Bayernbanker warnten vor Hypo-Einstieg

Renate Graber, 18. Jänner 2012, 17:25

Die Bayern wollen den Hypo-Kaufvertrag mit Kärnten rückabwickeln. Dabei rieten ihnen die eigenen Analysten laut U-Ausschuss eindringlich davor ab

Wien - Ende Jänner geht das Verfahren BayernLB gegen die Mitarbeiterprivatstiftung MAPS der Kärntner Hypo weiter; die Bayern wollen den Kaufvertrag rückabwickeln. Sie haben die Hypo-Mehrheit 2007 gekauft (ein Paket von MAPS) und fühlen sich getäuscht.

Dabei wurden sie eindringlich gewarnt. Von den eigenen Leuten, wie neue Details aus dem Vorbericht des U-Ausschusses ergeben. Mitte 2006 bekam BayernLB-Chef Werner Schmidt erste Unterlagen, die ein Mitarbeiter unter die Lupe nahm. Seine Präsentation vom 7. Juni 2006 beinhaltete "äußerst kritische Hinweise", wie es im Berichtsentwurf heißt.

Schon die damals aufgetauchten Spekulationsverluste (später folgten Verurteilungen wegen Bilanzfälschung, und aus dem Jahresgewinn wurde ein Verlust) machten den Analysten skeptisch. Sie wiesen "auf mangelhaftes Risikoüberwachungs- und Managementsysteme" hin, es stelle sich die Frage der "fachlichen Qualifikation" im Vorstand.

Und, so der Mann ganz grundsätzlich: "Warum wollen sich die Aktionäre aus der angeblich sehr profitablen Bank zurückziehen?" Mit seiner eigenen Überlegung lag der Banker nicht so falsch: "Möglicher Grund: Kasse machen, bevor die Wachstumsstory endet?"

Auch konkrete Schwächen machte er aus, etwa in Tourismusprojekten am Balkan, zudem gebe es Gerüchte um "faule Objekte". Ein zukunftsweisender Befund. Schlussfolgerung des Bayern: Weiterführende Überlegungen seien nur sinnvoll, wenn FMA-Prüfberichte, Entscheidung über die Amtsenthebung des Vorstands und Unterlagen des Wirtschaftsprüfers herbeigeschafft würden. Zur Erinnerung: Wolfgang Kulterers Abberufung aus dem Vorstand erfolgte per August 2006; er wechselte aber direkt in den Aufsichtsrat, wofür die Satzung der Bank geändert werden musste. Befund des ersten Hypo-Röntgens: "Die Ausgangslage macht eine Intensivprüfung unabdingbar. "

Nach einem Treffen Schmidts mit Tilo Berlin und Kulterer am 31. August 2006 fassten die Bayern (boten damals für die Bawag mit) wieder Unterlagen aus. Am 7. Oktober bekam der Vorstand die zweite Präsentation; die Bedenken waren nicht geschrumpft. Man empfahl "die sehr intensive Due Diligence (...) aller wesentlichen Konzerntöchter, besonders Banken und Leasinggesellschaften". Vermerk auf dem Papier an den Vorstand: Der Erwerb einer Beteiligung sei "nicht interessant". Bankchef Schmidts Anmerkung: "OK, Z. d. A. (zu den Akten; Anm.) - erledigt".

Elf Monate später freilich war der Kaufvertrag unterschrieben. Einen Satz hörte Schmidt damals wohl (noch) nicht: "Ihr seid zu blöd, eine Bank zu kaufen." Zitat: BayernLB-Aufsichtsratschef und Ex-Finanzminister Kurt Faltlhauser nach dem 16. Dezember 2006, als die Bawag nicht an die BayernLB, sondern den US-Hedge-Fonds Cerberus ging. (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 19.1.2012)

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14 Postings
Erzpiefke
 
03
19.1.2012, 10:10
Letztlich besteht keine Chance auf eine Rückabwicklung

Diese müßte in Österreich eingeklagt werden und bei einem Land mit einer solch unglaublich hohen parteipolitischen Durchdringung - auch der Justiz - besteht da keine Chance. Bei einer Rückabwicklung würde für österreich ein Milliarden-Schaden enstehen. Soviel Unabhängigkeit könnte sich selbst eine unabhängige Justiz nicht erlauben. Im Grunde sind Bayern und österreich nun quit, denn ohne die Übernahme der Bank Austria wäre die Hypovereinsbank in arge Existenznöte geraten und der Staat hätte dort Milliarden hineinbuttern müssen. So hat eben u.a. die Stadt Wien mit hohen Verlusten bei ihren Hypovereinsbank-Aktien, die sie für ihre wertigen BA-Aktien bekam, die Zeche bezahlt.

Alpensaga_Wurzel
00
19.1.2012, 10:47
Nicht nur das.

Faltlhauser hat ja scheinbar ganz bewußt diese marode Bank kaufen lassen.

nur so zum nachdenken
00
19.1.2012, 10:12

Das ist ein wirklicher Spitzenkommentar. Sie treffen den Kern der Sache. Danke und alle Achtung!

der tueftler
00
19.1.2012, 09:48
gierig, geltungssüchtig, großspurig

und vor allem strohdumm!

der großteil der probleme war in allen zeitungen bekannt. der vorstandschef unter anklage. später hat er die bilanzfälschung sogar zugegeben. welcher depp kauft so ein unternehmen?

Dr. Seltsam
 
01
19.1.2012, 08:24

Die interessante Frage bleibt weiter offen: Warum wurde die HYpo Alpe Adria dann doch gekauft?

De schdadisdig is a hund
00
19.1.2012, 10:29
Stiimt, der Artikel wirft mehr Fragen auf als er beantwortet

flotter denker
00
19.1.2012, 07:24
Ja, der Analyst hat es klar erkannt.

"Möglicher Grund: Kasse machen, bevor die Wachstumsstory endet?"

Allein damit koennen sich die Bayern wohl ihre Schadenersatzforderungen in die Haare schmieren.

Serafin Keil
00
19.1.2012, 04:32
Jetzt bin ich aber mal gespannt

Gilt eigentlich die Schuldenbremse für die Hypo Alpe Adria Bank auch ? Faymann und Spindelegger sollen bloß nicht auf die Idee kommen auch nur einen Steuercent mehr in diese Bank zu stecken.
Aber es gilt sowieso die Schuldenbremse,aber bei denen weiß man ja nie.

i bins die Marie
02
19.1.2012, 01:47

Aber echt lustig "mangelnde Management Fähigkeiten" bei Berlin und Kulterer zu suchen... *augenroll*
problematisch ist dass sich da im vorstand kaum was zu ändern scheint...

derunbestechliche
43
19.1.2012, 00:38

Wie ich es in einigen Postings vermutet hatte:
Sie haben von der Misere bei der Hypo-Alpe Adria gewusst. Ebenso ist unter der Führung der Bayern das Risiko enorm erhöht worden. Sie wollten eben den großen Einstieg im Osten bzw. Südosten und nahmen dafür hohe/höchste Risiken in Kauf. Das einzige was ich wirklich kritisiere ist, dass Österreich erpresst worden ist, die Bank von den Bayern abzukaufen. Jetzt wollen sie das Geschäft rückabwickeln, obwohl sie erstens davon gewusst haben und zweitens nach der Übernahme höhere Risiken eingegangen sind. Koffer! Dann sollten wir als Österreicher ebenso das Geschäft rückabwickeln, denn wir Deppen haben uns von den Deppen, die (bewusst) eine solch marode Bank gekauft haben, erpressen lassen.

nur so zum nachdenken
30
18.1.2012, 22:27

Irgendwie hat man das Gefühl, dass der Standard nach ein paar Monaten immer wieder die gleiche Platte auflegt. Siehe Standard Archiv. Klar soll alles aufgeklärt werden, aber bitte Berichterstattung über das Thema mit neuen Fakten und nicht mit Sachen, die wie 2010 und 2011 schon gelesen haben.

monoton
36
18.1.2012, 19:50

naja, dann dürfte die schadenersatzforderungen an der eingenen dummheit gescheitert sein.
wer so naiv ist zu glauben, das einem das korrupte braune kärntner pack nicht über den tisch zieht ist selber schuld

begalein
01
19.1.2012, 09:57

gib dem Akkusativ eine faire Chance!

Seria
12
18.1.2012, 21:35

der Verkauf als Flucht aus der erwarteten Misere mit letzter Abzocke durch die Spezis?

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