Gewalt in der Pädagogik

Gegen den Missbrauch der Unschuldsvermutung

Kommentar der anderen | 18. Jänner 2012, 19:43
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    Arno Dalpra: Verantwortung und Schuld verjähren nicht

Die Informationspolitik bei Missbrauchsdelikten in Heimen leistet der Vertuschung Vorschub - Von Arno Dalpra

Das Problembewusstsein in Bezug auf körperliche und sexualisierte Gewaltdelikte im pädagogischen Umfeld ist gewachsen, und das ist gut so. Bedauerlicherweise nehmen aber die wenigsten Organisationen eine klare Haltung gegenüber Tat und Täter/in ein. Durch diese Tabuisierung in Institutionen und Berufsorganisationen wird die Handlungsweise von Täter/innen gefördert. Das Schweigen hilft den Täter/innen, es ist ihre beste Waffe.

Es ist längst durch Studien belegt, dass körperliche und sexualisierte Gewalt in Institutionen kein "zufälliges Geschehen" ist, sondern das Ergebnis eines strategischen Vorgehens: Zielgerichtet versuchen Täter/innen mit potenziellen Opfern in Kontakt zu kommen. Die Entscheidung für eine ehrenamtliche, haupt- oder nebenberufliche Tätigkeit in pädagogischen, medizinischen, seelsorgerischen oder therapeutischen Berufsfeldern ist eine "klassische Täterstrategie" . Sie suchen Arbeitsplätze in Einrichtungen, in denen die Wahrscheinlichkeit relativ gering ist, dass ihre Missbrauchshandlungen bekannt werden - beispielsweise bei Organisationen mit autoritären Strukturen, die sich stark von anderen Einrichtungen abgrenzen, intransparent sind.

Bei autoritären Leitungsstrukturen bestehen starke persönliche Abhängigkeiten, Entscheidungen werden nicht aus fachlichen Überlegungen, sondern im Interesse der eigenen Machtsicherung getroffen. Auch in Einrichtungen mit diffusen Strukturen und einer unzureichenden Trennung zwischen beruflichen und persönlichen Kontakten laufen Täter/innen kaum Gefahr, dass die von ihnen verübten Verbrechen aufgedeckt werden.

Dinge beim Namen nennen

Institutionen mit transparenten Leitungsstrukturen und klaren Arbeitsanforderungen bieten hingegen ein relativ großes Maß an fachlicher und persönlicher Sicherheit. Diesen Institutionen fällt es weniger schwer, sich einer Vermutung von körperlichen oder sexuellen Übergriffen zu stellen und Grenzen zu ziehen. Nicht selten wechseln Täter/innen den Arbeitsplatz, wenn Institutionen ihnen wenig Spielraum für Intrigen, den Aufbau persönlicher Abhängigkeiten und sexuelle Übergriffe bieten.

Solange Täter/innen keine ernsthaften Konsequenzen zu befürchten haben, werden sie kaum von ihrem Tun lassen. Deshalb müssen Entscheidungsträger Stellung beziehen, klare Richtlinien erarbeiten. Die heute praktizierte Informationspolitik mit der ausschließlichen Betonung der Persönlichkeitsrechte der Täter/innen muss man überdenken.

Die Dynamik, die sich in einer Organisation bei Bekanntwerden von sexuellen Übergriffen abspielt, kann mit der Dynamik in einer "Inzestfamilie" verglichen werden. Es wird versucht, alles zu bestreiten, zu bagatellisieren und zu beschönigen. Um die Opfer zu schützen, müssen die Prozesse aber transparent sein und die Täter/innen genannt werden.

Weder blinder Aktionismus führt zu überzeugenden Lösungen, noch hilft der Grundsatz der Unschuldsvermutung, der oft in Nichtreagieren mündet. Betroffene empfinden das als Schutz der Täter/in. Im Sinne der Betroffenen und zur Vorbeugung sollte eine Organisation jedoch Opfer zur Meldung ermutigen und den geschilderten Sachverhalt wertschätzend zur Kenntnis nehmen.

Effektive Schritte gegen Gewaltdelikte in pädagogischen Einrichtungen sind:

Die Einrichtung einer Anlaufstelle, die Formulierung von Berufsrichtlinien und Maßnahmenkatalogen, Festlegung von Vorgehensweisen und damit auch die Haltung gegenüber Täter/innen. Wichtig dabei ist: Die Formulierungen müssen klar und alltagstauglich sein, nebulose und realitätsferne Leitbilder dienen zwar momentaner Ruhigstellung, sind aber ein nur ein taktischer Beitrag zur eigenen Imageverbesserung.

Betroffene brauchen Akzeptanz und Wertschätzung. Täter/innen brauchen die klare Konfrontation, nur dann sind sie in der Lage, das Ausmaß ihres Tuns zu begreifen und dafür die Verantwortung zu übernehmen. Nur wer für sein Tun die Verantwortung trägt, kann sein Handeln ändern. Das gilt auch für Institutionen. (Arno Dalpra, DER STANDARD Printausgabe, 19.1.2012)

Autor

Arno Dalpra ist Psychotherapeut, Supervisor und Mediator am Institut für Sozialdienste in Feldkirch.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 35
1 2
woho1
 
00
22.1.2012, 14:03
auch bei klar vorliegenden Beweisen...

... ist die Republik Österreich noch immer nicht bereit, sich mit den Gewalt- und Missbrauchsfällen in staatlichen Einrichtungen auseinanderzusetzen. Die Kirche und die Bundesländer haben wenigstens geeignete Kommissionen eingesetzt und Entschädigungszahlungen geleistet. Bei den Fällen aus Bundeseinrichtungen gibt es bis heute nicht einmal eine seriöse Berichterstattung, geschweige denn eine Untersuchungskommission. Hier ist noch immer Verzögern und Vertuschen das oberste Prinzip.

widiwutsch
01
20.1.2012, 08:27
Entweder die Unschuldsvermutung gilt oder sie gilt nicht.

Punktuell und rein nach Bedarf mal etwas daran ändern zu wollen, zeigt ein unglaubliches Unverständnis juristischer Notwendigkeiten.

allnight
01
19.1.2012, 20:37
Überholt

Dalpras Ansicht ist so überholt wie die von ihm zitierten Erziehungmethoden.

M K
 
01
19.1.2012, 19:19
Keine Unschuldsvermutung?

"........... noch hilft der Grundsatz der Unschuldsvermutung..................."

Wie würde der Herr Dalpra das wohl sehen, wenn er einmal beschuldigt würde?
Oder glaubt der Herr tatsächlich, dass nur Schuldige beschuldigt werden?

Meine Abneigung gegen Therapeuten von der Psycho-Seite ist wieder ein Stück größer geworden.

J. Reichhart
60
19.1.2012, 15:46
verjährung bei missbrauch unmündiger, körperverletzung

und jeglicher form von gewaltanwendung ist ein verbrechen für sich!!!

da macht sich der gesetzgeber mitschuldig!!!

Klar Blick
01
20.1.2012, 20:15
Das sagen Sie,

bis Ihnen einer aus zB Rachsucht( für ganz etwas anderes) oder um Geld zu lukrieren nachsagt, sie hätten ihn vor 20 Jahren misshandelt/missbraucht. Der heult ein paar Krokodilstränen - und niemand kann das Gschichtl nach so langer Zeit widerlegen. Neinein, Verjährung hat sehr gute Gründe. Aufarbeiten - im Sinn von aufzeigen, analysieren und Lehren ziehen - kann man ein uraltes Verbrechen nämlich auch ohne Strafgericht oder verspätete Begehrlichkeiten. Gibt genug Beispiele aus dem vergangenen Jahrhundert.

Alfred Zopf
14
19.1.2012, 13:47
Von der Gesellschaft ausgeblendet - "das Blatt der Gewalt hat sich gewendet" !

Bis jetzt wurde überhaupt eine TATSACHE - die sehr verstärkt seit der Jahrtausendwende das Thema Gewalt in der stationären Fremdunterbringung prägt - überhaupt nicht öffentlich diskutiert.
Sozialpädagogen und Sozialpädagoginnen werden immer mehr selbst Opfer von Gewalthandlungen der Kinder und Jugendliche in den Einrichtungen, diese Kinder u. Jugendl. sind zumeist schwerst traumatisiert und erleben u.a. flashbacks in ihren Handlungen. Es gibt viele Polizeieinsätze und es gibt keine Hemmung auch auf Polizisten hin zu schlagen, warum diese TATSACHEN bis jetzt verschwiegen werden, verstehe ich als Sozialpädagoge und psychoanalytisch orientierter Psychotherapeut nicht.

Floaschkas
03
19.1.2012, 13:54
naja - eine von vielen möglichen und nützlichen Erklärungen müsste Ihnen als psychoanalytisch orientierter Psychotherapeut wohl einfallen: Das Abwehrbedürfnis der (Verantwortungs-)Träger, der Organisationen, der Behörden und auch der Öffentlichkeit.

Man will so genau nicht hinschauen. Sonst käme man ja auf was drauf. Nämlich dass der ganze Jugendwohlfahrtsbereich, den man ja seit den 70ern reformieren wollte, aber nie hinreichend reformiert hat, ein Schandfleck unserer Gesellschaft ist, auf dem man ähnlich agiert, wie im Fremdenrecht: populistische Spar- und Hetzpolitik, nur etwas stiller. Nur ja kein Geld in die Hand nehmen - müssen, was nämlich der Fall wäre, wenn die Öffentlichkeit mal auf die Problemzusammenhänge dort hinsehen würde.

Danke übrigens für Ihren Beitrag!

Alfred Zopf
05
19.1.2012, 14:08
Die Abwehrhaltungen sind vielfältig !

Eine Abwehrhaltung kann nicht oft genug angesprochen werden, es ist die betriebwirtschaftliche Sichtweise, die gerade im Jugendwohlfahrtsbereich überall ihre "Blüten" treibt.
Wirtschaftlich gesehen sind die besten Rahmenbedingungen notwendig, damit sowenig wie möglich die Grundproblematiken (jahrelange körperliche Misshandlungen, sexueller Missbrauch + Vernachlässigung) durch Bearbeitung an die nächste Generation weitergegeben werden kann. Das kostet viel Geld und viel mehr Personal, d.h. ein 1:1 Personalschlüssel in der Heimunterbringung. Mit den besten Rahmenbddingungen können zukünftige Steuergelder für Psychiatrie, Gefängnisse, Mindestsicherungen, etc. eingespart werden. Wo gibt es SozialpolitikerInnen die sich diese Sichtweise haben !

Floaschkas
01
19.1.2012, 14:46
ich denke nicht, dass das wirtschaftlich sooo aufwändig wäre - es geht nur darum, dass jemand Verantwortung übernimmt, und das traut sich bislang keiner, auch nicht von den ach-wie-wohltätigen Träger-Organisationen (die von Spenden leben) nicht.

Verantwortungsübernahme, dass fachlich qualifiziert gearbeitet wird, d.h. die Kinder und Jugendlichen eine förderliche und sie gut in die Gesellschaft integrierende Umwelt in den Heimen haben. Das setzt Mitarbeiter voraus, welche ihrerseits wirklich hinreichend ausgebildet sind und in hinreichend klaren Teamstrukturen arbeiten, hinreichendes Containment haben.... - das ist alles leistbar mit max. 100% Mehraufwand (die Hälfte aus Spenden abgedeckt), kurzfristig - und einmal eingeführt wird es nach und nach viel kostengünstiger - der Volkswirtschaftliche Nutzen ist das 7-fache.
Es braucht Verantwortungsträger in den Einrichtungen, den Trägern, der Juwo-Behörde und letztlich der Politik, welche sagen "Wir wollen das."

Alfred Zopf
00
19.1.2012, 15:13
Sie unterschätzen den personellen Aufwand !

Von der Trraumaforschung gibt es einen klaren Auftrag an die Heimunterbringung: es geht um die Herstellung von ÄUßERER und INNERER Sicherheit. Äußere und innere Sicherheit sind die Grundvoraussetzungen, damit Traumaarbeit geleistet werden kann. Schon an der äußeren Sicherheit mangelt es in der HU. Ein Bsp. von vielen: Es gab in den letzten Jahren mehrere Vorfälle in WGs wo Kinder Kinder sexuell missbraucht haben und dies nicht verhindert werden konnte. Wenn SozialpädagogInnen durch Ausfall von KollegInnen im Jahr mehrere hundert Überstunden leisten müssen, wie sollen die in der Gruppe voll präsent sein, damit Vorfälle verhindert werden können ? D.h. die betriebswirtschaftliche Personalpolitik geht voll auf Kosten der Sicherheit von Kindern!

Floaschkas
00
19.1.2012, 15:53
ich habe von kurzfristig 100% Mehraufwand geschrieben. Ihr stimme Ihnen ja soweit voll zu: "die betriebswirtschaftliche Personalpolitik geht voll auf Kosten der Sicherheit von Kindern!"

- nur: da geht es um hirnlose Einsparungen im einstelligen Prozentbereich, welche durch Krankenstände (bis burnout - regelmäßig!) und Minderleistung der Mitarbeiter ein vielfaches an Kosten verursachen, zusätzlich zur genannten Gefährdung der Kinder und ihrer Entwicklung - während gute Führung, entsprechende fachlich-qualifizierte Kommunikations- und Teamstrukturen ein vielfaches an wirtschaftlichem Gewinn durch Effizienz, etwa im 3-Jahres-Horizont bringen würde - zusätzlich zu fachlich tüchtigen Mitarbeitern. Vorerst wären das freilich erhebliche Mehrkosten (100%) - Es bräuchte jemanden, der sagt: "Wir wollen das."

Alfred Zopf
00
19.1.2012, 16:12
Diese Frage wäre bei den Länder-Wohlfahrtsträger zu stellen !

Aus meiner Sicht gibt es leider niemand politisch Verantwortlichen, weil die "Verantwortung" auf die betriebswirtschaftliche Sichtweise österreichweit abgeben wurde, es gibt meines Wissens niemanden, der die volkswirtschaftliche Sichtweise über die betriebswirtschaftliche Ebene stellt, leider, oder kennen sie handelnde Personen in der verantwortlichen sozialpolitischen Stellen ?

Floaschkas
00
19.1.2012, 16:51
ja, natürlich.

gerade deswegen braucht es aber die Thematisierung der Verantwortung. Eine politische gibt es jedenfalls, und ja, freilich bei den insbesondere auch bei den Ländern.

Der betriebswirtschaftliche Aspekt wird fadenscheinig und scheinheilig und in Verleugnung der betrieblichen Realitäten, wie ich aufzuzeigen versuchte, vorgeschoben. Tatsächlich ist es offenkundiger Verrat an den gesetzlich geschützten Interessen der Betreuten.

Es kommt die Abschiebung der Verantwortung auf die karitativen Träger der Einrichtungen hinzu. Diese Trägervereine sind nichts als politische Lakaien-Organisationen, welche, in den Händen der lokalen wirtschaftlichen Elite, den Gebietskörperschaften helfen, das Problem möglichst still aus der Politik weg zu organiseren.

Alfred Zopf
00
19.1.2012, 17:17
Damit sind wir bei leidigen Thema Jugendwohlfahrt "neu" angekommen !

Warum bremsen seit fast 4 Jahren einige Länder ein einheitliches JWG, dass bemüht war eh schwache Mindeststandards aufzustellen ? Es geht meines 'Wissens um Personalkosten, die aufgrund vom 4-Augenprinzip sich erhöhen müsste. Wenn schon hier wegen zusätzlicher Kosten eine Nichteinigung "erzielt" wurde, um wieviel mehr würden die Länder die notwendigen Mehrkosten für die HU verweigern. Im übrigen bin ich für eine Philosophieumkehr bei der Heimunterbringung. Die HU müsste viel mehr kosten, d.h. auf heute mindestens 500€ täglich, dadurch würde die Jugendwohlfahrt gezwungen sowenig wie möglich fremunterzubringen und die ambulanten Erhziehungshilfen müssten gigantisch ausgebaut werden, jedenfalls ein vielfaches von heute. HU soll LUXUS werden.

Floaschkas
00
19.1.2012, 17:28
Ich denke, Sie weichen hier vor dem eigentlichen Thema aus. Die Jugendwohlfahrt hat den gesetzlichen Auftrag, überall dort das Kindeswohl sicherzustellen, wo die Eltern nicht in der Lage zu sind.

Man beachte: "gesetzlichen Auftrag", d.h. die klare Verantwortung - und ich denke, das geht letztlich nicht, wenn sich nicht die entsprechenden Beamte (SozialarbeiterInnen, PsychologInnen, JuristInnen, etc.) auch tatsächlich persönlich verantwortlich erkennen für das einzelne betroffene Kind - das ist es, worum es geht (s.o.!!!). Dazu müssen die entsprechenden Personen auch befähigt werden - und solange sie es nicht sind (und das ist nur z.T. eine Frage der Ausbildung, die wäre gar nicht so schlecht, sondern mehr eine Frage der [Zusammenarbeits-]Strukturen der Jugendwohlfahrt einschließlich der entspr. Politiker) - erst dann wäre meines Erachtens ein wirklicher Schutz vor sexuellem, emotionalem Mißbrauch und vor Gewalt gegeben.

A ndreas Bogeschdorfer
00
19.1.2012, 17:44
Schön, dass es in diesem Forum auch noch Menschen gibt...

...die sich einer längeren Diskussion stellen und dabei sachlich bleiben.

Floaschkas
00
19.1.2012, 17:51

danke!

Alfred Zopf
00
19.1.2012, 17:43
ambulante Hilfen gehen vor HU !

Aus meiner Sicht müssten viel mehr ambulante Hilfen im Vorfeld der HU vorhanden sein, schon bei Kindergärten und in der Volks- Haupt- + sonstiger Schulen bräuchte es ein breites Angebot an Unterstützungen für Familien, hier gibt es viel zuwenig bzw. mit langen Wartefristen versehen, hier müsste ein wichtiger "Hebe"l angesetzt werden, aber auch in der Jugendwohlfahrt. Weil familiäre Krisen bekanntlich meistens abends sind bräuchte es ambulante Abend-Teams, die mit der Polizei kooperieren.

Floaschkas
00
19.1.2012, 17:57
klar doch

gibt es freilich auch - aber zu wenig, vor allem zu wenig Konzept dabei.

Vor allem auch: stimmige Angebote an werdende Familien und Eltern von Säuglingen, Kleinkindern... Es gibt die Konzepte, Programme aus den skandinavischen Ländern, teils auch in Deutschland.... Damit könnte man unfasslich viel erreichen, aber: - wer will's?

(Die Fremdunterbringung ist ohnehin so teuer, dass sie schon genug vermieden wird - aber wenn man's drauf ankommen lässt, dass diese Kosten entstehen, na dann.....)

Alfred Zopf
00
19.1.2012, 18:15

Ich denke, wenn ein wirklich breites Angebot im Vorfeld der Heimunterbringung vorhanden wäre, würde die Hälfte der Heimunterbringung zu verhindern sein.

Dazu bräuchte es aber Invesitionen und den politischen Willen dazu und so wären wir wieder Am Anfang unserer Diskussion.

Floaschkas
00
19.1.2012, 18:30
und noch mehr - ich komme wieder zurück auf mein Hauptargument - Person, welche klar und transparent Verantwortung übernehmen - sich nicht scheuen, zu sagen "ich übernehme Verantwortung für dieses Kind" (als HeimleiterIn, BetreuerIn...

Ich denke, das wäre auch eine zentrale Bedingung dafür, dass die Angebote von den betroffenen Familien auch angenommen werden. Solange sie mehr oder weniger anonyme Funktionsträger gegenüber haben, spielen die mit denen herum, wie sie wollen. Verweigern allzuoft jede Annahme von Unterstützung....

Und für diese konkrete Übernahme von Verantwortung - als das einzige Mittel, welches wirklich klare und damit sichere Strukturen schaffen würde - müssten die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden....

Floaschkas
02
19.1.2012, 12:27
"Bedauerlicherweise nehmen aber die wenigsten Organisationen eine klare Haltung gegenüber Tat und Täter/in ein." - ja, genau! Vor allem gegenüber der Tat! Insofern diese immer in einem Kontext geschieht, wo es neben dem Täter auch andere Verant-

wortungsträger gibt. Und hier gibt es meist ganz klare Komplizenschaften - eben genauso wie in einer Inzestfamilie. Richtig, Herr Dalpra. Und auch richtig: klare Strukturen, klare Leitlinien und damit ein klares, gegenwärtiges Bewußtsein über GEwalt- und Mißbrauchs-Dynamiken und den Umgang damit sind ein wirksames Gegenmittel.

Aber bleiben wir am Boden der Realität: Wie sieht's denn aus in den Einrichtungen der Jugendwohlfahrt, und deren fachlicher Orientierung? Klare Antwort, meiner Erfahrung nach: "...können wir uns nicht wirklich leisten." und ergänzend: "wir müssen uns auf unsere MitarbeiterInnen verlassen können." Bewußtsein über die Bedeutung von Strukturen: Null. Aufwand wird getrieben mit der Schönfärberei nach aussen.

karl65
16
19.1.2012, 10:31

Und der Herr Dalpra entscheidet, wer an den Pranger gestellt wird. Wozu Gerichtsverfahren?

Bei allem Zorn, den das Leid der Opfer auslöst, sollte man nicht den Rechtsstaat abschaffen wollen. Bitte fertig denken, bevor man aus Verzweiflung Blödes fordert.

Floaschkas
40
19.1.2012, 12:14

karl hat's 65 mal nicht gelesen

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