Unmögliche Gemeinschaft

18. Jänner 2012, 17:49
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"Gemein" von Christian Schwarzwald in den Krinzinger Projekten

Wien - Ein sozialer Aspekt hat in den Ausstellungen von Christian Schwarzwald schon immer eine Rolle gespielt. Nachbarn oder auch Spiel waren etwa Präsentationen in der Galerie Krinzinger betitelt, in denen er sich mit bestehenden beziehungsweise mit spielerisch erzeugten Sozietäten befasste.

Im Rahmen eines Residence-Aufenthaltes in den Krinzinger Projekten hat der in Berlin lebende Künstler nun eine Schau konzipiert, die zumindest dem Titel nach noch weiter an aktuelle gesellschaftliche Probleme heranführt: Ausgangspunkt seiner Installation ist das Adjektiv "gemein", der den Künstler in seiner Mehrdeutigkeit beschäftigt hat.

Die Ausstellung trägt zwar den Titel gemein, ist jedoch weder gemein im boshaften Sinne, noch lässt sie Rückschlüsse auf die Grundlagen des Zusammenhalts einer Gemeinschaft zu. Was man beim Rundgang jedoch leicht mit dem Thema in Zusammenhang bringt, sind die vielen Porträts, die Christian Schwarzwald gezeichnet und in Gruppen aufgehängt hat.

Während dabei einige fiese Visagen an "gemeine" Fahndungsbilder erinnern, sind andere hingegen in Techniken gezeichnet, die man mit unterschiedlichsten Kunstströmungen, aber auch mit Karikaturen oder Comics in Zusammenhang bringt. Dass es dem Zeichner um einen spielerisch-experimentellen Umgang mit dem Medium Zeichnung und dem Format Ausstellung geht, lassen eine Reihe gestisch-expressiver Zeichnungen ebenso erahnen wie die scharfen Gegenstände (Messer, Schraubenzieher u. a.), mit denen er eine Serie von (Selbst-)Porträts "aufgespießt" hat.

Sobald man angesichts der Porträts einer möglichen narrativen Linie folgt, lenken geometrische Strukturen den Blick schon wieder zurück auf den Raum: Neben farbigen Strukturen, die sich über die Wände ziehen, dienen ihm etwa blau gestrichene Wände als Träger seiner Installationen, die etwas von Fresken oder auch Reliefs haben.

Schwarzwald spielt wie die alten Meister mit der Illusion optischer Tiefe und den Mitteln der Irritation: Zu diesen zählt nicht nur der die Betrachter auf eine zeitkritische Fährte führende Titel oder die eigenwillige Hängung und Rahmung, sondern auch kleine Fehler, die er in eine Serie geometrisch-abstrahierter Porträts eingebaut hat: Bis man bemerkt, dass darin Schatten an Stellen auftauchen, wo die Logik keine erlaubt, braucht man angesichts des visuell reizvollen Neben- und Ineinanders allerdings Zeit. (Christa Benzer  / DER STANDARD, Printausgabe, 19.1.2012)

  • Das Irritierende erschließt sich nicht auf den ersten Blick: In den Blättern der Serie "Gemein" (2011) hat Christian Schwarzwald Schatten an Stellen eingefügt, wo keine sein dürften.
    foto: krinzinger projekte

    Das Irritierende erschließt sich nicht auf den ersten Blick: In den Blättern der Serie "Gemein" (2011) hat Christian Schwarzwald Schatten an Stellen eingefügt, wo keine sein dürften.

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