Ratingagenturen "neu"

Triple-E

Leser-Kommentar | 19. Jänner 2012, 09:53

Warum wir eine Ethik-Ranking-Agentur brauchen

Den "Märkten" war der Verlust des AAA relativ egal oder sie haben - glaubt man anderen Analysten - die Herabstufung bereits vorweggenommen, quasi unabhängig vorausblickend agiert. Die Ratingagenturen wollen sich mit ihren Bewertungen - laut eigenen Aussagen - definitiv nicht in die Politik einmischen. Und die Politik wiederum kritisiert zwar die Vorgangsweise der Ratingagenturen, will sich aber im Handeln nicht davon beeinflussen lassen. Notfalls werde eine eigene Ratingagentur gegründet, die dann vermutlich aber keinen großen Stellenwert haben würde, weil diese Ratingagenturen ja weder die Märkte noch die Politik beeinflussen und dies vor allem selbst auch gar nicht beabsichtigen ...

Ethik wieder in den Vordergrund

Geht's eigentlich noch?! Seit mittlerweile mehreren Jahren dominiert dieses Schauspiel der sich in Lichtgeschwindigkeit aneinanderreihenden Krisengipfel die halbe Welt, unterbrochen nur vom Stakkato neuer Ratings und neuer "Rettungsschirm-Aktionen". Das Diktat des Handelns um jeden Preis dominiert und zwingt seither das Nachdenken über Ethik und Ursachen in den Hintergrund.

Aber es könnte Abhilfe geschaffen werden, und zwar für all jene schlaflosen Fonds-Manager, Politiker und von Sparpaketen in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdeten Menschen, indem künftig die ethische Verantwortung zum Maßstab für Entscheidungen gemacht wird. Eine bloße Träumerei oder eine reale Option durch die Gründung einer (europäischen) Ethik-Ranking-Agentur?

EEE-Ranking

Wer könnte an einem Ethik-Ranking für Fonds, Banken, Unternehmen Interesse haben? Zunächst die Zivilgesellschaft, die es satt hat, zum bloßen Spielball der Finanzmarktkrise geworden zu sein, jeglicher unmittelbarer Einflussmöglichkeit beraubt und doch in der Folge von allen Entscheidungen teils heftig betroffen. Dann die Politik, die eine Exit-Strategie in Wahrheit dringender braucht als einen Bissen Brot. Und letztlich natürlich die Finanzwirtschaft selbst. Zusätzlich jene Unternehmen, die immer stärker neue Stabilitäten suchen und dafür sogar bereit wären, nachhaltige und ethische Kriterien in den Vordergrund ihrer künftigen Strategien zu stellen.

Das wäre doch was, Aktien von einem Triple-E-Unternehmen zu kaufen, in Triple-E-Fonds zu investieren und Triple-E-Produkte kaufen zu können. Der Politik wünsche ich endlich ein "erleichterndes Gipfeltreffen", bei dem die zentralen Kriterien für das künftige E-, EE- und EEE-Ranking festgelegt und die formalen Voraussetzungen für die Gründung der Ethik-Ranking-Agentur fixiert werden. (Leser-Kommentar, Fritz Holzinger, derStandard.at, 19.1.2012)

Autor

Fritz Holzinger ist seit vielen Jahren im Bereich politischer Strategie tätig.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 47
1 2
tablespace65
00
23.1.2012, 12:49
"Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral"

Wenn den Menschen ernsthaft ein wenig an "Ethik in der Wirtschaft" liegen würde, dann gäbe es die Hedge-Fonds, die Rating-Agenturen, den Strukturvertrieb etc. schon längt nicht mehr.

Heutzutage ist ja nicht einmal mehr "die öffentliche Hand" daran interessiert, ihre Entscheidungen auf einer ethisch sinnvollen und akzeptablen Basis zu fällen. Im Gegenteil, aus lauter Angst vor einer möglichen "Gemeindepleite", aus lauter Angst vor einer schlechten "Bewertung" durch eine dieser Rating-Agenturen, aus lauter Angst, ein paar Wählerstimmen verlieren zu können, wird nur mehr nach rein "wissenschaftlich-ökonomischen und angeblich analytischen Fakten" entschieden...

Cote 304
00
20.1.2012, 10:23
Recht nett

Nur sind die meisten Menschen auf ihren eigenen Vorteil bedacht, und da ist Ethik zweitrangig.
Wir alle wissen, unter welchen Bedingungen das billige Kleidungsstück entstanden ist.
Wir alle wissen, dass das billige Fleisch aus einer Massentierhaltung kommt.
Wir alle wissen, dass die meisten unserer Rohöl- und Gaslieferanten es mit den Menschenrechten nicht so genau nehmen.
.
.
.

thopesta
00
20.1.2012, 09:11
Spitze Feder - konkrete Angebote

Gratulation zu einem längst überfälligen Kommentar. Mit spitzer Feder haben Sie den Nagle auf den Kopf getroffen. Doch es gibt auch jetzt schon - wenn auch im kleinen - die Angebote von Vorreitern des ökolgischen, nachhaltigen und sozialen Wirtschaftens die ein Triple-E verdienen würden. Oikocredit, die Genossenschaften erneuerbarer Energienutzung mit BürgerInnenbeteiligung....
Es gibt sie - nur müssen sie die hier Triple-E FreundInnen auch nutzen, damit sie bekannt werden und wachsen können....

chrilly donninger1
01
20.1.2012, 09:06
Es wären relativ banale und systemimanente

Massnahmen wie die Margins erhöhen wesentlich effektiver um die Spekulation einzuschränken.
Man kann auch diskutieren ob S&P den Job gut tut. Aber es sind klassische Ratingagenturen durchaus nützlich.
Wer glaubt man kann bzw. sollte sie abschaffen hat vom Finanzgeschäft nix begriffen.

her wig
00
20.1.2012, 09:02
Geldanleger

sind die einzige Zielgruppe für Ratings. Die Zivilgesellschaft und die Politik betrifft das nur insofern als es um das eigene Geld geht - und zwar jenes das man zu viel hat und daher an andere verleiht.

Aber da man über Geld nicht spricht, wird es wohl beim hohlen Gerede über EEE bleiben, und nur der Bankberater weiß was die Menschen wirklich wollen.

Sigrun1
00
20.1.2012, 09:01

da würden Ös Politiker und Wirtschaft aber nicht gut weg kommen. In Ö ist diesbezüglich tiefster balkan bzw Orient nur nicht so rafiniert und so wunderbaren Düften begleitet ...

Karl Labruni
01
20.1.2012, 08:43
Vor allem würde sich die Politik deutlich schwerer tun Unternehmen mit einem schlechten E-Rating mit Steuergeldern zu retten!

Das würde sich nicht mehr verkaufen lassen! Klasse!

Dhimmi
00
20.1.2012, 08:42
Ethik Institution haben wir doch schon:

Die Kirche.
Da wird zwar jetzt gleich im Hundert aufgeheult werden, aber ich sehe trotzdem die beiden großen Kirchen als eine ganz wichtige und akzeptable Ethik-Kommission an (ja, ja die Internatswitze...).

Wie auch immer man das sehen mag: Welche Ethik vertritt den die Ethikagentur? Die christliche, die islamische mit ihren fundamental verschiedenen Ansprüchen? Die CO2-Ethik?

Kennen Sie die freiwillige Selbstzensur bei Filmen? Das war (ist?) auch so ein ethisches Rating. Als Jugendliche haben wir gerade die Filme geguckt, die sowas wie ein TripleZ hatten. Das waren die besten.

Dhimmi
00
20.1.2012, 08:25
Ethik Institution haben

Hans Hosendonner<<3
00
20.1.2012, 07:51
auch ich hatte schon die idee zu eienr ethik-ratingagentur. allerdings sollte es nicht nur investoren betreffen, sondern den gesamten konsum.

eine solche agentur würde produkte und unternehmen überprüfen und bewerten in bezug auf auswirkungn, auf umwelt, tierschutz, menschenrechte, etc...
ich denke schon dass die menschen beim konsum bereit sind nicht nur nach preis und qualität sondern auch nach ehtischen grundsätzen ihre kaufentscheidungen zu treffen.
Was bisher fehlte war die information, und die deutliche kenneichung mit der information.
Wer sie heute eine tafel schokolade kauft, denkt meist nicht an die damit verbundene kinderarbeit in afrika.
ein großer aufkleber "der kakao dieser schokolade stammt aus produktion mit kinderarbeit" (ähnlich wie uaf den zigarettenpackungen" rauchen verusacht krebs") könnte dem abhilfe schaffen

chrilly donninger1
00
20.1.2012, 08:56
Es gibt Fairtrade

Das funktioniert in Teilbereichen ganz gut. Gibt sogar beim Hofer Fair-Trade-Kaffee und Blumen.
Es gibt auch das Konzept des ökologischen Fussabdruckes. Muss alles nicht mehr erfunden werden.

Hans Hosendonner<<3
00
20.1.2012, 09:53

es obliegt aber heutzutage den herstellern selbst ihre ware derart zu kennzeichnen.
mir schwebt aber eine verplichtende kenzeichnung vor, für alle waren, von einer unabhängigen institution bewertet.
mit einheitlichem bewertungssystem in verschiedeen kathegorien, wie ressourcenverbauch, umweltbelastung, produktionsbedingungen, etc..
und natrülich sollte es möglich sein waren nicht nur positiv ( "bio" "fair trade") sondern auch negativ zu kennzeichnen ("nicht recyclebare verpackung" "kinderarbeit verdacht")

Dhimmi
00
20.1.2012, 09:03
Das ist kein Rating

Das ist Marketing

site:°~+*-||!#.\>
32
20.1.2012, 02:24

Triple-Blödsinns-Kommentar.

edurkheim
11
19.1.2012, 21:58
Ja machts halt eine!

Eine Ratingagentur ist ja keine UNO-Institutation oder ähnliches für die man die man alle möglichen Zustimmungen, Gesetzesänderungen Gelder und was weiß ich noch bräuchte.

Nein sie ist einfach eine Firma, kann auch ein Verein sein, der sich im Laufe der Zeit einen gewissen Ruf gemacht hat. Amnesty International ist das auch zB für Menschenrecht.

Aber in so Zivilgesellschaftlichen Dimiensionen kann man halt in Wien als "Intellektureller" nicht denken, weil man ja sogar in Vereine die nur durch SPÖ-vermittelte Subventionen überleben - also praktisch Parteivorfeldorganisationen - NGOs sieht!

chrilly donninger1
00
20.1.2012, 09:03
ATTAC könnte theoretisch sowas machen

Allerdings ist es eine ziemliche Christkindl-Vereinigung und mit Fachverstand ist man nicht wirklich willkommen.
(Ich spreche aus Erfahrung). Damit stört man nur die Träumereien von der heilen Finanzwelt.

alpenmilch
00
19.1.2012, 21:28

Eine Ratingagentur hat die Aufgabe, die Bonität von Schuldnern zu bewerten. Diese Ratings werden dann von Gläubigern benutzt, um sich einen schnellen Überblick über das Unternehmen, den Staat, etc zu machen.

Das ganze hat mit Ethik mal überhaupt nichts zu tun sondern eher mit der Tatsache, dass man eher demjenigen Geld borgt, der es dann auch wieder zurückzahlen kann....

Hans Hosendonner<<3
00
20.1.2012, 07:39

Es geht ja nicht nur ums geld. oder würden sie geld in ein unternehmen investieren, welches die umwelt schädigt , tierquälerei (zb in form von massenhaltung) bteibt , arbeitskräfte ( etwa in form von kinderarbeit) ausbeutet, oder waffen an dikatoren liefert?
das gleiche gilt natürlich nicht nur für investitionen sondern auch für den konsum

rispentomate
12
19.1.2012, 23:15

Verstehe ich das richtig:

Ein hohes Rating in Sachen Ethik würde Sie nicht dazu bewegen, ein bestimmtes Produkt zu bevorzugen?

chrilly donninger1
11
19.1.2012, 19:54
Das Problem ist die nicht die fehlende Moral

Das Grundproblem der Finanzwirtschaft ist die Savings-Glut (P.Krugman). Es gibt einfach zuviel Geld das eine Anlage sucht. Die Vergabe an marode Häuslbauern, an Griechenland .... hatte eine Ursache: Man wusste nicht wohin mit dem vielen Geld.
Solange es diese Spar-Sintflut gibt, kann man ethische Regeln aufstellen soviel man will. Die Sintflut wird sich ihren Weg bahnen und alle noch so gut gemeinte Regel umgehen.
ATTAC&Co begreifen die Schachermayer-Gleichung nicht bzw. glauben sie durch fromme Wünsche ausser Kraft setzen zu können.

Pierre d´Aubusson
00
20.1.2012, 04:58

Sag ich schon die ganze Zeit!
Und dieses Zuviel an Geld wurde, wenn es nicht dadurch geschafffen wurde, so doch durch die diversen Steuersenkungen bei Leuten angeheizt, die es sich leisten konnten, überflüssiges Geld weg- und anzulegen.

Und jetzt haftet der Staat für das Geld, das er zuerst nicht einnehmen wollte gegenüber den Banken, die das Geld an die Griechen weitergegeben haben. Und letztendlich haften vor allem diejenigen, die von den "Steuerreformen" ohnehin nichts hatten.

(anno 86 oder so, da war Herr Schüssel Wirtschaftsminister und Vranitzky am Titelblatt vom Profil. Nackt. Genau deswegen.)

byron sully
22
19.1.2012, 15:31

mag ein richtiger ansatz sein, ich halte aber das aktienwesen an sich für ein grundübel, das abgeschafft gehört. deswegen ist mir der kommentar von seiner grundstimmung her sympathisch, aber im konkreten zu gemäßigt bzw. systemkonform.

chrilly donninger1
10
19.1.2012, 19:55
Es ist Wasch mir das Fell aber mach mich nicht nass.

Idefix der zweite
 
14
19.1.2012, 19:18

So schön waren die Zeiten der guten alten Planwirtschaft, nicht wahr?

byron sully
00
20.1.2012, 14:23

gibt's irgendein posting von mir, in dem ich jemals die planwirtschaft gutgeheißen habe? aber immer dieses schwarz-weiß-denken: kaum ist wer gegen den kapitalismus, muß er natürlich gleich automatisch für den kommunismus sein...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 47
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.