Wien - Durch die Kursverluste auf den Aktienmärkten ist das
Wertpapier-Vermögen der österreichischen Privathaushalte im dritten Quartal 2011
um 5,5 Mrd. Euro auf 94 Mrd. Euro gesunken und lag damit Ende September auf dem
Niveau von Ende März 2010. Insgesamt fiel das Geldvermögen der Haushalte nach
Berechnungen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) auf 466 Mrd. Euro - ein
Rückgang um 0,5 Prozent seit Dezember 2010. Die Sparquote war nach wie vor
gering, die Vermögensbildung in Höhe von 1,5 Mrd. Euro daher
unterdurchschnittlich, geht aus den am Mittwoch veröffentlichten OeNB-Zahlen
hervor.
Von Jänner bis September 2011 investierten private Haushalte insgesamt neu
7,1 Mrd. Euro in Finanzanlagen. Das war um 0,6 Mrd. Euro mehr als im
Vergleichszeitraum 2010. Wie schon im ersten Halbjahr investierten private
Anleger in Bankeinlagen mit 0,8 Mrd. Euro im dritten Quartal bzw. 2,8 Mrd. Euro
kumuliert von Jänner bis September 2011 deutlich stärker als 2010. Dabei nahmen
die Haushalte für die meisten Einlagenprodukte eine negative Realverzinsung in
Kauf. Sie wählten bei der Neuveranlagung entweder täglich fällige Produkte oder
Einlagen mit einer Bindungsfrist von bis zu maximal einem Jahr. Einlagen mit
längeren Bindungsfristen wurden hingegen abgebaut.
Deutlich geringeres Interesse als an Einlagen hatten private Anleger an
Wertpapieren. Trotz einem überproportional hohen Erwerb von inländischen
Bankanleihen im ersten Semester blieb der Nettoabsatz mit insgesamt 0,7 Mrd.
Euro in den ersten drei Quartalen um mehr als 1 Mrd. Euro unter dem
Vergleichswert für 2010.
Die größten Bewertungsverluste waren bei inländischen Aktien und
Investmentfonds mit 3,4 Mrd, Euro von insgesamt 5,5 Mrd. Euro im dritten Quartal
2011 zu verzeichnen. Zum Vergleich: im dritten Quartal 2008 (mit dem
Zusammenbruch von Lehman Brothers) betrugen die Kursrückgänge 5,8 Mrd. Euro. Von
Jänner bis September 2011 machten die Kursverluste netto 7,3 Mrd. Euro aus.
Ebenfalls geringer als in den ersten drei Quartalen 2010 waren die Erhöhungen
der privaten Ansprüche aus Lebensversicherungen und gegenüber betrieblichen und
überbetrieblichen Pensionskassen 2011 in Höhe von 1,8 Mrd. Euro. Insbesondere im
Lebensversicherungsgeschäft gingen die Prämien zurück, während sich die
Auszahlungen erhöhten. Diese Entwicklung sei auch vor dem Hintergrund der
Verwendung von Lebensversicherungen als wesentlicher Tilgungsträger für
endfällige Kredite zu sehen, so die Interpretation der OeNB-Experten.
Die Neuverschuldung der privaten Haushalte erhöhte sich - nach einer sehr
schwachen Kreditausweitung 2009 und 2010 - wie schon im zweiten auch im dritten
Quartal 2011 mit rund 0,9 Mrd. Euro. Die Wohnbaukredite machten 1,1 Mrd. Euro
aus. Insgesamt kam es im dritten Quartal zu einem Anstieg der Nettoverschuldung.
Private Haushalte hatten Ende September Kreditschulden in Höhe von 162,6 Mrd.
Euro, davon entfielen rund 106,9 Mrd. Euro auf Wohnbaukredite. (APA)