Wrabetz gibt Druck der Redakteure nach

  • Pelinka wird nicht Büroleiter von ORF-Chef Wrabetz.
    foto: apa/helmut fohringer

    Pelinka wird nicht Büroleiter von ORF-Chef Wrabetz.

Der ORF-Generaldirektor zieht die Konsequenzen nach wochenlangen internen Protesten und öffentlichen Widerständen - Die Redakteure wollen den guten Wind für mehr Unabhängigkeit nützen - Pelinka spricht "untergriffigen Angriffen" - Die andauernde öffentliche Debatte habe ein Ausmaß erreicht, das "nicht mehr akzeptabel ist"

Mittwochabend, Küniglberg: Der ORF präsentiert den jüngsten Tatort: Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser ermitteln unter serbischen Kriegsverbrechern. Generaldirektor Alexander Wrabetz, der Stunden zuvor seinen Wunschkandidaten für den Job des Büroleiters, Niko Pelinka, endgültig freigibt, wirkt gut gelaunt, beinahe gelöst. "Ich bin gespannt, wie das heutige Massaker, das angekündigt wurde, ausgeht", scherzt er vor Crew, Schauspielern und Journalisten. Wrabetz meint den Film, in dem mehr als ein Dutzend Leichen den Weg der Ermittler säumen.

Von einem Massaker mag nicht die Rede sein, das sich seit dem 23. Dezember am Küniglberg abspielt - ein Desaster für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sehen Branchenkenner darin allemal. Zur Erinnerung: Einen Tag vor Weihnachten stellt Wrabetz den SP-Stiftungsrat Pelinka als künftigen Büroleiter vor. Die Ausschreibung des Postens wird er im neuen Jahr nachholen müssen. Für Thomas Prantner, Verbindungsmann zum freiheitlichen Lager, schafft er den Job eines stellvertretenden Direktors. Der VP-nahe Betriebsrat und Stiftungsrat Robert Ziegler steigt zum ebenfalls neu kreierten Bundesländerkoordinator auf. Parteipolitisch beeinflusste Versorgungsposten sehen darin nicht nur ORF-Journalisten, die aber organisieren sich und steigen auf die Barrikaden.

Protest "ernst zu nehmen"

Dem darauffolgenden Protestgewitter halten Wrabetz und Pelinka knapp vier Wochen stand. Vier Wochen, in denen der General stur auf seiner Entscheidung beharrt, obwohl der Wunschkandidat schon lange nicht mehr will und Wrabetz dabei die Spaltung des Hauses riskiert. Donnerstagvormittag gibt der General endlich nach und zieht zurück: "Der Protest von mehr als 1300 Journalistinnen und Journalisten ist ernst zu nehmen." (Wrabetz-Erklärung im Wortlaut)

Pelinka spricht in seinem Statement von "untergriffigen Angriffen". Die andauernde öffentliche Debatte habe ein Ausmaß erreicht, das "nicht mehr akzeptabel ist". Seinen Job übernimmt wieder Kurt Reissnegger - "vorerst, und viele Redakteure begrüßen das", sagt er zum STANDARD. Den Posten des Länderkoordinators setzt Wrabetz aus. Dieser soll lediglich auf Projektebene weiterverfolgt werden. Pelinka wird unterdessen ein Angebot von Sky nachgesagt, Interesse aus dem Umkreis von Hannes Androsch kursiert ebenfalls.

Relativ zurückhaltend geben sich die politischen Lager: "Unrühmliches, aber logisches Ende einer Tragikomödie", kommentiert VP-Mediensprecher Karlheinz Kopf. Eine "historische Chance" für einen Neuanfang sehen die Grünen. Die FPÖ sieht eine Schlappe der SPÖ. Das BZÖ sieht ein Systemproblem.

In den letzten Wochen sei es gelungen, "die Bedeutung eines wirklich unabhängigen ORF eindrucksvoll zu vermitteln", jubeln die Redakteure. Sie sehen sich gestärkt und fordern "längst fällige Änderungen" im ORF-Gesetz, unter anderem die Verkleinerung des Aufsichtsgremiums. Vorerst darf man sich jedenfalls auf weiteren Aktionismus einstellen. Die Freitag tagenden Stiftungsräte wollen ORF-Mitarbeiter mit einer picksüßen Überraschung empfangen. Hoffentlich keine Tortenschlacht. (Doris Priesching, DER STANDARD, Printausgabe, 20.1.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 1032

Spaltung? Spaltung in Wrabetz vs. Rest des ORF?

Kurze Frage: Werden eigentlich ORF-RedakteurInnen, die lügen

oder einfach keine Ahnung haben, von den KonsumentInnen ferngehalten?

Mittwoch im Abendjournal: Dollfuss hat jeden Versuch, den Anschluss an Deutschland zu verhindern, niederschlagen lassen - und fast schon neigt man zu einem "natürlich", wenn man feststellt, dass dieses Abendjournal (im Gegensatz zu allen anderen Journalen) nicht mehr abrufbar ist.

lg
Dimple

Statt vom Papa hat er die Watschn jetzt

von den Redakteuren bekommen. Vielleicht ist das genau der Dämpfer den er braucht, damit aus ihm noch was vernünftigeres werden kann, als zur Österreichischen "zu jung, zu schön, zu reich" - Partie zu gehören.

Nach der Lektüre des N. Pelinka Wikipedia Eintrages

lässt sich vor allem eines feststellen. Ich staple mal tief:

Es lässt sich zwar schwer beweisen, dass seine Tätigkeit als parlamentarischer Mitarbeiter, als Pressesprecher der Unterrichtsministerin und bei der ÖBB auf seinen "SPÖ Background" zurückzuführen sind, aber noch schwerer würde sich das Gegenteil beweisen lassen ;)

Jeder der 1 und 1 Zusammenzählen kann dürfte diese Art des Recruiting zumindest moralisch für zweifelhaft halten. Wer hat dem wird gegeben. Dies gilt insbesonders in Zeiten, wo es keinen wirtschaftlichen Sog nach "oben" für den Großteil der Gesellschaft gibt.

Tatsächlich hätte der Protest aber auch schon vorher kommen können und nicht erst bei der X.ten Station.

Die andauernde öffentliche Debatte habe ein Ausmaß erreicht, das "nicht mehr akzeptabel ist"

Davor haben im ORF der Nepotismus, die Korruption und die Protektion ein Ausmass erreicht, das schon lange "nicht mehr akzeptabel" war.

Machs gut, Pelikan, vielleicht nimmst du noch ein paar derzeitige und ehemalige Stiftungsräte mit, in deine berufliche Zukunft (Afghanistan soll "spannend" sein).

Die andauernde öffentliche Präsenz dieses Watschengesichts

hat ein Ausmass erreicht das nicht mehr akzeptabel ist!

Müsste es richtig lauten.

Es ist deswegen noch nich alles eitle Wonne

Aber es wurde zumindest die Dumm&Dreist Spirale nicht weiter gedreht.
Der Anlauf diesbezüglich einen neuen Rekord zu schaffen ist blamabel gescheitert.

Warum Werner Faymann nicht reagiert und diese Deppen weiter werkeln lässt, ist mir schleierhaft.

der liebe Werner ist einer von ihnen!

Für Pelinka wird man etwas anderes parteinahes finden, für Wrabetz sollte man das auch tun oder auch nicht, als ORF-GD hat er sich disqualifiziert.
Die Pelinka-Erklärung ist dummdreist, die von Wrabetz auch peinlich, das Verhalten von SP und BK dermaßen verlogen daß man sich als Bürger zu Tode ärgern würde wenn mans nicht schon gewohnt wäre....Über Details braucht man da gar nicht zu diskutieren

Glaub ich nicht

dass sich im Moment für den Niko irgendwer die Finger verbrennen will. Da wirds eine längere Abkühlphase geben, bevor man ihn wo unterbringt.
Oder - wie der Onkel vorgeschlagen hat - irgendwo im Ausland. Ich glaub eher, der Onkel Anton wirds schon richten. Der ist international gut vernetzt.

Glaub ich nicht dass sich im Moment für den Niko irgendwer die Finger verbrennen will

owa geh, irgend ein Opfer wird die Laura schon ausgemacht haben!

es wäre nett

wenn auch der general den hut nimmt - solche ausschreibungsignoranten braucht nicht einmal der orf

in einer parteiendemokratie muss es erlaubt sein,

dass auf strategisch wichtigen positionen leute mit dem richtigen stallgeruch untergebracht werden. sonst können wir gleich die parteien abschaffen und der anarchie tür und tor öffnen.
das gerede von objektivität und unabhängigkeit kann ich schon nicht mehr hören.
der orf ist ein paritätenstadl und das wird er immer bleiben.

dir müssen sie entweder gewaltig in die Oberstube gedonnert haben und / oder als Kleinkind schreckliches angetan haben!

sagen jene, die es ohne buechl zu NICHTS bringen...

...armselig.

wobei die farb eigentlich wurscht ist.

der rundfunk DARF NICHT unabhaengig sein? an klescher haben s' obendrein. das rote demokratieverstaendnis geht offenbar neuerdings mit dem braunen hand in hand.

Stallgeruch und sonst?

Der Pelinka hat ja schon im Stiftungsrat einen erfahrenen Roten verdrängt. Schon da entstand ein seltsamer Eindruck, dass es nicht wirklich um Qualifikation ging und der Stall ein anderer ist, als die SPÖ. Cliquen sind nicht gewählt und vertreten nichts. Andererseits stimme ich zu: Auch eine profilierte Karriere in politischem Umfeld kann herzeigbar sein. Aber "der Sohn von wem, der wen kennt" ist keine Qualifikation. Wenn die SPÖ inhaltliche Nullnummern fördert, kann man ihre Stabilität mit einem Sandhaufen vergleichen.

Au contraire!

Auch in einer Parteiendemokratie sollte nicht das Parteibuch, sondern die Qualifikation für die Besetzung eines wichtigen Postens ausschlaggebend sein. Ich glaube nicht, dass diese Praxis zur Anarchie führen würde.

Glauben Sie wirklich, nennenswert viele Leute hätten ein Parteibuch, wenn sie sich nichts davon versprechen könnten ?
Ein Parteibuch ist doch der Inbegriff des Geben und Nehmens.

dazu sei am rande angemerkt,...

...dass die spoe ungefaehr doppelt so viele mitgleider hat wie der Parti Socialiste in frankreich.

bevoelkerung: 80:8 mio.

unglaublich, die anzahl zukunftsvisionaerer idelaisten hierzulande. besonders in wien.

nur weil man Postenschacher nicht zu läßt....

...deswegen macht man nicht gleich die Tür auf für Chaos und Anarchie. In welcher einfachen parteidementen Welt lebst du ?????

Löwelstraße 18, 1014 Wien

Wrabetz sollte als lame duck nun zurücktreten.

"... in dem Wissen, dass nach ein paar Monaten alles vergessen ist."

Daran sind wir Bürger aber eindeutig selbst Schuld, oder?

Ja, so ist es. Und es liegt an uns, dies zu ändern.

Was Postenschacherei und Korruption betrifft, ist Österreich für mich mittlerweile eines der schlimmsten Länder der Welt. Mir wird speiübel, wenn ich mir anschaue, welche Lumpen unser Land "führen" und mit welcher Unverfrorenheit hier zu Werke gegangen wird, immer in dem Wissen, dass nach ein paar Monaten alles vergessen ist.

Posting 1 bis 25 von 1032

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.