Die Bayern wollen den Hypo-Kaufvertrag mit Kärnten rückabwickeln. Dabei rieten ihnen die eigenen Analysten laut U-Ausschuss eindringlich davor ab
Wien - Ende Jänner geht das Verfahren BayernLB gegen die
Mitarbeiterprivatstiftung MAPS der Kärntner Hypo weiter; die Bayern
wollen den Kaufvertrag rückabwickeln. Sie haben die Hypo-Mehrheit 2007
gekauft (ein Paket von MAPS) und fühlen sich getäuscht.
Dabei wurden sie eindringlich gewarnt. Von den eigenen Leuten, wie neue
Details aus dem Vorbericht des U-Ausschusses ergeben. Mitte 2006 bekam
BayernLB-Chef Werner Schmidt erste Unterlagen, die ein Mitarbeiter unter
die Lupe nahm. Seine Präsentation vom 7. Juni 2006 beinhaltete "äußerst
kritische Hinweise", wie es im Berichtsentwurf heißt.
Schon die damals aufgetauchten Spekulationsverluste (später folgten
Verurteilungen wegen Bilanzfälschung, und aus dem Jahresgewinn wurde ein
Verlust) machten den Analysten skeptisch. Sie wiesen "auf mangelhaftes
Risikoüberwachungs- und Managementsysteme" hin, es stelle sich die Frage
der "fachlichen Qualifikation" im Vorstand.
Und, so der Mann ganz grundsätzlich: "Warum wollen sich die Aktionäre
aus der angeblich sehr profitablen Bank zurückziehen?" Mit seiner
eigenen Überlegung lag der Banker nicht so falsch: "Möglicher Grund:
Kasse machen, bevor die Wachstumsstory endet?"
Auch konkrete Schwächen machte er aus, etwa in Tourismusprojekten am
Balkan, zudem gebe es Gerüchte um "faule Objekte". Ein zukunftsweisender
Befund. Schlussfolgerung des Bayern: Weiterführende Überlegungen seien
nur sinnvoll, wenn FMA-Prüfberichte, Entscheidung über die Amtsenthebung
des Vorstands und Unterlagen des Wirtschaftsprüfers herbeigeschafft
würden. Zur Erinnerung: Wolfgang Kulterers Abberufung aus dem Vorstand
erfolgte per August 2006; er wechselte aber direkt in den Aufsichtsrat,
wofür die Satzung der Bank geändert werden musste. Befund des ersten
Hypo-Röntgens: "Die Ausgangslage macht eine Intensivprüfung unabdingbar.
"
Nach einem Treffen Schmidts mit Tilo Berlin und Kulterer am 31. August
2006 fassten die Bayern (boten damals für die Bawag mit) wieder
Unterlagen aus. Am 7. Oktober bekam der Vorstand die zweite
Präsentation; die Bedenken waren nicht geschrumpft. Man empfahl "die
sehr intensive Due Diligence (...) aller wesentlichen Konzerntöchter,
besonders Banken und Leasinggesellschaften". Vermerk auf dem Papier an
den Vorstand: Der Erwerb einer Beteiligung sei "nicht interessant".
Bankchef Schmidts Anmerkung: "OK, Z. d. A. (zu den Akten; Anm.) -
erledigt".
Elf Monate später freilich war der Kaufvertrag unterschrieben. Einen
Satz hörte Schmidt damals wohl (noch) nicht: "Ihr seid zu blöd, eine
Bank zu kaufen." Zitat: BayernLB-Aufsichtsratschef und Ex-Finanzminister
Kurt Faltlhauser nach dem 16. Dezember 2006, als die Bawag nicht an die
BayernLB, sondern den US-Hedge-Fonds Cerberus ging. (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 19.1.2012)