Schiffsunglück

Reederei Costa Crociere bricht das Geschäft weg

Thesy Kness-Bastaroli, 18. Jänner 2012, 18:17

Nach der Havarie der Costa Concordia erwarten Versicherer Millionenschäden. Der Eigner des Unglücksschiffes wird von Börse und Urlaubern abgestraft

Mailand - Die Havarie des italienischen Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia vor der Isola del Giglio hat nicht nur einen enormen Image-Schaden für Italien im Allgemeinen und die Kreuzschifffahrt im Besonderen bewirkt. Die jahrelange Erfolgsserie der Costa Crociere aus Genua scheint, zumindest vorübergehend, beendet.

Bei Costa selbst berichtet man bereits über zahlreiche Stornierungen. Da das Unglücksschiff Costa Concordia nicht so schnell wieder in See stechen wird, sind für heuer massive Umsatzeinbrüche bei Costa Crociere und ihrer US-Mutter Carnival vorgesehen. Der allein durch das geborstene Schiff verursachte Umsatzausfall wird mit 100 Millionen Dollar kalkuliert. Die Aktien der auch in London notierten Carnival brachen an der Börse zweistellig ein.

Zweistellige Wachstumsraten

Costa Crociere hatte 2010 nach eigenen Angaben einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro erzielt. Die Flotte besteht derzeit aus 14 Schiffen und soll bis 2016 um weitere zwei Luxuskreuzer erweitert werden. Die zweistelligen Zuwachsraten, welche die italienische Kreuzschifffahrt mit jährlich rund einer Million Passagieren seit der Jahrtausendwende erlebt, dürften vorerst der Vergangenheit angehören. In Italien liegt der Anteil der Kreuzschifffahrttouristen derzeit bei 1,5 Prozent der Bevölkerung, in Großbritannien sind es drei Prozent und in den USA sogar fünf Prozent.

Für Italiens Fremdenverkehr ist die Havarie der Costa Concordia ein Bremsklotz. Denn bei generell rückläufigen Einnahmen aus dem Tourismus in den Jahren 2010 und 2011 gab es in Italien nur wenige Marktnischen, die weiterhin boomten. Dazu gehörten neben den Pilgerreisen auch der Wein- und Kreuzschifffahrttourismus. Der Umsatz des Geschäftes rund um die Luxusliner wird für 2011 auf knapp fünf Milliarden Euro geschätzt. Nun befürchten Experten einen Einbruch. Zumindest in Italien. In anderen europäischen Ländern, wie etwa in Deutschland, zeigt man sich dazu optimistischer. Das deutsche Reisebuchungsportal www.ab-in-den-urlaub.de etwa, das neben Millionen Pauschalreisen von insgesamt 75 Reiseveranstaltern auch tausende Kreuzfahrten weltweit vermittelt, hält die Stornierungsgefahr derzeit für nicht akut.

Bei den Versicherungsunternehmen zeigt man sich vorsichtig. Sie gehen davon aus, dass der Schaden gut eine halbe Milliarde Euro ausmachen werde. Richtig teuer kann es noch werden, falls das Bunkeröl nicht rechtzeitig abgepumpt wird und das auf einer Klippe liegende Schiff in einem Sturm auseinanderbricht.

Die Reederei Costa Crociere hat die Costa Concordia mit einem Selbstbehalt von 30 Millionen Dollar bei den Versicherern Generali, RSA Insurance Group und XL Group versichert. Generali meint, dass nur das Schiff selbst, nicht aber die Passagiere beim Triestiner Assekuranzunternehmen versichert waren und sich der Schaden für das Unternehmen in Grenzen halte.

Costa Crociere kündigte Entschädigungsleistungen für die Passagiere an. Der Versicherer Lloyd's of London beziffert diese Summe mit knapp über hundert Millionen Euro. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 19.1.2012)

Mehr zur Havarie der Costa Concordia vor der toskanischen Küste gibt es im Panorama-Schwerpunkt.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 37
1 2
r41|\|3r
00
27.1.2012, 12:18

Costa Nhaufengeld

franzi50
00
20.1.2012, 09:27

Unglaublich, wie viele Blödmänner hier einen "lustingen" Kommentar abgeben, auf Kosten von mindestens 11 Toten, und 20 Vermissten, die
wahrscheinlich auch Tod sein werden.
Manchen Leuten sollte man das Recht zum POSTEN
einfach entziehen.

living reef
00
20.1.2012, 16:33
11 tote ist im straßenverkehr ein klacks

selbst wenn man die vermißten auch zu den letztlich toten zählt, so sind dies zwar noch immer gnau um diese zahl zu viel, aber in relation zu der geamtzahl an geretteten unter 1 % !!! wielviele tote gibt es wenn ein flieger unplanmäßig die reise nach unten antritt? da sind es meist 100% der im flugzeug befindlichen.

Stefan Sikula1
 
00
20.1.2012, 09:16
sehr

bedauerlich, da die Ertrunkenen nie mehr Fahren können.
Äh, wo war die Sarkasmustaste?
Solch Chaos in der heutigen Zeit,..... !
Ehrenhaft die Taucher, die doch ihr Leben riskieren. Kapitän ohne Sauerstoff mit hinunter nehmen.

anton-aus-tyrol
01
19.1.2012, 11:35
Reederei Costa Crociere bricht das Geschäft weg

Irgendwie verständlich! Man muss ja die Sorge haben, dass in dem Unternehmen mehrere Kompetenzgranaten wie der Kapitän von den Human Resources ausgewählt wurden...

Schihaserl
01
19.1.2012, 10:59
Kreuzschifffahrttourismus

was ist ein kreuzschiff? eins für die erwähnten pilgerreisen?

ERP
 
00
19.1.2012, 09:52
Warum gibt man ein 500 Mio teures Schiff so schnell auf ?

Kann man das Schiff nicht mit Seilen am Felsen gegen Abrutschen sichern ?
Warum wird das Leck nicht verschweißt, wo es doch (bequem) über der Wasseroberfläche liegt, das Schiff nicht ausgepumpt und nicht mit Kränen wieder aufgerichtet ?

Kann jemand eine kompetente Erklärung liefern ?

(.) (.)
00
26.1.2012, 15:46

Leckabdichten, leerpumpen und in einen Hafen schleppen ist wohl kein Problem.

Aber das Schiff ist ein Totalschaden, da es innen ja wohl komplett zerstört ist. Vielleicht wird man es aushöhlen und dann neu ausstatten. Oder eben gleich ganz abwracken.

Helicopterman
00
19.1.2012, 10:30
Dazu gab es gestern auf CNN einen ausführlichen Report:

Demnach wird das Leck vorerst nicht verschweißt, um Bergungstauchern einen Zugang ins Wrack zu ermöglichen, teilweise werden dafür sogar immer wieder neue Löcher gesprengt. Danach gibt es verschiedene Möglichkeiten, um das Schiff zu verwerten: entweder ist es möglich, das Schiff nach einer Notreparatur des Lecks abzuschleppen oder man zerlegt das Schiff in mehrere Teile, um es so abzutransportieren. Eine Nichtverwertung (d. h. versenken an einer tieferen Stelle) wäre wirklich nur der letzte Ausweg wenn die beiden angeführten Möglichkeiten aus irgendeinem Grund nicht funktionieren sollten. Zeitaufwändig und vor allem sehr teuer wirds aber allemal.

Norbert Müller
 
00
19.1.2012, 11:30
vorallem muss man schaun wie man von der versicherung am beisten bekommt.

wenn die das schiff bei totalschaden zahlt, wäre jede bemühung für den hugo. ist ja bei vielen gebäuden das gleiche, da wird viel vernichtet nur weil irgend welche versicherungsverträge dahinter stehen. ich glaube schon, dass es insgesamt das beste wäre, mit ballons und/oder verschweissen der risse das schiff aufzurichten, auszupumpen und von der naturschutzregion wegzuschleppen in jeder hinsicht das beste wäre. man hätte damit am samstag schon beginnen sollen! aber wie gesagt, ich kenn ja die versicherungsverträge nicht, und somit arbeiten jetzt wahrscheinlich mal zuerst die anwälte bevor man etwas anderes unternimmt. wie es halt immer bei so komplexen dingen so ist.

system1
00
19.1.2012, 10:30
vielleicht will man eine neue kulisse

fürs wrack-tauchen.

hallo999
00
19.1.2012, 08:18
sehr gut

dann gehen die coastas mit den preisen runter und man kann im herbst günstig kreuzfahren

Gobi Todic
00
19.1.2012, 09:32

wir sehen uns :)

paolo
01
19.1.2012, 10:02
jeder arme poster

kriegt a kreuzschifffahrt mit costa

ciao4zampe
 
00
19.1.2012, 13:01
luquas
04
19.1.2012, 07:19

Ist davon Costa Cordalis auch betroffen?

Javert
00
19.1.2012, 01:23

sollte man wohl kaufen die aktien

Philipp1980
00
19.1.2012, 01:07
Gerne wieder

Also ich komme gerade von einer Karibikkreuzfahrt auf der Costa Mediterranea zurück und muss selbst sagen, dass ich bislang noch keine Reederei erleben konnte, bei der die Seenotübung so gewissenhaft durchgeführt wurde. Gleichzeitig fanden in 2 Wochen zwei umfangreiche Trainings der Crew statt. Kannte ich so auch noch nicht. Sonst wärs auch nett; werde Costa für preiswertere Trips jedenfalls wieder in Betracht ziehen.

F. Ritzl
04
19.1.2012, 09:10

schrieb einer aus einer deutschsprachigen Niederlassung ...

Aung San Suu Tschi
 
00
19.1.2012, 00:28
Im italienischen Fernsehen wurde gerade das vollbesetzte Schwesterschiff der Costa Concordia gezeigt

In der abendlichen TV-Diskussion mit Bruno Vespa auf RAI 1 kamen Crewmitglieder der Concordia, betroffene Gäste, die Angehörige verloren haben, ein Admiral der ital. Staatsmarine, Experten, der Umweltminister u.v.a. zu Wort.

Großer Raum wurde auch der Costa Serena, dem Schwesternschiff der Costa Concordia, eingeräumt. Sie ist heute - genau zur gleichen Zeit, als die Havarie vor 5 Tagen passierte - an der Insel Giglio vorbeigefahren. Man konnte beide Schiffe sehen, das umgekippte und das fröhlich beleuchtete.

Die Passagiere auf der Serena sagten, dass sie sich gerade jetzt sehr sicher fühlten.

Betreuer von Angehörigen der Todesopfer der Katastrophe meinten, dass viele noch nicht völlig realisiert hätten, was passiert sei.

Rudolfo Karellowitsch
00
19.1.2012, 00:07
Was ich ja nicht verstehe, das bei einem Schiff

das eine halbe Milliarde kostet, keiner ein Backup-Sicherheits-System einbaut, daß im Zweifelsfall die Machienen stoppt, den Anker wirft oder sonst was intelligentes macht um einen "sicheren Zustand" des Potts zu erreichen, wenn das Safety-System feststellt das irgend ein Kommando zur Katastrophe führen könnte.

Die Untiefen vor der Insel sind sogar auf Hobby-Seekarten eingezeichnet. Ein halbwegs vernünftiger Programmierer hätte also jederzeit ein kleines System programmieren können das erkennt das der eingestellte Kurs zur Katastrophe führt.

Und das ist die Stelle wo ich mir denke das beim heutigen Spar-Wahnsinn an solche einfachen Ideen keiner mehr denkt, weil das kann man alles einsparen weil es ja nicht vorgeschrieben ist.

robert rittersmann
00
19.1.2012, 06:55

wie üblich wird man jetzt, nach diesem Unglück eher an solche Systeme denken als vorher.

norici
00
19.1.2012, 01:22

Vielleicht gibt es sowas aber wie beim autopilot in Flugzeugen wird es wohl ausschaltbar sein

Seria
31
18.1.2012, 20:55

eine Linie in der so unglaubliche zu Katastrophen führende Fehler geschehen sollte mit Betriebsverbot belegt werden bis der Nachweis des Funktionierens der Betriebsabläufe im Krisenfall erbracht ist

Rudolfo Karellowitsch
06
19.1.2012, 00:02

Na klar. Wenn ein Lokführer der ÖBB ein Signal übersieht, dann wird man auch der gesamten ÖBB ein Betriebsverbot verhängen. Oder wenn ein Mechaniker bei Daimler ein paar wichtige Schrauben übersieht, wird man auch Merzedes verbieten Autos zu bauen?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 37
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.