Der Altea und sein Rendezvous mit Andrea

18. Jänner 2012, 16:49
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Stürmischer Damenbesuch macht eine sportliche Ausfahrt zu einem Erlebnis. Unterforderung des Materials war nur kurz befürchtet worden

Weil es grundsätzlich gut ist, wenn man rechtzeitig drauf schaut, dass man's hat, wenn man's braucht, war der Altea in der XL-Version präsumtiv bestens geeignet für den alljährlichen Besuch der Vierschanzentournee, der Traditionsveranstaltung der Skispringerei. Die ereignet sich im Winter ja in Destinationen, die dem Großstädter selbigen auch gerne versprechen.

Freilich schien der nach einem nicht allzu weit von seiner Wiege (Martorell bei Barcelona) entfernten spanischen Küstenstädtchen Benannte mit seinem Allradangebot zunächst von chronischer Unterforderung bedroht. Denn von Andrea, der Stürmischen, war ja noch überhaupt keine Rede, so kurz nach der landesweit und darüber hinaus knochentrockenen Weihnacht, weshalb auch die schon am Urmodell so entzückenden, gegenläufig zueinander stehenden Scheibenwischer eisern in ihren Ruhestellung hinter Blenden an den A-Säulen verharrten.

Und weil die West selbst in ihren übelsten Abschnitten doch noch nicht ganz an Gelände denken lässt, blieb Zeit und Muße, die SUV-Haftigkeit des Innenraums, die Aufgeräumtheit des Cockpits und die fast schon zu bequeme beheizbare Sitzgelegenheit zu genießen. Dass der Vierzylinder-Turbodiesel mit seinen 140 Pferden nicht so ausgreifen durfte, wie er könnte, selbst im kleinen deutschen Eck nicht, lag an der Charakterfestigkeit des von Airbags umzingelten Lenkers. Und weil selbst im hintersten Oberallgäu des Winters weiße Pracht nur auf den Bergen prangte, ließ sich der Altea in Oberstdorf garagieren, ohne mehr als Gefälliges gezeigt haben zu müssen.

Vier Tage später war sie da, die Andrea, mit Sturm und Schnee, frage nicht! Und die prinzipiell knifflige Frage, wie Garmisch und in der Folge Innsbruck anzufahren sei, gewann an Gewicht: Über das Oberjoch via Tannheimer Tal? Oder doch lieber über den Fernpass in das Außerfern? Oder - für die ganz Vorsichtigen - via München über die Autobahn?

Aufgedeckte Karten

Schon die mittlere Variante gebot dem zuvor Unterforderten, fast alles zu zeigen, zumal es darum ging, die gewöhnliche Fahrzeit nicht mehr als zu verdoppeln. Das gelang nur durch Überflügelung der nicht wenigen Sommerbereiften. Und das ungeachtet der bedenklichen Fahrbahnzustände, ob nun den Fernpass hinunter oder beim Ritt über das Mieminger Plateau. Allrad sei Dank, gelang's, ohne den Pulsschlag zu erhöhen.

Problematisch waren stets nur die schon am Urmodell so entzückenden, gegenläufig zueinander stehenden Scheibenwischer, weil sich in ihrer Ruhestellung, den Blenden an den A-Säulen, trotz deren Beheizung leider auch Eis und Schnee recht geborgen fühlen. Aber was pfeift sich ein stürmisches Wesen wie Andrea schon um eine pfiffige Idee, um preisgekröntes Design?

Dass der Altea nach einigen Tagen Innsbruck nicht auch noch nach Bischofshofen, um Dreikönig ein wüstes Schneeloch, durfte, ist eine andere Geschichte. Auf der West bei heftigem Regen spielten sich die schon beim Urmodell Entzückenden jedenfalls. (Sigi Lützow/DER STANDARD/Automobil/13.01.2012)

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