Bedingung: Verbindliche Zusagen von Förderländern
Essen - Der deutsche Energieversorger RWE ist weiter an dem Bau der
Nabucco-Pipeline, die Erdgas aus dem Kaukasus nach Zentraleuropa
befördern soll, interessiert. Das "Wall Street Journal" hatte am Dienstag
gemeldet, dass das Interesse RWEs schwindend sei und man einen Ausstieg
prüfe, um Finanzengagements insgesamt zu senken: "Wir freuen uns über
alle Lösungen, die unser eigenes finanzielles Engagement möglichst
gering halten", wurde Unternehmenschef Jürgen Großman zitiert.
RWE stellte nun aber klar, dass man weiter am Importziel für kaspisches
Gas und somit an der Pipeline festhalten wolle. Der Konzern betrachtet
Nabucco als strategisches Projekt. "Wir glauben, dass wir unsere
Wachstumschancen in Europa finden", so Großmann, der Ende Juni sein Amt
an den Niederländer Peter Terium abgeben wird.
Bevor mit dem Bau begonnen werden kann, erwartet sich RWE fixe
Lieferzusagen von Aserbaidschan, das seine Zusage ursprünglich bereits
zum Ende 2011 angekündigt hatte.
Die jüngsten Entwicklungen sind ein weiterer Teil der Unsicherheiten um
die Realisierung des Pipeline-Projekts, an dem auch die OMV federführend
beteiligt ist. Der ursprünglich geplante Baubeginn 2011 konnte nicht
eingehalten werden; die Kosten von acht Mrd. Euro werden sich laut
Experten verdoppeln. (APA; DER STANDARD; Print-Ausgabe, 19.1.2012)