Unglückskapitän nahm den Mund zu voll

18. Jänner 2012, 18:37

Seine Aussagen kurz nach dem Unglück dürften Francesco Schettino noch länger verfolgen

Francesco Schettino sagte einmal in einem Interview, er wäre zwar nicht gerne der Kapitän der Titanic gewesen, aber "ich denke, mit der richtigen Vorbereitung kann jede Situation durchgestanden und jedes Problem verhindert werden" .

Bei dem Gespräch 2010 konnte der 52-Jährige nicht ahnen, dass er einmal für das teuerste Schiffsunglück der italienischen Geschichte verantwortlich gemacht werden würde. Nach bisherigen Erkenntnissen soll er am Abend des 13. Jänner die mit rund 4200 Passagieren besetzte Costa Concordia gegen einen Felsen manövriert haben. Eigentlich habe er die nahe Insel Giglio grüßen wollen - "Verneigung" heißt das Manöver. Doch das Schiff kam der Küste zu nahe.

"Ins Rettungsboot gefallen"

Dass Schettino bei dem Interview 2010 den Mund vielleicht etwas voll nahm, wird ihm heute kaum jemand vorwerfen. Sehr wohl aber, was er nach der Katastrophe so sagte. Der seit 2002 im Dienst der Costa Kreuzfahrten stehende Seemann, der ab 2006 die Kapitänsmütze trug, gab bei der Befragung vor Gericht zwar zu, Fehler gemacht zu haben, allerdings sei er dabei "ein Opfer seiner Gedanken" gewesen. Auf den Vorwurf, er habe das Schiff zu früh verlassen, wandte er ein, er sei ins Rettungsboot gefallen.

Dass Schettino Seemann geworden ist, war dagegen kein Zufall. Der auf Urlaubsfotos der letzten Jahre meist braungebrannt in strahlend weißer Uniform abgelichtete Schiffsbefehlshaber stammt aus einer Seefahrerfamilie aus Meta di Sorrento, einem Ort bei Neapel im italienischen Kampanien. Er dürfte eine enge Beziehung zu seiner etwa 80 Jahre alten Mutter Rosa pflegen. Sie soll die Erste gewesen sein, die er nach dem Unglück anrief. "Es ist hier eine Tragödie passiert, bleib aber ruhig, ich habe noch versucht, die Passagiere zu retten" , soll er zu ihr gesagt haben.

Bevor Schettino Herr über ein 290-Meter-Schiff wurde, war er verantwortlicher Offizier für Sicherheit bei der Reederei Costa Crociere. Schettino soll regelmäßig für den Ernstfall trainiert haben. Ein Crew-Mitglied sagt, es habe ihn als "gut organisierten, kompetenten Menschen kennengelernt" .

Nun drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft wegen fahrlässiger Tötung - es gilt die Unschuldsvermutung. Was Schettino in unbeschwerten Tagen einmal einer Zeitung sagte, nämlich, dass Menschen "glücklicherweise" Tragödien schnell vergessen, mag auf manche zutreffen. Die Tragödie der Costa Concordia aber wird ihn -und nicht nur ihn - noch lange verfolgen. (Gudrun Springer, DER STANDARD Printausgabe, 19.1.2012)

Share if you care
Posting 26 bis 75 von 103
1 2 3
Sie, und alle die ihnen Zustimmen verstehen wohl eher weniger von Seefahrt und Seerecht.

Egal wer 'schuld' ist, die letzte Verantwortung trägt immer der Kapitän. Dafür hat er auch ziemlich uneingeschränkte Entscheidungsbefugnisse.

Und es ist nicht symolisch zu verstehen, dass er als letzter von Bord geht. Er darf erst von Bord, wenn es nichts mehr zu entscheiden gibt.

"und alle die ihnen Zustimmen"

Hier geht es um 2 Dinge:
1) Unfallsverursachung
2) Verhalten bei der Evakuierung

Interessant, dass alle Zustimmer (wie auch ich) sich auf die Unfallsverursachung beziehen und Sie uns Verständnis für "Seefahrt und Seerecht" absprechen wegen der Evakuierungsgeschichte.

Sie sollten eher ihre eigene Fähigkeiten des Differenzierens hinterfragen.

Und Ja: Der Kapitän hat (wie jeder Chef) die Letztverantwortung. Aber das hat mit Schuldfrage nur seht bedingt was zu tun.

Schuld ist

die Vorwerfbarkeit des Handelns u. dem Typ kann man schlicht "alles" vorwerfen

Zum Differenzieren:

Ich beziehe mich vor allem auf die Unfallverursachung, und erst in zweiter Linie auf das Verhalten danach. Das Verhalten danach mag vielleicht zeigen, wie das Verhalten davor gewesen sein könnte.

Und völlig unabhängig davon wer 'schuld' ist im Sinne von Verursacher: der Kapitän ist der, der dann vor Gericht steht (möglicherweise nicht alleine).

Zum Unterschied von Firmen, wo die Konsequenzen der Verantwortung schon sehr aufgeweicht sind, so sehr, dass sie in manchen Köpfen schon nahezu nicht stattfinden sind sie in der Seefahrt immer noch klar und eindeutig.

Ah geh

Dass sie sich in ihrem Posting "vor allem" auf den Unfall und nicht auf das Verhalten danach beziehen ist nur sehr kreativ herauszulesen.

Und "Konsequenzen der Verantwortung": Was ist, wenn sich herausstellt, dass ein verantwortlicher Offizier einen schweren Fehler gemacht oder gar mit Absicht sabbotiert hat. Erhält er dann lt. ihrer "klar und eindeutigen" Seefahrt dennoch 15 Jahre Haft und lebenslangen Patententzug wie hier gefordert wurde? Oder könnte es sein dass er dann auch frei geht und daher eine "Vorverurteilung" jetzt nicht angebracht ist.

Ah geh!

Und was ist wenn:
- Die Aliens das Schiff in ihrer Gewalt hatten
- Der Felsen plötzlich das Schiff angesprungen ist
- Die Reederei ihr eigenes Schiff versenken wollte
- und so weiter

Sie haben einfach zuviel Unschuldsvermutung gelesen in den letzten Monaten.

Es ist relativ einfach: bei Annäherung an Land ist der Kapitän auf der Brücke, und es gehört zu seinem Job einzuschreiten, wenn der Steuermann zu nahe ans Land steuert. Und weil er die letzte Entscheidungsinstanz ist, hat er die Rettungsmassnahmen zu koordinieren und nicht einem Muatterl auf das Rettungsboot zu helfen.

Die mildernden Umstände werden vom Gericht berücksichtigt werden.

so ist es..

wieder mal ziemlich billig und polemisch. könnte ich einer randglosse der krone stehen, würde keinen unterschied machen.
aber: die meute will eben jemanden zum draufsteigen, das muss man bedenken.

es liegt im Wesen der Seefahrt

dass dort der Kapitän der Letztverantwortliche ist. Bei einer klaren Kommandokette wie auf einem Schiff trägt der Kapitän für einen falschen Befehl die ganze Verantwortung.

Natürlich muss man auch fragen wer mitverantwortlich ist - wenn ein Kapitän dutzende Male vom richtigen Kurs abweicht muss das auch die Reederei gewusst und gebilligt haben.

Sehe ich auch so

Der Kapitän steht ja nicht einfach so alleine am Ruder und lenkt nach dem Sonnenstand bzw. Sternenhimmel. Da müssen ja mehrere Fehler gemacht haben bzw. es gab wirklich massive technische Probleme.

sehe ich auch so!

und v.a. dass alle über ihn herfallen, weil er nach dem leckschlagen so nahe an die küste herangfahren ist....

was glaubt Ihr, wie sehr sie über ihn hergefallen wäre, wenn er im offenen Meer geblieben wäre? wo das schiff dann wohl schon längst am grund aufgeschlagen wäre...

Kampanien -> Neapel -> Camorra....

die herren werden schon einen guten anwalt bezahlen. gehört sich so! in einigen jahren wird er wieder für die ehrenwerte gesellschaft arbeiten.

L.

Erstaunlich wie sich Parallelen zu einem gewissen Profumo abbilden

alle vorbereitungen nützen nichts, wenn man betrunken ist.

Naja die mediale Aburteilung...

...hat ja eh schon stattgefunden. Kaum einer war dabei und von denen, die dabei waren, hatten nur die allerwenigsten direkten Kontakt mit dem Kapitän. Meines Erachtens sind noch viele Fragen ungeklärt. Was war alles mit Schuld am Unglück? Fahrlässigkeit oder hatten doch auch falsche Karten eine Rolle gespielt? Vielleicht ist er wirklich über Bord gefallen? Bei 70° Schlagseite kann das schon sein. Hat er wirklich "ins Boot gefallen" gesagt oder ist das mangelhaft übersetzt? Was weiß man wirklich, außer, dass er in einer extremen Ausnahmesituation am Telefon geistig träge und überfordert geklungen hat. Und wer, der diese Fragen jetzt beantwortet, hat gesicherte Quellen. Immerhin hat man (wer auch immer) auch über 4000 sicher von Bord gebracht

vielen Dank

absolut ihrer Meinung

was brauchen Sie noch alles?

Am ersten Tag behauptet er bis zuletzt an Bord geblieben zu sein,
drei Tage später ist er dann in ein Boot gefallen und wurde ans Ufer geschanghait, von wo er nicht mehr zurück an Bord gelassen wurde
falsche Karten von dem seit Jahrhunderten perfekt vermessenen Gebiet gibt es nicht, das behauptet seit Tagen niemand mehr,

und da haben Sie wirklich noch Fragen nach Verantwortung und Zuverlässigkeit des Kapitäns?

Solange die Instanzen...

...welche diese Nachrichten transportieren, nicht zuverlässig sind, sind sie auch nichts wert. Der eine sagt "Er hat A gesagt", der nächste behauptet "Nein, er sagt B" und wem glaube ich? Dem Dritten, der meint "Selbstverständlich sagte er C"? Der Informationsstand ist Unklar. Nur Gerüchte. Und auf Grund dieser Gerüchte wird der Sündenbock medial kielgeholt. Das ist, was ich kritisiere. Die Schuldfrage zu beantworten überlasse ich nicht wie Sie, mir selbst, oder den Medien, sondern anderen.

sie haben das

Funkprotokoll, sogar als Audio, was wollens denn noch ?

Es ist völlig wurscht, wer wann was gesagt hat oder berichtet:

Das Schiff ist gestrandet und er ist der Kapitän gewesen.

Alles weitere sind Details!

In Summe machen die ein zumindest seltsames Bild. Hätte sich der Kapitän dabei mustergültig, korrekt und womöglich nahezu heldenhaft verhalten, dann wäre das wohl auch in den Medien zu finden.
Findet man aber nicht, also wirds wohl eher nicht so gewesen sein.

Eben das bezweifle ich

Nahezu jedes Thema, bei dem man wirklich bescheid weiß und von dem man - fast egal in welchem Massenmedium - hört, wird dort schlecht, falsch oder unvollständig abgehandelt.

Details sind in solchen Fällen wesentlich. Dass er auf dem Rettungsboot war, während die Evakuiering lief, scheint eine Tatsache zu sein. Warum er dort war? Ein Detail? Mag sein, aber ein wesentliches!

Es stimmt, dass es in den medien keine wirklich sachgerechte Berichterstattung gibt,

bzw. man mit etwas nachdenken hinter die Kulissen blicken kann.

Trotzdem: ein Kapitän hat sein Schiff gegen den Felsen gefahren und es gab Tote. Das führt zwangsläufig zu einer Gerichtsverhandlung - und dort sind die Details relevant.
Aber auch dort werden die dokumentierten Aussagen eine Rolle spielen, und deren Veränderung über die Zeit.

Das erste war ein ungeschnittenes Interview, dessen Übersetzung von niemandem widersprochen wurde,
das zweite der Bericht einer seriösen Zeitung, dem weder Staatsanwalt, noch Gericht, noch Verteidiger widersprachen.
Was könnte denn noch zuverlässiger sein?

Aber ich kenne genug Menschen, die unbedingt jedem der angegriffen wird zu Hilfe eilen müssen - egal wie egoistisch, unveranwortlich und gemeinschaftsschädigend der gehandelt hat - "das arme Mobbingopfer" heißt es dann immer. Schein bei vielen ein innerer Zwang zu sein.

Naja im selben Land...

...da ist es nicht lange her, dass eine gewisse Frau Knox enthaftet wurde, weil man letzlich gar nichts in der Hand hatte. Die ganzen Staatsanwälte und ach so seriösen Zeitungen und auch erstinstanzlich das Gericht waren letztlich alle voll auf dem Holzweg... und die haben weit länger Zeit gehabt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Wenn Sie sich an diesem Fall orientieren, dann dürfen Sie nicht einmal nach dem erstinstanzlichen Urteil etwas annehmen.

Jedenfalls ist mir unklar warum man einen unbeobachteten Mord hinter verschlossenen Türen mit dem von dutzenden Menschen beobachteten und von zahlreichen Instrumenten aufgezeichneten Verhalten eine Kapitäns vergleichen soll.
Ist für Sie das Interview mit dem Kapitän gleichwertig mit einem schwachen Indizienbeleg?

Sie haben recht:

ein großes Schiff am Strand kann man schlecht in der Hand haben!

Hat er wirklich "ins Boot gefallen" gesagt

er wollte an Land rudern und Hilfe holen!

ACHTUNG: SATIRE!

und vielleicht

ist es auch so, dass sein Verhalten eine ganzhervorragende heroische Tat war, denn wäre er an Bord geblieben und hätte in seiner Verfassung die Rettungsaktion koordiniert, hätte er in seinem Schockzustand wahrscheinlich noch mehr Fehler machen können und es wären mehr Menschen gestorben. Möglicherweise hat er sich dadurch sehr große Verdienste erworben. Aber ich war ja nicht dabei und deshalb darf ich nach Meinung mancher Poster nichts sagen. Wenn ich es mir genau überlege: Ich war bei den meisten Eriegnissen, die auf dieser Welt geschehen sind, nciht unmittelbar dabei. Und wenn ich doch dabei war, hatte ich mit den maßgeblichen Leuten oft keinen direkten Kontakt. Und Schettino ist vielleicht dissoziiert und war selbst nicht dabei.

Aber viele dieser Ereignisse sind entsprechend aufgearbeitet worden.

Dies ist bei diesem Unglück NOCH nicht der Fall. Zu vielen Ereignissen kann man sich eine MEinung bilden, zu diesem hier NOCH nicht, sofern man nicht aus erster Hand weiß, was passiert ist UND den vollen Überblick hat.

normalerweise würde ich da zustimmen. Das Telefonat liegt aber jetzt im Original vor und ist erschütternd. Der Mann weigert sich beharrlich SEINE Verantwortung zu übernehmen und der Hafenbehörde bei der Rettung zu helfen. Und dann die Geschichte mit "ich habe Passagieren geholfen und bin dabei in ein RB gestürzt"? Also bitte!?

Ich halt ihn zwar für eine Art Wichtigmacher

aber im Interview sagt er, er will im Augenblick nicht auf das Schiff zurück da dort wo er sich aufhält zei mit Pasagieren volbestzte Boote an eine Felsen ankern die er nicht in Stich lassen will. Man muss das genau lesen.

Wie man einen Kartenfehler im Zeitalter von GPS machen kann ist mir ein Rätsel

habs mir jetzt nochmal angehört (komplett) und verstehe es gaaanz anders.

habs mir jetzt nochmal angehört (komplett) und verstehe es gaaanz anders.

Als Anti Held in Fernseh-Sitcomes wäre er gut....

..aber leider ist er ja wirklkich Kapitän gewesen....

Eher Kapitänin

Soll ich ihnen für diese Bemerkung paar Norwegerinnen vorbeischicken?

mit dem typ würde ich mich nicht einmal in einem elektroboot auf der alten donau wohl fühlen.

3,50 m vs. 290m. Sie Sack.

und nach den 15 jahren, bei guter führung 10 jahren, dürfte dieser typ bei mir nicht einmal mehr ein ruderboot fahren.

Warum hat der eigentlich die Fäuste geballt?

Siegt aus, als würde er darstellen wollen...

...wie man ein Tau einholt.

An einem Freitag den 13. muss man aufpassen! Bzw. wird man eher dazu verleitet unachtsam zu sein.
Und deshalb können sich die Zufälle an solchen Tagen häufen ;-) Dann macht es Zisschh!! und jeder fragt sich wie und warum sowas passieren konnte...
Als Freidenker ist eben alles leicht erklärbar ;-)

Wos woa sei Leistung?

Der hat ja keinen Bart!

Schiffe, die von einem Glattrasierten kommandiert werden, meide ich! Ein Kapitän hat auszusehen wie der alte Käptn Iglo, sonst habe ich kein Vertrauen.

schettino würde auch gut als ferrari-teamchef durchgehen :D

könnte der Enkel vom Briatore sein

aber beim Kapitänsempfang hat er sicher eine gute Figur gemacht, und die alleinreisenden Damen haben sich gerissen um möglichst in seiner Nähe sitzen zu dürfen ..

Der Zapp Brannigan des Mittelmeers

Ja genau :)
Sinnfreie Manöver wie "Verneigung"

Die italienische Seefahrertradition endete mit Venedig und der Schlacht bei Lepanto.

wenn, dann

Lissa

Posting 26 bis 75 von 103
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.