Negative Förderungsbescheide: Plakatprojekt und NS-Vergangenheit "kein Thema"
Innsbruck-
Am 21. November 2011 freute sich der Wiener Künstler Oliver Ressler: Er
hatte eine Förderzusage von 8400 Euro für sein Projekt im Rahmen der
TKI open 2012 - Thema: "Was kein Thema ist" - bekommen. Eingereicht
hatte Ressler das Plakatprojekt "Wahlen sind Betrug". Die Plakate
sollten auf großen Flächen zwei Wochen lang in Innsbruck zu sehen sein,
laut Juryentscheid auch im Hinblick auf die Innsbrucker Gemeinderatswahl
im April 2012.
Überrascht war Ressler einen Monat später: Am 21.
Dezember 2011 erreichte ihn eine E-Mail der Kulturabteilung des Landes,
laut der das Projekt "nach nochmaliger Prüfung nun doch nicht
gefördert" werde. Eine Begründung für die Absage bekam Ressler auf
Nachfrage nicht. Knappe Antwort aus der Kulturabteilung: Die Arbeit
könnte nicht gefördert werden, da der Text auf dem Plakat falsch sei.
Für
Ressler können die Verantwortlichen des Landes seiner
Projektbeschreibung offenbar inhaltlich nicht folgen: Der Slogan "Wahlen
sind Betrug" sei bereits 1968 in Paris geprägt worden. "Wahlen werden
in repräsentativen Demokratien oft zu sinnentleerten Ritualen",
wohingegen Entscheidungen zunehmend abseits öffentlicher Debatten, etwa
in der EU oder von der Weltbank getroffen würden. Auch das Projekt des
israelischen Künstlers Tal Adler, der den Tiroler Umgang mit der NS-Zeit
thematisieren sollte, wurde nachträglich abgelehnt.
Kulturlandesrätin
Beate Palfrader (VP) begründet die nachträglichen Ablehnungen mit den
Förderrichtlinien. Für die Tiroler Kulturinitiative (TKI) ist die
nachträgliche Aberkennung der Förderung politisch motiviert. Das Land
setze sich über eine Fachjury hinweg. (ver / DER STANDARD, Printausgabe, 19.1.2012)