Einserkastl rau

Traumkapitän

Kolumne | 18. Jänner 2012, 19:00

Die Traumschiff-Formel hat offenbar wenig zu tun mit der Realität des Kapitäns der Costa Concordia

Der Kapitän eines Luxus-Kreuzfahrtschiffes hat so zu sein: ein Halbgott in Weiß oder Marineblau und Gold, gerne auch weißhaarig und weißbärtig (aber irgendwie doch noch attraktiv für die lustigen Witwen an Bord), vor allem von geradezu olympischer Ruhe und Autorität, kompetent in jeder Situation, ob es nun um den Angriff von somalischen Piraten oder Eheprobleme bei Passagieren geht. Das ist die Traumschiff-Formel, die aber offenbar wenig zu tun hat mit der Realität des Kapitäns der Costa Concordia, wie wir sie jetzt aus den Aufzeichnungen des Funkverkehrs während des Unglücks erkennen müssen:

Küstenwache: "Hören Sie, Schettino, vielleicht haben Sie sich selbst gerettet, aber verdammt noch mal, gehen Sie zurück an Bord ... und sagen Sie mir, wie viele Menschen da sind und welche Hilfe sie brauchen!"

Kapitän: "Ich bin in einem Rettungsboot, um die Rettung zu koordinieren ..."

Küstenwache: "Was koordinieren Sie da? Koordinieren Sie die Rettung von Bord aus! Das ist ein Befehl! Da gibt es für Sie nichts zu überlegen!"

Kreuzfahrten erleben einen Superboom. Die vielen Riesenschiffe mit den tausenden Passagieren (die ganz wenigen Großreederein gehören) - leiden die möglicherweise an einem Mangel an kompetentem Personal? Die Preise sind gesunken, aber wird dann auch noch genug in die Sicherheit investiert? (DER STANDARD Printausgabe, 19.1.2012)

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Posting 1 bis 25 von 88
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Angelika70
00
23.1.2012, 16:14

Der Traumschiffkapität hat nichts mit der Realität zu tun. Überraschun!
Das gilt analog aber auch für Polizisten in Krimisereien und Ärzte in Ärzteserien etc.

Und was nun?

Nathaniel Winerib
11
19.1.2012, 18:42
Italienische Verhältnisse

Ich trau' dem Offizier von der Küstenwache aber auch nicht recht. Dieser hat die Gespräche bekanntlich aufgezeichnet und manches erscheint mir hier ziemlich gekünstelt an dem Gebrüll (in voller Länge zu hören auf BBC).

Ich werde jedenfalls nie an Bord eines italienischen Schiffes gehen, wenn ich nicht Lebensmüde bin. Italiensiche Transportmittelqualität: Zu Luft ein Selbstmordkommando, auf der Straße 'Fehler in allen Teilen', zur See mit Schiffbruchgarantie... Italienische Verhältnisse halt!

Poldi Fesch
00
21.1.2012, 19:03
?? Zivildiener ?

Gott Kupfer hast auch keinen gehabt, oder wie? Das dieses Gespraech aufgezeichnet wird, wurde bekanngemacht u. ist auch Vorschrift. Der normale Tonfall, einem Dodel zu erklaeren, wo es lang geht

sloatvie
02
19.1.2012, 16:07

Die Kommentare, die sich verstehend vor diesen Kapitän stellen ... liebe Leute, schlagt doch einfach mal im Seerecht nach:

Der Kapitän muß an Bord sein:

- Bei drohender Gefahr
Erfährt er von derselben, wenn er nicht an Bord ist, so hat er sich schleunigst an Bord zu begeben.

- Wenn das Schiff sich in Seenot befindet

Ich hoffe damit ein paar Unklarheiten aus dem Weg geräumt zu haben!

der wahre Hagen von Tronje
20
19.1.2012, 14:40
Da erinnert man sich dann gerne an einen ...

... Captain Sullenberger. Tja nicht jeder ist zum Held geboren! Übrigens, wer kennt die drei dünnsten Bücher ?
1) britische Kochkunst
2) deutscher Humor
3) ........

na eben !

Herpracka
 
21
19.1.2012, 16:46

italienische Heldentaten !

Nathaniel Winerib
00
19.1.2012, 19:11

...das kuerzeste Buch der Welt!

hotzenplotz1001
11
19.1.2012, 14:21
Kapital ist volatil. Der Kapitän muss, wie es aussieht, die Krot schlucken. Die Gewinner der Traumschiffbranche werden kaum mit Einbußen rechnen müssen.

Knallt das Traumschiff auf dem harten Felsen der gewinnmaximierenden Realität auf, schicken die Schiffseigner die Besatzung einfach wieder in den Rettungskurs 1 von Dr Roland.

scrotum2012
00
19.1.2012, 14:05

als alter kreuz und transatlantik fahrer habe ich einige kapitäne erlebt. die von cunard sind für mich die kompetentesten.ja ja, der nordatlantik ist ja auch kein karpfenteich. die kapitäne von costa und msc hab ich nur als arrogante schnösel im weissen tuch erleben können.

Angelika70
00
23.1.2012, 16:15

Hat Cunard nicht den White Star aufgekauft, nachdem diese wegen der Titanic in Konkurs gegangen sind?

Schon klar, dass die Kapitäne von Cunard das können. Jetzt.

WJM
01
19.1.2012, 13:00
Möglichkeiten

Die Reederei hat sich - allerdings zunehmend vorsichtiger - mit dem Kapitän solidarisiert. Zwischen dem Auflaufen des Schiffes und dem Rettungsruf sind ca eine Stunde vergangen. Entweder war der Kapitän betrunken, dann hätte der 1. Offizier, so nüchtern das Kommando übernehmen müssen oder aber die Reederei hat den Kapitän gedrängt, mit dem Hilferuf zu warten und trägt eine erhebliche Mitschuld!

florus flagrantius
00
19.1.2012, 16:10
nachrichten in deutschland

www.dradio.de (deutschlandfunk) berichrtet soeben, dass sich die reederei vom kapitän distanziert, ihn nicht bei der gerichtlichen verhandlung seine verteidigung übernehmen wird, sondern selbst als - da geschädigter - als nebenkläger auftretren wird.

Donarmando
03
19.1.2012, 11:43
Kompetentes Personal

Diese Diskussion hat nichts mit Kompetenz zu tun. Hören Sie das Original Gespräch und machen Sie sich Ihr eigenes Bild.

http://youtu.be/_uFRjuOUSdA

mit deutschen Untertitel.

x aeins
11
19.1.2012, 12:32

nichts mit Kompetenz zu tun?
Grundbedeutung competere = gemeinsam erstreben
Er macht exakt das Gegenteil: schnell allein weg

Donarmando
00
19.1.2012, 17:59
Ja das stimmt !

lateinisch competentia = Zusammentreffen
nichts desto trotz wollte ich darauf hinweisen dass jemand als sehr kompetent gelten kann (kompetent an Wissen usw.) und trotzdem bei einer Notsituation komplett versagen wie dies hier der Fall war. Schnell allein weg ist Charaktersache und nicht fachliche Kompetenz! Kompetenz kann man prüfen - Charakter nicht!

bertil
21
19.1.2012, 11:24

Der Kapitän der mit seinem Schiff untergeht, das war in einer Zeit, in der auch die Passagiere und Zeitungsleser aus einem anderen Holz geschnitzt waren. Diesen Kontext gibt es nicht mehr. In der Navy stehen sie auch nicht mehr stiff upper lip draussen am Balkon, sondern sitzen tief unten in einem dicken Sessel und dirigieren Marschflugkörper. So weit weg vom feindlichen Gestade, dass eine Alpenrepublik dazwischen Platz hätte. Wir sollten wohl alle leiser treten.

URKNALL
00
19.1.2012, 14:26
Ich glaube Sie verstehen das Problem nicht. Das ist erschreckend.

bertil
00
19.1.2012, 18:58

Aber warum denn, ich werde doch sicher durch mindestens 200 Millionen (oder sinds eh 800 Millionen?) "wissende" Ankläger neutralisiert. Also kein Grund zur Panik würd ich sagen.

bertil
00
19.1.2012, 19:01

Der hat buchstäblich die Welt im Nacken. Das finden Sie nicht erschreckend?

Davy Jones
04
19.1.2012, 12:17
Niemand verlangt, dass er sich mit dem Schiff opfert,

doch der kommandierende Offizier trägt die Verantwortung für sein Schiff, vor allem wenn er die Leute vom Schiff runter kriegen muss. So wie ein Feuerwehrhauptmann einen Löscheinsatz nicht von seinem Wohnzimmer aus koordinieren kann/darf, weil ihm dann der Überblick fehlt, hat ein Kapitän auf dem Schiff auf der Brücke zu stehen, wo die notwendige Infrastuktur vorhanden ist, den Fortschritt der Evakuierung zu koordinieren. Hier geht es um Feigheit, Pflichtvergessenheit und "Verrat" an der Besatzung, die er so +/- sich selbst überlassen hat.

bertil
20
19.1.2012, 13:10
von der Insel aus konnte er das ganze Schiff überblicken oder nicht?

"Ich habe sämtliche Pläne und die Passagierliste bei mir. Schicken sie Boote, Beleuchtung, Kommunikationsmittel" - wäre das falsch gewesen? Hätte ein anderer Einsatzleiter sich eher auf der Insel positioniert oder eher auf dem Rumpf eines auf der Seite liegenden Schiffes? Was hatte er wirklich vor? Wollte er sich Überblick verschaffen um handeln zu können? Wurde er daran gehindert durch die Überreaktion anderer? Hatte er einen guten Plan und ist dadurch erst mental zusammengebrochen? Fragen, die wir hier nicht klären werden können.

x aeins
13
19.1.2012, 13:18

hoffentlich fallen seinem Anwalt bessere Argumente ein.
Was er wollte? Nichts wie weg!

bertil
00
19.1.2012, 13:24

Hoffentlich bekommt er die. Est modus in rebus. Welche Last kann man einem einzelnen Menschen für sein sicher fürstliches Gehalt aufbürden und wo ist die Grenze...

x aeins
02
19.1.2012, 13:31

klar. Was kannst von einem Bergführer, der dich mutwillig in eine Steilwand schleppt und dann die Flucht ergreift, verlangen? Nix. Ist auch nur ein Mensch.

zuschön
19
19.1.2012, 11:23
Jedem seine Traumschifffahrt...

ORF-Weltjournal am 18.01: Bordpersonal, das unter sklavenähnlichen Bedingungen für 2-3 Euro die Stunde rund um die Uhr hackelt. Schnäppchen jagende Touristenspießer, die unhinterfragt vermeinen, sich ein bissl "Traumschiff-Flair" (TV-Serie) einzukaufen. Die große weite Welt. Für ein paar Tage zwischen Massenrestaurants, Abzocker-Bars, Kosmetikstudios, Poolparties, Schlagerparaden, Fitnessstudios etc. Eine dauerbeschäftigte Touristenmasse, der straff durchorganisiert und zeitprogrammiert ein verlogener Erlebnisramsch verkauft wird. Inklusive überfallsartigem Durchschleusen durch souvenirparate Anlegerorte. In Riesen-Containern mit dem Energieverbrauch einer Kleinstadt. Das boomt. Wie deppert und naiv muss man sein, um sich das zu geben?

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