"Wir haben nicht den Anspruch, im Internet den besten Preis zu haben" - Will Amazon mittels Multichannel-Strategie vom Thron stoßen
Der Elektrohandelsriese Media-Saturn hat im vergangenen Jahr nicht gerade positiv von sich reden gemacht. Europas größter Elektrohändler hat den Einzug ins Internet komplett verschlafen und dafür die Zeche bezahlt. Die Neuausrichtung der Kette wurde vom Machtkampf zwischen Ex-Metro-Chef Eckhard Cordes und dem Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals überschattet. Noch nicht ausgestanden ist eine Schmiergeldaffäre bei Media Markt in Deutschland. Österreich sei von all dem nicht betroffen, versicherte Österreich-Chef Frank Kretzschmar am Donnerstag in Wien. Hierzulande sei man "auf dem absolut richtigen Weg", das 2010 gestartete Onlinegeschäft wurde schrittweise ausgebaut.
"In drei bis fünf Jahren wollen wir in Österreich zur Nummer 1 im Onlinehandel werden."
Die Latte legt Kretzschmar sehr hoch: "In drei bis fünf Jahren wollen wir in Österreich zur Nummer 1 im Onlinehandel werden." Unangefochtener Marktführer derzeit ist Amazon. Zur Kritik, dass die Kette zu spät auf den "Internetzug" aufgesprungen ist, meint Kretzschmar: "Wir sind eine große Marke. Wir müssen ein perfektes System bieten, das erwartet der Kunde von uns. Und das hat halt etwas länger gedauert."
"Wir haben nicht den Anspruch, im Internet den besten Preis zu haben"
Das "perfekte System" bei Media Markt heißt nun Multichannel (Mehrkanal), das bedeutet eine Verzahnung der Vertriebskanäle Online und Offline. Wer im Internet bestellt, kann die Ware auch im Geschäft abholen. Laut Kretzschmar werden bereits 46 Prozent der Online-Bestellungen im Markt abgeholt - "weil die Menschen das Produkt gleich haben wollen, und man spart die Versandkosten", so seine Erklärung. Gefällt ein Artikel doch nicht, kann man ihn auch in einer Filiale zurückgeben. Preisvorteile gibt es Online nicht. "Wir haben nicht den Anspruch, im Internet den besten Preis zu haben", so Kretzschmar. Eine stärkere Listung auf Preisvergleichsseiten wie Geizhals soll neue Kunden bringen.
Testmarkt in Europa
Österreich war puncto Onlinehandel der Testmarkt in Europa. Der Startschuss fiel im Mai 2010, seit Juni/Juli 2011 ist die Testphase beendet. Aktuell sind im Netz auf www.mediamarkt.at 3.500 Artikel verfügbar - "und es kommen laufend neue dazu". Bei der gering anmutenden Anzahl der Produkte handle es sich jedoch um die am stärksten nachgefragten Artikel, betonte Kretzschmar. "Mit diesen Produkten machen wir 40 bis 50 Prozent des Umsatzes." Von 2010 auf 2011 habe sich der Onlineumsatz bei Media Markt verfünffacht - allerdings von einer niedrigen Basis ausgehend. Auf die Frage nach konkreten Österreich-Zahlen verwies Kretzschmar auf März. Dann veröffentlicht der deutsche Metro-Konzern, zu dem die Elektrokette gehört, die Bilanz.
Neue Filialen
Auch wenn der Elektrohandel inzwischen schon fast 13 Prozent des Geschäfts im Internet macht und ein Ende nach oben nicht in Sicht ist, hält Media Markt an seinen Filialen fest und will sogar neue aufmachen. Derzeit gibt es 31 Media-Markt-Standorte in Österreich, heuer sollen "in und um Wien" drei neue dazukommen.
Saturn.at
Ein eigener Internetauftritt von Saturn in Österreich soll heuer starten. Details nannte der Österreich-Chef nicht. In Deutschland hat Metro Saturn nach langen internen Debatten im Oktober 2011 mit einem eigenen Shop an den Start geschickt, kommenden Monat soll Media Markt folgen. (APA)