Katalanen gewinnen in Madrid nach frühem Rückstand - Puyol und Abidal erzielen im Hinspiel die Treffer für Blaugrana - Pepe-Auszucker bleibt vorerst unbestraft
Im Viertelfinale der Copa del Rey, dem spanischen Fußballpokal, kam es am Mittwochabend zur vierten Ausgabe des Clasicos in dieser Saion. Nach zwei Spielen in der Supercopa und einem Aufeinandertreffen in der Meisterschaft empfing Real Madrid im Hinspiel vor über 80.000 Zusehern den FC Barcelona. Die Gäste siegten in einer nur streckenweise hochklassigen, aber mit unfairen Höhepunkten gespickten Partie mit 2:1 (0:1).
Auf Spompanadeln verzichtete Real-Coach Jose Mourinho diesmal im Vorfeld, nicht jedoch auf Überraschungen in der Aufstellung. In der Stunde vor dem Match trendete "Hamit Altintop" auf Twitter als weltweites Spitzenthema. Der türkische Teamspieler kam rechts hinten zu seinem erst vierten Saisoneinsatz. Er hatte bis zu diesem Spiel erst 27 Einsatzminuten in der Liga auf seinem Konto. Erst zum vierten Mal bot Mourinho außerdem einen Dreiersturm bestehend aus den Herren Cristiano Ronaldo, Gonzalo Higuain und Karim Benzema auf. Und auch für die "Mesut Özil vs. Kaka"-Streitigkeiten im derStandard.at-Forum hatte "The Special One" in seinem 4-3-3 nichts übrig. Beide saßen zu Beginn auf der Bank. Dafür war Ricardo Carvalho erstmals nach seiner Verletzung zurück in der Innenverteidigung. Bei Barcelona war am Feld alles wie zu erwarten. Wie immer im Pokal spielte Pinto statt Victor Valdes im Tor.
Das Spiel dürfen die Gäste machen
Real überließ Barça von Beginn an den Ball, stichelte aber immer mit schnellen Kontern in die Problemzonen der Gäste. Für Entlastung sorgten außerdem immer wieder Phasen, in denen das Weiße Ballett geführt vom kämpferischen Ronaldo sehr hohes Pressing ausübte. Ebendieser Portugiese sorgte nach elf wenig spektakulären Minuten auch für einen plötzlichen kollektiven Freudenausbruch im Santiago-Bernabeu-Stadion. Cesc Fabregas wurde in der Vorwärtsbewegung der Ball geraubt, Benzema jagte einen steilen Pass auf Ronaldo, und der schoss die Haut nicht allzu platziert, aber flach und scharf an Pinto vorbei. 1:0 für Real.
Nach 15 Minuten fand Barcelona den höheren Gang und attackierte noch früher den Spielaufbau der Madrilenen. Eine Fülle von Chancen war die Folge. Erst entschärfte Iker Casillas einen Schuss von Andres Iniesta (14.). Dann köpfelte Alexis einen Zuckerheber von Fabregas an die Stange (16.). Wenig später scheiterte Lionel Messi mit einem versuchten Lausbubenstreich ebenso an Casillas, als dieser grandios zu einem scharfen Schuss ins kurze Eck tauchte (25.). Real konnte nur mit Kontern Gefahr andeuten, spielte diese aber nie erfolgreich zu Ende.
Kurz vor der vollen halben Stunde verzog Iniesta noch eine Chance aus fünf Metern, nach einer seiner raren schlechten ersten Ballberührungen. Es folgte noch ein Ausflug von Casillas, um einen Angriff per Kopf zu klären (33.), dann kehrte allerdings Ruhe ein. Die Gastgeber bekamen die Zone rund um den eigenen Strafraum besser in den Griff - da halfen Barcelona auch die 69 Prozent Ballbesitz nichts. Pep Guardiola sah zur Pause um ein Jahr gealtert aus, aber fairerweise sei bemerkt, dass der gute Mann ja auch seinen 41. Geburtstag feierte.
Verdienter Ausgleich, auszuckender Pepe
Nach der Pause verstummte das Bernabeu-Stadion bald zu größeren Teilen, denn Carles Puyol verwandelte einen der zahlreichen Eckbälle für Barcelona per Kopf zum hochverdienten 1:1-Ausgleich (49.). Fünf Minuten später hätte es auch schon die Führung der Blaugrana geben können, denn nach einem Pass von Iniesta hob Fabregas das Leder elegant zurück zu seinem Teamkameraden, und dessen Volley knallte an die Kreuzlatte. Wenig später gelang aber auch den Madrilenen ein Stricherl in der Alusektion der Statistiker-Zählbucher. Eine sehenswerte Spielverlagerung von Lass Diarra, eine herrliche Flanke von Altintop auf Benzema, und dessen Kopfball krachte an die Stange.
Die Partie wurde - wie es sich für einen Clasico bedauerlicherweise mittlerweile zu gehören scheint - immer ruppiger. Nach einer an sich harmlosen ersten Hälfte waren bis zur vollen Stunde schon Pepe, Coentrao, Busquets und Pique mit Gelb verwarnt. Auch Alexis hätte sich mit zwei entsprechenden Fouls eine solche Karte längst verdient gehabt. Theatralik und versteckte Fouls kehrten ein. Nach 68 Minuten folgte Jose Callejon (neben Özil zuvor für Diarra und den harmlosen Higuain gekommen) in den Block des bis dahin gut pfeifenden Referees. Eigentlich hätte aber Pepe zu diesem Zeitpunkt aus dem Stadion fliegen müssen. Nach Callejons Foul nutzte er die Ablenkung des Schiedsrichters, um Messi mit voller Absicht auf die Hand zu treten. Es war die wohl dreckigste Aktion des bisherigen Fußballjahres und eine Tätlichkeit, die der spanische Verband besser noch mit einer ausgiebigen Sperre belohnen sollte.
Abidal macht das Licht aus
Den darauffolgenden Freistoß nutzte Barça beinahe als Racheakt. Doch der von der Verteidigung vernachlässigte Busquets köpfelte den Ball nur ans Obernetz. Besser machte es sein Kollege Eric Abidal nach 77 Minuten. Ein wundervoller Heber von Messi zum genau richtigen Zeitpunkt über die Abwehr ließ dem Franzosen viel Zeit. Die nutzte dieser, um das Leder an Casillas vorbeizuschieben und die Gäste - fast schon vorentscheidend für das Cup-Duell - in Führung zu bringen. Hoch verdient wohlgemerkt, weil Real bis zu diesem Zeitpunkt viel zu wenig in das Spiel nach vorne investierte.
Mourinho nahm bei seinem finalen Wechsel Pepe runter (Estaban Granero durfte aufs Feld), vermutlich um eine Rote Karte zu vermeiden. Während Madrid in den letzten zehn Minuten vergebens versuchte, noch zu Chancen zu kommen, nutzten die Abwehrchefs Puyol und Carvalho die Schlussphase der immer wieder ruppig und unfair geführten Partie noch für das Sammeln von Gelben Karten. Insgesamt waren es schlussendlich sieben vom immer großzügiger werdenden Schiedsrichter Cesar Muniz Fernandez, der um seine Aufgabe nicht zu beneiden war. Auch Guardiola brachte seine drei Wechsel noch im Spiel unter. Xavi, Alexis und Fabregas machten für Thiago, Adriano und Cuenca Platz. Die kamen so auch noch zu ihrer Siegprämie, denn all dies spielte keine besondere Rolle mehr.
Barcelona bleibt für Real zumindest in direkten Duellen eine Nummer zu groß. (tsc, derStandard.at, 19.1.2012)