Sparmaßnahmen

"Wir sind nicht ganz schuldlos"

Interview | 18. Jänner 2012, 18:54
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    foto: standard/cremer

    SPÖ-Einflüsterer Werner Muhm: "Es darf kein fixes Limit für den Schuldenstand geben."

Kanzlerberater und Arbeiterkammer-Direktor Werner Muhm über sozialdemokratische Sünden, richtige Kritik der Ratingagenturen und Bedingungen für ein Ja zur Schuldenbremse

Standard: Sie gelten als heimlicher Kanzler, rote Eminenz, Schattenmann. Welcher dieser Ehrentitel gefällt Ihnen am besten?

Muhm: Keiner davon, weil alle drei nicht der Wahrheit entsprechen. Ich bin lediglich einer von mehreren Wirtschaftsexperten aus dem sozialdemokratischen Lager, die der Bundeskanzler das eine oder andere Mal um Rat fragt.

Standard: Nicht einer, sondern der wichtigste Einflüsterer, heißt es.

Muhm: Das ist eine Übertreibung ...

Standard: ... die wohl daher rührt, dass man Faymann nicht viel wirtschaftliches Verständnis zutraut.

Muhm: Da unterschätzt man ihn. Als ehemaliger Wohnbaustadtrat mag der Kanzler da oder dort stark betriebswirtschaftlich denken, aber im Großen und Ganzen hat er ein gutes Gefühl für die wirtschaftlichen Notwendigkeiten.

Standard: Was raten Sie ihm, nachdem Österreichs Rating herabgestuft wurde?

Muhm: Da brauch ich ihm nichts raten, er tut eh das Richtige: bei der Budgetkonsolidierung auf Linie bleiben, mit Strukturmaßnahmen, einer Verwaltungsreform und fairen Einnahmen. Es gibt keinen Grund, den Kurs zu verschärfen.

Standard: Österreich werde für die lasche Budgetpolitik gestraft, sagen Gegenstimmen.

Muhm: Ja, der Herr Felderer vom Staatsschuldenausschuss, der hat es immer schon vor-her gewusst. Da schlägt der Hang zum Austromasochismus durch. Dabei war es richtig, dass wir uns nach der Krise, die sich mit 25 Milliarden zusätzlichen Schulden niederschlug, nicht auf das ganz harte Sparen versteift haben. Das hohe Wachstum hat die Steuereinnahmen gefördert und dazu geführt, dass das Budget auch 2011 besser ausfiel als in der Prognose.

Standard: Wie interpretieren dann Sie das Downgrading?

Muhm: Standard & Poor's legt den Finger auf zwei Wunden: Die Eurozone hat kein schlüssiges Konzept, weil die Europäische Zentralbank keine Garantie für Staatsanleihen abgibt - das ist der Unterschied zu Staaten wie Großbritannien, das trotz schlechterer Daten ein Triple-A hat. In Österreich weist die Agentur auf das riskante Ostengagement der Banken hin, die ihre Unkultur der Fremdwährungskredite über die Grenze getragen haben. Da müssen mehr Sicherheiten eingebaut werden.

Standard: Hat Standard & Poor's also recht?

Muhm: Nein, ich nehme die Kritikpunkte ernst, teile aber nicht die Gesamtbeurteilung. Gibt es ein Land in einer besseren gesamtwirtschaftlichen Lage? Deutschland vielleicht, mit seinem niedrigeren Budgetdefizit - dafür jedoch mit zehn Prozentpunkten höheren Schulden. Was Standard & Poor's aber zu Recht feststellt: dass Sparen allein nicht hilft. Wenn das alle gleichzeitig tun, landet die Eurozone in der Rezession.

Standard: Auch der Kanzler behauptet aber, wir bräuchten die Schuldenbremse, um die Finanzmärkte zu besänftigen. Warum hat er die frühere SPÖ-Linie umgeworfen?

Muhm: Er hat in Brüssel zugestimmt, weil Österreich Interesse an Haushaltsdisziplin in der Eurozone hat - es gibt ja Länder, die weder wettbewerbsfähig sind noch ihre Defizite im Zaum halten.

Standard: Trotzdem sind Sie ge-gen die Schuldenbremse. Hat der Grundgedanke, die Politik zu zwingen, angehäufte Defizite wieder abzubauen, nicht etwas für sich?

Muhm: Dagegen ist nichts einzuwenden. Und ich gestehe zu, dass die Politik in guten Zeiten, wenn sie Defizite abbauen sollte, dazu neigt, neue Ausgaben zu erfinden.

Standard: Allen voran Arbeiterkammer und ÖGB, die noch nie gesagt haben: Jetzt sparen wir!

Muhm: Wir sind nicht ganz schuldlos, gebe ich zu, stehen aber auch für das Prinzip, Defizite durch Wachstum wieder abzubauen. Die Schuldenbremse ist dann akzeptabel, wenn Konjunkturpolitik möglich bleibt: Eine Grenze von einem statt 0,35 Prozent Defizit ließe für Investitionen Raum, man könnte auch bestimmte Ausgaben, etwa für Bildung, ausnehmen. Und es darf kein fixes Limit für den Schuldenstand geben.

Standard: Welche Bedingungen stellen Sie für das Sparpaket?

Muhm: Die legen wir beim Treffen von AK und ÖGB am Freitag fest. Zentraler Punkt: Massensteuern dürfen nicht angehoben werden.

Standard: Zählen Sie die Anhebung der Mineralölsteuer, die ökologisch sinnvoll wäre, auch dazu?

Muhm: Ja. Gemessen am wöchentlichen Einkauf liegt die Inflationsrate derzeit bei sechs Prozent.

Standard: Man kann dagegen aber etwas tun: weniger Auto fahren.

Muhm: Das geht nur in gewissem Maße. Energie, Wohnen, Lebensmittel sind für die sozial Schwächeren zentrale Ausgaben.

Standard: Wie viel müssen vermögensbezogene Steuern bringen?

Muhm: Es ist unfair, eine Latte zu legen, wenn man nicht selbst am Verhandlungstisch sitzt. Ratschläge von außen sind immer auch Schläge.

Standard: Jetzt reden Sie ja doch wie ein heimlicher Minister.

Muhm: Auch Arbeiterkammer und ÖGB haben eben Interesse daran, dass eine Lösung zustande kommt. Wir bekennen uns zur Budgetkonsolidierung.

Standard: Warum schafft es die Sozialdemokratie kaum, politischen Profit aus einer Krise des Kapitalismus zu schlagen?

Muhm: Leider waren es an namhafter Stelle auch Sozialdemokraten, die dem finanzgetriebenen Kapitalismus, der mit dem Zusammenbruch der Kommandowirtschaft im Osten den Durchbruch geschafft hat, zur Dominanz verholfen haben. Gerhard Schröder hat den Rheinischen Kapitalismus mit sozialem Anspruch zerschlagen, Tony Blair den Schutzschirm über das Finanzzentrum der Londoner City gespannt. Das vergessen die Menschen nicht so schnell. Darunter leidet auch die Glaubwürdigkeit der SPÖ.

Standard: Die selbst einmal auf dem Dritten Weg mittrotten wollte.

Muhm: Das gebe ich gerne zu. Es ist nicht lange her, da haben wir noch die Erbschafts- und Schenkungssteuer abgeschafft. Aber gerade der von der Linken oft kritisierte Faymann ist der erste sozialdemokratische Kanzler seit geraumer Zeit, der wieder einen Schritt zu höherer Vermögensbesteuerung und Gerechtigkeit getan hat. (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 19.1.2012)

WERNER MUHM (61) ist seit 2001 Arbeiterkammer-Direktor, sitzt im Generalrat der Nationalbank, im Aufsichtsrat der Stadtwerke sowie im ORF-Stiftungsrat. Am Freitag halten AK und ÖGB in Wien eine Konferenz zum Sparpaket ab.

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Phoenixx
 
00
Wer ist wichtiger?

Das Huhn oder das Ei?
Wenn das Dilemma von Verschwendung so weitergeht ist für alle nichts mehr da.

sleepy
00
Ich gebe ja zu ... + wir sind nicht ganz schuldlos ...

Wow wow. ... wie dumm hält man das Volk denn eigentlich Hr. Muhm?

Interessanterweise gleich nach Roland Dürringers "Wir sind wütend!" Wutbürger. Hat Hr. Fayman sie vorgeschickt, weil er meinte, daß eine Schuldbekenntnis wohl jetzt strategisBesten sei um den Bürger etwas zu abzudämpfen oder Ihn nicht ganz zu verlieren? Er selbst aber möchte nichts eingestehen - er soll ja die HERO-Figur bleiben. Also schick ma den Muhm vor - schnell ein Interview nach dem keiner verlangt hat und der Bürger weiß jetzt: "Die Burschen haben Ihre Fehler eingesehen! Jetzt wird ALLES WIEDER ANDERS ! "

Für wie dumm hält man uns? So dumm wie Facebook-User mit Ihren Fake-Selbstverherrlichungsprofil?

Anonymous würde jetzt sagen: "Wir vergessen nicht! Hr. Fayman!"

Politiker sind Gauner!!
10
31.1.2012, 07:33
grandiose leistungen der arbeiterkammer

sie verschlingen millionen von steuergelder
und das wars dann auch schon

E.A.R.S.
00
28.1.2012, 17:05
Sparmaßnahmen "Wir sind nicht ganz Schuldlos"

Ein weiterer Punkt den Herr Mag. Werner Muhm umsetzen möchte, ist die Belastung der Überstunde mit Euro 1,- pro geleisteter Überstunde des Dienstnehmers.
Ich weiß nicht für was es Kolektivverträge gibt die Gesetzeswirkung haben. Es darf kein Arbeitnehmer schlechter entlohnt werden als der jeweilige Kolektivvertrag vorgibt.
Herr Mag. wäre gut beraten, wenn er sich um sein eigenes Haus auf der Prinz Eugenstraße kümmert und dort das Arbeitsrecht richtig anwendet, das in einigen Fällen mit sehr viel Geschick umsegelt wird.

E.A.R.S.
00
28.1.2012, 16:53
Sparmaßnahmen "Wir sind nicht ganz schuldlos"

Die Frage stellt sich, ob Herr Mag. Werner Muhm als Direktor der AK-Wien diesen Nebenberuf sowie noch andere Nebenberufe, überhaupt ausüben darf. Nach meiner Meinung, besteht eine Unvereinbarkeit bezüglich des Arbeitsplatzes als Direktor der Arbeiterkammer Wien und der Beratung der Regierung bezüglich neuer Steuern die die Bevölkerung belasten.
Laut Bericht der Kronenzeitung vom 28.01.2012 überlegt Herr Mag. Werner Muhm eine höhere Besteuerung des 13. u. 14. Monatsgehaltes für Besserverdiener. Herr Mag. Muhm sollte doch das GIBG kennen (Arbeitsrecht ÖGB Verlag ISBN 3-7035-1091-9).

Die Ente Lippens
01
26.1.2012, 23:28
Demokratisch null legitimiert grosser Einfluesterer. Gibt mit vollen Haenden das Geld anderer Leute aus. Weiss alles besser ungeachtet aller Downgradings. Haelt den Boten der schlechten Nachricht fuer verantwortlich fuer deren Inhalt. Glaubt das Geld

kommt aus dem Bankomaten namens Steuerzahler. Glaubt nicht, dass der Wohlstand erarbeitet werden muss. Glaubt der Wohlstand kann geschaffen werden indem er bloss verteilt werden muss.

erxxich
00
23.1.2012, 20:40
SPÖ Selbstdemontage

Seit Vranitzky immer weniger auf die Hauptbasis (unselbstständig Tätige/ASVG'ler) hörend und seit Gusenbauer / Faymann nicht mal das !!!

austriaica
01
20.1.2012, 13:00

Faymann steckt der Muhm in den Knochen.

hlg
00
23.1.2012, 07:07
naja...

dann ist er wenigstens faltenfrei... ;-)

NoPolitiker
 
32
20.1.2012, 09:48
Sparpaket und Schuldenbremse

man kann viele Meinungen sich anhören, aber
Sparpakete bedeute nicht Höhere Steuern.
Schuldenbremse bedeutet nicht weniger "neue" Schulden machen...

Politikereinkommen: 20000 Euro, mein Einkommen 2000 Euro
Politikersparen = Null Euro, bei Normalbürger mehrere hundert Euro.
aber wie immer: die Politiker finden sicher einen neuen Namen um alles zu erhöhen.

Herr Vorsicht
11
20.1.2012, 15:08

nennen sie bitte einen beweis für ihr sinnentleertes kronenzeitungs-posting!

Maybelline
02
20.1.2012, 12:03

Mag ja sein, dass Politiker zuviel verdienen und man kann auch darüber disktutieren ob das gerechtfertigt ist. Aber: Glauben Sie wirklich, dass man durch Kürzen der Politikergehälter - auf das Gesamtbudget gesehen - signifikant etwas einsparen kann? Das wäre höchstens eine symbolische Geste. Da würde eine Vermögenssteuer schon viel mehr bringen!

Flying Horse
00
20.1.2012, 09:28

Grad bei der Apa gefunden, warum liest man sowas nicht mehr beim Standard? .

http://www.ots.at/touch/pre... 19_OTS0191

Und trotzdem wird jedes räuspern der Sozis dokumentiert..

Auch lustig
00
21.1.2012, 09:06
pruhhahaha....

Die bezahlte Aussendung eines selbsternannten Politikers - denn gewählter Volksvertreter ist Herr Pock ja keiner - soll also Ihrer Meinung nach gewichtiger sein als ein Interview mit einem der einflussreichsten Wirtschaftspolitiker Österreichs?

Ein Lacher.

Flying Horse
01
21.1.2012, 21:55

Um das geht es ja nicht. Ich würde mir nur wünschen, das man auch über die Kleinen (Liberale, Piraten, Kommunisten, etc.) was liest, denn wie wir am Beispiel Deutschland (dort Piraten) erkennen kann, darf man diese nicht ganz außer Acht lassen...

Auch lustig
00
23.1.2012, 07:09
und jetzt setzen Sie das LIF mit den Piraten gleich?

Ein singuläres Wahlphänomen ohne Programm ist für Sie vergleichbar mit dem LIF? Wird ja immer besser.

Übrigens bin ich auch der Meinung, dass die Zeitungen mehr über Organisationen/Dinge schreiben, die kaum noch vorkommen: Konsum (über den hört man gar nichts mehr), Lehmann Brothers (deren PR Abteilung ist viel zu ruhig) und Jörg Haider im Interview (der wird aktuell richtiggehend totgeschwiegen) - ach ja: und das LIF.

Otto Kegele
 
21
20.1.2012, 08:53
Schuldenbremse oder Verschwendungsbremse

Schuldenbremse war bereits 2011 das Unwort des Jahres und das wird sich auch 2012 nicht ändern, wenn sich die Politik in diesem Lande nicht ändert.

Nicht die Schulden brauchen eine Bremse, sondern die Verschwendungssucht der Politiker muss eingebremst werden.

Über Subventionen werden z.B. Milliarden - für zum Teil völlig unnötige Unterstützungen - verschleudert, während Tausende von Österreichern sich nicht mal eine warme Wohnung leisten können. Von einer warmen Mahlzeit ganz zu schweigen.

Es kann auch nicht sein, dass notdürftige Ausländer vom österreichischen Staat erhalten werden, während Einheimische Notdürftige von Almosen leben sollen.

NoPolitiker
 
54
20.1.2012, 09:49
Richtig..

das ist eine links-grüne Politik: Ausländer rein und Inländer raus...

Louis Gara
00

Sie plappern alles ungschaut nach, was ihnen strache und gudenus vorbeten, gell...!

gratulation, selber denken wäre auch sicher zu anstrengend.

Herr Vorsicht
21
20.1.2012, 15:09

danke, jetzt haben sie sich vollends entlarvt. bitte verschmutzen und vermiefen sie dieses forum nicht weiter.

Waran
01
20.1.2012, 00:06
Staatshaushalt funktioniert umgekehrt!

Dieser Mann sagte etwas überaus Interessantes: "In guten Zeiten sollte die Politik einsparen und nicht neue Ausgaben (Wahlzuckerln - meine Ergänzung) erfinden" Doch wie will eine solche Regierung (Partei), die ökonomisch richtig vorgeht, wiedergewählt werden? Stoßen wir hier an die Grenzen der Demokratie oder an die der Wähler?

Pauli Feuerstein
01
20.1.2012, 02:01
An die Grenzen der Politiker!

S(ie) P(lündern) Ö(sterreich)
 
33
19.1.2012, 18:29
einer der totengräber unserer republik!

dieser postkommunist als wirtschaftsberater des ohnehin nicht von bildung gezeichneten kanzlerdarstellers - in spätestens eineinhalb jahren hat österreich ramschstatus!

dakakadu
00
ich finde wir sollten alle antisozialen rechtsknaller

in die USA abschieben, wo sie hingehoeren

Pauli Feuerstein
01
20.1.2012, 02:02
Das ist er tatsächlich!

Schwache Darsteller finden schwache Berater!

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