"Zu 100 Prozent legal und zu zehn Prozent moralisch"
Frank Herrmann aus Washington, 18. Jänner 2012, 19:49
Komödiant Stephen Colbert gedenkt, selber im Bundesstaat South Carolina anzutreten
Der Komödiant, die Bibel und der schnöde Mammon: Stephen Colbert will den Präsidentschaftskandidaten einen Spiegel vors Gesicht halten, indem er selber im
Bundesstaat South Carolina anzutreten gedenkt.
***
Auch wenn Stephen Colbert in Fahrt kommt, wird man ihn nur selten lächeln
sehen. Vielmehr beherrscht er die Kunst, mit der todernsten Miene eines
scheinbar sehr konservativen Menschen, eines Menschen mit sehr streng
gescheiteltem Haar, die Lachmuskeln zu strapazieren.
Unvergessen bleiben die verbalen Florettstiche, mit denen er George W. Bush
2006 bei Washingtons bester Satireshow attackierte, dem alljährlichen "White
House Correspondents' Dinner": Er, Colbert, sage den Leuten stets die Wahrheit,
genau wie Bush - und zwar strikt aus dem Bauch heraus, "ungetrübt durch
rationale Argumente".
Nun soll eine Initiative im Namen des Komödianten sondieren, ob die
politische Landschaft einen Präsidentschaftskandidaten namens Stephen Colbert
verträgt. Falls ja, will er am kommenden Samstag in South Carolina antreten, dem
Bundesstaat, aus dem er stammt.
Wobei er mit feiner Ironie aufs Korn nimmt, worin die Besonderheit South
Carolinas besteht: Im Bibelgürtel des Südens bewerten evangelikale Christen
einen Politiker bisweilen weniger nach seiner Kompetenz als vielmehr nach seinem
zur Schau gestellten Glauben. Der Mormone Mitt Romney, von manchem Pfarrer zum
Mitglied einer suspekten Sekte erklärt, weiß ein Lied davon zu singen. "Es geht
um eine wirklich wichtige Entscheidung", sagt Colbert. "Zuerst muss ich mal
darüber beten." Dann, nach einer effektvollen Pause: "Okay, Gott hat kein
Problem damit. Aber jetzt muss ich mich hinsetzen und es mit meinem Geld
besprechen."
Das mit dem Pekuniären ist die eigentliche Spitze, mit ihr will Colbert die
Absurditäten des Ausscheidungskampfes für alle sichtbar entlarven. Der Wahlkampf
2012 dürfte der teuerste, vielleicht auch kontroverseste der US-amerikanischen
Geschichte werden, das ist schon jetzt absehbar.
Ein juristisches Hintertürchen erlaubt es millionenschweren Gönnern, enorme
Summen auszugeben: Nach einem Urteil des Obersten Gerichts darf eine
Einzelperson pro Bewerber zwar nur bis zu 2500 Dollar spenden - fließt das Geld
jedoch an ein Super-PAC, ein politisches Aktionskomitee, gilt das Limit nicht
mehr.
Die Folge sind leicht durchschaubare Dreieckskonstruktionen. So hat Sheldon
Adelson, Kasinokönig in Las Vegas, einem Adlatus seines Lieblingspolitikers Newt
Gingrich dem Vernehmen nach fünf Millionen Dollar überwiesen, um die Kampagne in
South Carolina zu finanzieren. Nur durfte besagter Adlatus, ein Mann namens Rick
Tyler, nicht direkt mit Gingrich besprechen, welche Werbefilme er zu drehen
gedachte: Theoretisch sind sie nämlich unabhängig, die Super-PACs.
Carolinas "verlorener Sohn"
Colbert hat sich einen wunderbar ironischen Namen für sein Komitee einfallen
lassen: "Americans for a Better Tomorrow, Tomorrow" - eine Anspielung auf den
Politikbetrieb in Washington, der, gelähmt durch den verbissenen Streit zwischen
Demokraten und Republikanern, die Lösung angestauter Probleme grundsätzlich auf
"morgen" verschiebt.
Dass er überhaupt ein Gremium zur Geldbeschaffung gründe, kalauert der
47-jährige Colbert, "ist zu 100 Prozent legal und zu mindestens zehn Prozent
moralisch". Als sein Strohmann, so wie Tyler für Gingrich, fungiert übrigens Jon
Stewart, der Branchenprimus, der Satiriker der New Yorker "Daily Show".
Der Komiker mit dem Habitus eines Oberlehrers hat schon einmal mehr oder
weniger ernsthaft versucht, seinen Hut in den Ring zu werfen: 2008 war das. Die
Demokraten von Hillary Clinton und Barack Obama, in deren Reihen er sich
bewerben wollte, ließen ihn aber abblitzen.
Also sind diesmal die Republikaner an der Reihe. Immerhin: In den Umfragen
lag South Carolinas "verlorener Sohn" noch am vergangenen Wochenende vor Jon
Huntsman, dem immer noch sachlichsten unter den Konservativen, der am Montag
mangels Erfolgschancen aus dem Rennen ausstieg. Ganz klar, witzelt Colbert,
seine Mitbürger in South Carolina sähen ihn als einzige "Mitternative" - als
einzig wahre Alternative zu Mitt Romney.
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Erst am kommenden Dienstag will er seinen Rückzug offiziell bekanntgeben und dann Mitt Romney unterstützen - Hatte bisher nur zwei Vorwahlen gewinnen können
Die Suche nach einem geeigneten Kandidaten für die Vizepräsidentschaft der Republikaner ist voll angelaufen. Der Betreffende soll vor allem keinen Schaden anrichten und Mitt Romney nicht mit seinem Glanz überstrahlen.
... 'definitley not coordidating with stephen colbert super pac' werbung für herman cain genial.... nur gesichter von colbert und vote for herman cain... am ende das von ihm gestellte 'join the cain-train' smile.... wahnsinn ^^. Die folge vom letzten Donnerstag als er sein Pac an Stewart abgab und wie sie beide seitdem bloßstellen was mit diesen PACs alles absurdes machbar ist... genial.
Die Leute, die den Artikel in der Printausgabe lesen, meinen noch Colbert könne tatsächlich gewählt werden. Allerdings ist die Frist für die Beteiligung an der South Carolina Vorwahl schon lange verstrichen und Colbert kann auch nicht als Write-In Kandidat Stimmen bekommen, weil das in South Carolina laut Gesetz nicht geht.
Seine "Kandidatur" ist also eine reine "joke candidacy".
find ich zumindest..
frei übersetzt z.b.:
'vl. sollten wir unsere aussenpolitik überdenken und sachen die wir uns nicht wünschen auch mit anderen nicht machen..'
und die crowd macht *buuuh* wahnsinn
oh weh das klingt verdächtig nach meinem donnerstag während der south park season... lol ab märz wird das auch wieder meine unterhaltung sein :-D
guter tipp für sie vielleicht auch noch die 3sat mediathek dazunehman mit NANO, hi-Tech und Scobel :-D
So gern ich die ZDF dokus auch mag aber 3sat hat vorrang ^^
Sie sollten Ihre Meinung über Colbert nicht aufgrund diesen Clips bilden. Der stammt von der "Rallye to Restore Sanity" und da stand etwas anderes im Vordergrund.
Sehen Sie sich ein paar Mal seine Show an (etwas Hintergrundwissen über US-Politik wäre dazu aber nicht schlecht), oder wenn schon einen Clip, dann den von seinem legendären Auftritt vor George Bush 2006:
http://www.youtube.com/watch?v=BSE_saVX_2A
Ich hab Stephen Colbert beim US-Präsidentenwahlkampf 2008 dank eines Links von einem Poster hier auf Standard.at entdeckt - und seitdem keine Folge versäumt :-)
stimmt, der freie online stream bei comedy central ist äußerst lobenswert! Viele amerikanische TV Plattformen blocken ja grundsätzlich europäische IPs... und ständig proxy server einrichten nervt.
nicht Colbert steht auf dem Stimmzettel, sondern Herman Cain
sein Super-PAC ließ dieser Tage einen Werbespot schalten, der mit dem Gesicht von Stephen Colbert für Herman Cain wirbt. Die Frist für die Einreichung der Unterstützungserklärungen ist ja schon lange verstrichen und write-ins gehen in SC auch nicht, aber da Cain offiziell bereits aufgegeben hat, soll jede Stimme für *C*olbert an *C*ain gehen. Cain soll am Fr. auch in die Show von Colbert kommen.
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