SPÖ-Kandidat für den ORF wackelt

18. Jänner 2012, 20:49
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    foto: standard/corn

    ORF-Direktor Alexander Wrabetz und sein Wunsch-Büroleiter Niko Pelinka demonstrieren ihre Verbundenheit, beruflich dürften sie in Zukunft aber dennoch getrennte Wege gehen.

Das Gerücht, Niko Pelinka würde auf seinen Job als Büroleiter verzichten, beschäftigte Journalisten wie Politiker

Wien - ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz dürfte seinen Wunschkandidaten Niko Pelinka doch nicht zum Büroleiter machen. Am Mittwoch kursierten Gerüchte, wonach Pelinka ein "besseres" Angebot als den ORF-Job annehmen könnte. Wrabetz selbst hatte eine entsprechende Andeutung fallen gelassen und eine Erklärung in dieser Causa für Donnerstag angekündigt.

Pelinka selbst habe am Mittwoch noch einen Vertrag unterschriftsfertig unter Dach und Fach bringen müssen, hieß es. Seine neue berufliche Orientierung könnte ihn ins Ausland führen.

Die Causa Pelinka hatte in den vergangenen Wochen nicht nur innerhalb des ORF zu einer Protestbewegung unter den Redakteuren geführt, sondern schließlich auch den Nationalrat erreicht. Im Parlament brachten die Grünen eine dringliche Anfrage ein, in der sie die Entpolitisierung des ORF-Stiftungsrats verlangen.

Begründet wurde der Antrag mit einer allgemeinen Fehlkonstruktion der ORF-Gremien. Der Mediensprecher Dieter Brosz schreibt im Antrag, das Problem habe wenig mit den aktuell gerade handelnden Personen zu tun, sondern liege an der Struktur der Entscheidungsfindung, "die dem ORF durch die Politik in Form des ORF-Gesetzes auferlegt wird" .

Parteipolitische Einflussnahme sei "der Kern der Konstruktion" . Das ORF-Gesetz sichere der jeweiligen Bundesregierung eine strukturelle Mehrheit in allen Gremien. Daher sei der Generaldirektor nicht nur bei seiner Wahl, sondern auch bei Postenbesetzungen auf die Zustimmung von Parteien angewiesen.

Nach Vorstellungen der Grünen sollen künftig zehn Stiftungsräte gewählt werden, die maximal acht Jahre im Amt bleiben könnten. Die jeweiligen Nachfolger würden vom Gremium selbst bestimmt. Den gewählten Mitgliedern des Stiftungsrates würde man per Gesetz untersagen, während ihrer Funktionsperiode in Geschäftsbeziehungen zum ORF zu treten.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) war von den Vorschlägen nicht überzeugt. In seiner Rede räumte er mit Ideen auf, wonach ein öffentlich- rechtliche Rundfunk je ohne Parteieneinfluss sein könnte: "Dass Parteien gar nichts mehr zu reden haben, das gibt es in ganz Europa nicht" , verwies Faymann etwa auf BBC und deutsche Sender.

Wenn nun Interessenverbände et cetera die Zusammensetzung des Stiftungsrats entschieden, wie sich das die Grünen vorstellten, würde sich gar nichts ändern, führte der Kanzler aus. Weil dann würden eben Grüne Wirtschaft, eine SPÖ-Organisation oder der ÖVP-Wirtschaftsbund ihre Vertreter dort sitzen haben.

Als Zeugen dafür, dass trotz der gegenwärtigen Diskussion nicht alles so schlecht sei, zitierte Faymann ausgerechnet einen der Proponenten der aktuellen Belegschaftsproteste. Der Moderator der Zeit im Bild 2, Armin Wolf, habe in einem Interview klargestellt, dass es in den Redaktionen derzeit ein viel größeres Maß an Freiheit gebe, als er es im ORF jemals erlebt habe.

SPÖ-Klubchef Josef Cap plädierte für eine "Abkühlphase" , die ausschließt, dass Stiftungsräte nahtlos ins Unternehmen wechseln. Außerdem plädierte Cap für eine dauerhafte Refundierung jener Gebühren, die dem ORF durch die Befreiungen für sozial Bedürftige entgehen. Der Betrag solle jährlich vom Nationalrat festgelegt werden, um die Arbeitsbedingungen der Journalisten zu sichern, sagte Cap.

Unmut erzeugten neben der Causa Pelinka weitere politisch beeinflusste Postenvergaben:

  • Robert Ziegler Den Job des Bundesländerkoordinators wurde eigens für den schwarzen Betriebsrat (und Stiftungsrat) geschaffen. Die Medienbehörde KommAustria verurteilte Ziegler erst diese Woche. Er ordnete per Rundmail an, den norwegischen Attentäter Anders Breivik nicht als "christlichen Fundamentalisten" zu bezeichnen, sondern als "religiösen Fanatiker" oder vor allem als "Rechtsextremisten" .
  • Thomas Prantner Der Job des technischen Vizedirektors wurde ebenfalls geschaffen und war Bedingung für blaue Stimmen zu Wrabetz' Wahl.
  • Helmut Krieghofer Der ehemalige ÖVP-Landesgeschäftsführer ist seit 1. Jänner Landesdirektor im ORF Tirol.
  •  Michael Götzhaber Der rote Technik-Betriebsrat (und Stiftungsrat) Michael Götzhaber wurde zum Technischen Direktor bestellt.

Ziegler gilt durch die Verurteilung der KommAustria ORF-intern inzwischen als untragbar. Die Bestellung von Thomas Prantner dürfte der Betriebsrat verhindern. Dass Götzhaber und Krieghofer ihre Posten zurücklegen müssen, wird als eher unwahrscheinlich eingeschätzt.

Das ist auch den Redakteuren bewusst, die mit der Abbestellung Pelinkas, Zieglers und Prantners Frieden am Küniglberg einkehren ließen. Der Rückzug käme zum richtigen Zeitpunkt. Die Proteste der ORF-Journalisten werden immer lauter - und stoßen auf großes öffentliches Interesse.

Das Video der ZiB-Redakteure legt weiterhin einen Höhenflug hin: 400.000 griffen auf den Zweiminüter seit Montag zu. In der News-Rangliste von Youtube ergab das weltweit Platz vier. "Das hätte ich mir nicht träumen lassen" , sagt Redakteurssprecher Dieter Bornemann.   (nik, prie, DER STANDARD; Printausgabe, 19.1.2012)

Zum Thema
ORF-Dringliche der Grünen im Nationalrat: Faymann lehnt Antrag ab -
"Dass Parteien gar nichts mehr zu reden haben, gibt es in ganz Europa nicht" - SPÖ für Abkühlphase - Kopf für neues ORF-Gesetz nach Vorbild der AG

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Posting 1 bis 25 von 53
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Knut Ogris
01
19.1.2012, 10:29
Können wir jetzt endlich zum ARBEITEN anfangen, ich weiß nicht ob meine Kollegen auch solche Erfahrungen machen - aber da wird seit Monaten auf alles mögliche gewartet, erst die Wahl, dann auf die TV Direktorin und Ihren Beginn am Küniglberg?

Und in den HAL verschimmeln die ausgearbeiteten Papiere, Drehbücher, Konzepte etc.inzwischen, weil die alle nur mit sich selber und ihrem Betrieb beschäftigt sind - Meine Kollegen und eigentlich alle Produzenten, haben den ORFlern die Pleite erspart und ihre Gage gerettet, mit dem Lobbying - jetzt erwarte ich zumíndestens, dass man ernsthaft in Diskussion über die Vorschläge tritt - oder willman/frau wieder alles aussitzen und sich feig vor Antworten und Diskussionen mit Kreativen und Produzenten drücken?

Ich sehe da Anzeichen am Horizont und WARNE DAVOR, aus eigner Erfahrung!

getmeifyoucan
00
19.1.2012, 10:50
aus ebenso langer Erfahrung wuerde ich sagen:

genau so wirds kommen ..... also vorbereiten und andere Dinge suchen ...

Knut Ogris
00
19.1.2012, 10:23
Können wir jetzt endlich zum ARBEITEN anfangen, ich weiß nicht ob meine Kollegen auch solche Erfahrungen machen - aber da wird seit Monaten auf alles mögliche gewartet, erst die Wahl, dann auf die TV Direktorin und Ihren Beginn am Küniglberg....

tablespace65
02
19.1.2012, 10:11
Das totale Desaster sowohl für den ORF als auch für die SPÖ steht somit vor der Tür...

Die Sozialdemokratie muss sich schon die Frage stellen, ob dieser Justament-Standpunkt bezüglich des Büroleiterjobs von. N. PELINAK den ganzen Aufwand - und v.a. den ganzen Schaden, der damit angerichtet wurde, wert war!

Meines Erachtens sind durch diese Harakiri-Aktion sowohl der ORF-Chef A. WRABETZ als auch unser Bundeskanzler W. FAYMANN rücktrittsreif. Vielleicht sollt eman ja eher von "abschussreif" sprechen?

Filippos B€zahlnixos
00
19.1.2012, 10:23
Rudas wird für die SPÖ zur Belastung

Faymann muss sie rasch loswerden sonst bekommt auch er mächtig Probleme.

tablespace65
00
19.1.2012, 10:25

Ah, genau! Auf die von mir heiß geliebte "Genossin" L. RUDAS habe ich in meiner Aufregung und in meinem Ärger ganz vergessen...

till claudius
00
19.1.2012, 10:00
An und für sich ..

haben ja Bornemann und Co nicht Unrecht, aber waren haben sie bei den schwarz-braun-blauen Beförderungen nicht schon so aufgeheult? Es ist also doch etwas einseitig. Alle vier Besetzungen sind grundfalsch.
In einem Staatsrundfunk gibt es natürlich politischen Einfluss, das gab es noch stärker bei Frau Lindner,ist auch nicht grundfalsch, aber so penetrant ist doch unappetitlich.
Ich bin über 40 Jahre SPÖ-mitglied und stelle bei Rudas ua völlige Fehlbesetzungen fest. Die sind doch alle nicht ernst zu nehmen. So vertreibt man die letzten Wähler. Sogar noch in Wien. Dass sich das BGM Häupl auf Dauer gefallen läßt, wundert mich.

Zivilgeselle
00
19.1.2012, 09:59
Berlusconismus mit Mafiamethodik

In den Landesstudios Voralberg, Tirol und NÖ regieren die Schwarzen teils mit unumschränkter Macht.
In NÖ ist es besonders unerträglich, weil seine Hoheit Kim Jong Erwin, der Erlöser der NÖ mit bundesweiten "Be- und Verstrebungen" sogar seinen Neffen hinausgemobbt hat, weil er nicht "spurte".

Der liebe Onkel Erwin diktiert die wichtigsten Posten der schwarzen Reichshälfte und amputierte die ÖVP "Parteigremien" von jeder Mitsprache.

Spindi, Mikl Leitner und alle Medien in NÖ müssen seiner Hoheit huldigen, sonst müssen sie zum Rapport oder bekommen keine Inserate mehr.

Kein einziger ORF NÖ Mitarbeiter hat den "Protest" unterstützt. Das wäre unehrlich und Hochverrat gegenüber dem Onkel.

Sunnseitna
01
19.1.2012, 09:47
Nie wieder Billa

Wenn der Pelinka wirklich zu Rewe geht, kauf ich nie wieder beim Billa ein - und beim Spar auch nicht!

Besen Ding
 
00
19.1.2012, 09:23
"Seine neue berufliche Orientierung könnte ihn ins Ausland führen."

Flucht ist keine Lösung! ;-)

Bahnsteig 7
01
19.1.2012, 09:31
Zeit den Bachelor nachzumachen

den Niko an der Donau Uni überspringen durfte auf dem Weg zum Master of Science.

Pelinka, Nikolaus: Konflikt oder Kooperation?, Masterthese, Donau Uni, Dept. für Politische Kommunikation 2009.

Dr Stänkerer
01
19.1.2012, 08:39
Ein VW Versorgungs-Job mit Klima? Ein Botschaftssekretariat?

Selbst auf Jobsuche ist er wohl ict gegangen. In Österreich hat sich der Bub ordentlich selbstbeschädigt. Falls er je Kompetenz hatte, glaubt ihm das daheim kein denkender Mensch mehr...
Jedenfalls wird de runter extremem Schnöselverdacht stehende Kandidat im Ausland wohl auf heilsame Größe zurechtgestutzt werden.

Cronos
01
19.1.2012, 08:35

Finde es interessant, wenn Wolf die größere Freiheit betont.

Die Frage, die sich mir stellt ist, ob das ein nicht der linken Gesellschaftsidee verbundener auch so sieht, oder ob sich jener jetz so eingeschränkt erlebt wie Wolf in der Zeit vor Wrabetz.

Blutarsky
00
19.1.2012, 08:34
We removed the symptom

but not the cause.

Doktor Jörg Haider
00
19.1.2012, 08:08
Soll er halt für "heute" schreiben ...

Filippos B€zahlnixos
00
19.1.2012, 10:25

kann er "schreiben"?

Almi66
06
19.1.2012, 07:24
Pelinka, das Symbol des Verfalls!

Ein Schlag ins Gesicht all jener, die studiert haben und keinen, oder einen prekären Job finden. Pelinka ist das Symbol für den moralischen Verfall der SPÖ.

tablespace65
01
19.1.2012, 10:15
Das ist aber kein SP-spezifisches Problem!

Man braucht sich ja nur die Lichtgestalten der SCHÜSSEL-HAIDER-Koalition anzusehen: KHG, H. GORBACH, E. STRASSER, H. SCHEIBNER ...

Herr und Frau Österreicher
 
00
19.1.2012, 08:33

Ach der moralische Verfall der SPÖ war schon lange vor der Geschichte vollendet... Mich würd auch mal interessieren, was die ÖVP sagt, wie sie agiert, was sie dafür bekommt etc.

Fluchtweg
01
19.1.2012, 09:13

der verfall ist bestimmt noch nicht beendet (leider)...

Herr und Frau Österreicher
 
00
19.1.2012, 09:52

Ja, stimmt schon: schlimmer gehts immer, allerdings gibts einen punkt, an dem man als Individuum sagt, "da kann ich nicht mehr mit"....In Bezug auf die SPÖ ist der Punkt bei mir schon lange erreicht, alles was folgt, dient max. als Bestätigung, im besten Fall zur erheiterung und in den meisten Fällen isses mir Wurscht!

Klaus Woltron
02
19.1.2012, 06:38
Was kann....

..eigentlich der Herr Pelinka, dass man sich so intensiv mit ihm befasst?

AEIOU1000
01
18.1.2012, 23:51
TV Korea North wants Nico as Chief Propaganda Director

daher geht er ins Ausland. Schon wieder verliert Austria seine besten Talente. Wrabenz, schau vielleicht hat der Nico einen kleinen Bruder als Ersatz.

I Am WEASEL
00
18.1.2012, 22:01

Also lässt sich der ORF nicht ans Bein pelinkeln?

KRL
01
18.1.2012, 21:07
Schau schau

Könnte dort landen:
http://www.schau-tv.at/
Unabhängig wie heute oder österreich

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