Bundesbuchhaltungsaffäre

Schulungsfirmen-Chef diktierte Beamten fiktive Rechnungen

18. Jänner 2012, 16:17

Angeklagter "Venetia"-Chef gibt "Fälschungsmaschinerie" zu, entschuldigt sich bei ebenfalls angeklagtem Beamten

Wien - Durchaus Erstaunliches hat der zweite Verhandlungstag im Prozess um die Bundesbuchhaltungsaffäre zutage gefördert. Wie der ehemalige Chef des Bildungsinstitut "Venetia", Kurt D., am Mittwoch im Wiener Straflandesgericht bereitwillig erzählte, konnte er dem leitenden BHAG-Beamten Wolfgang W. den Inhalt jener Forderungsbestätigungen diktieren, die jener ohne entsprechende Grundlagen zu Papier brachte. Kurt D. ließ die solcherart fabrizierten Schuldverschreibungen des Bundes dann über Mittelsmänner verkaufen bzw. suchte selbst Interessenten, "weil ich wieder Liquiditätsbedarf hatte", wie er zu Protokoll gab.

Diese Finanznöte trieben D. dann auch dazu, die vermeintlichen Forderungen gegen das AMS, die er im Rahmen einer Generalzession bereits an die BAWAG angetreten hatte, ein zweites Mal zu verkaufen. "Ein Wahnsinn", konstatierte er im Rückblick. Die Verhandlung wird am Donnerstag, fortgesetzt.

Diktat auf andere Art

Zur Vorgehensweise in der Behörde selbst sagte der 56-Jährige Schulungsfirmen-Chef, dass er dem Beamten "den Text gegeben und gebeten (hat; Anm.), ihn zu schreiben, weil's so wesentlich rascher funktioniert hat." Wie Richter Thomas Kreuter herausarbeitete, wurden diese Schreiben in einer derartigen Häufigkeit produziert, dass Kurt D. gar nicht mehr unterscheiden konnte, welche vermeintlichen finanziellen Forderungen seines Unternehmens gegen das Arbeitsmarktservice (AMS), für das die "Venetia" jährlich zahlreiche Kurse abwickelte, er gerade veräußert hatte. Kurt D. räumte schließlich ein, es wäre eine "Fälschungsmaschinerie" betrieben worden, "die auf fruchtbaren Boden gefallen ist."

"Dieser Akt ist alles Schall und Rauch. Ich hätte niemals Forderungen verkaufen dürfen. Das ist das Altpapier nicht wert", tönte der "Venetia"-Boss, der seit der Pleite seines Betriebs Anfang 2009 von der Mindestsicherung lebt. Er habe sich "einer einzigen Loch-auf-Loch-zu-Methode bedient". Kurt D. bedauerte es, den befreundeten Wolfgang W. in all das mit hineingezogen zu haben: "Ich möchte mich erstmals allermassivst öffentlich bei ihm entschuldigen."

Mitunter hatte Wolfgang W. sogar im Nachhinein vermeintliche Schuldverschreibungen verfasst: Hatte Kurt D. Interessenten gefunden, marschierte er nachher zu seinem Freund und ließ sich die falschen, weil zumindest teilweise gar nicht existenten übertragenen Forderungen beglaubigen.

Zumindest ein Mittelsmann, der sich nun als Mitangeklagter vor Gericht mitzuverantworten hat, dürfte bei den Manipulationen ein eigenes Spiel gespielt und sich nicht unwesentlich bereichert haben: Er vermittelte laut Aktenlage etwa einen Investor, der Kurt D. Forderungen in Höhe von 240.000 Euro abkaufte. Dafür machte der Geschäftsmann eine Provision von nicht weniger als 330.000 Euro geltend. (APA)

SirDogder
00
19.1.2012, 07:36
Viel

Interessanter wäre die Information, worauf diese "allermassivste" Freundschaft der beiden bestanden hat.

Warum macht man sowas, warum läßt man sich derart von seinem "Freund" korrumpieren?

Meine Vermutung sind gemeinsame nächtliche Aktivitäten, die von V. finanziert worden sind.... aber wie immer gilt wohl die Unschuldslammvermutung.

intellektueller Stuhlgang
00
19.1.2012, 07:35

wusst ichs doch!
es gibt also personen die von einer ams-schulung profitieren!

prove
00
18.1.2012, 17:26
"Ich möchte mich erstmals allermassivst öffentlich bei ihm entschuldigen."

allermassivst:-)

Waldschrat
 
01
18.1.2012, 16:47
Und jetzt wär es dann

bald an der Zeit, dass der/die RedakteurIn einmal reinchreibt wegen welcher Delikte die Herrschaften überhaupt angekalgt sind.

Aber es war ja schon beim Auffliegen der Sache seinerzeit so eigenartig, dass genau bei der Gschicht der Aufdeckungsjournalismus grad auf Urlaub ist.

Mostbluzza
01
18.1.2012, 15:01
bei der ezb funktioniert das auch perfekt

warme luft auf papier zu bringen.

gut, da sind noch ein paar nullen mehr am werken ...

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.