Dänemark

Wellen um geplantes Breivik-Theaterstück

19. Jänner 2012, 14:36

"Manifest 2083" soll im August in Kopenhagen Premiere haben - Kritik wurde laut

Kopenhagen  - "Manifest 2083", ein für Ende August geplantes Theaterstück über den norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik, hat in Dänemark und Norwegen  Kritik ausgelöst.

Das Cafetheater in Kopenhagen will das 1.500 Seiten lange Manifest des Rechtsradikalen in einem Monolog aufführen und so dessen Denkweise zeigen. Dadurch solle eine Wiederholung des Massakers verhindert werden, sagte der Leiter des Theaters, Christian Lollike, der Tageszeitung "Politiken". Es sei "eine fürchterliche Tragödie gewesen", könne jedoch wieder passieren.

Angehörige der Opfer äußerten hingegen, der Monolog sei für sie eine "Zustimmung zu den Taten". Norwegische Theaterkollegen werfen dem 38-Jährigen, der bisweilen als "eine Art dänischer Schlingensief" bezeichnet wird, übertriebenes Selbstmarketing vor.    (APA)

Diplomatenpass a.D.
01
19.1.2012, 15:36

Der Protest der Angehörigen mag durch ihre Betroffenheit erklärbar sein, was diese aber nicht verstehen ist, dass sie mit dem Versuch, eine kritische Auseinandersetzung zu unterbinden, just an der Etablierung jenes Weltbildes mitarbeiten, das Breivik so vorschwebte.

Santino Corleone
00
22.1.2012, 08:28
die Opfer sind noch nicht mal richtig kalt

Und schon kommen die Hyänen mit einer aufgesetzten "nie wieder" Moral aus ihren Löchern, um sich auf dem Rücken grausam ermordeter 14, 15-jähriger selbst zu produzieren. Letztklassig.

Schicke Schickse
11
19.1.2012, 16:16
Nein, das sehe ich ganz anders. Denn wieder einmal

wird einem Täter und dessen Fantastereien eine Bühne zur Verfügung gestellt.
Die Opfer dagegen bleiben Opfer: ein paar Fotos, ein paar Kurzbiografien.
Warum liest man nicht aus den Briefen, Mails, Texten usw. derjenigen, die dieser Täter ermordet hat? Dann würde klar werden, was hier unwiederbringlich zerstört wurde: Menschen und deren Träume, Wünsche, Ideen, Sehnsüchte. Das, und nur das, ist in diesem Zusammenhang von Belang. Das wirre Gefasel eines selbsternannten Henkers braucht genau niemand.

Diplomatenpass a.D.
01
19.1.2012, 17:07

Es wird niemand daran gehindert, mit den Texten der Opfer eine, wie von Ihnen vorgeschlagene, Veranstaltung zu organisieren.
Dem Versuch aber, eine Auseinandersetzung mit Breiviks Texten zu verhindern, muss heftig widersprochen werden. Zensur ermöglich es lediglich, dass Sie vielleicht eines Tages von Breiviks regiert werden...

Schicke Schickse
01
20.1.2012, 01:27
Zensur ermöglicht also Breivik.

Kannst du diese steile These bitte ausführen? Ansonsten bleibt sie eine bloße Behauptung, deren Logik ich nicht erkenne.
Im übrigen ist dein Zensur-Begriff unscharf. Zensur bedeutet, dass staatliche Stellen eine Publikation oder die Aufführung eines Textes aufgrund künstlerisch-politischer Kriterien verbieten oder einschränken. Davon ist hier gar nicht die Rede.
Wenn ein mieser Text nicht aufgeführt wird, ist das keine Zensur (außer in den Augen des womöglich beleidigten Autors), sondern eine legitime künstlerische Entscheidung. Und genau darum geht es. Außerdem: Wer gegen Zensur ist, muss auch Kritik befürworten. Auch darum geht es. Kritik aber mit einem Totschlagargument (Wenn Zensur, dann regiert vielleicht Breiig) abzutun, ist simpel.

Diplomatenpass a.D.
00
20.1.2012, 07:39

Den Beteiligten an dieser Diskussion stellen - gottseidank - die Freiheit der Kunst nicht in Frage und über die Qualität von Breiviks Text macht sich auch niemand Illusionen.
Der Regisseur hat in einem Interview sehr gut seine Motive erklärt: "Weil es wieder geschehen kann. Weil es um ein Gedankengut geht, das weitere Tragödien heraufbeschwören kann. Und weil diese Einfluss haben auf unser Selbstbild."
Lollikes Arbeit kann in diesem Sinne auch als Trauerarbeit verstanden werden.
Kritik an der Kunst ist gut und notwendig. Unbewältigtes hat es aber an sich, dass es in etwas anderer Form wiederkehrt und uns somit auch weiterhin beherrscht.

Pyg Malia
00
19.1.2012, 20:27
Einen Aufruf zur Zensur

kann ich zumindest in diesem Artikel nicht entdecken. Die Angehörigen "äußerten", der Monolog könnte eine Zustimmung zu den Taten darstellen.
Der Vorwurf, dass sie damit an der "Etablierung des Weltbildes" von Breivik "mitarbeiten", ist (ebenso) an den Haaren herbei gezogen.

byron sully
00
19.1.2012, 15:10

die kritik ist verständlich, aber falsch. aus "mein kampf" wird hin und wieder auch öffentlich gelesen - nicht mit rechtsextremen hintergedanken, sondern ganz im gegenteil, um die grausamkeit daran aufzuzeigen.

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