Müller schmeckt den Hoden nicht

Harald Fidler, 24. Jänner 2012, 16:30
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    Ein wunderbar luftiges Hirn mit Ei

    Aubergine in 1010
    Zweimal vier Gänge (58 Euro) plus Käse, Weinbegleitung, Saft, Bier, Kaffee: 176,30 Euro

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    Stierhoden mit Speck und Chili

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    Kutteln mit krossen Erdäpfelstäbchen

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    Kalbsbacke sieht lila: Toller Saft, etwas kühles Püree

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    fotos: harald fidler

    Zwei Gäste, zwei Käse, passt uns gut

Das Aubergine verdreifacht sich demnächst aus der Innereien Stadt - das könnte den Steirerstuben und Fluridsdurf gut tun

Manche Dinge brauchen ein bisschen länger, gerade bei Schmeck's, und den richtigen Partner in Crime. Gut, ich habe schon ein zehn- oder mehrgängiges Innereienmenü in Begleitung einer Vegetarierin verputzt, einen Sautanz mit einer anderen, noch viel Radikaleren aufgeführt, obwohl ich die da erst wenige Tage näher kannte. Aber die gesammelten inneren Werte in der Inneren Stadt gingen sich nicht aus. Vier dieser Gänge im Aubergine möchte man halt auch keiner Frau zumuten, die sich a) auf die Filetstücke des Lebens konzentriert und tunlichst b) keine allzu jungen Tiere verspeisen möchte. Wie soll man sich denn vor deren Augen Kalbskutteln einverleiben?

Fluffy Hirn, scharfe Hoden

Tobias Müller, der offenkundig auch keine Angst vor Userinnen und Usern kennt, hält sowas bestimmt ganz gut aus, dachte ich. Und tatsächlich: Er wirkte nach vier Gängen plus Käse im Aubergine fast fitter als nach zwei Gängen mit Käse in der Goldenen Kugel in 1090. Aber da hat er auch erst am nächsten Tag über eine Nacht voll Völlegefühl geklagt. Wir sollten also langsam in die Gänge kommen.

  • Hirn mit Ei, fluffy wie selten erlebt, Schnittlauch und gut temperierte Schärfe schmecke ich, Müller ein Gewürz, das er gerade nicht benennen kann. Bin ich beruhigt, dass es auch dem Chef von nebenan so gehen kann. Padron Wiesinger tippt erst auf den Kümmel (danke schon dafür, ich Depp) und kommt dann aus der Küche mit "Muskat" zurück. Na gut, wenn er meint, wollen wir das auch so sehen.
  • Stierhoden mit Speck und Chili. Mir ein bisschen zuviel Chili und zuwenig Hoden, aber das sag ich ungern laut. Müller wiederum wundert sich bei seinem Erstversuch am männlichen Geschlecht über wenig Eigengeschmack. Hm. Hat der Mann eigentlich noch nie im Wirtshaus weiße Nieren bestellt?

Kreuzstich am Fisch

Müller spricht an dieser Stelle lieber darüber, wie der Japaner kunstvoll Fische tötet, unter anderem, indem er ihnen mit einer Nadel das Rückenmark rausschiebt, und wie anders (nämlich schmackhafter) das Filet-o-Fisch dann schon aussieht. Ein interessanter Versuch des french culinary institute, mehr dazu hier.

  • Da kommt aber schon die Kalbskuttel ins Spiel, und die ist vermutlich fast so akribisch gewaschen wie der japanische Fisch getötet. Ich finde, ganz abgesehen von der liebevollen Behandlung des Kalbsmagens, die Kombination des weichen Frottees mit krossen Erdäpfelminifrittes sehr spannend. Müller ist im ersten Moment der Paprika zu präsent, wird aber nach einigen Bissen doch sagen: der definitiv beste Gang des Abends. Ich soll noch die angenehme Schärfe der Kutteln loben, hat er mir aufgetragen, und das tu ich natürlich gern.
  • Vielleicht liegt seine Begeisterung ja auch an der (t) spannenden Weinbegleitung: Ruländer aus Pamhagen, von Andert, 2009, also Grauburgunder, Biowein. Sehr eigen pflaumig, fanden wir. Davor Weißburgunder Jägerberg, nach meiner Erinnerung 2010, und jedenfalls aus 2010 einen Sauvignon von Zorzon aus Cormons. Dann eine Vierercuvee von Riberach, die ich definitiv nicht mehr identifizieren kann, aber ebenso definitiv sehr schön fand zu...
  • den Kalbsbacken, die unser Innereienmenü ein bisschen an die Peripherie des Tieres trugen. Kein Fehler, fand ich, wiewohl das lila Erdäpfelpüree schon ein bisschen lau war. Aber: Gut in Säften stehen Wiesinger wie sein Kompagnon (und, schon nach seiner Jacke und ihren Malen zu schließen, Küchenchef) Florian Hrachowina, stellen wir fest: sehr reduziert, sehr fein. Und trotz seiner Freude an der Sauce hat der Kollege denn doch noch etwas vermisst: "Doch sehr viele sehr weiche bis breiige Gänge - knackige Nierndln oder ein Herz dazwischen hätten für etwas Abwechslung gesorgt." Da kann ich ihm nicht widersprechen.
  • A propos vermissen: Ob Livarot (hier: Liverot) und viele seiner auf der großen Käsetafel ausgeschilderten Freunde aus waren, vermag ich nicht zu sagen, wir folgten jedenfalls gerne Hrachowinas Vorschlag, den Käsegang doch auf Münster und Camembert zu beschränken, und Wiesingers ausgesprochen schlüssigen Plan, den kleinen Stinkern einen Gewürztraminer aus dem Elsass zur Seite zu stellen. Nein, ich hab mir leider, leider, leider keine erkennungsdienstlichen Daten notiert.

Zwei neue Auberginen und ein Elsässer

Das leitet ohne Eleganz über zum eigentlichen, wenn auch gerade erst gefundenen Anlass für diesen Schmeck's-Eintrag (abgesehen vom Plan mit Müller im überbuchten Dezember und meinem generellen Innereienfaible):

  • Wiesinger und Hrachowina engagieren einen elsässischen Koch, dessen Namen sie noch nicht verraten. Wir werden ihn wohl in diesen Tagen bei Corti oder Co. lesen können (wenn er schon zu lesen war: sorry, bin auf Urlaub und schreibe nur). Elsässer kann gut sehr gehen, sehen aber manche Menschen mit Blick auf das Sofitel auch anders.
  • Das Aubergine in der Innereien Stadt betreiben die beiden weiter, sagen sie, dazu aber schon ab Februar die Steirerstuben in 1050, die sie, sagen sie, zu ihren Ursprüngen zurückführen wollen. Vermutlich verstehen sie die Ursprünge anders als die vorherigen Betreiber, die mit ihrer Interpretation offenbar keinen wirklich nachhaltigen Erfolg hatten.
  • Auch nordostwärts treibt es die beiden Herren heuer: Am Wasserpark (Alte Donau, Floridsdorf) werden sie ein Ausflugslokal mit 120 Sitzplätzen (drinnen und draußen zusammen) betreiben.

Möge die Übung gelingen, finden Müller und ich. Hoffentlich übernehmen sich die beiden nicht.

 

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

Kommentar posten
22 Postings
hirsch heißt ein mann
04
27.1.2012, 22:30
wie kann man so umständlich und verzwurbelt, unnötige belanglosigkeiten verzapfen

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
11
27.1.2012, 00:32
Grauslige Gruselrezepturen...

Gluck
00
25.1.2012, 20:39

Versteh ja die Hoden, mir würd der Müller wahrscheinlich auch nicht schmecken!

Charles Milton Ling
36
24.1.2012, 23:04
Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik.

Wie wahr, wie peinlich wahr.

Preger
12
25.1.2012, 22:37
Es ist ein ungustioeses Geschnatter,

das lediglich darauf abzielt LeserInnen zu vergraemen. Hat ganz und gar nichts mit genussvollem Essen oder aehnlichem zu tun.

sennowise
01
25.1.2012, 10:14
Professionelle Lokalkritiken sind aber auch nicht besser.

Auch dort
werden Phrasen gedroschen und es wird herumgeschwafelt als ob es kein Morgen geben würde.
Dabei gehts um nichst weiter als ums fressen, saufen und sich den Wanst vollschlagen, komme da was wolle.

coffee anyone?
01
24.1.2012, 21:50
Fluffy?

Herr Fiedler, geht des bitte auch auf Deutsch?

Flaumig - z.B.?

nihil obstat
00
26.1.2012, 10:01

"kross" ^^

Rosa Grün
 
01
24.1.2012, 22:30

fluffig.

Zentner
00
24.1.2012, 20:30

Gibt es da auch Melanzani?

wolfetone
 
02
25.1.2012, 09:24

No, that won't fit, by all the Kings Vaseline.

Vayav indrasca
21
24.1.2012, 19:15

Interessant zu beobachten, dass das österreichische "knusprig" immer mehr durch das deutsche "kross" verdrängt wird. Oder gibt's da semantische Unterschiede?

Dirty Sanchez i.R.
 
12
25.1.2012, 10:35
Jepp

"kross" ist nur eine eingermanisierte Form des englischen "cross". Also verdrängt hier eigentlich ein Anglizismus ein im deutschen Sprachraum durchaus auch außerhalb Österreichs gebräuchliches Wort.

Charles Milton Ling
03
26.1.2012, 00:38
Völliger Blödsinn

Preiswürdig, nachgerade.
crisp

florian holzer2
00
26.1.2012, 16:50

haha, großartig!

berger940
01
24.1.2012, 18:41
in Spanien:

Gewinnt der Stier, sind die Hoden klein, gehen beim Kochen noch etwas ein, die Spanier sprechen dann von Damenhoden

E_Rybin
46
24.1.2012, 18:20
nochmals Gänseleber

...Tobias Müller, der offenkundig auch keine Angst vor Userinnen und Usern kennt...

völlig zu Recht wurde dutzende Mal darauf aufmerksam gemacht, dass gestopfte Gänseleber in Österreich wegen enormer Tierquälerei nicht erzeugt werden darf, so wie in vielen weiteren Staaten.

den Herrn Müller jetzt deswegen zum Helden hochzustilisieren weil er sich die Gänseleber nun in Ländern beorgt hat, denen Tierschutz noch fremder ist als den österreichischen bauern ist schon ein starkes Stück

Anton Hammerschmidt
43
25.1.2012, 09:20
Warum sollte Hr.Müller

auch Angst vor so jemandem wie Ihnen haben - nur weil Sie im falschen Forum Ihre unnötigen Kommentare abgeben ?

sunny12
00
25.1.2012, 11:25

in diesem Falle müsste man ja auch vor Ihnen Angst haben ...

Anton Hammerschmidt
00
25.1.2012, 17:19
Ob Sie vor mir Angst haben,

bleibt ganz Ihnen überlassen.

nwanma
00
24.1.2012, 18:10

Hoden hat man selber (es gibt auch Frauen mit "Eier")
und ein "Leben" sollte man auch haben...

Charles Milton Ling
01
25.1.2012, 22:47
Mit Eiern

Wenn schon.
Und was wollen Sie uns damit sagen?

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