"Hall of Mirrors" bringt 16 klassiche Werke der Selbstbespiegelung und -zerfleischung aus den Nachkriegsjahren
Wien - In den 1950ern widmete Hollywood eine ganze Reihe größerer Werke
aller Genres sich selbst, gewährte Einblicke
hinter die Kulissen der Traummaschine, thematisierte Glamour und
Verfall. Dieser Epoche der Selbstbespiegelung der Filmmetropole
widmet sich von 19. Jänner bis 9. Februar das Wiener Filmmuseum mit 16 Werken in der
Retrospektive "Hall of Mirrors. Hollywood über Hollywood 1950-62".
Was beim ersten Jahrzehnt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges
ins Auge sticht, ist die Häufung der Thematik Kino im Kino, auch wenn
es zuvor vereinzelt Filme über gefallene Stars oder Hollywood gegeben
hatte. Nun aber lag das Zerbrechen von Mythen, der Antiheld im Trend,
nicht zuletzt durch den Machtverlust Hollywoods angesichts des
aufkommenden Fernsehens. Insofern stellte die Hinwendung zur eigenen
Verfasstheit eine Zäsur in Hollywood dar. Erstmals erlaubte die
Traumfabrik souverän den Blick in ihre Baupläne, legte ihre
Konstruktionen offen, um daraus neuen Atem zu schöpfen.
Anders gesehen, standen die großen Filmstudios in jenen Jahren unter enormem Zensurdruck: Neben dem puritanischen Hays-Code wachte nun auch McCarthys Komitee für "unamerikanische Umtriebe" darüber, dass nur gesellschaftlich "konstruktive" Inhalte produziert wurden. Filme über sich selbst zu machen war für Hollywood eines der wenigen Schlupflöcher, um von den Schattenseiten der Wirtschaftswunder-Ära zu erzählen: von Gier, von Intrigen, von der quasi-militärischen Kommandostruktur einer Gesellschaft, von den Verbiegungen durch Karrierismus, von Spätfolgen einer selbstauferlegten Infantilisierung.
Bei dieser Reise in die eigenen Ab- und Hintergründe bediente sich
Hollywood seiner ureigenen Genregesetze: Das Spektrum reichte hierbei
vom Film noir (etwa "Sunset Boulevard") bis zum farbintensiven
Musical ("Singin' in the Rain" oder "A Star is Born"), vom
gefühlstriefenden Melodram ("The Bad and the Beautiful") bis zum
Psychohorror ("What Ever Happened to Baby Jane?"). Die Retrospektive rundet am 23. Jänner ein Vortrag des
Filmtheoretikers Drehli Robnik ab, der über "Hollywoodkino der
mittleren Reife als Bild-Wissen um Geschichtlichkeit, Verdinglichung,
Sparzwang und sonstige Sucht" sprechen wird.
Für die Filmreihe kooperiert man
mit dem Jüdischen Museum Wien, wo noch bis 15. April die Ausstellung
"Bigger Than Life - 100 Jahre Hollywood. Eine jüdische Erfahrung"
läuft. Beide Institutionen gewähren gegenseitig reduzierten Eintritt, JMW-Direktorin Danielle Spera wird die "Hall of Mirrors" am Donnerstag miteröffnen. (APA/red)