Privat errichtete Gedenktafel für das KZ Hallein

18. Jänner 2012, 18:41
  • Artikelbild
    vergrößern 500x332
    foto: standard/ruep

    Nachdem die Stadtregierung das Mahnmal abgelehnt hatte, wurde es nun aus privaten Mitteln errichtet.

SPÖ-Antrag auf Mahnmal in der Stadt von ÖVP und FPÖ abgelehnt

Salzburg - Bis zu 90 Häftlinge wurden zwischen 1943 und 1945 im KZ Hallein, einem Nebenlager des Konzentrationslagers Dachau, untergebracht. Gestern, Mittwoch, enthüllte die Firma Deisl-Beton eine Gedenktafel auf dem ehemaligen Standort drei Kilometer außerhalb von Hallein an einem Steinbruch. Ein SPÖ-Antrag zur Errichtung eines Mahnmals an die Stadtregierung wurde im Juni 2011 von ÖVP und FPÖ abgelehnt. Grüne und SPÖ stimmten dafür.

Ab 1943 wurden handwerklich geschickte Insassen des KZs Dachau nach Hallein geschickt, um dort zu arbeiten. Die Häftlinge wurden in sechs Baracken direkt im Steinbruch untergebracht, wo sie den Schikanen der SS-Wachleute ausgeliefert waren, erklärt Stadthistoriker Wolfgang Wintersteller. In den letzten Wochen vor Kriegsende bekamen die Häftlinge Angst, erschossen zu werden. Im April 1945 schmuggelten sie eine Mitteilung nach draußen, die die Widerstandskämpferin Agnes Primocic erreichte. Primocic ging direkt zum Lager und konnte 17 Häftlinge befreien.

"Die Tafel steht auch für das Gedenken an die mutige Agnes Primocic", sagt Manfred Deisl, der Eigentümer von Deisl-Beton in Hallein. Er stellte den Grund und das Material für die Gedenktafel zur Verfügung. Seine Eltern pachteten das Areal 1947. Bis in die 60erJahre stand die alten Baracke noch auf dem Firmengelände.

Auch Bürgermeister Christian Stöckl (ÖVP) war bei der Enthüllung der Gedenktafel anwesend. Noch im Juni stimmte er gegen einen Antrag der SPÖ, ein Mahnmahl zu errichten. Man sei auf keinen grünen Zweig gekommen, wo und in welcher Form in der Stadt die Tafel stehen solle, sagt Stöckl.

Schon 2001 gelangte das ehemalige KZ Hallein in den politischen Diskurs. Der ehemalige FPÖ-Stadtrat Gerhard Cilea bestritt die Existenz des KZs in Hallein als Reaktion auf die Ehrung der Fluchthelferin Agnes Primocic. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, Printausgabe, 19.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 36
1 2
byron sully
05
19.1.2012, 15:25

lob der firma und schande über die övp (von der fpö erwartet man sich eh nichts in die richtung).

Stuff
15
19.1.2012, 15:03
Für mich

ist die Ablehnung von Mahnmalen Deutscher Greuel nur die uneingestandene Anerkennung dieser. Dass hierzulande das Gesindel aus der untersten Schublade mitmachen wuerde (und dann auch mitmachte), das war schon 1848 absehbar, wo insbesondere deutschnationale Revolutionäre nach Erkämpfung der Freiheit auf der Brigittainsel die sich zuallererst die Freiheit zu einem Pogrom nahmen.
Kein Zufall, dass die Aufzeichnungen eines Zeugen dieser Revolution gleich zweimal aus dem Mistkübel gerettet werden mussten, so sieht _oesterreichische_ Geschichtswissenschaft aus!
Den ablehnenden Fraktionen im Halleiner Gemeinderat ein herzliches "Pfui Teufel", Kollaborateure, selbst hintnach auch noch!

Dragomir
01
19.1.2012, 14:41
Dragomir
00
19.1.2012, 14:36

Hier ein passender Kommentar über das Leben eines der Häftlicnge, ein großer aus dem Salzkammergut, Sepp Bliaseis.http://de.wikipedia.org/wiki/Sepp_Plieseis.

Dragomir
10
19.1.2012, 14:32

Wenn der Sepp Bliaseis den Herrn Stadtrat einmal getroffen hätte, hätte letzterer ein paar ordentliche Watschn bekommen (siehe auch S. Blieseis "vom Ebro zum Dachstein").

twinter
26
19.1.2012, 13:03
shame on you FPÖ/ÖVP

Vielleicht die Vergangenheit aufarbeiten statt mit aller Gewalt versuchen zu verdrängen.

IncontinentIceweasel
15
19.1.2012, 09:46
Wahnsinn...

...das sich ein Bürgermeister mit einer "ich stell mich einfach dumm"-Taktik so lange im Amt halten kann. Dass Hallein klein genug ist, dass das Dorfkaisertum dort funktioniert, hätt ich mir jetzt nicht gedacht.

tignosa
14
19.1.2012, 11:53
der Herr Bgm driftet immer weiter nach rechts

vor ein paar Jahren hat er noch das Asf unterstützt, jetzt spielt er gern den law- and- order- Sheriff und beim Gedenken an die NS- Opfer bezieht er mit seiner Vogel-Strauß- Haltung im Prinzip gleich FPÖ- Positionen.

IncontinentIceweasel
02
19.1.2012, 14:02
Ob er nach rechts driftet, kann ich nicht beurteilen.

Aber was Sie mit Vogel-Strauß-Haltung meinen, meine ich mit "sich dumm stellen". Jedenfalls läuft es in Hallein wie im Rest der Republik: Wenn die Maschine gut geschmiert ist, dann bekommen manche ihren Willen. Alle anderen werden nicht einmal ignoriert.

Hofer1002
212
19.1.2012, 08:57
Muss

eine tolle Frau gewesen sein, die Agnes Primocic. Höre heute das erste mal von ihr. Schade dass man über die wahren HeldInnen des zweiten WK so wenig erfährt. Im Gegensatz dazu gibt es in St.Johann im Pongau eine Hans Kappacherstrasse, und ich hoffe nur der Namenspate war nicht jener Hans Kappacher der in der Nazizeit vom Kreisleiter ernannter Bürgermeiser des in Markt Pongau umbenannten St.Johann war. Es gab ja damals auch ein kleines KZ in St.Johann im Pongau das ein paar tausend Tote zu "beklagen" hatte. Und dieser Hans Kappacher ist Ehrenbürger in St.Johann. Da bekomme ich das große Grausen.

tignosa
02
19.1.2012, 11:50
in Kuchl auch

da gibt es einen "Max- Huber- Weg". Das war der kommissarisch eingesetzte Nazibürgermeister.

Kontrahent1
12
19.1.2012, 11:20
Meine Oma fuhr mit ihrem Dienstmädchen

und einem Korb voll Brot zum Lager Bergen Belsen als sie erfuhr, daß die Menschen dort hungerten. (In ihrer 'schlichten' Denkweise glaubte sie, es handelte sich um eine 'Besserungsanstalt'. Sie war halt aus einer anderen Zeit.) Mit Schüssen wurden sie vom Eingang vertrieben.- Frau Primocic hatte wohl mehr Glück.

tignosa
12
19.1.2012, 11:41
Auch Ihre Oma hatte Glück

sie hätte ermordet werden können. Respekt vor Ihrer Oma. Wieviele andere haben lieber die 3- Affen- Strategie angewandt (nix sehen, hören, sagen)?

Kontrahent1
02
19.1.2012, 12:04
Erfahren hat sie das auch erst

1945. Die Informationsmöglichkeiten waren halt etwas sehr beschränkt und Menschen aus der Kaiserzeit hatten ein anderes Obrigkeitsdenken. Besonders auf dem Land und in Kleinstädten.

tignosa
12
19.1.2012, 12:53
Sie haben mich falsch verstanden, das war alles Andere als ein Vorwurf

sie und das Dienstmädchen haben durchaus couragiert gehandelt, als sie den KZ- Opfern Brot bringen wollten. Und Glück, dass die KZ- Wärter sie "nur" vertrieben haben und nicht gleich an Ort und Stelle erschossen oder behalten haben.

Kontrahent1
00
20.1.2012, 12:12
Ich habe es nicht als 'Vorwurf' verstanden,

ich wollte nur etwas weitere Information geben, warum manche Menschen nichts wussten, bzw. auch nicht die Courage hatten. Meine Großmutter war sehr resolut und ließ sich mit Worten nicht abwimmeln. Das konnte sie sich eher erlauben, da sie in der kleinen Stadt eine bekannte Person war. Ich halte ihr Andenken auch in Ehren.

Kurt Kunislav Kupfer
01
19.1.2012, 11:08
Noch so eine Frau, die bei uns wenig bekannt ist:

http://de.wikipedia.org/wiki/Dian... jevi%C4%87

suboptimal
 
06
19.1.2012, 10:51
falsche Hoffnung - der Nazi-Bürgermeister war bald nachher wieder an der Macht

Anfänglich gab es an die 40 Tote täglich. Ab 1941 befanden sich bis zu 30.000 Gefangene zeitgleich in den Lagern. Das Ortsbild wurde geprägt von diesem Grauen. Viele Gefangene starben an Erschöpfung, durch Seuchen, erfroren, verhungerten oder wurden hingerichtet.

Der nationalsozialistische Bürgermeister Hans Kappacher versuchte in keiner Weise den Bau zu verhindern. Hans Kappacher wurde 1949 als Kandidat der ÖVP wiederum zum Bürgermeister von St. Johann im Pongau gewählt. Heute ist eine Straße nach ihm benannt und er ist Ehrenbürger der Stadt St. Johann im Pongau.
http://de.wikipedia.org/wiki/Stam... _%28317%29

cst
04
19.1.2012, 13:43
Genau.

Kann ich bestätigen, obwohl dieser Nachname mittlerweile lokal weit verbreitet ist. Aus dem untenstehenden Link darf ich das Buch "Der nationalsozialistische Markt Pongau" hevorheben, das ich selbst schon vor vielen Jahren gelesen habe. Es ist wirklich lesenswert und sehr gut recherchiert. (Viele) Verbrecher genauso wie (wenige) Helden gab es während dieser Zeit jedenfalls überall in Europa.

dakakadu
25
19.1.2012, 06:34
das rechtsextreme xindl fühlt sich ertappt

wenn man ihnen ein mahnmal hinstellt.
denn was die in wirklichkeit vorhaben gleicht einer wiederholung der geschichte.
da gehört auch die övp dazu

NWO = faschismus 2.0

der_kleine_pariser
 
22
18.1.2012, 23:12

Warum erinnert mich das jetzt an den Herrn Bartenstein?

*am Kopf kratz*

tignosa
03
19.1.2012, 11:49
Bartenstein hätt keine Tafel aufgestellt

er residiert gemütlich im ehemaligen Nazigefängnis- Schloss

der_kleine_pariser
 
00
22.1.2012, 16:02

Genau, das war's!

wieso auch nicht
26
18.1.2012, 22:51

Respekt an Herrn und Firma Deisl!

erkelteter tiger
520
18.1.2012, 22:36
jeder der die fpö wählt

unterstütz aktiv die neonazibewegung

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 36
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.