Britney, du hast meine Kinderseele verkauft

18. Jänner 2012, 16:26

Das aktuelle Stück des "Theaters der Jugend" zeigt virtuell vergessene Verantwortung - Neun Kritiken als Ergebnis einer SCHÜLERSTANDARD-Schreibwerkstatt

"Magersucht macht dich zu einem Stereotyp"

Das Stück "Chatroom" von Enda Walsh geht im Theater im Zentrum, unter der Regie von Gerald Maria Bauer, den Problemen der Jugendlichen im Internet auf den Grund.

Was passiert, wenn sich Heranwachsende in einem Chatroom treffen und über Gott und die Welt plaudern? Richtig. Es kommen Selbstmordgedanken auf. Warum? Weil manche, denen es im Leben schlecht geht, wie Jim, auf andere, die es als Spaß verstehen eben diese Personen zu manipulieren, wie William, hier aufeinandertreffen. Schnell bauen sich zwei Lager auf. Auf der einen Seite William und Eva, auf der anderen Jim, Jack, Emily und Laura. Der unsichere Jim, der nur zufällig in den Chatroom findet wird dabei wie eine Marionette hin und her geschubst. Mit gezielten Fragen will William Jim dazu bringen ein Zeichen zu setzen ("Wenn mein Leben allen egal ist, warum soll es mir wichtig sein?"). Doch Jack Emily und Laura versuchen ihm einen anderen Ausweg aufzuzeigen.
Die Umsetzung ist recht gut gelungen. Die schlichte, weiße Bühne wurde nur mit einigen Bildschirmen und einem Stuhl geschmückt. Weißes, steriles Licht vermittelt das Gefühl, sich an einem unangenehmen Ort zu befinden. Genial ist auch die Idee, das ganze Theater in das Bühnenbild einzubinden. Nachdem Jim sich zum letzten Mal aus dem Chatroom ausgeloggt hat, verlässt er mit einer Kamera die Bühne und geht hinaus auf den Stephansplatz. Die Zuschauer können dies über die Bildschirme beobachten.

Die Themen, über die gechattet werden reichen zwar von Britney Spears bis Charly und die Schokoladenfabrik, doch die Aussagen die getätigt werden (u.a. "J. K. Rowling sollte man vernichten!") und das Alter und Aussehen der Schauspieler machen es einem schwer sich vorzustellen, dass es sich hierbei um heranwachsende 15-Jährige handeln soll.

Das Stück wirft viele Fragen auf. Sind Jugendliche im Netz sicher? Kann ich wirklich wissen, mit wem ich chatte? Die Kulisse ist, obwohl schlicht, doch genau perfekt für diese ungemütliche Umgebung gestaltet und die kostümierten Stereotype (Streber, Emo und co.) lassen einen über das Alter der Schauspieler hinwegblicken. Das Stück Chatroom geht tiefgründig in die Probleme der heutigen Jugend ein und ist aus diesem Grund absolut sehenswert. Arandjelovic Aleksandar

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 zurück | weiter 
Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.