Weniger Verlust

Sparprogramm bei den ÖBB wirkt

18. Jänner 2012, 14:27
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    foto: apa

Die Bundesbahnen reduzieren Verlust und bieten einen Milliarden-Beitrag zur Budgetsanierung an

Wien - Die ÖBB haben ihren Verlust im Vorjahr deutlich reduziert. Für das Jahr 2011 wird nun ein Konzernergebnis (EBT) von minus 28 Millionen Euro erwartet, nach minus 330 Millionen Euro im Jahr 2010, sagte ÖBB-Chef Christian Kern heute Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien. Die endgültigen Zahlen werden im April veröffentlicht. Alle Teilkonzerne seien operativ positiv, auch der Güterverkehr. Für 2012 wird eine schwarze Null angestrebt, 2013 soll die Bahn Gewinne einfahren. "Unser Sparprogramm läuft seit 18 Monaten", betonte der Bahn-Chef. 

Insgesamt könnte die Bundesbahn das Budget in den nächsten fünf Jahren mit rund zwei Milliarden Euro entlasten, wovon 500 Millionen Euro im Unternehmen bleiben sollten. Die Staatsbahn wolle auf jeden Fall einen konstruktiven Beitrag zur Budgetsanierung leisten, betonte Kern: "Wir haben uns nicht einbetoniert".

Bei den Investitionen der Bundesbahn könnten in den nächsten fünf Jahren bis zu einer Milliarde Euro eingespart werden, erläuterte Kern, ohne allerdings Details der Projekte zu nennen, bei denen gekürzt werden könnte. Auf die Elektrifizierung der Strecke durch das Marchfeld nach Bratislava habe man schon verzichtet. Bei den drei großen Tunnelbauten (Brenner, Koralm und Semmering) gebe es allerdings den Auftrag des Bundes. "Hier liegt der Ball bei der Bundesregierung", sagte er. Die Beschäftigungswirksamkeit und die Sinnhaftigkeit aller drei Tunnelvorhaben für die künftigen Verkehrsströme sei unbestritten. Auch die Ratingagentur S&P habe gewarnt, dass zuwenig Wachstumsimpulse gesetzt würden, erinnerte Kern.

Kraftwerksverkauf wäre irrational

Eine Veräußerung der Kraftwerke und der Immobilien der Bundesbahn, wie es von ÖVP-Seite gefordert wird, würde unterm Strich nichts bringen, denn diese Leistungen müssten dann zugekauft werden, rechnete Kern vor. Alles nicht betriebsnotwendige Vermögen werde selbstverständlich verkauft. Die Kraftwerke lieferten ein Drittel des von den ÖBB gebrauchten Stroms, der jährliche Ergebnisbeitrag liege bei 37 Millionen Euro. Am Ende wäre ein Verkauf ein Nullsummenspiel, warnte Kern vor einer Strategie, dass die ertragreichen Teile der Bundesbahn privatisiert und die Verluste sozialisiert würden. Für seinen früher geäußerten Wunsch nach einer Kapitalerhöhung sei derzeit wohl der schlechteste Zeitpunkt, räumte er ein. Allerdings wolle man einen Teil der Einsparungen: Wenn die Bundesbahn 500 Millionen Euro nicht einbehalten könnte, "dann würde das irgendwann einmal das Ende der Zahlungsfähigkeit der ÖBB bedeuten", warnte er.

Budgetentlastung nach Kern-Art

Mit zwei Milliarden in Summe will die ÖBB die Belastung für den Bund senken. Von der angebotenen Spar-Milliarde bei den Infrastrukturinvestitionen in den nächsten fünf Jahren würden rund 70 Prozent budgetwirksam. Das Sanierungsprogramm soll zu Einsparungen in Höhe von 500 Millionen Euro bis 2015 führen, 40 Prozent davon seien schon im Vorjahr erreicht worden. Der geplante Beitrag der ÖBB zur Schuldenbremse: Rund 750 Millionen Euro sollen aus dem operativen Betrieb (2012 bis 2016) kommen: Durch die Abschaffung betriebsbedingter Frühpensionen ab 2012 würden dem Bund 525 Millionen Euro bis zum Jahr 2016 erspart, durch die Abschaffung der Deckelung der Energieabgabe profitiere der Bund mit 145 und durch die Besteuerung der Mitarbeiterfahrtvergünstigungen mit etwa 80 Millionen Euro.

Catering nun "besser und günstiger"

Der Mitarbeiterabbau wird fortgesetzt: Von 45.186 Beschäftigten (inklusive Lehrlingen) im Jahr 2009 sei der Beschäftigtenstand auf 42.708 im Jahr 2011 gesunken. Um trotz Frühpensionierungsstopp dieses Ziel zu erreichen müsse der interne Arbeitsmarkt weiter belebt und ein Programm mit Golden Handshakes (ein Jahresgehalt) weitergeführt werden. Auch die Reduktion der Führungskräfte im Konzern schreite voran, bis Jahresende seien 270 Führungskräfte abgebaut worden. Angesprochen auf einen Bericht des Standard, wonach das Catering der Bundesbahn künftig von Do&Co übernommen werde, verwies Kern auf die laufende Ausschreibung. Erst mit Verfahrensende am 24. Jänner werde sich die Bahn dazu äußern. Das Catering werde jedenfalls in Zukunft günstiger und besser werden, versprach er.

Der neue Mitbewerber, die mehrheitlich private Westbahn, werde die ÖBB vermutlich weniger kosten als erwartet. Bisher war die Staatsbahn von 30 bis 40 Millionen Euro Umsatzverlust im Jahr durch den Konkurrenten ausgegangen. Die Fahrgastzahlen seien stabil, das Billigticket Sparschiene werde von den Kunden gut angenommen, freute sich Kern. Der Forderung nach Ausschreibung der Bahnstrecken steht er skeptisch gegenüber, dies würde letztlich zu einem Konkurrenzkampf zwischen den Staatsbahnen ÖBB, SNCF (Frankreich) und Deutsche Bahn auf österreichischen Strecken führen, aber die Preise nicht senken. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 42
1 2
revisor69
 
01
19.1.2012, 22:49
Warum ist Kern gegen Ausschreibungen?

Weil er dann argumentieren müßte, wieso andere Bahnverwaltungen dasselbe Angebot um 100 Mio. Euro billiger abwickeln können.

selbst-denker
03
19.1.2012, 12:32
toll

tunnelbauten, deren kosten die öbb und den staat würgen, aber die nötige elektrifizierung nach bratislava, die fast nichts dagegen kostet, absetzen. keine investitionen in die maroden regionalbahnen, geschweige denn in attraktive verbindungen zwischen graz und salzburg sowie graz linz, obwohl wir das JETZT brauchen und das JETZT viel bringt, woraus dann mit frischem geld vielleicht neue tunnel gegraben werden könnten. aber da wird lieber der bauwirtschaft unter die arme gegriffen und ins blaue gebohrt, während die bahnkundschaft immer mehr abbröckelt. konzept, plan dahinter? sicher. aber welches, welcher??

ama2deus
10
20.1.2012, 01:44
tunnel

die tunnel sind seit 20 jahren überfällig, nur stemmen sich seit den 90ern einige vehement dagegen, und das obwohl sie notwendig sind um die bahn im nationalen bereich konkurrenzfähig zu machen

Der Wappler
90
19.1.2012, 09:07
Der Wappler fährt mit der Nina mit der Westbahn

Westbahn ist viel besser! Westbahn ist geil! Westbahn ist super!

Whitesnake83
43
19.1.2012, 07:53
Simple Überlegung eines Staatshaushaltes

Habe ich Schulden? Ja
Was muss ich daher machen? Sparen
Was ist mein Ziel? Die Schulden tilgen, Kredite zurückzahlen.
Kann ich groß investieren? Nein, Erhaltungskosten fallen natürlich an.

Fazit: es ist momentan einfach kein Geld da für große Tunnelprojekte. Egal was sie hinterher bringen. Wenn ich hinterher pleite bin, dann interessant das keine Bank mehr ob sich die Dinge in 50 Jahren gerechnet hätten.

Wenn ich als Privatperson mir ein Haus baue und einen Kredit habe, dann kann ich nicht mir ein zweites Haus bauen mit der Begründung: ich vermiete es ja eh und in 50 Jahren rechnet sich das.

Ich wünsche mir, dass unsere Politiker mit ihrem Privatvermögen haften. Dann würden sie sich zweimal überlegen, was sie mit den Schulden machen.

Michael B.4
00
19.1.2012, 09:09
Anleitung zum Konkurs

Tut mir leid, ihr Posting ist eine direkte Anleitung zum Konkurs.
Ohne Investitionen ist jedes Geschäft zum Untergang verurteilt, und es spielt schon eine Rolle, worin ich investiert habe, weil das mit zum Wert des Unternehmens beiträgt. Die Frage ist nur, was das Objekt (in dem Fall der Tunnel) nach einem Konkurs der ÖBB wert wäre und ob man aus den Einnahmen die Erhaltung und Rückzahlung finanzieren könnte.

Und sicher können Sie ein 2. Haus bauen mit der Begründung, dass es sich in x Jahren rechnet. (bei 50 Jahren haben sie schlecht gerechnet und die Miete ist zu niedrig, aber 15-25 Jahre ist ein durchaus realistisches Ziel) Es gibt wohl kaum jemanden, der ohne Kredit bauen kann.

Whitesnake83
00
19.1.2012, 09:45

Ich spreche auch nicht von den ÖBB sondern vom Staat. Die ÖBB sind quasi Vollstreckungsorgan dessen, was die Regierung sich wünscht.
Investieren gar keine Frage, aber nur soweit es wirklich notwendig ist (ich rede nicht von abwürgen). Drei große Tunnel sind meiner Meinung nach das Gegenteil.

Man muss solange warten, bis es einem finanziell wieder besser geht.

Und klar, das erste Haus werden sich viele über einen Kredit finanzieren, aber ich meinte jetzt wenn man während man einen Kredit laufen hat drauf kommt: eigentlich könnte ich alles viel schneller zurückzahlen wenn ich ein zweites Haus baue und es vermiete, denn die Mieterlöse könnten höher sein als der Kredit.

Nur ich möchte die Bank sehen, die dem zustimmt.

Michael B.4
00
20.1.2012, 17:37
OK

Sie haben den Staat gemeint, das habe ich tatsächlich nicht gesehen. Sorry.

Sie haben ganz recht, 3 Tunnel sind nicht finanzierbar, daher würde ich in die investieren, die zusätzlich Geld bringen können und wo die Gefahr besteht, dass der Verkehr an Ö vorbei läuft: Koralm und Semmering.

Und ohne "könnte" und mit einem guten Plan könnte so ein Modell schon aufgehen. Wenn die Zahlen stimmen, wird sich die Bank nicht verweigern.

Die grausame Realität 2012
13
18.1.2012, 23:39

Die schwarz-blauen "Leistungsträger" sind weg und es geht bergauf.

Business99
62
18.1.2012, 23:07
ÖBB Chef verkauft uns wohl für dumm

2010 kommt Kern und macht mit seiner ersten Bilanz mit Abwertungen etc die ÖBB "ganz mies, um im Jahr darauf als Hero mit weniger als 10% des Vorjahresverlustes aufzuwarten. Dazwischen liegt ein laufend steigender Millionensegen an gemeinwirtschaftlichen Leistungen vom Bund. Rd 40 zusätzliche Mio 2011. Rechnnen wir kurz: 330 Mio 2010 abzüglich der selbst eingestandenen Einmaleffekte von 250 Mio macht echt damals rd minus 80 Mio mit etlichen Reserven. Dann 40 Mio mehr vom Bund und outgesource Bereiche wie Mariazellerbahn.Effektiv ist null besser geworden. Der Steuerzahler zahlt über gestiegene gemeinwirtschaftliche Leistungen mehr denn je - und das für weniger Zugleistung. Aber viel Werbegeld suggeriert uns die heile ÖBB Welt - wers glaubt.

depp am huegel
01
18.1.2012, 21:50

und warum würde konkurrenzkampf die preise nicht senken. in der mobiltelefonie hat's doch wunderbar geklappt!

cash cow1
00
19.1.2012, 11:13

und bei strom und gas hat es nicht geklappt. genau so würde es auch bei der bahn sein.
die mobiltelefonie ist eine junge technologie mit relativ unaufwendiger infrastruktur, als beispiel in dem kontext nicht haltbar.

depp am huegel
00
19.1.2012, 11:24

mit den richtigen rahmenbedingungen ...
infrastruktur soll man natürlich nicht privatisieren. macht man beim strassenbau ja auch nicht.

(°)(°)
30
18.1.2012, 20:04
minus 700.028 Millionen Euro

wollte er uns wohl sagen?

bahnfan
51
18.1.2012, 19:50
Das Netz vergammeln lassen und ausdünnen

und stattdessen Unmengen Geldes für Megatunnel ausgeben - wenn das des Pudels Kern der neuen Bahnpolitik ist, dann wäre es höchste Zeit, den Herrn Kern von der Führung des wichtigsten Verkehrsunternehmens zu entlasten.
In den USA, wo Bahnunternehmen ohne jede Subvention viel höhere Transportanteile haben und Gewinne machen, ist der längste Tunnel ca. 12 km lang. Wer einen hohen Bahntransportanteil von sündteuren Tunnels abhängig macht, hat keine Ahnung von effizientem, ökologisch sinnvollem und notwendigem Landtransport und entlarvt sich als jemand, dem die Bauindustrie wichtiger ist als das ihm anvertraute Bahnunternehmen.

prooostlX.at
00
19.1.2012, 08:20

also österreich mit den usa zu vergleichen ist mal bahntechnisch ein sehr großer schwachsinn...

Porqué no te callas?
00
19.1.2012, 08:19

"wenn das des Pudels Kern der neuen Bahnpolitik ist,..." die bahnpolitik mach die politik, nicht der kern.

Quim Barreiros
06
18.1.2012, 21:38

Nun ja, Kern sagt eh, dass er das im Auftrag der Regierung bauen muss. Dass er sich nicht in aller Öffentlichkeit hinstellt und sagt, dass diese Tunnels ein finanzieller Wahnsinn sind, und es sich so mit seinem Eigentümer verscherzt, leuchtet zumindest mir ein.

nursohalt
11
18.1.2012, 23:26
am Erbe der Korruptionsregierung

wird die ÖBB noch lange kauen, so schnell kann das nicht wieder hingebogen werden. Bis dahin kommen die wieder an die Macht und dann wird wieder aufgeteilt, bis die Hälse voll sind.
Privatisierung bedeute nichts anderes, wie das Staatsgeld an Private zu geben, sicher - andere nehmen es sich ...

maggo22
01
18.1.2012, 18:47

Recht hat er schon der Hr. Kern, wenn er sagt daß diese Tunnelprojekte im Auftrag der Regierung errichtet werden. Daß aber ausgerechnet die Elektrifizierung von Hausfeldstr. - Marchegg riesen Sparvolumen schafft wage ich zu bezweifeln. Eher das Gegenteil scheint der Fall: Vergleichsweise günstige und teils dringend notwendige (Pottendorfer) Verbesserungen fallen bereits jetzt den Tunnelbauten zum Opfer.

R. Lexer
01
18.1.2012, 21:56

Ja, aber das ändert leider nichts an der Tatsache, dass der Bund nur für einige ziemlich unsinnige, aber gewünschte Projekte Mittel bereitstellen will.

Die Streichung der Großprojekte hieße jedenfalls nicht, dass auch mehr Budget für die betrieblich viel notwendigeren Investitionen zusammenkommen würde.

MFC
00
18.1.2012, 18:05
Liebe Regierung!

Lt. Herrn Kern werden in den nächsten 5 Jahren 2 Mrd. EUR eingespart. d.h. ihr braucht "nur" mehr 8 Mrd. € suchen.
Könnte sonst sein, dass beim Kassasturz diese 2 Mrd. übersehen werden und wir am Ende diese nochmals einsparen müssen. Danke liebe ÖBB

Dieser Hinweis ist KOSTENLOS

Business99
30
18.1.2012, 23:08
Schön wäre es, aber Kern flunkert

alles Lufteinsparungen die die ÖBB da erzählt.

L0L0
77
18.1.2012, 12:34
koralm und semmering sind rein politisch motivierte betonwuesten die keiner braucht ...

... verkehrstechnisch der einzig sinnvolle tunnel waere seit 30 jahren der brenner basistunnel.

aber wie in oesterreich ueblich gehts nicht um die sache an sich - in dem fall: infrastruktur -, sondern um irgendwelche dubiosen politiker_innen versprechen, die vermutlich am grab irgendwelcher joergls oder in diversen jaegerrunden gemacht wurden und werden ...

just my 0.02EUR

ama2deus
00
20.1.2012, 01:48
KAT und semmering

wenn man seinen focus nur richtung westbahn legt ja.

die südbahn kann man nur mit tunneln beschleunigen. so flach wie richtung salzburg ists nun mal nach graz runter nicht.

und wenn man die südbahn nicht beschleunigt dann bringt man sicher autofahrer nicht dazu vom pkw auf die bahn umzusteigen. da kann das ticket noch so billig sein.

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