"Besetzt Salzburg": Interaktives Performancefestival im Mai im Landestheater
Salzburg - Das
Salzburger Landestheater organisiert für Anfang Mai ein einwöchiges
Theaterfestival mit dem Titel "Besetzt Salzburg! - Licht und
Schatten". Geplant ist interaktives Aktions-Theater gegen die
Ungerechtigkeit der Welt - frei nach "Spiel des Lebens". "Wir haben
in den vergangenen zwei Jahren in Salzburg so viel an Vertrauen
gewonnen, dass wir es uns leisten können, Stücke und Arbeitsweisen zu
präsentieren, die nicht im Theaterlehrplan stehen", sagte Intendant
Carl Philip Maldeghem am Mittwoch bei einem Pressegespräch.
Unter der Anleitung der Regisseurin Astrid Großgasteiger sollen ab
sofort protestierwillige und theaterinteressierte "Wutbürger"
gecastet werden. Anfang Februar werden die Proben beginnen. Ziel ist,
bis zum 1. Mai eine Szene mit dem Titel "Ein Zukunftsspiel"
professionell präsentieren zu können. "In dieser Szene soll zur
Sprache kommen, was den Salzburgern unter den Nägeln brennt", sagte
Großgasteiger. Wir werden täglich im Mirabellgarten spielen. Aber je
nach Reaktion des Publikums wird 'Ein Zukunftsspiel' einen anderen
Verlauf nehmen."
"Sound-of-Music" mit Slumkindern
Das Landestheater verweist auf aktuelle Entwicklungen im
deutschsprachigen Theater und will Ernst machen mit der Idee,
lebendige Plattform für Diskurs zu sein. "Vielfach wird Theater
verstanden als Ort, an dem man Kunst serviert bekommt und wieder heim
geht", so Maldeghem. "In meinem Theater muss nach 20 Minuten klar
sein, was das Bühnengeschehen mit meinem Leben zu tun hat. Mit dieser
Frage wird sich das Salzburger Landestheater in Zukunft verstärkt
auseinandersetzen." Daher werde der Spielplan der kommenden Saison
2012/2013 "ganz anderes" aussehen, vorgesehen sind "sehr viel mehr"
Uraufführungen. Und im Herbst soll ein derartiges interaktiv-soziales
Performance-Festival dann direkt im Theater stattfinden.
In "Besetzt Salzburg! - Licht und Schatten" wird es Lesungen mit
berühmten Protestreden und Zeitungstexten geben, von den Klassikern
bis zu Auszügen aus der Occupy-Wallstreet-Bewegung. Damit will sich
das Theater mit der Ästhetisierung von Protest auseinandersetzen.
Teil dieses Festivals im Programm des Landestheaters ist Maxim Gorkis
"Nachtasyl", das bekanntlich in einem Obdachlosenlager spielt. Auch
dieses Stück soll von Profi-Schauspielern gemeinsam mit
theaterinteressierten Salzburger Laien erarbeitet werden. Außerdem
gibt es einen Dokumentarfilm über eine "Sound-of-Music"-Produktion
mit Slumkindern in Mumbai inklusive Fotoausstellung sowie eine Tagung
der "Evangelischen Akademie Tutzing", bei der sich Experten mit
globaler Arbeitslosigkeit beschäftigen werden. (APA)