TA-Rating

Baa1 statt A3 für A1

19. Jänner 2012, 18:07

Hyperinflation in Weißrussland, schwache Konjunktur in Kernmärkten, Dividendenkürzung, Korruptionsskandal und jetzt Herabstufung

Wien - Kein Monat ohne Hiobsbotschaft von der Telekom Austria (TA). Nach massiven Währungsturbulenzen in Weißrussland, die eine Redimensionierung des Ergebnisses erwarten lassen, und der im Dezember angekündigten Dividendenkürzung für 2011 und 2012 brachte die US-Ratingagentur Moody's am Donnerstag A1 um sein letztes großes A in der Langfrist-Bonitätsbewertung.

A1 notiert nun in der B-Kategorie, das Langfrist-Rating sank um einen Punkt von A3 auf Baa1 - allerdings mit stabilem Ausblick. Der Schritt kommt nicht ganz unerwartet (der Ausblick war zuvor negativ gewesen), aber zur Unzeit. Denn im Gefolge der inflationsbedingten Probleme mit der weißrussischen Tochter Velcom erwarten Analysten und Investoren eine Gewinnwarnung. Der Grund: Die TA-Führung muss die seit 2007 angehäuften Assets der Tochter in Minsk gemäß Jahresschlusskurs des weißrussischen Rubels zunächst neu be- und aufwerten, Impairmenttests durchführen und dann entsprechend abwerten.

Diese Abwertung - Analysten der Berenberg-Bank warnten bereits im November vor einer Belastung von bis zu 400 Millionen Euro - wird dann voll auf das Ergebnis durchschlagen. Wie viel danach vom erwirtschafteten Gewinn - 2010 wies die Telekom 195 Millionen Euro aus - noch übrig bleibt, ist die Rechenaufgabe, die Telekom-Buchhalter und Wirtschaftsprüfer nun lösen müssen.

Usman Ghazi, Analyst der Berenberg-Bank, hält die Entwicklung in Weißrussland nach der Währungsabwertung um 50 Prozent und der Hyperinflation für besonders unsicher. Auch Moody's schätzt die operative Performance als schwach ein, weil das wirtschaftliche Umfeld nicht nur in Österreich, sondern in allen zentral- und osteuropäischen Ländern, in denen die Telekom-Gruppe aktiv ist, schwach sei.

In der Telekom reagierte man auf das Downgrade betont nicht-nervös. Moody's hätte die TA immer höher bewertet als Konkurrent S&P, weil der 28,4-prozentige Staatsanteil als Asset eingestuft worden sei. Nun hätten die beiden Bonitätsbewerter sozusagen gleichgezogen.

Ohne Staatsbesitz läge das Stand-alone-Rating der Telekom übrigens noch einen Punkt niedriger bei Baa2, schreibt Moody's.

Den Vorwurf, eine Gewinnwarnung wäre spätestens seit der Dividendenkürzung vor Weihnachten überfällig, weist man in der TA scharf zurück. Ohne stabile, verlässliche Zahlen seien die von der Tochter in Minsk ausgehenden Ergebnisauswirkungen nicht valide bezifferbar und ein Profit-Warning schlicht unseriös. Wiewohl das Unbehagen steigt: Dass die Klarstellung erst mit dem Jahresabschluss 2011 am 22. Februar erfolgen wird, erwartet man in Investorenkreisen auch nicht.

Würde sich die Staatsholding ÖIAG auf unter 20 Prozent zurückziehen, was der stabile Kernaktionär nach jüngsten Aussagen nicht vorhat, wäre die TA noch einen Punkt im Rating los. (Luise Ungerboeck, Lukas Sustala, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 20.1.2012)

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11 Postings
chiwato
01
19.1.2012, 21:01

die investitionen in der vorzeige-demokratie belarus unter völlig transparenten umständen zu äußerst günstigen konditionen müssten den vorständen karmamäßig mindestens fünfhundert reinkarnationen als amöben einbringen.

theoperator
01
problematisch ...

wie alt werden amöben? Da muss es doch bessere alternativen geben ...

Diplomatenpass a.D.
24
19.1.2012, 14:22

Baa Baa Telekom!

Nebelscheinwerfer
02
19.1.2012, 17:23
Warum sie ...

... sich über den Niedergang eines Unternehmens freuen, welches 1000en Menschen Arbeit bietet freuen wissen sie wahrscheinlich selbst nicht.

Mazzesinsulaner
 
00
25.1.2012, 08:50

es freuen sich ja auch die Poster, wenn Schlecker, der immerhin 30.000 Leuten Arbeit gibt, pleite geht.

Man kann zum Unternehmen stehen wie man will, Arbeitsplätze werden dennoch geschaffen.

Easy Rawlins
00
20.1.2012, 09:28

Wer von diesem Unternehmen in der Vergangenheit gefrotzelt wurde, weiß warum.

Diplomatenpass a.D.
00
19.1.2012, 21:57

Ich kenne das Unternehmen von innen und weiß, dass sich, wenn überhaupt, nur etwas ändern wird, wenn ihm der Wind ins Gesicht bläst.
Leider ändert das am wenigsten an den Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter. Diese sind jetzt schon nicht so lustig, wenn auch sicherlich besser als bei manch anderen Mitkonkurrenten.

Die grausame Realität 2012
00
19.1.2012, 20:00

Vielleicht, weil es einem anderen Unternehmen weicht, das Geld für die anständige Bezahlung seiner Mitarbeiter statt für Korruption verwendet.

ad vocem
00
19.1.2012, 20:14
Ich glaub nicht ...

... dass bei TA die Leute weniger verdienen als in den anderen Telekom-Unternehmen. Schon gar nicht diejenigen, die schon lange dabei sind.

Die grausame Realität 2012
00
19.1.2012, 22:06

Jene, die lange dabei waren, wurden aus Telekom abgeschoben (verleast, Personalpool): Abtausch Kompetenz gegen billige Arbeitskräfte.
Finanziert von unseren Steuern, schlechter Service für die Kunden.

ict log
01
19.1.2012, 19:21
nein es geht ...

... nicht ums freuen, dass die ta ein problem hat.
das problem liegt im management und der öiag und da gehört schleunigst was zu ändern.

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