Kabarett

Betrachtungen über Lurch und Politik

18. Jänner 2012, 17:47
  • Artikelbild
    foto: tuma

    Konträre Typen: Günther Lainer (li.) und Klaus Eckel.

Klaus Eckel und Günther Lainer liefern sich in "99" einen amüsanten Schlagabtausch

Wien - Der Blondschopf erinnert ein wenig an Terence Hill, der andere an Bud Spencer. Günther Lainer, Kabarett-Schwergewicht aus Linz, ruht wie ein Buddha in sich, ist kaum aus der Ruhe zu bringen, schüttelt über den Wiener Kollegen nur den Kopf - aber auch das sehr bedächtig. Klaus Eckel hingegen zappelt herum, er sprüht vor Fantasie, verhaspelt sich dauernd. Konträrer können zwei Typen kaum sein: Sie passen wie die Faust aufs Auge. Und nun stehen sie gemeinsam auf der Bühne.

Sie kämpfen aber nicht miteinander, sondern gegeneinander. Denn als Marktschreier der Firma Schmutzengel verkaufen sie Produkte, die für Lebensentwürfe stehen: Lainer preist Beserl und Schauferl an, Eckel den Handstaubsauger. Wer als Erster 100 Stück verkauft hat, wird zum Vorgesetzten des anderen ernannt. Wie es der Zufall so will (und der ist leider ziemlich konstruiert), halten beide bei 99 - so auch der Titel des Programms, das im Wiener Stadtsaal Premiere hatte.

Einen Käufer zu finden, gelingt keinem der beiden. Zudem gibt es verordnete Pausen. Und daher jede Menge Zeit. Lainer will nur seine Ruhe haben und sich seinen aphoristischen Mundartgedichten widmen, aber Eckel ist unfähig, still zu bleiben: Er drangsaliert den anderen mit Geistesblitzen, grotesken Lebenslügen und sonderbaren Bemerkungen.

Missmutig steigt Lainer dann doch ein, die Folge sind wunderbare Schlagabtäusche, äußerst witzige Dialoge und treffende Bemerkungen zu Gesellschaft, Lurch und Politik. Man sinniert über die Mode, alles zu bewerten, was dazu führen wird, dass künftig auch am Grabstein eingravierte Lebensendnoten vergeben werden. Man singt eine Hymne auf den Hofer-Prospekt und stellt sich die Frage, warum es im Flugzeugklo kein Fenster gibt. Es könnte ja eh keiner reinschauen. Nicht sehr tiefschürfend, aber unterhaltsam. (Thomas Trenkler   / DER STANDARD, Printausgabe, 19.1.2012)

 

Nächste Termine:
19. 1., Kulturzentrum Alfa in Steyrermühl
20. 1., Pfarrsaal in Neuhofen a. d. Krems
23. 1. Stadtsaal in Wien

Da Chigurh Toni
10
20.1.2012, 10:49
Unfassbar, dass so unlustige Typen wie der Lainer Geld mit ihrem "Schmäh" verdienen können

Lord Fröhlich
10
21.1.2012, 15:11
Lainer

Lainer ist mMn einer der lustigsten Menschen Österreichs. Dass er dies bei "Was gibt es neues" nicht ist, liegt eher an der Sendung, als an ihm.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.