Neue Alben von The Roots, Rotifer und Penelope Houston
THE ROOTS Undun (Universal)
Unbeirrbar steht die HipHop-Band The Roots zu der These, dass HipHop
die Fortsetzung von Soul und Funk ist. Diese Weiterführung begrenzt sie
formal insofern, als dass sich die aus Philadelphia stammende Formation
untersagt, ihre Musik als Experimentierfeld für technische
Machbarkeitsstudien zu missbrauchen. Undun, das Ende vergangenen
Jahres erschienene neue Album, untermauert das einmal mehr. Die Roots um
Ahmir Khalib Thompson alias ?uestlove führen ihre Musik mit einer
zwingenden Unaufgeregtheit an ihren Wesenskern: Funky Songs, beseelte
Umsetzung und Instrumentierung. Stellenweise ist das Einzige, das die
Musik der Roots von klassischem Soul unterschiedet, der Sprechgesang.
Dabei ist auch Rap eine traditionelle afroamerikanische Kulturtechnik. Undun ist nicht so großartig wie sein Vorgänger How I Got Over, für Roots-Konvertiten aber eine Bank.
ROTIFER The Hosting Couple (AED/Hoanzl)
Dass das neue Album von Robert Rotifer auf dem Label von Edwyn Collins
erscheint, spricht Bände. Einmal für die Akzeptanz, die der
österreichische Journalist als Musiker bei dem schottischen
Geschmacksträger für sich und seine Kunst verbuchen kann. Zum anderen
gibt es ein wenig die Richtung seines neues Albums The Hosting Couple vor.
Zwölf gemütlich bis aufgeregt rumpelnde Songs, die eine Scheitelhälfte
in die Sixties frisieren, während sie mit der anderen sowie der
darunterliegenden Gehirnhälfte aktuelle Beobachtungen des Alltags
transportieren. Schepperschlagzeug, scharfe Gitarre und ein am
Herzschlag geführtes Bassspiel bilden dafür den charmanten Rahmen.
PENELOPE HOUSTON On Market Street (Hoanzl)
Als zu Beginn der 1990er-Jahre das Magazin Spex
in San Francisco ein Folk-Revival auszumachen vermeinte, wurde Penelope
Houston in der Alten Welt bekannt, galt sie doch als eine der
ernstzunehmenderen Vertreterinnen dieses Mini-Hypes. Immerhin hatte sie
als Mitglied der Punk-Band The Avengers schon davor für etwas lokalen
Wirbel gesorgt. Zwei Jahrzehnte später spielt Houston einen in sich
ruhenden Country-Rock, dem sie mittels Einsatz von Orgel eine
Soul-Breitseite verleiht oder zu sanften Saiten-Gezirpe ihre Heimat
besingt. Souverän, kein Witney-Verdacht. (flu / DER STANDARD, Printausgabe, 20.1.2012)