"Yoga wird zu extrem praktiziert"

Interview | Regina Philipp, 19. Jänner 2012, 12:12
  • Johannes Gänzer ist leitender Oberarzt an der Abteilung für Innere Medizin im Landeskrankenhaus Hall in Tirol. In verschiedenen Vorträgen hat er sich mit Yoga aus medizinischer Sicht auseinandergesetzt.
    foto: johannes gänzer

    Johannes Gänzer ist leitender Oberarzt an der Abteilung für Innere Medizin im Landeskrankenhaus Hall in Tirol. In verschiedenen Vorträgen hat er sich mit Yoga aus medizinischer Sicht auseinandergesetzt.

  • Schwierige Verrenkungen und komplizierte Positionen machen Yoga zu einem Sport mit hohem Verletzungsrisiko.
    foto: reuters/andrew kelly

    Schwierige Verrenkungen und komplizierte Positionen machen Yoga zu einem Sport mit hohem Verletzungsrisiko.

Der Tiroler Mediziner Johannes Gänzer kann der Kritik an der Entspannungslehre Yoga einiges abgewinnen - Generell davon abraten würde er nicht

Die "New York Times" hat dieser Tage die Yoga-Fangemeinde in helle Aufregung versetzt. Der Redakteur William Broad berichtet von schweren gesundheitlichen Schäden. Der Yoga-Lehrer Glenn Black ist der Meinung, dass die meisten Leute Yoga wegen der hohen Verletzungsgefahr aufgeben sollten. Der Tiroler Internist Johannes Gänzer erkennt die gesundheitlichen Gefahren des Massensports und empfiehlt, moderate Formen zu praktizieren.

derStandard.at: Ist Yoga tatsächlich so gefährlich?

Johannes Gänzer: Auch mir ist im Bekanntenkreis bereits aufgefallen, dass Yoga immer häufiger Verletzungen nach sich zieht. Ich führe das darauf zurück, dass Yoga zum Massensport geworden ist und in vielen Fällen extrem praktiziert wird. Es ist genau so wie von der "New York Times" beschrieben: Immer mehr Leute gehen über ihre eigenen Grenzen hinaus, machen sehr komplizierte, zum Teil auch gefährliche Übungen wie schwierige Asanas (Körperhaltungen, Anm.) und erhöhen damit das Risiko, sich zu verletzen. 

derStandard.at: Also besser gar nicht erst anfangen?

Gänzer: Nein, denn in Summe betrachtet hilft Yoga mehr, als es Schaden verursacht. Es ist wie beim Skitourengehen. Natürlich gibt es auch Lawinentote, aber die meisten Tourengeher profitieren gesundheitlich von diesem Sport. 

derStandard.at: Für wen ist Yoga geeignet?

Gänzer: Für jeden, es hängt aber von der Art des Yogas ab. Es gibt ja hunderte verschiedene Richtungen, und insbesondere der Iyengar-Stil, der viel über die Wirkung von Asanas arbeitet, ist für die Allgemeinheit wenig geeignet. Andere Yoga-Formen, die ihren Schwerpunkt mehr auf Meditation legen, kann jeder praktizieren. Das Problem ist, die Menschen finden sich in dem Yoga-Dschungel nicht mehr zurecht und achten nebenbei viel zu wenig darauf, was ihnen ihr eigener Körper sagt. 

derStandard.at: Mit welchen Schäden muss man unter Umständen rechnen?

Gänzer: Im Wesentlichen mit Wirbelsäulenschäden. Die neurologischen Schäden, die der Redakteur William Broad beschreibt, sind vor allem Bandscheibenvorfälle, die mit nervalen Schäden einhergehen können. 

derStandard.at: Hormon-Yoga für Frauen in den Wechseljahren boomt im Moment. Ist das noch seriös?

Gänzer: Das scheint tatsächlich zu funktionieren, allerdings ist hier weniger die körperliche als die spirituelle Komponente ausschlaggebend. In einer Studie wurde dokumentiert, dass Meditation Einfluss nimmt auf Entzündungsparameter im Blut und dass Wechselbeschwerden wie die Hitzewallungen deutlich besser werden. 

derStandard.at: Die positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System ist unbestritten?

Gänzer: Ja, und auch logisch erklärbar. Yoga beeinflusst das vegetative Nervensystem positiv, indem es den Sympathikus hinunterreguliert und den Parasympathikus aktiviert. Das hat Auswirkungen auf den Blutdruck und nachfolgende Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch dafür sind vor allem die Entspannungs- und Atemübungen verantwortlich. 

derStandard.at: Was empfehlen Sie dem Laien, der sich für Yoga interessiert?

Gänzer: Es zu machen und den Fokus auf meditative Elemente zu legen. Letztendlich ist immer die Frage, wie man Yoga betreibt. Mit moderaten kleinen Schritten sind zwei Drittel aller Übungen für die meisten Menschen gefahrlos machbar. Möglichst schnell im Handstand verkehrt die Füße nach hinten zu bringen, sollte aber auf keinen Fall das Ziel sein. (derStandard.at, 19.1.2012)

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alternativ schlage ich skitourengehen und dabei rosenkranzbeten vor

Übrigens,

die Sportart mit den meisten Verletzungen (nur Innländer) ist - nein nicht Schifahren, sondern Fussball...

(pro Jahr mehr als 30.000 Einlieferungen direkt vom Rasen ins Spital )

wenn ich mir den dicken auf dem blauen ball ansehe, bekomme ich einen bandscheibenvorfall

Leistungs-Sport vs. Meditation

Das Ganze hat nichts mit Yoga zu tun - wann wird mit diesem Mythos endlich aufgeräumt?

Wir sind eine Leistungs-Gesellschaft, auch in der Freizeit. Sport wird generell zu sehr auf Druck betrieben, man denke nur nach Marathon nach einem halben Jahr Lauftraining. Schneller, höher, weiter.
Yoga wird als Sport angesehen, also auch hier: Leistung.

Es ist aber ein grober Irrtum, Yoga, wie Qigong und TaiChi, als Sportarten zu deklarieren. Es handelt sich hier um Bewegungslehren, bei denen nicht der Körper und deren Beweglichkeit im Vordergrund steht, sondern die Harmonie zwischen Körper und Geist. Es geht nicht um "wer dehnt mehr", sondern "wie sehr kann ich innerlich loslassen".
Bewegungslehre heißt: fließende Meditation - für Körper und Geist.

Ich bin bei Ihnen, dass das Leistungsdenken hier ein Riesenproblem ist.

Die Frage ist nur, wer "wir" ist. Ich warne vor der Verherrlichung des "spirituellen" Indien. Was dort Asketen und Gurus aufführen, ist meinem Eindruck nach mindestens so egomanisch und leistungsbezogen wie alles, was man im Westen sieht.

autobiografie eines yogi

es ist zwar seit jahrzehnten ein bestseller, also alles andere als ein geheimtipp, aber es gibt einen ganz guten einblick in das spirituelle indiens -> http://tinyurl.com/724elx4

ist ganz gut, wenn mand as mal vorausschickt, bevor man daran geht, yoga zu praktizieren ...

Was sie als "egomanisch" und "leistungsbezogen" ansehen, wird einer der von ihnen kritisierten wohl als "Selbst-Transzendenz" bezeichnen.
"Dabei geht es jedoch nicht um Rekorde oder Sekunden, sondern darum, meine Grenzen kennen zu lernen und dann über diese hinaus zu wachsen." (Zitat Jewgenij Kuschnow - Kursleiter im Wiener Sri Chinmoy Center)

noch besser :)

ein einziger Widerspruch

Yoga ist das, was die Menschen praktizieren, also eben Weltkrieg, Kuchen oder eben ..
Yo heist Vereinigung, aus dem deutschen (pardon, sanskrit) Stammwort "Joch", mit dem -was "ga".. göttlich ist" ..

Verrenkungen passieren, wenn man versucht täglich 2 h auf der Spitze einer Nadel mit der Nase jongliert

An alle die schreiben wer an seine Grenzen geht macht kein Yoga: ich dachte man soll eben bis an die Grenzen dehnen bei den Übungen, nur halt nicht weiter? Wenn man jedes Mal bis zur selben Stelle dehnt, wird sich wahrscheinlich nicht viel tun oder? Ich lauf auch beim joggen bis an meine Grenzen, sonst würd ich heut noch nach 15 Minuten KO gehen.

Ich seh ihn vor mir, 100kg auf 180cm,

Bier in der Linken, Tschick in der Rechten: " Die depatten Spurtler und Müslifresser, steam olle umasonst. Die Äpfe san gspritzt, des Yoga ungsund und dann sterbens beim Marathon wia die FLiagen. Prost, hat wer a Feuer?" (Friedhofsjodler im Hintergrund)

Die Diskussion zeigt, dass niemand auch nur eine AHnung von Yoga hat, Yoga ist kein Dehnungswettbewerb, ich mach kein Yoga, aber habs probiert und wurde immer gut instruiert.

Aber ich kenne keine Yogapraktikanten (und ich kenne viele, ist in meinem Sport sehr verbreitet), die nicht an Lebensqualität und Freude (Freude, nicht SPASS, das lassen wir der Sauffraktion) enorm gewinnen.

Mein Yoga ist das Laufen und Radfahren ... aber ich verstehe jeden, ders tut. Nicht redet. Praktiziert.

Nur Säufer haben Spaß?

Irgendwas Ungesundes brauchen manche Leute anscheinend. Gscheiter Patañcali wie Hubbard.

solln's halt zumba machen...

ohm. das bringt was

sunst is fir de wirscht, denk ich mal

Wer sich schon um geistigen als auch körperlichen Ausgleich und Entwicklung bemühen möchte, der muss nicht in den nächsten Yogaklub (oder wie man das auch immer nennt ) rennen. Für den Geist hat die altgriechische Kultur wohl schon genug getan, ebenso für den Körper. Es wäre leichter sich an diesem Ideal zu orientieren als irgend einen importierten Trend hinterher zu rennen.

Naja nein, nicht ganz. Sich aus allen Kulturen das Beste zu holen ist ja prinzipiell kein Fehler, oder? Und dass meditative Atemübungen helfen, ist unbestritten. Ebenso wie (Selbst)hypnose. Freilich könnte es all das in Griechenland auch gegeben haben - davon gehört habe ich jedenfalls noch nie. Dass die Griechen großartige Gedankenkonstrukte hervorgebracht haben, auch - aber "Geist" ist ja nicht dasselbe wie "Denken"; oder wenn doch, dann bleiben die Zusammenhänge zwischen Körper und Emotion davon unberührt, und brauchen halt einen andern Namen.

Yoga wurde von den Griechen importiert, siehe Platon(s Seelenlehre..) aber das ist philosophie, wie sie keiner kennt

Belege bitte. Finde weder im Phaidon, in der Apologie des Sokrates, Euthyphron oder Kriton konkretes dazu. Auch im Timaios, oder der Politeia sind mir keine Stellen bekannt. Natürlich kann man das alles versuchen in die Richtung zu interpretieren. Wobei auch das nicht schlüssig möglich ist, denke ich.

finde nichts komnkretes..
wie sollte das auch möglich sein bei Platon..

"„würde nicht ebenso, lieber Kebes, wenn alles zwar stürbe, was am Leben Anteil hat, nachdem es aber gestorben wäre, das Tote immer in dieser Gestalt bliebe und nicht wieder auflebte, ganz notwendig zuletzt alles tot sein und nichts leben?"..

Sie werden sicherlich die dazugehörende Quelle finden!

findet nicht .. konkretes zur Seelenwanderung?

Geh bitte, wie wäres mit Sachwaltschaft des Verstandes!

ahaha, danke damit weiß ich nun, dass sie ähm...eine sehr spezifische lesart an den tag legen.

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