Internet

Langsam bröckeln die Mauern um die Festung TV

Kolumne | 19. Jänner 2012, 12:33
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    screenshot: derstandard.at

    Im größten Markt, den USA, kommt dies langsam in Gang, Netflix, Hulu oder Amazon bieten bereits umfangreiche Kataloge

Das Internet wird Filmstudios und TV-Sender überholen

Von den vielen Bildschirmen, die uns begleiten, hat sich nur einer dem Online-Paradigma bisher weitgehend widersetzt: der Fernseher. Während PCs, Handys und Spielkonsolen ohne Internetzugang undenkbar sind, fristen die meisten TV-Geräte fröhliches Inseldasein.

Erst Handy und Tablets mit ihren Apps wiesen hier zuletzt den Weg

Das hat mehrere Gründe. Online alleine genügt nicht, Video braucht sehr leistungsfähiges Breitband, und dessen Verbreitung in Haushalten ist weiterhin "Work in progress". Um Internet von der Couch aus gut nutzen zu können, ist ein neues User-Interface nötig: Erst Handy und Tablets mit ihren Apps wiesen hier zuletzt den Weg.

Bei der Hardware stößt eine Technologie mit langsamem Upgrade-Zyklus - der TV-Bildschirm, der fünf bis zehn Jahre Dienst tun soll - mit kurzlebiger Computertechnologie zusammen. Nur wenige Menschen werden bereit sein, ihren (teuren) Fernseher so häufig zu ersetzen wie ihr Notebook oder ihr Handy.

Und schließlich eines der größten Probleme: fehlender On-Demand-Content, vor allem in kleineren Märkten wie in Österreich. Dabei mangelt es nicht an Filmen und TV- Serien, nur an der Bereitschaft der Studios, diese auch online anzubieten.

Aber langsam bröckeln die Mauern um die Festung TV

Aber langsam bröckeln die Mauern um die Festung TV. Bei der Unterhaltungselektronikmesse CES war "Smart TV" (es gibt verschiedene Namen für die vernetzten Fernseher) ein zentrales Thema. Das Szenario entwickelt sich ähnlich wie bei 3-D: Da die Kosten für die Aufrüstung gering sind, werden Onlinezugang und die Fähigkeit, Apps abzuspielen, zum Standard der TV-Mittelklasse. Billige Settop-Boxen ermöglichen die Nachrüstung nichtvernetzter Fernseher.

Das löst das Hardware- Problem und macht den Weg frei für App- und Videoanbieter, die erst bei hinreichender Verbreitung von Online-TV-Geräten Angebote entwickeln werden. Die üblichen Verdächtigen (Youtube, Google, Facebook, Spiele etc.) bedienen bereits diesen Markt, interessant wird jedoch, welche Ideen kleinere App-Entwickler für den großen kommunalen Schirm entwickeln. Denn Internet im Wohnzimmer mit mehreren Zuschauern muss anderes bieten als auf dem privaten Schirm eines Tablets.

Hulu und Co.

Am zähesten geht es bei Videoangeboten voran. Im größten Markt, den USA, kommt dies langsam in Gang, Netflix, Hulu oder Amazon bieten bereits umfangreiche Kataloge - aber die komplizierten Urheberrechte von Filmen bedeuten, dass hier jeder Markt neu verhandelt werden muss. Die EU könnte eine Großtat vollbringen, indem sie endlich für einen gemeinsamen Markt sorgt, oft angekündigt, aber noch nicht geliefert.

Wenn Filmstudios und TV-Sender dies nicht bald selbst schaffen, wird sie der technologische Umbruch überholen. Denn Anbieter wie Netflix beginnen bereits, sich vom Distributor zum Produzenten von TV-Serien zu wandeln und eigenes Programm zu machen. Wenn Youtube und andere erst einmal so bequem von der Couch aus zu bedienen sind, wie der TV-Kanal zu wechseln ist, können neue Produzenten mit wenig Kapitaleinsatz auf den Markt kommen.

Protest

Das private Protestvideo der ORF-Redakteure gibt dafür einen Vorgeschmack: Mit bisher 415.000 Klicks hatte es so viel Zuseher wie eine ZiB 2. (helmut.spudich@derStandard.at
HELMUT SPUDICH, DER STANDARD Printausgabe 19. Jänner 2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2
Otto Normal1
00
26.3.2012, 20:52
Mit dem klassischen Fernsehen

verbinde ich Werbung, Langeweile, Passivität, verstaubte Inhalte und um drei Jahre verzögerte US-Serien!

.gbx
 
00
27.3.2012, 08:09

Vergessen sie nicht die Soaps, die mit immer dem selben Prinzip Monate, wenn nicht sogar Jahre lang laufen!

valcoholic
01
15.2.2012, 10:52
wenn man sich berichte von vor 10 Jahren durchsieht

dann hätte Online auch schon lange Print überholt haben müssen, tatsächlich wird das aber erst in vielen, vielen Jahren der Fall sein (irgendwann zwischen 2020 und 2030), wenn sich die kurven beide weiterhin so annähern, wenn ich mich nicht ganz irre.
Nun kommt das ganze nochmal mit TV und Internet, da kann man sich also schon vorstellen, wie schnell es diesmal geht. Ich gaube, manch ein Analyst und Redakteur unterschätzt gerne mal, dass nicht jeder Mensch in einer Stadt mit toller Internetabdeckung lebt und dass klassische Medien sich nicht ohne Grund so lange behauptet haben. TV hat Vorzüge, die Internet dem User so schnell nicht abnehmen wird und es wird noch Dekaden dauern, bis sich das gravierend ändern wird.

valcoholic
00
15.2.2012, 10:54
womit ich...

... aber auch nicht behaupten will, dass Internet-TV Alternativen nicht durchaus willkommen sind und diese beiden Medien, wie Online- und Printmedien im Zeitungsbereich, nicht ganz einfach koexistieren können. Mir scheint nur, dass letztere Situation von vielen viel zu sehr ignoriert wird. Kein Mensch sagt, dass das eine das andere bedingungslos ersetzen kann/wird.

Anti-Joke Chicken
20
23.1.2012, 12:12
wer ein paar Quellen für Filme hat und auch ein paar gute Abos bei Youtube, braucht echt keinen TV mehr

Deserteur
02
22.3.2012, 21:12

Und wie komme ich dann zu den auf digitalen Spezial-Sendern ausgestrahlten Dokus wie auf BR-Alpha und Phönix...?

Anti-Joke Chicken
00
23.3.2012, 08:07
gute Frage

aber wenn die Mediatheken sich weiter entwickeln wird es auch diesen Content online geben

Deserteur
30
21.1.2012, 22:42
Der ganze englischsprachige Unterhaltungsdreck wird doch nur von denen geschätzt, denen diese Länder und Kulturen sympathisch sind...

Pythagorean triple
00
22.1.2012, 19:49

Die Alternative wäre?

Deserteur
00
22.3.2012, 21:15

Eigene Videos drehen, auf YouTube hochladen und für den Oscar einreichen... ;)

chianti95
00
23.1.2012, 10:18
Alternative zu schlechtem Fernsehprogramm?

Mal kurz überlegen.... was gäbe es da?
- sich mit Freunden treffen
- ein Spaziergang
- mit dem Partner sprechen
- Sport betreiben
- ein Buch lesen
........

Wenn man will, braucht man sich nicht vor dem Fernseher langweilen!

Pythagorean triple
00
23.1.2012, 11:05

Das Kommentar hat natürlich absolut mit meiner Frage zu tun.
Aber jetzt hat man sich die Mühe gemacht und ich will auf die 'Antwort' antworten.
Mit welchem Recht versucht man eigentlich, seine eigenen Hobbies über die von anderen zu stellen und vor allem: Warum glaubt man, dass es anderen gleich viel Spaß macht?

Deserteur
00
21.1.2012, 22:29
Das heißt also, Niko Pelinka hat sich doch glatt für das falsche - weil auslaufende - Medium beworben...

...geht also jetzt vielleicht zu irgendeinem Online-Channel....

Zitronenbaum
01
20.1.2012, 07:32

Offenbar gibts wohl nach wie vor keine Hoffnung endlich mal auch bei uns so einen Dienst wie Hulu oder Netflix einzuführen. /: Mein Internet/TV-Anbieter hat bei seiner TV-Box zwar schon so eine Funktion drauf, nur funktioniert diese nach wie vor nicht. Offenbar liegts aber nicht am Anbieter, sondern eben wegen den ganzen Inhaltsrechtssachen, die solche Angebote scheinbar grundsätzlich bei uns verhindern.

thaelmann-ernstl
10
21.1.2012, 19:47

apple tv. us account anlegen und schon kannst die meisten neuen Serien sehen und bist nicht mehr abhängig vom Geschmack der wurstverkäuferin des orf.

parapente
02
20.1.2012, 06:39
Diese Mauern würden noch viel schneller bröckeln,

wenn wir alle die GIS-Zahlungen einstellen würden!

rote Lola2
00
20.1.2012, 11:50
;-)

das fernsehprogramm als anregung, eine vernünftige dvbt-box ( z.b.: http://tinyurl.com/754qpop ) die auch aufnimmt und vom speicher abspielt, ein 30 jahre alter fernseher, pc mit internet- flat rate und alles wird gut. hardware relativ preiswert zu haben, monatliche belastung günstiger als gis...

hugoundso
38
20.1.2012, 00:39
fernseher?

so einen zeit- und platzverschwender hab ich schon sein jahren nicht mehr im haus.
da läuft eh nur mist oder ist das vielleicht besser geworden? :D

zugegeben ich bin nicht deren klientel. ich schau am liebsten dokumentationen und das wann ich will. nicht am donnerstag um 20:15 oder nachts um 4:00, nein. wann ich will.

Schrei
11
20.1.2012, 09:05
Dokumentationen

Normales Fernsehen bringt da eher weniger. Aber den "National Geographic" Sender der bei Sky dabei ist kann ich nur empfehlen...

0Stoney0
01
23.1.2012, 09:57
DMAX

ist absolut empfehlenswert. N24, und N-TV sollte in diesem Zusammenhang auch noch Erwähnung finden.

Von Sky halte ich nichts. National Geographic alleine würde ich sofort nehmen.

G. Freeman
00
20.1.2012, 00:09
Ich als großer Simpsons Fan

schaue mir jeden abend beim schlafen gehen über Kinox die simpsons an. Als fernbedienung habe ich eine funk-tastatur/Maus - Sleeptimer an und fertig.

Das Gesetz will aber, dass ich, wenn ich die Staffel wechseln möchte, aufstehe und die DVD (habe mir fast alle Staffeln vor Jahren auf DVD gekauft) wechseln muss.
-Sry, aber wenn ich kurz vorm einschlafen bin, werde ich sicher nicht nochmal aufstehen.

Darum warte ich schon seit längerem auf eine Legale Alternative, wie z.B. hulu -vorallem wo heute Megavideo abgedreht wurde. Abgesehen davon sind die Folgen bei Kinox oft durcheinander.

Ich bin ja sogar bereit zu zahlen, so wie die meisten, aber man lässt uns ja nicht, stattdessen werden wir kriminalisiert.

Fairy Tail
01
19.1.2012, 20:14

Nunja, ich machs andersrum. Ich bring nicht das Internet auf die Glotze, sondern verfrachte die Glotze auf den PC/notebook und schaue übers Internet.

Sir Harry....
01
19.1.2012, 19:09
Nix bröckelt....

Außer den verfügbaren Netzwerk-Kapazitäten.

Wenn ein nennenswerter Teil des aktuellen Kabel- bzw. Sat-Angebots über das Internet in die Wohnstuben gelangen wird, wird es zappenduster auf den Schirmen.

Aktuell bekommen alle Mobilfunkanbieter riesige Probleme, weil der Smartphone-Boom die Funknetze zu sprengen droht.

Ausbau der Internet-Infrastruktur ist sehr teuer, und wenn die Datenmengen noch schneller zu steigen beginnen, wird sie einfach nicht mehr funktionieren.

trespasser
 
02
20.1.2012, 08:54

Die Kapazität des Netzes ist da (weniger) ein Problem (INet nicht Mobil)., wenn man die Server in Ländern verteilt, nur erfordert eine Srv-Client Architektur, dass jeder Stream mehrfach gesendet wird, Da gehört die Infrastruktur angepasst, sonst braucht zu viele Server-Farmen um das zu bewältigen (Geld- + Energieverbrauch- + Datenverschwendung). Hier gehören intelligente Peer2Peer + Multicastkonzepte her. Diese befinden sich derzeit in einigen Forschungsprojekten in der Entwicklung/Testphase. Dann spielt auch das Srv-Verteilung nicht so eine große Rolle und die Kapazitäten werden intelligent genutzt. Nagle mich auf den Namen nicht fest, den habe ich vergessen.

Bernout
 
01
19.1.2012, 17:38
"Aber langsam bröckeln die Mauern um die Festung TV"

Die Entwicklung geht momentan eigentlich in die andere, reaktionäre Richtung: unter dem Banner von SOPA&Co versammeln sich alljährlich die "old media"-Konzerne, die am liebsten sowieso das ganze Internet 2.0 wieder abdrehen und die Leute zurück vor den Fernseher zwingen würden.

Selbst wenn dieser Kampf dann endlich vorüber ist, werden wir in Österreich immer noch im Gatsch sitzen:
Ordentliche On-Demand Angebote, Flatrate (á la Netflix) usw. wird es bei uns erst in Jahrzehnten geben und (um jeden Cineasten vor den Kopf zu stoßen) dann aus Lizenzgründen eh wieder nur mit deutschem Synchrogequatsche.

Nein, nein: so schnell wird dieses Bollwerk nicht zusammenbrechen. Ohne Proxy oder Raubmordkopieren geht nix.

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