"Gemein" von Christian Schwarzwald in den Krinzinger Projekten
Wien - Ein sozialer Aspekt hat in den Ausstellungen von Christian
Schwarzwald schon immer eine Rolle gespielt. Nachbarn oder auch Spiel
waren etwa Präsentationen in der Galerie Krinzinger betitelt, in denen
er sich mit bestehenden beziehungsweise mit spielerisch erzeugten
Sozietäten befasste.
Im Rahmen eines Residence-Aufenthaltes in den Krinzinger Projekten hat
der in Berlin lebende Künstler nun eine Schau konzipiert, die zumindest
dem Titel nach noch weiter an aktuelle gesellschaftliche Probleme
heranführt: Ausgangspunkt seiner Installation ist das Adjektiv "gemein",
der den Künstler in seiner Mehrdeutigkeit beschäftigt hat.
Die Ausstellung trägt zwar den Titel gemein, ist jedoch weder gemein im
boshaften Sinne, noch lässt sie Rückschlüsse auf die Grundlagen des
Zusammenhalts einer Gemeinschaft zu. Was man beim Rundgang jedoch leicht
mit dem Thema in Zusammenhang bringt, sind die vielen Porträts, die
Christian Schwarzwald gezeichnet und in Gruppen aufgehängt hat.
Während dabei einige fiese Visagen an "gemeine" Fahndungsbilder
erinnern, sind andere hingegen in Techniken gezeichnet, die man mit
unterschiedlichsten Kunstströmungen, aber auch mit Karikaturen oder
Comics in Zusammenhang bringt. Dass es dem Zeichner um einen
spielerisch-experimentellen Umgang mit dem Medium Zeichnung und dem
Format Ausstellung geht, lassen eine Reihe gestisch-expressiver
Zeichnungen ebenso erahnen wie die scharfen Gegenstände (Messer,
Schraubenzieher u. a.), mit denen er eine Serie von (Selbst-)Porträts
"aufgespießt" hat.
Sobald man angesichts der Porträts einer möglichen narrativen Linie
folgt, lenken geometrische Strukturen den Blick schon wieder zurück auf
den Raum: Neben farbigen Strukturen, die sich über die Wände ziehen,
dienen ihm etwa blau gestrichene Wände als Träger seiner Installationen,
die etwas von Fresken oder auch Reliefs haben.
Schwarzwald spielt wie die alten Meister mit der Illusion optischer
Tiefe und den Mitteln der Irritation: Zu diesen zählt nicht nur der die
Betrachter auf eine zeitkritische Fährte führende Titel oder die
eigenwillige Hängung und Rahmung, sondern auch kleine Fehler, die er in
eine Serie geometrisch-abstrahierter Porträts eingebaut hat: Bis man
bemerkt, dass darin Schatten an Stellen auftauchen, wo die Logik keine
erlaubt, braucht man angesichts des visuell reizvollen Neben- und
Ineinanders allerdings Zeit. (Christa Benzer / DER STANDARD, Printausgabe, 19.1.2012)