Telekom-Affäre

Mensdorff-Pouilly hat für Millionenhonorar keine Unterlagen

19. Jänner 2012, 13:09

Lobbyist gibt an, Aufzeichnungen über 2000 Stunden vernichtet zu haben

Wien - "Wos woa mei Leistung" - diese Frage beschäftigt die Staatsanwaltschaft nicht nur beim Ex-FPÖ-Spitzenpolitiker Walter Meischberger, sondern auch bei der millionenschweren Beratungstätigkeit des Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly für die Telekom Austria. Wie das Nachrichtenmagazin "Format" am Donnerstag vorab berichtet, hat Mensdorff-Pouilly vor den Ermittlungsbehörden nicht erklären können, welche Unternehmen er für die Telekom Austria auf eine mögliche Übernahme geprüft hat. Die Unterlagen über seine 2000 Stunden Arbeit habe er vernichtet, nachdem seine Beratung im Herbst 2008 nicht mehr gefragt gewesen sei. Dokumente habe er der Telekom zuvor nicht übergeben. Für die knapp fünfmonatige Suche nach Übernahmekandidaten soll der Lobbyist der teilstaatlichen Telekom 1,1 Mio. Euro verrechnet haben.

Mensdorff steht wegen der - noch immer nicht flächendeckend umgesetzten - Umstellung auf den Behördenfunk Tetron im Visier der Ermittler. Während Mensdorff selber bestreitet, hier jemals Aufträge erhalten zu haben, sollen von Motorola über Umwege mehr als zwei Mio. Euro bei dem Lobbyisten gelandet sein. Dies würden Ermittlungen aus den USA und Österreich nahelegen, so das "Format". Für die 1,1-Mio.-Euro-Zahlung der Telekom Austria kann Mensdorff keine Unterlagen über seine Arbeit vorlegen. Die Ermittler hegen nun den Verdacht, dass es dabei in Wahrheit um Zahlungen im Umfeld des Behördenfunks gegangen sein könnte, heißt es. Bei der Telekom Austria konnten jedenfalls keinerlei Gegenleistungen für den Millionenbetrag gefunden werden. Daher wurde auch dieser Fall vom Unternehmen bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Weil nicht alles versteuert worden sein soll, drohe Mensdorff nun auch ein Finanzstrafverfahren, so der Bericht.

Tetron-Vergabe

Die Vergabe von Tetron wurde unter dem ehemaligen ÖVP-Innenminister Ernst Strasser durchgeführt, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen vermuteter Schmiergelder während seiner Tätigkeit als EU-Abgeordneter ermittelt. Sowohl Strasser als auch Mensdorff-Pouilly haben stets sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen. Laut "Format" hat das ÖVP-geführte Innenministerium bisher die Ermittlungsergebnisse zu der Blaulichtfunk-Causa als "Staatsgeheimnis" behandelt - zum Schutz von Mensdorff-Pouilly, Ehemann von Ex-ÖVP-Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat, wie das Nachrichtenmagazin schreibt.

Das "Format" bringt auch neue Details zur Vernetzung des Tetron-Konsortialpartners Alcatel und dessen Österreich-Chef, ÖVP-Bundesrat Harald Himmer. Demnach wurden bei einer Hausdurchsuchung bei der Firma Valora des Lobbyisten Peter Hochegger auch Rechnungen an die Alcatel-Lucent sichergestellt. Im Juni 2008 stellte Valora etwa die erste Rechnung an Alcatel aus (Titel: "Investitionsklima Festnetzbereich"). "Eine weitere Ausgangsrechnung", so steht es dem Magazin zufolge im Polizeibericht, "enthält die gleiche Rechnungssumme von 117.600 Euro." Adressiert ist die Valora-Faktura "vom 23. Mai 2008 an Generaldirektor Harald Himmer persönlich, Alcatel Lucent Austria". Die Ermittler vermuten, dass Valora als Drehscheibe diente, um dritten Personen Geld zukommen zu lassen. Das Geld floss zeitnah zu den Telekom-Zahlungen an Mensdorff. Himmer hatte die Vorwürfe vehement bestritten, für alle genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung.

Das Auffliegen des Tetron-Skandals Jahre nach der bereits damals sehr umstrittenen Entscheidung von Strasser brachte einige kuriose wie auch für die Republik sehr teure Ungereimtheiten zu Tage. So wurde publik, dass sich bei den Jagden unter der Ägide von Mensdorff-Pouilly auch Michael Fischer (ehedem Organisationsreferent der ÖVP), Philipp Ita (Kabinettschef unter Ex-ÖVP-Innenministerin Liese Prokop), Christoph Ulmer (Leiter des Kabinetts von Ex-ÖVP-Innenminister Ernst Strasser) und Michael Kloibmüller (Kabinettschef von ÖVP-Innenministerin Johanna Mikl-Leitner) einfanden. Letzterer soll der Telekom wegen ihrer Aufklärungsarbeit in Sachen Blaulichtfunk mit "Unannehmlichkeiten" gedroht haben, was dieser heftig bestreitet. Auf der Jagd mit Mensdorff waren auch Markus Beyrer, nunmehr ÖIAG-Chef und Aufsichtsratschef der Telekom sowie Telekom-Aufsichtsrat Franz Geiger. Sie beide stehen nun einer Task Force vor, die die zahlreichen Affären bei der Telekom Austria aufklären soll. An den Korruptions-U-Ausschuss des Parlaments wird die Telekom aber keine Unterlagen liefern, wurde erst gestern vom Unternehmen bestätigt.

Konsortium

Beim einheitlichen Funksystem für alle Blaulichtorganisationen war das ursprünglich erfolgreiche Konsortium bestehend aus Siemens, Raiffeisen, Verbund und Wiener Stadtwerke ("mastertalk") vom Innenministerium wegen mangelnder Leistung ausgeschieden worden - um später dann mastertalk eine Entschädigung von 30 Mio. Euro zu zahlen. Zum Zug kam eine Gruppe um die Telekom Austria, Mensdorff-Pouilly soll dafür von der Telekom und dem Hardwarelieferanten Motorola rund 3,3 Mio. Euro erhalten haben. Die Justiz in Österreich und den USA ermittelt. Bereits im März 2009 übermittelte der BZÖ-Abgeordnete Stefan Petzner der Staatsanwaltschaft Wien eine Sachverhaltsdarstellung, in welcher er den Verdacht des Amtsmissbrauchs und der verbotenen Geschenkannahme durch ranghohe Mitarbeiter des Innenressorts formulierte. Die Konsequenz: Petzner hatte selbst Erklärungsbedarf bei den Staatsanwälten, die wissen wollten, woher er seine Informationen und Fotos von diversen Jagden habe.

Während sich die juristische Aufarbeitung hinzieht, ist mittlerweile klar, dass die Neuvergabe des Blaulichtfunks noch teurer kommt als ursprünglich bekannt war. Das siegreiche Konsortium Tetron schreibt dazu in seiner Bilanz: "Da sich der Ausbau erheblich gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan des Vertrages verzögert hat, werden entsprechende von Tetron zu tragende Mehrkosten aus der Vergangenheit und für den laufenden Betrieb sowie Sonderaufwendungen durch ein erhöhtes monatliches Serviceentgelt des Kunden seit dem 1. Juli 2009 sowie eine Vorauszahlung in Höhe von zwei Mio. Euro pauschal abgegolten ..." Überdies gewährte das Innenministerium damals unter ÖVP-Innenministerin Maria Fekter dem Konsortium Investitionszuschüsse für den digitalen Blaulicht-Netzausbau in der Steiermark.

In Niederösterreich war man 2005 von Investitionen von knapp neun Millionen Euro ausgegangen; die jährlichen Betriebskosten wurden damals mit 300.000 Euro beziffert. 2010 waren die Aufwendungen durch die Decke geschossen: Nun lagen die Investitionskosten bei 24,7 Millionen Euro - das ist beinahe das Dreifache -, und die jährlichen Betriebskosten verdoppelten sich auf 653.000 Euro. Zusätzlich stellte das Innenministerium einen Zuschuss von 5,8 Millionen bereit, um die Blaulichtrealisierung nicht zu gefährden. (APA)

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Lord Lurch
00
25.1.2012, 15:30
Jaja,

die ÖVP ist die Elite, die glaubt sie kann sich alles erlauben. Liebe ÖVP, die Mächtigen können sich heutzutage nie sicher sein, ob sie Ihren ergaunerten Anteil vom Volksvermögen in Wohlstand und Sicherheit verprassen können.

Henry44
00
24.1.2012, 23:32
Wo gibt es einen unerschrockenen Richter,

der diesem über jeden Verdacht erhabenen Bürger den Prozess macht?

Es ist unfassbar, dass wir gewöhnlichen Bürger ohnmächtig zusehen müssen, wie jene Steuergelder, die uns Monat für Monat abenommen werden, von einflussreichen Leuten in Millionenhöhe veruntreut werden.

Der Herr Graf ist genauso glaubwürdig wie der Herr KHG und der Herr Flöttl. Da können Indizien noch und noch vorliegen, aber es ist alles nicht wahr, alles nicht wahr.

Nur böswillige Unterstellungen der Neidgenossenschaft sind das. Der schönste Finanzminister der zweiten Republik hat ja bei seiner Roadshow geradezu gefleht, man möge den Erfolgreichen nichts zu neidig sein und dürfte damit sich gemeint haben.

Österreich ist eine Korruptionsoase, es ist leider wahr.

Ravenhorst
00
24.1.2012, 22:17
Der Menstruations-Bully und seine Sonderschülerin sind wirklich der Hammer

Bonny and Clyda auf Burgenländisch

der elch mit dem kelch
00
20.1.2012, 15:42
1 Mio sind doch Taschengeld

der Flöttl hat Aufzeichnungen über Mrd Beträge durch einen Computer oder Festplattendefekt als verloren argumentiert.

Und die Banditin-Ortner hat das akzeptiert. Heute ist sie irgendwas bei Betrügsbekämpfungorganisationen.

drnknbois
 
02
20.1.2012, 15:09
Warum sitzt der eigentlich nicht

längst wegen Verdunkelungs- und Fluchtgefahr ein?
Bei dem was der alles verbrochen hat, muesste es doch schon längst der Fall sein. Und dieser S*** hat auch noch einen Diplomatenpass? und kassiert überall ?
Wann wird endlich schneller und effizienter gegen diese Personen gerichtlich vorgegangen?

Eigentlich zum kotzen das Ganze, die ganzen Zeitungen nur voll von Korruptions- und Schmiergeldaffären.
Und die Deutschen haben nur den Wulff (wg. 500 tsd), denen würde ich gerne ein paar unserer Herrschaften senden, damit die sehen was eigentlich der Begriff "Pücher" bedeutet.

der elch mit dem kelch
01
20.1.2012, 15:39
Weil wenn der den Mund aufmacht

dann reisst es die halbe Republik in den Untergrund. Der bleibt schön draussen. Dafür sorgen schon die Vorder- und Hintermänner in der ÖVP.

Neues Österreich
00
20.1.2012, 14:40
Hatte er überhaupt Unterlagen! Solche Beträge werden doch auf Zuruf bezahlt oder?

Waldschrat
 
01
20.1.2012, 15:30
Es wurde mich wundern,

wenn es hier um Unterlagen ginge. Wenn man nur Hauptschulabschluss hat, tut man sich mit u.a. mit dem Erstellen von Marktstudien etwas schwer, aber man kann solche durchaus als Arbeitstitel für andere Gschäfterln nehmen.

Hat er sich auch noch an das alte Motto: " Ali ( im Original "Fraunz" ) pass auf, dass uns net dawischn!"
gehalten, dann wird ihm wohl nicht viel passieren können, zumal der trackrecord für ihn spricht, da er bis jetzt eben noch nie "dawischt" wurde. Da is vielleicht die Höchststrafe die Abgabe des Diplomatenpasses.

post.it
00
20.1.2012, 14:34
ist ja schön

dass Mensdorff keine Unterlagen hat. Aber wer von der Telekom hat das Geld angewiesen und wofür ? Welche Summen da im Spiel sind ist ja ein Wahnsinn.

Befreier von Butter und Eier
01
20.1.2012, 13:28
Keine Unterlagen

So ein Zufall aber auch, Sachen gibts....

coffee anyone?
01
20.1.2012, 11:37
Mich wunderts, dass der noch immer so blad is!

Wenn mir dieses Gfries jeden Tag aus dem Spiegel entgegenschauert,
müssts mir jedes Mal den Magen umdrehen...

franzauer
00
20.1.2012, 10:41
7 Jahre

Die behaltepflicht für Finanzamtsunterlagen beträgt in Österreich 7 Jahre. Das gilt für alle Staatsbürger, egal ob sie einem zum Gesicht stehen oder nicht. 2003 und 2004 Unterlagen können daher vernichtet werden

franz der freie
 
01
20.1.2012, 10:51
zahlungsbeläge müssen sie 7 jahre lang aufheben, alles andere nicht.

wenn eine rechnung gestellt und duese bezahlt wird und dann noch versteuert wird, ist rechtlich (fast) alles ok. ihre leistung müssen sie nicht dokumentieren. es genügt eine telefonische information, um millionenzahlungen rechtswirksam auszulösen, wenn es so vereinbart war. wie sich die telekom ihren eigentümern gegenüber für diese zahlungen rechtfertigt, steht auf einem anderen blatt. für mp ist alles gelaufen. es kann ihm gar nichts geschehen, wenn er seine steuern bezahlt hat. was seine leistung war, geht die finanz einen schmarren an.

nina yankow
00
25.1.2012, 15:18

Ein früherer Versuch der Einflussnahme (1993), im Profil beschrieben:

ÖVP-Wehrsprecher Hermann Kraft zog während einer Nationalratssitzung SPÖ-Wehrsprecher Peter Marizzi in eine diskrete Ecke, um ihm ein Angebot zu machen: Beim Kauf eines Regierungsflugzeugs und mehrerer Hubschrauber über British Aerospace könnten zwei Prozent der Kaufsumme für die beiden Parteien herausspringen.

Wie das denn ginge, fragte Marizzi.
Kraft: Wir haben den Grafen.
Marizzi: Welchen Grafen?
Kraft: Den Mensdorff.
Marizzi: Das ist der Repräsentant von der englischen Firma?
Kraft: Konsulent, oder so was.
Kraft wusste nicht, dass Marizzi ein Tonband eingesteckt hatte, das einige Monate später den Weg zum damaligen News-Chefredakteur finden sollte.

nina yankow
00
25.1.2012, 14:46

erstens mal wurde, wie man dem artikel entnehmen kann, offenbar nicht alles versteuert und zweitens ist es nicht primär aus steuergründen von bedeutung, für welche leistungen er das honorar erhalten hat, sondern aus gründen des korruptionsverdachts, des verdachts auf eine einflussnahme auf die entscheidung, an wen der blaulichtfunkauftrag vergeben wird. Das innenministerium hat unter ernst strasser dem ursprünglichen "sieger" den auftrag entzogen, zugunsten des konsortiums, welches "graf lobby" um ca. 3 mio. reicher machte.
diese entscheidung hat den staat zig millionen gekostet.

Wo woar mei Leistung?
02
20.1.2012, 10:32
Ein kluger Kopf braucht keine Unterlagen

Der hat alles im Kopf und auf dem Konto.

Mutbürger
02
20.1.2012, 10:29
A4

wie denn auch, so einen handgeschriebenen A4 Zettel kann man schon mal leicht verlieren.......

somussesnichtsein
00
20.1.2012, 10:27
des ganze schwarz-blaue gsindel

schützt sich gegenseitig!

wer da noch schwarz oder blau wählt muss ja geisteskrank sein!!!!

post.it
00
20.1.2012, 14:38
Was hat

das mit einer Coleur zu tun ? Verbrecher ist Verbrecher gleich welche Coleur

somussesnichtsein
00
20.1.2012, 16:25
die immer wieder vorkommenden

gauner sind schwarz oder blau - das dürfte ihnen entgangen sein.

WRN
00
20.1.2012, 11:28

Wie sie auf die Idee kommen dass schwarz-Blau heutzutage irgendwie den Einfluss haben könnten jemand von der größenordnung zu schützen wird mir wohl ein Rätsel bleiben.

somussesnichtsein
01
20.1.2012, 11:58
mir ist ein rätsel

warum das ganze gsindel noch nicht im häfen sitzt.

offensichtlich läuft da vieles nicht so wie es in einem ordentlichen rechtstaat laufen sollte!

tierschützer werden mit mafiaparagraphen verfolgt.

die abzocker-mafia wird nicht verfolgt!

die justiz ist nicht vorhanden oder korrupt!!!!

Dusty Bottoms
02
20.1.2012, 10:08

Unglaublich, wie wir uns verarschen lassen müssen!

Smoothies? Obst gehört gebrannt
00
20.1.2012, 10:04
Beruhigen Sie sich Ihnen!

Smoothies? Obst gehört gebrannt
01
20.1.2012, 10:05
...

Es ist dem Untertanen nicht gestattet, den Maßstab seiner begrenzten Einsicht an die Handlungen und Entscheidungen der Obrigkeit anzulegen.

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