Musikrundschau, unaufgeregt

19. Jänner 2012, 18:05

Neue Alben von The Roots, Rotifer und Penelope Houston

 

THE ROOTS Undun (Universal)

Unbeirrbar steht die HipHop-Band The Roots zu der These, dass HipHop die Fortsetzung von Soul und Funk ist. Diese Weiterführung begrenzt sie formal insofern, als dass sich die aus Philadelphia stammende Formation untersagt, ihre Musik als Experimentierfeld für technische Machbarkeitsstudien zu missbrauchen. Undun, das Ende vergangenen Jahres erschienene neue Album, untermauert das einmal mehr. Die Roots um Ahmir Khalib Thompson alias ?uestlove führen ihre Musik mit einer zwingenden Unaufgeregtheit an ihren Wesenskern: Funky Songs, beseelte Umsetzung und Instrumentierung. Stellenweise ist das Einzige, das die Musik der Roots von klassischem Soul unterschiedet, der Sprechgesang. Dabei ist auch Rap eine traditionelle afroamerikanische Kulturtechnik. Undun ist nicht so großartig wie sein Vorgänger How I Got Over, für Roots-Konvertiten aber eine Bank.  

ROTIFER The Hosting Couple (AED/Hoanzl)

Dass das neue Album von Robert Rotifer auf dem Label von Edwyn Collins erscheint, spricht Bände. Einmal für die Akzeptanz, die der österreichische Journalist als Musiker bei dem schottischen Geschmacksträger für sich und seine Kunst verbuchen kann. Zum anderen gibt es ein wenig die Richtung seines neues Albums The Hosting Couple vor. Zwölf gemütlich bis aufgeregt rumpelnde Songs, die eine Scheitelhälfte in die Sixties frisieren, während sie mit der anderen sowie der darunterliegenden Gehirnhälfte aktuelle Beobachtungen des Alltags transportieren. Schepperschlagzeug, scharfe Gitarre und ein am Herzschlag geführtes Bassspiel bilden dafür den charmanten Rahmen. 

PENELOPE HOUSTON On Market Street (Hoanzl)

Als zu Beginn der 1990er-Jahre das Magazin Spex in San Francisco ein Folk-Revival auszumachen vermeinte, wurde Penelope Houston in der Alten Welt bekannt, galt sie doch als eine der ernstzunehmenderen Vertreterinnen dieses Mini-Hypes. Immerhin hatte sie als Mitglied der Punk-Band The Avengers schon davor für etwas lokalen Wirbel gesorgt. Zwei Jahrzehnte später spielt Houston einen in sich ruhenden Country-Rock, dem sie mittels Einsatz von Orgel eine Soul-Breitseite verleiht oder zu sanften Saiten-Gezirpe ihre Heimat besingt. Souverän, kein Witney-Verdacht. (flu  / DER STANDARD, Printausgabe, 20.1.2012)

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