie als Person und für uns Leser, die solchen Unsinn ungewollt lesen.

Hubert Ungeist
 
01
23.1.2012, 04:33
Sie normale Menschen..

gut und schlecht - nur wollen das die VP Hasser hier im Forum nicht hören, die brauchen ein Feindbild

phobetor
03
22.1.2012, 18:41

warum steht der austrofaschismus hier unter anführungszeichen?

Februar im Jung-Hammerwerferinnen-Kalender
24
22.1.2012, 19:17
Vielleicht weil die Ständestaat-Diktatur ...

nach manchen Definitionen nicht einem faschistischen Regime entsprach, sondern eher einer billigen Imitation. Sie war eher ein reaktionäres Regime und Selbstbedienungsladen des ÖCV mit verklärter Perspektive auf die monarchistische Vergangenheit. Zum Glück ist das heute ganz anders in Östereich ;-)

http://de.wikipedia.org/wiki/Aust... Einordnung
http://de.wikipedia.org/wiki/Fasc... mustheorie

Seria
11
22.1.2012, 16:00

ob es gut war auch die Nazis und Kommis zu rehabilitieren? Es ist zu hoffen, daß die Fälle einzeln analysiert wurden

Stalker Tarkov
00
22.1.2012, 22:39
Nicht geschafft...

...bis zum letzten Satz des Artikels?

Quintus Beckloeffel
49
22.1.2012, 15:32

Die Nationalsozialisten waren weder demokratisch, noch traten sie für Österreichs Eigenstaatlichkeit ein. Die Kommunisten traten zwar für die Eigenstaatlichkeit ein, waren aber nicht demokratisch. Die Sozialdemokraten waren zwar demokratisch, traten aber nicht für eine österreichische Eigenstaatlichkeit ein.

Also wer soll denn bei diesem Schildbürgerkriterium noch übrigbleiben?

Tom93
23
23.1.2012, 10:20
sozialdemokraten traten sehr wohl für österreichs unabhängigkeit ein

denn seit dem letzten parteitag 1933 war die sozialdemokratie klar gegen den anschluß an das ns deutschland. klarer gehts nicht mehr. was immer einzelpersonen wie renner dann 1938 gesagt haben, die haltung der partei, als die sich noch frei äußern konnte, war klar.

zkk
 
12
22.1.2012, 21:12
"Also wer soll denn bei diesem Schildbürgerkriterium noch übrigbleiben?"

lt. den standardartikeln der letzen wochen von den herrn steinhauser und walser (unter "kommentar der anderen) "überzeugte trotzkisten" ... wenn dies der justiz- und der bildungssprecher der grünen so sehen, wird das wohl grüne parteilinie sein, vielen dank an die beiden jedenfalls für diese klarstellung, dass nicht nur bei der wr. landesorganisation die kummerln (herr ellensohn) das ruder übernommen haben ... es ist ja eigentlich lachhaft, die anschlußbefürworter und verfasser des linzer programms, sowie "überzeugte trotzkisten" und kommunisten der 30er als "aufrechte demokraten (im heutigen sinn)" zu verkaufen, aber links hat ja immer recht ... ^^

dass der "widerstand" ns war, spricht aber mmn eher für und nicht gegen den ständestaat!

Cthulluh
02
23.1.2012, 14:43
Die Situation ist mit heute nicht zu vergleichen.

Mit dem Demokratieverständnis haperte es damals wohl noch in allen Parteien, bei den einen weniger, bei den anderen mehr. Fact ist, dass sich alle Parteien der Gewalt als Mittel zum Zweck bedienten, die großen hielten sich bewaffnete Milizen, die kleineren führten Terroranschläge und Attentate aus. Man hatte noch viel zu lernen...insofern war auch die nachfolgende NS-Zeit ein lehrreiches, wenn auch vom Blutzoll viel zu teures Kapitel unserer Geschichte.

Die grausame Realität 2012
44
22.1.2012, 20:34

Die Sozialdemokraten, die zuvor aus wirtschaftlichen Gründen für eine Vereinigung mit Deutschland waren, haben diese Forderung 1933 aus ihrem Programm gestrichen.

Quintus Beckloeffel
28
22.1.2012, 21:23

Erstens waren nicht wirtschaftliche Gründe für die Anschlusspräferenz der Sozialdemokraten ausschlaggebend (lesen Sie die einschlägigen Schriften von Otto Bauer und anderen führenden Persönlichkeiten der sozialdemokratischen Bewegung!)

Zweitens wurde 1933 der Anschluss nur provisorisch ad acta gelegt, während der Anschluss "an das freie Deutschland von morgen" weiterhin das Ziel blieb.

Und drittens wurde trotz dieser formalen Klausel der Anschluss von den führenden Sozialdemokraten dann sogar unter NS-Vorzeichen gutgeheißen. Die maßgeblichen Sozialdemokraten im Exil verurteilten die von den Kommunisten propagierte "reaktionäre Parole der Losreißung Österreichs vom Reich" aufs Schärfste!

Tom93
01
23.1.2012, 10:27
es zählen die beschlüsse eines freien parteitages

wenn man die haltung einer partei zum thema anschluss festmachen will. und die sozialdemokratie hat sich 1933 klar gegen den anschluss an ns-deutschland ausgesprochen. das kann man übrigens auch bei bauers schriften nachlesen, der sich noch bis zum märz 1938 hoffnungen gemacht hat, man könnte den anschluss in kooperation mit der regierung verhindern. nur hat as schuschnigg-regime vorgezogen, den ns österreich kampflos auszuliefern, bevor sie den bösen "sozis" auch nur einen schritt entgegen gekommen wären!

was die frage eines rückgängigmachen des anschlusses nach einer befreiung von der ns-diktatur angeht, waren viele sd der ansicht, dass das reaktionär wäre, das stimmt. aber auch diese haltung hat sich nicht durchgesetzt.

Quintus Beckloeffel
00
24.1.2012, 11:14
"es zählen die beschlüsse eines freien parteitages"

Das ist dann die Waldheim-Interpretation: "Nicht er war bei der SA, sondern nur sein Pferd."

Eine Partei hat keine Meinung, weil sie keine Person ist. Meinungen haben nur die Mitglieder einer Partei (und sie sind es ja, die allenfalls rehabilitiert werden sollen, nicht eine abstrakte Organisation). Und die waren eben sogar in der obersten Prominenzebene sogar unter NS-Vorzeichen für den Anschluss.

Aber selbst wenn die Sozialdemokraten gemäß ihrem Formalbeschluss konsequent gegen den Anschluss an NS(!)-Deutschland gewesen wären, bleibt die Tatsache, dass gegen einen Anschluss an das "freie Deutschland von morgen" nicht einmal ein Formaleinwand vorliegt.

Folglich ist das Rehabilitationskriterium nicht erfüllt.

Quintus Beckloeffel
00
24.1.2012, 11:29
Und was insbesondere Otto Bauer betrifft,

der schrieb nach(!) dem Anschluss 1938 im Pariser Exil (gegen die Kommunisten gewandt):

"Wir dürfen die illegalen proletarischen Kader in Österreich nicht durch die reaktionäre Utopie der Wiederherstellung der Unabhängigkeit von ihrer wirklichen Aufgabe ablenken: Die Voraussetzung der gesamtdeutschen Revolution."

Toni Blaher
 
711
22.1.2012, 13:48
Die Sozialdemokraten die bei Anschlägen usw.

erwischt wurden haben behauptet, dass sie Nazis sind um mildere Strafen zu erhalten. Oh Wunder das es mehr "Nazis" in den Lagern gab. Und das ein Nazi länger drinnen sitzen hat müssen kann man so ebenfalls nicht eruieren. Wer Anschläge verübt geht generell länger ins Gefängnis.

Achja, die ÖVP hat noch immer ein Bild von einem Diktator im Parlamentsclub hängen. Man denke wenn die Kommunisten den Genossen Stalin aufhängen würden oder die Blauen einen Hitler... Da wäre der Aufschrei auf einmal gewaltig. Auch wenn das schlechtere Menschen waren. Es waren Diktatoren!

Hubert Ungeist
 
23
23.1.2012, 04:38
Nun die Wiener SP bennen sogar Straßen

nach einem Mann der für den Anschluß an HItlerdeutschland eingetreten ist.

Hubert Ungeist
 
00
23.1.2012, 04:37
Also haben sie schon mal Anschläge gemacht..

das geben sie schon mal zu.

Und zweitens ist es eine schöne Geschichtsbiegung die sie hier machen damit man ja sieht wie bitterpöse die VP schon immer war. Dollfuß WAR ein Arbeitermörder UND hat gegen Hitler gekämpft.

Toni Blaher
 
00
23.1.2012, 11:41

Oho... ein Lügner der mich verleumdet.Lachhaft

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