Minus fünf Prozent

Bei Zusatzpensionen wurde wieder gekürzt

19. Jänner 2012, 13:46

Die Bezieher von Firmenpensionen müssen heuer zum größten Teil wieder Kürzungen hinnehmen, rund drei Viertel der Pensionsbezieher sind betroffen

Wien - Die Bezieher von Firmenpensionen müssen heuer zum größten Teil wieder Kürzungen hinnehmen, rund drei Viertel der Pensionsbezieher sind betroffen. Für rund 50.000 der insgesamt knapp 73.000 Bezieher gibt es Kürzungen von durchschnittlich rund 5 Prozent, gab der Fachverband der Pensionskassen heute, Donnerstag, bekannt. Für rund 21.000 Bezieher bleibt die von den Pension gleich bzw. wird sie etwas höher. Das Veranlagungsergebnis lag mit 3 Prozent im Minus. Für Fachverbandsobmann Andreas Zakostelsky ist dies angesichts des Umfeld ein "sehr achtbares Ergebnis".

Wichtig für das Geschäft sei die Langfristigkeit. Im langjährigen Durchschnitt seit Bestehen der Pensionskassen sei die Performance bei plus 5,5 Prozent gelegen, im 3-Jahres-Durchschnitt waren es plus 4,15 Prozent, im 5-Jahres-Durchschnitt 0,29 Prozent und im Zehnjahreszeitraum 2,7 Prozent.

Hauptbetroffen von den Kürzungen sind jene rund 12.600 Pensionsbezieher, die mit einem hohen Rechnungszinssatz von mehr als 5 1/2 Prozent ausgestattet sind. Es handle sich dabei im Wesentlichen um alte Sonderverträge, die in den ersten Jahren nach der Pensionskassen-Einführung aus anderen Systemen in das Pensionskassensystem gekommen seien, so der Fachverband. In diesen Jahren hätten auf dem Kapitalmarkt noch hohe Erträge erzielt werden können. Bei diesen 12.600 Betriebspensionisten mit einen Rechenzins von 5,5 bis 6,5 Prozent handle es sich um 1,6 Prozent aller knapp 800.000 Begünstigen (Anwartschafts- und Leistungsberechtigte), so Fachverbands-Geschäftsführer Fritz Janda.

Bei den rund 21.000 Pensionsbeziehern, die nicht von Kürzungen betroffen sind ,gibt es laut Fachverband für rund zwei Drittel eine Erhöhung von durchschnittlich 1 bis 2 Prozent.

Ende 2011 haben die 17 heimischen Pensionskassen ein Vermögen von 15,46 Mrd. Euro verwaltet, ein Plus von 3,8 Prozent. Die Zahl der Pensionskassenbegünstigten lag bereinigt um Doppelzählungen bei 792.930, davon waren 72.788 bereits Leistungsbezieher. Die durchschnittliche monatliche Zusatzpension lag im Vorjahr bei 502 Euro. Die Pensionskassen seien der größte private Pensionszahler in Österreich.

Veranlagung wird verbreitert

Die österreichischen Pensionskassen haben bei ihrer Veranlagung im vergangenen Jahr die Aktienquote reduziert und wollen künftig breiter investieren. Neben den bestehenden Kommunalfinanzierungen werde eine Beimischung von bis zu 10 Prozent etwa in Pflegeheime oder den sozialen Wohnbau geprüft, so der Fachverband der Pensionskassen. Der Aktienanteil der Pensionskassen lag per Ende 2011 bei 25 Prozent, nach 34 Prozent im Jahr davor.

Die Pensionskassen hätten durch Absicherungsmaßnahmen Aktienrisiko herausgenommen, so Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbands der Pensionskassen und Chef der zu Raiffeisen gehörenden Valida Vorsorge Holding, heute in einer Pressekonferenz. Verantwortlich für die niedrigere Aktienquote sei vor allem das aktive Management gewesen, rund 10 Prozent entfielen auf Kursverluste. Nicht abgesichert habe sich das offene Aktienrisiko im Vorjahr auf 19 Prozent (nach 25 Prozent) verringert.

Das Veranlagungsergebnis der Pensionskassen lag im Vorjahr mit Stichtag 31.12.2011 bei minus 3,01 Prozent, für Zakostelsky angesichts des Umfeld ein "sehr achtbares Ergebnis". An den meisten Aktienmärkten ging es im Vorjahr bergab: So war etwa der Wiener ATX mit rund 35 Prozent im Minus, der deutsche DAX mit rund 15 Prozent und der MSCI World um 5,5 Prozent. Das Pensionskassengeschäft sei langfristig ausgelegt, Kurzfristigkeit heiße hier Zufälligkeit: "Wäre der 31.12. gestern gewesen, betrüge das Minus nur 1 Prozent." Schwankungsrückstellungen hätten im Vorjahr wesentlich dazu beigetragen, die Veranlagungsverluste zu minimieren.

Win-Win-Situation vor Augen

Im Jahr 2011 sei es auch wichtig gewesen, im Bereich der Anleihen zu agieren. Die Veranlagungswelt habe sich geändert, im Sinne der Diversifikation wolle man nun ab dem zweiten Quartal auch in kommunale und gemeinnützige Projekte investieren. Dadurch könnte eine Win-Win-Situation entstehen, einerseits für die Pensionskassen, die eine stabile und anschauliche Veranlagung im Inland vornehmen könnten, andererseits für Pflegeheime und den sozialen Wohnbau, die aufgrund des Rückzugs der öffentlichen Hand dringenden Bedarf an Großinvestoren haben, so der Fachverband. Eine Gesetzesänderung ist dafür nicht nötig.

Die geplante Novelle zum Pensionskassengesetz werde allen Begünstigten etwas bringen, betonte Zakostelsky. Die Beschlussfassung dürfte seiner Einschätzung nach Ende März, Anfang April erfolgen. Von der Möglichkeit eines Umstiegs auf sicherere Veranlagungs- und Risikogemeinschaften (VRG), die mit der Gesetzesänderung kommt, dürften rund 10 Prozent Gebrauch machen.

Die Pensionskassen - sechs überbetrieblichen und elf betriebliche - sind der größte private Pensionszahler. Die Pensionsleistungen beliefen sich im Vorjahr insgesamt auf 510 Mio. Euro, nach 466 Mio. Euro im Vorjahr. Für heuer rechnet Zakostelsky mit Zuwächsen bei den Pensionskassen: Die Zahl der Begünstigen dürfte bis Jahresende um rund 3,6 Prozent auf fast 822.000 steigen. (APA)

 

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angelo6
00
20.1.2012, 18:40
langfristig gibt es nur Pensionskürzungen!

10-Jahres-Performance 2,7 % entspricht in etwas der Inflationsrate. D.h. kaufkraftbereinigte jährliche Pensionskürzungen grob in der Höhe des Rechnungszinses. D.h. auch beim niedrigsten Rechnungszins von 3,5 % in 10 jahren ca. 35 % Kaufkraftverlust. Dazu braucht man keine Pensionskassen - daher Volksbegehren www.stoppdempensionskassenflop.at

Nee-Chee
01
20.1.2012, 11:13
minus drei prozent

sind also ein "achtbares Ergebnis"?
Wow.
guter Mann, was würden Sie dann zB. zu plus 2,3% sagen? Atemberaubend, spektakulär?
https://www.ing-diba.at/sparen

das ist fix
00

ja, die versicherungstypen sind unfähig

jedoch ist die von ihnen verlinkte bank mit vorsichtig zu genießen - im worst case können sie sich an den staat deutschland wenden, weil die ing-diba gar nicht der österreichischen einlagensicherung unterliegt

Die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH

Bertel Mann
00
20.1.2012, 07:24
Und wieder einmal zeigen sich die Vorteile des Kapitaldeckungsverfahren

P.S.: Und wie schön, dass die Nachschusspflicht abgeschafft wurde...

"mir fällt kein nick ein" ist schon vergeben
01
20.1.2012, 08:15

hm, die Nachschusspflicht gibts bei Leistungsorientierten Verträgen noch immer.

Blöd nur, dass die dem "Standard - AWB" meist vorbehalten bleibt und dieser mit Beitragsorientierter Lösung leben muss.

Ludovico Settembrini
02
20.1.2012, 06:51
jaja...dem schuessel seine pensionssaeulen

und finanzminister grasser der den unternehmen das nachbessern geschenkt hat...

Curd Hombre
00
20.1.2012, 08:51
Genau.....

....wo ist er nun - unser größter aller Schweigekanzler?

angelo6
01
20.1.2012, 18:43
in der wohlverdienten Politikerpension von 15.000 € brutto

Hat er sich ja redlich verdient!

der schwitzbär der schwitzt sehr
00
20.1.2012, 03:18
die berühmte 2.Säule..

Grünling
03
20.1.2012, 00:38
dazu passt folgender Standard Titel:

"Mensdorff-Pouilly hat für Millionenhonorar keine Unterlagen"

O5
103
19.1.2012, 23:01

Es WURDE nicht gekürzt - sondern die Wirtschaftsleistung gab nicht mehr her. Eigentlich müssten und sollten also auch die staatlichen Pensionen um 5% reduziert werden - aber der Staat zahlt wieder einmal die Finanzierungslücke von 5%. Natürlich durch noch mehr neue Schulden.

sterngucker
 
01
20.1.2012, 09:11
Die Wirtschaftsleistung ist um 5% zurückgegangen?

Das wäre mir neu.

MUNGO1
00
20.1.2012, 12:02
Man sollte halt den Lügen der Politiker nicht glauben, denn die Krise kommt erst, die Inflation beträgt wesentlich mehr als 3,2% und das Einkommen steigt und steigt-aber nur bei den Politikern und Parlamentariern der Eu! ;-))

europa fassen
00
21.2.2012, 09:54
Kronenzeitungniveau

sterngucker
 
11
20.1.2012, 13:58
So viel Unfug in einer einzigen Überschrift ...

Die Einkommen steigen vor allem dort, wo sie aus Gewinn und Vermögen lukriert werden. Dagegen sind die Gehaltserhöhungen für die paar Politiker Peanuts. Und an der Messung der Wirtschaftsleistung durch das BIP kann man gewiß fundierte Kritik üben, aber sie als "Lüge der Politiker" hinzustellen, verrät nicht gerade Sachverstand. Schließlich zum Thema "Die Krise kommt erst" - das mag sein, aber das wäre kein Grund, Pensionen schon jetzt zu kürzen.

wolken kratzer
 
13
19.1.2012, 23:08

Ein solches System ist aber sinn- und zwecklos. Die Leute zahlen ja ein.

Wenn man 70 oder 80 ist, hat man mehrheitlich kein Interesse am Casino-Kapitalismus.

Trapos Volando
01
19.1.2012, 23:16

Seh ich auch so...

O5
51
19.1.2012, 23:13

Das hat nichts mit "Casino-Kapitalismus" zu tun. Aber man kann nur ausgeben was erwirtschaftet wurde - und wenn die Wirtschaftsleistung so wie derzeit niedrig ist dann kann man nicht aus einem magischen Füllhorn dennoch hohe Pensionen ausschütten.

Vergessen Sie nicht dass die Leute selbst derzeit fast immer weniger eingezahlt haben als sie bekommen - die langfristigen Durchschnittszinsen sind ja selbst in Krisenzeiten meist positiv.

sterngucker
 
01
20.1.2012, 09:21
Demonstrieren Sie mir bitte, wo Sie hier eine "niedrige Wirtschaftsleistung" finden:

http://tinyurl.com/256cq6

Abgesehen von einem kurzen dreiprozentigen Einbruch im Krisenjahr 2009 sehe ich nur einen steilen Wachstumspfad mit über 50% Steigerung seit 1995.

wolken kratzer
 
15
19.1.2012, 23:25

Sorry, aber Wetten auf Gewinne für Zeiten, in denen Ihnen die Haare ausfallen, die zähne auch, das Gerippe nimmer schmiert... Nein danke. Das ist Spaß für saloppe boersenheinis, aber nicht fuer die Breite Masse, die einfach nur in Ruhe alt werden und Dach über Kopf, essen, Aerzte zahlen will (als minimalvariante nach Schuften ein leben lang).

O5
62
19.1.2012, 23:35

Nochmal zum Mitschreiben: das ist keine Wette, und es geht hier nicht um Gewinn.

Aber wer zahlt denn Pensionen? Die Arbeitnehmer. Und wenn die nicht genug produzieren dann ist auch nicht genug für hohe Pensionen da. Genau das passiert gerade.

Man könnte natürlich ganz naiv sagen dass man einen Puffer einbaut damit man in guten Zeiten weniger Pension auszahlt und in schlechten Zeiten mehr - damit die Pensionen stabil bleiben. Dafür gibts ja in Österreich sogar einen staatlichen Ausgleichsfonds. Aber die Gier der Pensionisten war natürlich zu groß, der Fonds ist leer - man wollte nicht für schlechte Zeiten sparen, die Pensionisten haben uns abgezockt. Und halten jetzt schon wieder die Hand auf.

wolken kratzer
 
12
19.1.2012, 23:43

Ich bin kein Mathematiker und ich habe nicht den vollen durchblick... Ok.

Ich finds aber schräg, wenn man den Leuten vorgaukelt, dass sie Geld hier und da anlegen sollen und dann nix rauskommt. Oder weniger, als eingezahlt. Das ist nicht ok, oder?

Ich hab die Lösung nicht im Ärmel. Ehrlich gesagt, ich Denk manchmal, das beste wäre, man wuerde einfach allen das gleiche garantieren können, weder pensis über 2000 noch solche von 700, wo man nicht mal die Wohnung zahlen kann.

Ich mein, es sollten einfach alle wuerdig von dannen gehen können...

O5
41
19.1.2012, 23:53

Damit sorgen Sie aber nur dafür dass die die viel mehr beigetragen haben sich noch stärker betrogen fühlen - und noch stärkeren politischen Widerstand gegen das staatliche Pensionssystem leisten werden.

Warum finden Sie es "OK" wenn mehr rauskommt als man eingezahlt hat? Wer eine Gewinnerwartung haben will muss auch ein Verlustrisiko tragen. Risikofreie Gewinne gibt es nicht, ein Sparbuch ersetzt Ihnen die Inflation, wenn überhaupt.

Die staatliche Pension ist IMHO ein viel größeres Spekulationssystem als jede private Pension - denn sie funktioniert nur deshalb weil wir ständig noch mehr Schulden machen. Das kann, siehe GR, nicht ewig gutgehn.

Für die Bevölkerungsmehrheit wär eine 5%-Pensionskürzung VIEL harmloser als ein Staatsbankrott.

Bertel Mann
00
20.1.2012, 07:22
Wenn jemand beim Umlageverfahren von "...mehr rauskommt als man eingezahlt hat" spricht, ist er nicht mehr ernst zu nehmen

Unabhängig davon, ob er es aus Berechnung (z.B. als Mitarbeiter einer Pensionskasse) tut oder schlichtweg dämlich ist.

Trapos Volando
15
20.1.2012, 00:15

Ich find die idee von einer pensi fuer alle auch sehr gut.

Niemand braucht mehr als 2000, aber keiner kann mit 700.

Ist es nicht schon genug damit, dass manche ihr Arbeitsleben lang mehr geld auf die seiten schaffen koennen als die mehrheit?

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