Griechischer Haircut

Hedgefonds für Menschenrecht auf Gewinn

Daniela Rom, 19. Jänner 2012, 14:23
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    foto: apa

    Als "Heuschrecken" verschrien, gelten Hedgefonds als wenig zimperlich, wenn es um das eigene Geld geht.

Ein erzwungener griechischer Schuldenschnitt würde Eigentumsrechte verletzen, und diese sind in Europa Menschenrechte

Hedgefonds sind imagemäßig eher nicht die großen Sympathieträger. Mit ihrem neuesten Vorstoß könnten sie sich aber endgültig zum unbeliebtesten Kind in der Klasse befördern. Wie die "New York Times" ("NYT") berichtet, wollen Hedgefonds vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) ziehen, wenn Griechenland die Vertragsbedingungen für seine Anleihen ändert. Denn das Land würde damit die Eigentumsrechte der Gläubiger verletzen - und in Europa seien Eigentumsrechte nun einmal Menschenrechte, schreibt die "NYT" unter Berufung auf Rechtsexperten.

Griechenland ist derzeit in Verhandlungen mit dem Internationalen Bankenverband (IIF), dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU, wie ein etwaiger Schuldenschnitt das Land aus seiner Misere befreien oder ihm zumindest mehr Luft verschaffen könnte. Athen will dabei bis 2014 seine Schulden um 100 Milliarden Euro senken. Dazu bedarf es eines freiwilligen Schuldenschnitts von mindestens 50 Prozent, den Banken und Hedgefonds akzeptieren müssten.

Doch momentan stehen die Verhandlungen auf der Kippe. Erzielen die Verhandlungspartner keine Einigung, wird die nächste Hilfstranche wohl auf Eis gelegt werden. Damit steht Athen vor dem Problem, eine Ende März fällige Anleihe nicht mehr bedienen zu können. Das Land wäre dann offiziell pleite. Und die Gläubiger blieben auf ihren mittlerweile wertlosen Papieren sitzen.

Mit Gesetz zur Umschuldung zwingen

Griechenlands Premier Loukas Papademos hatte noch am Mittwoch angedroht, die Gläubiger per Gesetz zum Schuldenschnitt zu zwingen. Griechenland würde seine Anleihen im Nachhinein mit "Collective Action Clauses" (Umschuldungsklauseln) ausstatten. Das würde die Gläubiger dazu zwingen, einen Schuldenschnitt vorzunehmen.

Laut "NYT" wäre diese nachträgliche Vertragsänderung die erwähnte Verletzung von Menschenrechten, gegen die einige Hedgefonds vorgehen wollen. "Es kann nicht sein, dass Angela Merkel entscheidet, wer Verluste hinnehmen muss. Was Europa vergisst, ist, dass Verträge einzuhalten sind", zitiert die "NYT" einen kämpferischen Investor.

Allerdings würde ein Verfahren Jahre dauern, Hedgefonds müssten den gesamten Instanzenzug durchlaufen, bevor sie tatsächlich vor dem EGMR in Straßburg landen würden. Eine Entscheidung, wie es mit Griechenland weitergeht, könnte noch in den nächsten Tagen anstehen. (Daniela Rom, derStandard.at, 19.1.2012)

Kommentar posten
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default-user
12
30.1.2012, 17:24
hier läuft was schief..

Hedgefonds sichern die finanzielle Zukunft ihrer Anleger, während die Politik die Zukunft der kommenden Generationen verkauft.
Aber das eigentlich kranke: Hedgefonds berufen sich dabei auf Gesetze, während Politiker sich über Gesetze systematisch hinwegsetzen.

Aktive Arbeitslose
02
30.1.2012, 16:06
Wessen Eigentum?

Das Grundprroblem ist, dass das "Eigentum" der Reichen druch Raub und Betrug angehäuft wurde, nämlich in dem den Arbeitenden weniger gezahlt wird als sie zum gemeinsam erwirtschafteten Gewinn beitragen und indem die KonsumentInnen mehr zahlen müssen, als die Ware real kostet.

Ohne den Betrug an Arbeitenden und Konsumierenden gäbe es nämlich die Reichen nicht, denn sie haben ihr "Eigentum" ja nicht selbst erarbeitet.

Viele "Eigentümer" wurden ja auch durch mutwillige Enteignung der Allgemeinheit ("Privatisierungen" von Allgemeingut)

So gesehen:

Gewinn = Diebstahl

Kaptialismus = Organisierte Kriminalität

waldenoderlebenindenwäldern
 
00
30.1.2012, 18:30
Das ist nicht zureffend auf alle heutigen

AlliGator
00
20.1.2012, 22:39
Déclaration des droits de l'homme et du citoyen de 1789 - Article XVII

http://de.wikipedia.org/wiki/Erkl... rgerrechte

Peter Pichler
 
01
22.1.2012, 22:01
Warum zitieren sie einen Text der hier gar nicht gilt...

... in der EMRK gibt es keinen §17... und keine Vorgaben zum Eigentumsschutz. Die Uno Deklaration regelt in Abs. 17 die Eigentumsrechte anders.
siehe
http://de.wikisource.org/wiki/Allg... chenrechte

Feuergeist
 
01
20.1.2012, 13:09
Hedgefonds sind doch eher spekulativer Art, oder?

Wenn dem so ist dann haben sich die Betreiber leider verspekuliert.
Mir kommt irgendwie vor das sich alles immer nur darum dreht zu verhindern das irgend welche Leute, die ihnehin mehr Geld haben als notwendig, Verluste einfahren könnten.
Bin jetzt aber sicher nicht der Finanzexperte.

waldenoderlebenindenwäldern
 
01
29.1.2012, 18:14
Doch

bist Du!.Expertentum hat auch mit dem Mut zu tun eine Meinung zu vertreten.Viele Experten sind doch nur geldgierige oder eingeschüchterte Handlanger einer Ausbeuterschicht.

FFluXXuSS
00
20.1.2012, 11:12
Ist schon wieder ein Elektroradl in Peking umgefallen?

Harald Bruckner
04
20.1.2012, 10:58
Wie bei jeder Pleite

Die Gläubiger stimmen einer Vertragsänderung zu und bekommen einen Teil des Geldes, oder sie verweigern und treiben den Schuldner in den Konkurs. Dann bekommen sie noch weniger.
Aber 17 Prozent für dieses Risiko verlangen und das Risiko nicht akzeptieren, ist eine Unverschämtheit.

Herbert Chaos
11
20.1.2012, 12:31

Griechenland geht aber nicht in Konkurs. Es wird lediglich einen Teil seiner Schulden nicht begleichen. Und dass die Gläubiger dies nicht akzeptieren wollen ist doch wohl klar.

QUANTUM
20
20.1.2012, 15:53

nein, das ist nicht klar. wenn ich wette und verliere, habe ich verloren. und kann dann nicht meckern, das ich das so nicht meinte, das gehört sich nicht, und die ganze welt ist schlecht, und und und ...

zuerst genau wissen, die können nicht mehr zahlen und dann noch extra mitspielen, grenzt entweder an irrsinnige naivität oder rücksichtsloses kalkül.

Karl Joda
11
20.1.2012, 21:03
wenn ich wette und verliere, habe ich verloren.

Genau so ist es. Diese Hedgefonds sollten auch mal ruhig pleite gehen können...

fescher79er
62
20.1.2012, 10:14
tschuldigung, Standard...

... aber der Titel dieses Artikels ist einfach nur blöd.
Will man hier bewusst aufhussen, oder wie?
Kampagnenjournalismus? Ist das die neue Richtung die der Standard gehen will?

Contra
01
20.1.2012, 23:02
dann lies mal das hier ...

... http://derstandard.at/132650334... ummer-eins

und beginne bitte mal nachzudenken. CDS haben nur deswegen so ein riesiges volumen in billionenhöhe am markt erreicht, weil damit geld zu verdienen ist.

oder glaubt im ernst wer, dass hier so viel geld ausgegeben wird, um sich gegen ausfälle zu versichern?

morgen war gestern
01
20.1.2012, 10:07

pervers.

Herbert Chaos
02
20.1.2012, 11:38
Wir leben in perversen Zeiten

Ja dass jemand sein vertragliches Recht einfordert ist natürlich pervers. Früher hätte es eine Keule auf den Kopf gesetzt und das Thema wär gegessen...

QUANTUM
01
20.1.2012, 15:54

apropos vertragliches recht. wie oft sind die pensionsverträge schon geändert worden?

morgen war gestern
11
20.1.2012, 13:13

die persersität beginnt bereits dabei, was man vertraglich regeln kann, worauf man spekulieren kann, etc.

beispiel gefällig? spekulation auf nahrungsmittel schafft realen hunger und tötet. lustig? rechtmäßig? normal?

Herbert Chaos
01
20.1.2012, 14:00

Spekulation hat es schon immer gegeben und wird es auch immer geben, denn ob ich Waren zurückhalte in Erwartung höherer Preise oder ob ich sie aus anderen Gründen zurückhalte - Da wird sich nie ein Straftatbestand ergeben können.

An Hunger sind vor allem Kriege und Korruption schuld. Da kann man viel einfacher ansetzen.

Zumal Nahrung verderblich ist glaube ich auch nicht, dass Spekulation so viel zu den hohen Preisen beiträgt. Bedenke bitte auch, dass den hiesigen Bauern höhere Preise gut tun würden.

Um Spekulation einzudämmen hilft nur die Tobin Steuer. Nur solange Staaten wie GB, USA und Andere sich eisern weigern darüber zu reden und solange die Bankenkontrolle sich nicht International vernetzt, kann man daran nichts ändern.

Regis 1
00
26.1.2012, 15:54
Da wird sich nie ein Straftatbestand ergeben können.

alles nur eine frage des wollens ....

morgen war gestern
12
20.1.2012, 15:02

nein, da spekulationen auf grundnahrungsmittel sehr neu sind. die auswirkungen auf den russischen markt 2009/10 sind bereits mehrfach nachgewiesen. die auswirkungen auf die produktion in teilen afrikas ebenso. hier passiert etwas, das wir - wie du schon richtig feststellst - *bisher* nur im zusammenhang mit kriegen kennen.

daraus lässt sich einiges ableiten - bis hin zur auch inhaltlichen analogie zu krieg.

das lässt sich nicht schönreden. "weil man kann" ist keine gute antwort auf "warum".

Herbert Chaos
01
20.1.2012, 19:34

Schauen sie es gibt da einige Dinge die man beachten sollte bevor man unrealistische Forderungen äussert:

1. Spekulation ist genauso alt wie der Handel selbst

2. Es lässt sich nicht einmal genau definieren was Spekulation ist

3. Ökonomisch hat niemand bewiesen wie Spekulation Preise erhöht. Empirische Studien lassen sich immer hinbiegen. Es gibt kein robustes Modell.

4. Nahrung hat auch einen Wert, daher sollte ein Bauer auch so viel für seine Arbeit verdienen wie anderen die diesen Einsatz bringen. Ein Bauer hacklt sich aber zu tode verdient aber recht wenig.

Daraus folgere ich dass man anderswo ansetzen muss, ausser man will mit dem Kopf durch 10 Wände laufen

Nick Tameer
01
21.1.2012, 11:59

Spekulation mag so alt sein wie der Handel, aber in dem Maß, wie die Warenwirtschaft sich ausbreitet und vor allem, in dem kapitalistische Strukturen alle anderen Formen des Wirtschaftens ersetzen, nimmt ihre Bedeutung natürlich zu.

Dass sich Spekulation der genauen Definition entzieht, liegt einfach daran, dass kapitalistisches Wirtschaften per se spekulativ ist - niemand weiß mit Sicherheit, zu welchem Preis er seine Produkte schließlich losschlagen kann, wie eine Aktie schon an
nächsten Tag stehen wird etc. pp.

Wenn spekulative Manöver nicht dazu beitragen könnten, Marktpreise zu beeinflussen, würde wohl niemand zu diesem Mittel greifen. Bekanntlich wird übrigens nicht nur auf hohe Preise spekuliert.

morgen war gestern
02
20.1.2012, 20:31

terminbörsen sind nicht neu, allerdings das bestreben, selbst bei der verknappung nachzuhelfen.

falls es dich wirklich interessiert, ein rechercheanfang könnte sein: http://www.fr-online.de/wirtschaf... 79316.html

http://blog.zdf.de/zdfdasblo... h-und-arm/

Herbert Chaos
11
21.1.2012, 02:17

Ok das ist ein perverser Slogan. Da hast du recht. Trotzdem erfüllen Warenterminbörsen auch wichtige Eingenschaften:

Produktionsunternehmen die prozentuell niedrige Margen erwirtschaften und Rohstoffexzessiv produzieren müssen Hedgen um Preisschwenkungen zu neutralisieren. Andernfalls könnten sie gar nicht präzise Kosten kalkulieren. Angenommen man unterbindet Warenterminhandel, dann kommt es automatisch zu deutlich mehr Firmenpleiten und/ oder weniger Investitionen in die Wirtschaft, dafür mehr in Finanztitel und Derivate.

Na auch ein Armut verursacher

Das Problem ist dass man diese ernsten Themen viel zu plakativ angeht und dadurch in vielen Fällen wahre Problemursachen nicht begreift.

So seh ich das aber ich bin nur ein Poster :)

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