Hyperinflation in Weißrussland, schwache Konjunktur in Kernmärkten, Dividendenkürzung, Korruptionsskandal und jetzt Herabstufung
Wien - Kein Monat ohne Hiobsbotschaft von der Telekom Austria (TA). Nach massiven Währungsturbulenzen in Weißrussland, die eine Redimensionierung des Ergebnisses erwarten lassen, und der im Dezember angekündigten Dividendenkürzung für 2011 und 2012 brachte die US-Ratingagentur Moody's am Donnerstag A1 um sein letztes großes A in der Langfrist-Bonitätsbewertung.
A1 notiert nun in der B-Kategorie, das Langfrist-Rating sank um einen Punkt von A3 auf Baa1 - allerdings mit stabilem Ausblick. Der Schritt kommt nicht ganz unerwartet (der Ausblick war zuvor negativ gewesen), aber zur Unzeit. Denn im Gefolge der inflationsbedingten Probleme mit der weißrussischen Tochter Velcom erwarten Analysten und Investoren eine Gewinnwarnung. Der Grund: Die TA-Führung muss die seit 2007 angehäuften Assets der Tochter in Minsk gemäß Jahresschlusskurs des weißrussischen Rubels zunächst neu be- und aufwerten, Impairmenttests durchführen und dann entsprechend abwerten.
Diese Abwertung - Analysten der Berenberg-Bank warnten bereits im November vor einer Belastung von bis zu 400 Millionen Euro - wird dann voll auf das Ergebnis durchschlagen. Wie viel danach vom erwirtschafteten Gewinn - 2010 wies die Telekom 195 Millionen Euro aus - noch übrig bleibt, ist die Rechenaufgabe, die Telekom-Buchhalter und Wirtschaftsprüfer nun lösen müssen.
Usman Ghazi, Analyst der Berenberg-Bank, hält die Entwicklung in Weißrussland nach der Währungsabwertung um 50 Prozent und der Hyperinflation für besonders unsicher. Auch Moody's schätzt die operative Performance als schwach ein, weil das wirtschaftliche Umfeld nicht nur in Österreich, sondern in allen zentral- und osteuropäischen Ländern, in denen die Telekom-Gruppe aktiv ist, schwach sei.
In der Telekom reagierte man auf das Downgrade betont nicht-nervös. Moody's hätte die TA immer höher bewertet als Konkurrent S&P, weil der 28,4-prozentige Staatsanteil als Asset eingestuft worden sei. Nun hätten die beiden Bonitätsbewerter sozusagen gleichgezogen.
Ohne Staatsbesitz läge das Stand-alone-Rating der Telekom übrigens noch einen Punkt niedriger bei Baa2, schreibt Moody's.
Den Vorwurf, eine Gewinnwarnung wäre spätestens seit der Dividendenkürzung vor Weihnachten überfällig, weist man in der TA scharf zurück. Ohne stabile, verlässliche Zahlen seien die von der Tochter in Minsk ausgehenden Ergebnisauswirkungen nicht valide bezifferbar und ein Profit-Warning schlicht unseriös. Wiewohl das Unbehagen steigt: Dass die Klarstellung erst mit dem Jahresabschluss 2011 am 22. Februar erfolgen wird, erwartet man in Investorenkreisen auch nicht.
Würde sich die Staatsholding ÖIAG auf unter 20 Prozent zurückziehen, was der stabile Kernaktionär nach jüngsten Aussagen nicht vorhat, wäre die TA noch einen Punkt im Rating los. (Luise Ungerboeck, Lukas Sustala, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 20.1.2012)