Ursache ist die Abkühlung in der Stratosphäre - und die wird paradoxerweise durch die Klimaerwärmung verstärkt
Karlsruhe - Über der Arktis wurde die Ozonschicht nie so stark angegriffen wie über der kälteren Antarktis. Im Winter 2010/2011 waren die Verluste jedoch so stark, dass erstmals von einem Ozonloch über dem Nordpol gesprochen werden musste. Meteorologen des Karlsruher Instituts für Technologie sind der Frage nachgegangen, wie es zu dieser Entwicklung kommen konte. Ihre Ergebnisse haben sie nun in der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" veröffentlicht.
Wesentlicher Grund für das Auftreten des arktischen Ozonlochs waren
demnach die damaligen ungewöhnlich kalten Temperaturen in der Ozonschicht, die in
etwa 18 Kilometern Höhe in der Stratosphäre liegt. Dort werden bei Temperaturen unter -78°
Celsius Chlorverbindungen, die aus Fluorchlorkohlenwasserstoffen und anderen Schadstoffen stammen,
chemisch so umgewandelt, dass sie die Ozonschicht angreifen und
teilweise zerstören. Setze sich der in den vergangenen Jahrzehnten
beobachtete Trend zu immer kälteren Temperaturen in der Stratosphäre
fort, sei für die Zukunft wiederholt mit dem Auftreten eines arktischen
Ozonlochs zu rechnen, so eine der Kernaussagen der Studie.
"Wir haben dabei herausgefunden, dass ein weiteres Sinken der Temperatur
um nur ein Grad ausreichen würde, um zu einer fast vollständigen
Zerstörung in einzelnen Bereichen der arktischen Ozonschicht zu führen",
sagt Björn-Martin Sinnhuber, Hauptautor der Studie. Beobachtungen
über die vergangenen 30 Jahre deuteten darauf hin, dass die Stratosphäre
in kalten arktischen Wintern im Mittel um etwa ein Grad pro Jahrzehnt
kälter geworden ist. Die weitere Entwicklung der Ozonschicht werde also
wesentlich auch vom Klimawandel beeinflusst, so Sinnhuber. Denn während
die Zunahme von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen zwar zu einer
Erwärmung in den unteren Luftschichten führe, indem ein Teil
der Wärmestrahlung von der untersten Schicht der Atmosphäre wieder zum
Erdboden zurückgestrahlt werde, bewirke dies gleichzeitig eine Abkühlung
der darüber liegenden Luftschichten der Stratosphäre, in denen sich die
Ozonschicht befindet. (red)