Ein falsches Leben für Recht und Ordnung

18. Jänner 2012, 17:44
  • Ein Mann, der sein Volk nicht aus den Augen lässt: Leonardo DiCaprio als FBI-Chef in Clint Eastwoods "J. Edgar".
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    Ein Mann, der sein Volk nicht aus den Augen lässt: Leonardo DiCaprio als FBI-Chef in Clint Eastwoods "J. Edgar".

Clint Eastwood ist in "J. Edgar" den Widersprüchen des langjährigen FBI-Leiters J. Edgar Hoover auf der Spur

 Das Ergebnis ist ein beeindruckender Film, der über das Porträt eines Einzelnen weit hinausgeht.

Wien - Der Regisseur und sein Sujet sind in diesem Fall aufgrund ihrer Gegensätzlichkeit besonders reizvoll: Clint Eastwood verkörpert in seinen Rollen wie als Regisseur gerne den Individualisten, der in seiner Einschätzung von Recht und Gerechtigkeit den eigenen Fähigkeiten vertraut. J. Edgar Hoover dagegen, Begründer und beinahe 50 Jahre lang Leiter des FBI, ist das Synonym einer Institution, die den großen Teil ihrer Arbeit auf Verdacht und Misstrauen begründet. Indem Hoover über Menschen Daten sammeln und Akten anlegen ließ sowie die Fahndung bundesweit vernetzte, hat er jenen National Security State hervorgebracht, der die westliche Gesellschaft noch heute bestimmt.

Ein Biopic über einen Mann, der mit seinem Apparat verschmolzen ist, inszeniert von einem Regisseur, der sich seit jeher mit gebrochenem US-Heroismus auseinandersetzt - geht das denn gut? J. Edgar gelingt der bemerkenswerte Spagat. Wo sich andere Genre-Beispiele vor allem auf das Spektakel der schauspielerischen Anverwandlung konzentrieren und einzelne Lebensstationen chronologisch durchschreiten, greift Eastwood auf einen einfachen, aber effektiven dramaturgischen Trick zurück: Hoovers Leben und Arbeit wird in elliptisch angelegte Teile zersplittert, die mannigfaltige Perspektiven auf den Menschen und sein Umfeld zulassen. Mit Leonardo DiCaprio hat er zudem einen Star an der Seite, der vielleicht ein wenig zu sympathisch für den Part ist, der historischen Person jedoch zurückhaltend naherückt und dessen innere Widersprüche auszuloten versucht.

Ertragreich sind Hoover und seine so lang andauernde Karriere (von den Roaring Twenties bis Mitte der 1970er-Jahre) schon deshalb, da sich in diesem Zeitraum Amerika entscheidend wandeln wird. Eastwood und sein Drehbuchautor Dustin Lance Black, der auch Gus Van Sants Politikerdrama Milk geschrieben hat, porträtieren den FBI-Chef als jemanden, der sein konservativ geprägtes Bild des Landes hartnäckig bewahren will, dabei aber die Methoden der Verbrechensbekämpfung beständig modernisieren muss. Prägend für Hoover war die Unterwanderung des Staates durch kommunistische Umtriebe - egal, ob real oder imaginär: Überwachung und Paranoia gingen hier ohnehin Hand in Hand.

Der Film interessiert sich allerdings mehr für Hoovers eigene Zerrissenheit als für die seiner politischen Ideen. Entscheidend ist der private Kreis um einen Mann, den seine Kollegen "Speed" nannten, weil er sich vor Eifer mitunter verhaspelte. Judi Dench spielt seine dominante Mutter, die in Eastwoods Interpretation zum Ursprung von Hoovers maßlosen Ambitionen führt.

In einer zentralen Szene, in der es um "Edgars" unterdrückte Homosexualität geht, spricht sie davon, dass sie lieber einen toten Sohn als eine "Narzisse" hätte. Damit sind wir im Zentrum des psychosexuellen Konflikts dieses Mannes: Als er nach dem Tod der Mutter ihr Kleid überzieht, ist Hitchcocks Psycho - eine weitere Geschichte eines Mannes, der sich mit seiner Mutter identifiziert - keine verkehrte Analogie.

Held aller Amerikaner

Eastwoods von klassischer Eleganz getragene Inszenierung findet mit erstaunlicher Sicherheit zur richtigen Dosierung solcher schwierigen Szenen. Der Film ist weder Kolportage noch Psychogramm, er legt seine Argumente sachte in Bildern dar und öffnet dabei auch zeitgeschichtliche Fenster. Hoover ist in J. Edgar nicht einfach ein Mann, der auf die Erfordernisse reagiert, wenn er Gangster bekämpft und das Image von Polizisten verbessern möchte. Er verteidigt auch ein Ethos - das er dann jedoch unaufhörlich selber bricht - und sucht die Anerkennung durch die Öffentlichkeit. Er wäre gerne ein Held des amerikanischen Volkes.

Dazu kommt es jedoch nie, weshalb Hoovers Erinnerungen im Film zu misstrauen ist - er beschönigt einfach zu viel. Solcher Legendenbildung verleiht der Film freilich einen dezenten Hauch von Melodramatik: Denn Eastwood attestiert Hoover indirekt, das falsche Leben gelebt zu haben. Sein engster Mitarbeiter und Berater Clyde Tolson (Armie Hammer), der zugleich sein Lebensgefährte war und ihn liebte, sieht das ähnlich und versucht ihn immer wieder zu bekehren. Notfalls drückt er ihm auch mit Gewalt einen Kuss auf die Lippen. Aber Hoover ließ das einfach nicht mit sich machen, er war sich selbst verdächtig. (Dominik Kamalzadeh      / DER STANDARD, Printausgabe, 19.1.2012)

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Vor vielen Jahren hab ich Lenny DiCaprio auch nicht wirklich ausstehen können, aber inzwischen hat der gute Mann einfach zu oft gezeigt, wie gut er schauspielen kann! Und großartige Regisseure wie Eastwood oder Scorsese arbeiten nicht umsonst mit ihm zusammen.
Clint Eastwood hat bei seinem reichhaltigen Werk der letzten Jahren meiner Meinung nach nicht ein einziges Mal daneben gegriffen. Habe vor ihm den größten Respekt, in seiner Person als Regisseur vielleicht noch mehr als vor dem Schauspieler.

DiCaprio

Ich weiß nicht, ich kann mit ihm nix anfangen.
Sorry.

Clint Eastwood ist einer der besten Regisseure Hollywoods und dadurch und seine Arbeit als Schauspieler insgesamt eine der wichtigsten Persönlichkeiten, die Hollywood je hervor gebracht hat.
Trotzdem werden ich den Film erst zufällig im Fernsehen sehen, da ich DiCaprio einfach nicht mag. Mir gibt er als Schauspieler nichts (außer in den Basketball Diarys) obwohl er sicher ein guter Schauspieler ist. Mir ist er zu bemüht, zu streberhaft in seiner Schauspielerei.

Der ausgeflippte Lodenfreak.
Juhu, ich liebe Drahdiwaberl.

das in diesem artikel nicht erwähnt wird,

daß dieser film ein remake ist, finde ich erschütternd!

dieser film ist kein remake.oder glauben Sie auch daß public enemies ein remake von dillinger ist?

Was wäre Ihrer Meinung nach das "Original"?

ein film über hoover, der vor 2 jahren bei der viennale lief

aus den 70igern, mit hervorragendem ensemble, insbesondere der hauptdarsteller überzeugte!

und soweit ich mich erinnere ,alles über hoover bloßlegte!

"the private files of J.E.Hoover" hieß der film, und er war sehr gut!

aber leider gibts diesen film nicht auf dvd, möglicherweise hat das auch einen nicht uninteressanten hintergrund......

fielen dank

für die info

daß in diesem artikel nicht erwähnt wird,

das in diesem artikel nicht erwähnt wird,

das heißt tank!

Di Caprio

Ich finde er hat schon in Gilbert Grape bewiesen, dass er ein toller Schauspieler ist (1993 - Oscar Nominierung beste Nebenrolle). Und 2 Jahre später als Jim Carroll spielte er einen drogensüchtigen College Basketballer ebenfalls überzeugend. Wie viele Stars hatte er zwischendurch seine "Durchhänger", aber ein erstklassiger Schauspieler war er schon immer.

Was würde "Homer Simpson" zu diesem Film sagen :
"LAAAAAAAAAAAAAAAAANGWEILIG".

Wann haben Sie diesen Film gesehen?

schad. wäre ein guter film geworden,

mit pitt als hoover und bay als regisseur.

aber so....

Ja eh, schließlich hat Clint nur 2 Oscars für den besten Film & 2 für den besten Regisseur und Michael Bay bereits 3 Goldene Himbeeren als schlechtester Regisseur, der wär sicher um Längen besser gewesen!

ok. gut.

note to self:
use satire tags

unabhängig von diesem film, den ich noch nicht sehen konnte:
hut ab vor leo dicaprio. der hat sich weit weg entwickelt vom titanic-poidl. sucht sich erklassige regiesseure aus (scorsese, nolan, eastwood, scott,...) macht gute filme, legt mehr wert auf qualität als auf kommerzellen erfolg.

der war vor Titanic schon super

in Jim Carroll z.B.:

So ist das!

Wobei ich sagen muss, bevor ich zum Titanic-Film ins Kino reingegangen bin, dachte ich mir: Wieso nur gerade der Leonardo DiCaprio für die Hauptrolle ausgewählt wurde?
Und dann während des Films habe ich meinen Standpunkt, oder Vorurteil ganz vergessen können, seine Darstellung hat mich irgendwie mitgerissen.

Ich halte ihn für einen sehr guten Schauspieler, mein großer Favorit mit ihm: Catch me if you can

2 - 3 Jahre noch, dann is der letzte Rest Babyspeck aus seinem Gesicht verschwunden, dann wirds ja hoffentlich auch endlich den wohlverdienten Oscar für ihn geben!

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