"Chantalismus": Vornamen als Internet-Phänomen

19. Jänner 2012, 17:44
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Ein Blog sammelt Bilder von außergewöhnlichen Vornamen - "Kevinismus" von Satire-Seite kreiert

Auf werdende Eltern kommen viele Fragen zu. In welchem Krankenhaus soll das Kind geboren werden, welcher Elternteil geht in Karenz und auch welchen Namen soll das Kind bekommen? In den letzten Jahren fiel die Wahl scheinbar öfter auf Namen wie "Chantal" oder "Kevin".

"Kevinismus" als Internet-Phänomen

Mittlerweile hat sich auch die Wissenschaft und das Feuilleton damit beschäftigt. "Kevinismus" und "Chantalismus" bezeichnen das Phänomen, dass besonders bildungsferne Schichten zu anglo-amerikanischen Namen greifen. Allerdings gibt es keine Studien, die diese Annahme bestätigen.  Im Internet ist das Phänomen längst aufgegriffen worden.

Uncyclopedia

So stammen die Begriffe "Kevinismus" und "Chantalismus" ursprünglich von der satirischen Internetseite Uncyclopedia. Die Seite definiert die Begriffe als "krankhafte Unfähigkeit, menschlichem Nachwuchs menschliche Namen zu geben." Später wurden die Begriffe von der Wissenschaft übernommen und auch der Begriff Emilismus geschaffen. Dieser beschreibt das Phänomen, dass bildungsnahe Schichten ihren Kindern traditionelle Namen wie Emil geben, um sich damit von den bildungsfernen Schichten abzugrenzen.

"Chantalismus"

Auf dem Tumblr-Blog "Chantalismus" werden Bilder  von Auto-Stickern oder Geburtsanzeigen mit außergewöhnlichen Namen gesammelt. Unter ihnen finden sich Kreationen wie "Walter-Titi", "Soeren Ernesto", "Horst Kevin" oder "Angelina-Joseline". Auf dem Blog wird gefragt: "Wenn Kinder die Eltern für die Namensgebung verklagen könnten, würden sie?"

Nachteile

Viele nicht von "Kevinismus"und "Chantalismus" betroffene Menschen machen sich oft über die ausgefallenen Namen lustig. Aber Studien haben belegt, dass Menschen mit dem Namen "Kevin" im Alltagsleben tatsächlich benachteiligt werden. Es ist für sie viel schwieriger in Single-Börsen erfolgreich zu sein und laut einer Masterarbeit an der Universität Oldenburg erwarten Lehrer von Kindern mit Vornamen wie "Kevin", dass diese schlechter in der Schule sind. 

Beliebte Vornamen

Tatsächlich dürfte das Phänomen aber im Internet größer gemacht werden, als es tatsächlich ist. In Deutschland war "Kevin" 2011 nur auf Platz 119 in der Liste der beliebtesten Buben-Namen. Chantal war gar nur der 395. beliebteste Mädchen-Name. An der Spitze finden sich traditionelle Namen wie Mia, Emma, Hanna/Hannah, Ben, Leon und Lucas/Lukas. (soc)

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