Warum wir eine Ethik-Ranking-Agentur brauchen
Den "Märkten" war der Verlust des AAA relativ egal oder sie haben - glaubt man anderen Analysten - die Herabstufung bereits vorweggenommen, quasi unabhängig vorausblickend agiert. Die Ratingagenturen wollen sich mit ihren Bewertungen - laut eigenen Aussagen - definitiv nicht in die Politik einmischen. Und die Politik wiederum kritisiert zwar die Vorgangsweise der Ratingagenturen, will sich aber im Handeln nicht davon beeinflussen lassen. Notfalls werde eine eigene Ratingagentur gegründet, die dann vermutlich aber keinen großen Stellenwert haben würde, weil diese Ratingagenturen ja weder die Märkte noch die Politik beeinflussen und dies vor allem selbst auch gar nicht beabsichtigen ...
Ethik wieder in den Vordergrund
Geht's eigentlich noch?! Seit mittlerweile mehreren Jahren dominiert dieses Schauspiel der sich in Lichtgeschwindigkeit aneinanderreihenden Krisengipfel die halbe Welt, unterbrochen nur vom Stakkato neuer Ratings und neuer "Rettungsschirm-Aktionen". Das Diktat des Handelns um jeden Preis dominiert und zwingt seither das Nachdenken über Ethik und Ursachen in den Hintergrund.
Aber es könnte Abhilfe geschaffen werden, und zwar für all jene schlaflosen Fonds-Manager, Politiker und von Sparpaketen in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdeten Menschen, indem künftig die ethische Verantwortung zum Maßstab für Entscheidungen gemacht wird. Eine bloße Träumerei oder eine reale Option durch die Gründung einer (europäischen) Ethik-Ranking-Agentur?
EEE-Ranking
Wer könnte an einem Ethik-Ranking für Fonds, Banken, Unternehmen Interesse haben? Zunächst die Zivilgesellschaft, die es satt hat, zum bloßen Spielball der Finanzmarktkrise geworden zu sein, jeglicher unmittelbarer Einflussmöglichkeit beraubt und doch in der Folge von allen Entscheidungen teils heftig betroffen. Dann die Politik, die eine Exit-Strategie in Wahrheit dringender braucht als einen Bissen Brot. Und letztlich natürlich die Finanzwirtschaft selbst. Zusätzlich jene Unternehmen, die immer stärker neue Stabilitäten suchen und dafür sogar bereit wären, nachhaltige und ethische Kriterien in den Vordergrund ihrer künftigen Strategien zu stellen.
Das wäre doch was, Aktien von einem Triple-E-Unternehmen zu kaufen, in Triple-E-Fonds zu investieren und Triple-E-Produkte kaufen zu können. Der Politik wünsche ich endlich ein "erleichterndes Gipfeltreffen", bei dem die zentralen Kriterien für das künftige E-, EE- und EEE-Ranking festgelegt und die formalen Voraussetzungen für die Gründung der Ethik-Ranking-Agentur fixiert werden. (Leser-Kommentar, Fritz Holzinger, derStandard.at, 19.1.2012)
Autor
Fritz Holzinger ist seit vielen Jahren im Bereich politischer Strategie tätig.