Datenjournalismus selbst gemacht: FH-Studenten präsentieren Projekte

20. Jänner 2012, 16:03
  • Datenjournalismus soll auch in Österreich zukünftig eine Rolle spielen. Die FH Wien schickte ihre Journalismus-Studenten auf eine zeitaufwendige Selbsterfahrung.
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    Datenjournalismus soll auch in Österreich zukünftig eine Rolle spielen. Die FH Wien schickte ihre Journalismus-Studenten auf eine zeitaufwendige Selbsterfahrung.

Acht DDJ-Projekte setzten die "Journalismus & Medienmanagement"- Studenten um - Fazit: "Es war unglaublich mühsam"

Ein Semester lang hatten die Studenten des Bachelor-Studiengangs "Journalismus & Medienmanagement" an der FH Wien Zeit, sich eingehend mit dem Thema Datenjournalismus zu beschäftigen. Begleitet von Theorie-Einheiten, Fallbeispielen und Gastvorträgen erarbeiteten Gruppen von je vier bis fünf Personen zu den Themen Gemeindeverschuldung, Bildung, Griechenland, Klimawandel, Hungerkatastrophe in Afrika, österreichische Unfallzahlen, Gesundheit und PISA interaktive Präsentationen.

Mit bis zu 120 Stunden geben die Studenten den Arbeitsaufwand an, den sie in Fragenfindung, Datenrecherche und -bereinigung sowie abschließende Visualisierung investiert haben. Die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich ausgefallen, in einem waren sich jedoch alle einig: "Es war unglaublich mühsam."

Stolpersteine

Die erste Ernüchterung kam oft schon bei der Datenakquise. Am besten sichtbar wurde dieses Problem beim Bericht der Arbeitsgruppe "Unfallzahlen". Die Statistik Austria sammelt zwar ausreichend Daten, stellte diese aber erst nach mehrfachem Nachfragen und vielfach nur als PDF-Dateien zu Verfügung, weshalb die Zahlen händisch in Excel-Dokumente übertragen werden mussten. Weitere Probleme taten sich bei der Vergleichbarkeit auf. Oft wurden von Jahr zu Jahr unterschiedliche Angaben ausgefüllt oder die Polizei hatte sich einfach nicht die Mühe gemacht, genaue Adressangaben zu machen.

Copyright: Roman Payer.
Arbeitsgruppe "Unfallzahlen": Anhand von Google Fusion Tables wurden die Verkehrsunfälle der Jahre 2008 bis 2010 in Google Maps markiert und erlauben nun, die Unfallorte und -opfer einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Die roten Punkte sind Unfälle unter Alkoholeinfluss.

Programmierer erwünscht

Weitere Schwierigkeiten ergaben sich im Umgang mit den Programmen selbst. Bei Many Eyes stießen die Studenten bereits bei der Vergleichbarkeit der Datensätze an ihre Grenzen, bei Google Fusion Tables hingegen waren Datenbereinigung und -vergleich laut Erfahrungsberichten relativ einfach zu bewerkstelligen, jedoch war die Sichtbarkeit aufgrund der Masse von Informationen teilweise nicht mehr gegeben. Zudem erlaubten es die verwendeten Programme oft nicht, die Farbgebung selbst zu bestimmen. Beispielweise war es dem Team "Gemeindeverschuldung" nicht möglich, die politische Zugehörigkeit der Bürgermeister auf der Österreichkarte in Parteifarben zu markieren.

Mock-ups: Visualisierte Fantasien

Während die tatsächlichen interaktiven Grafiken sehr bodenständig daherkamen, zeigten die Mock-ups inhaltlich ausgereiftere Vorstellungen zu den Themenstellungen. Besonders oft wurden dabei Zeitleisten in die Visualisierung integriert, um Entwicklungen deutlicher sichtbar zu machen.

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Foto: Copyright_Vera Bichler, Bernd Faszl, Nina Grünberger, Manuel Köllner, Valentin Ladstätter.
Arbeitsgruppe "Klimawandel": Drei Parameter können zur Visualisierung der Folgen des Klimawandels ortsspezifisch miteinander verknüpft werden. Anhand einer Zeitleiste lassen sich durch die erstellte Grafik mögliche Zusammenhänge finden.

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Foto: Copyright_Daniel Warmuth.
Arbeitsgruppe "Afrika": Die Hungerkatastrophe in Afrika hat viele Menschen zur Flucht gezwungen. Anhand dieser Karte kann man Flüchtlingszahlen mit den wichtigsten Auffanglagern und deren Kapazitäten (grün) vergleichen.

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Foto: Copyright_Paul Fleischanderl.
Arbeitsgruppe "PISA": Hier können die PISA-Ergebnisse der Jahre 2000 bis 2009 länder- und geschlechtsspezifisch miteinander verglichen werden.

Erkenntnisgewinn

Am Ende der Präsentationen zeigte sich, dass trotz des enormen Zeitaufwands viele Theorien letztlich nicht bewiesen beziehungsweise kaum Interdependenzen gefunden werden konnten. Die Erkenntnis daraus: Fragestellungen sollten aus der Beschäftigung mit den Daten entwickelt werden, anstatt fixen Vorstellungen anhand von Zahlenmaterial hinterherzujagen. (Tatjana Rauth, derStandard.at, 20.01.2012)

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120 Arbeitsstunden sind wimre 4 ECTS-Punkte. Also eine etwas umfangreichere integrierte Lehrveranstaltung (ILV). Das ist nicht mit einer Diplomarbeit o.ä. zu vergleichen. Noch dazu geht es um einen Bachelorstudiengang, also im Normalfall Studenten zwischen 18 und 22 Jahren. Die haben a) wenig Erfahrung und b) wenig Vorwissen. So gesehen sind die Ergebnisse schon recht beachtlich. Den PDF/Excel-Experten hier im Forum steht es übrigens frei, sich als Lektor zu bewerben. Wenn sie offensichtlich an der Uni keinen Job bekommen haben, klappts vll. an der FH.

"... vielfach nur als PDF-Dateien zu Verfügung, weshalb die Zahlen händisch in Excel-Dokumente übertragen werden mussten. .."

Bin kein Journalist, aber dass das BS ist weiss ich:

PDF2Excel Tools gibts zum Sauenfüttern!

z.B. http://download.chip.eu/de/PDF-To... 11761.html

"Fragestellungen sollten aus der Beschäftigung mit den Daten entwickelt werden, anstatt fixen Vorstellungen anhand von Zahlenmaterial hinterherzujagen."

So ist es. Und genau aus diesem Grund unterscheidet sich die Methodik der Wissenschaft von Methodik von McKins*y, der Methodik von Boulevardjournalismus oder der Methodik bei politischen Präsentationen:

Es ist sehr einfach, für die eigene vorgefasste Meinung Daten zu suchen, verzerrt aber die Sachlage.

Wissenschaftlich korrekter muss man zuerst Hypothesen aufstellen und dann eben diese Hypothesen an den Daten testen. Das ist wesentlich schwieriger und aufwändiger, hat aber mehr Aussagekraft.

Leider ist das Wissen um diese gravierenden Unterschiede in der Methodik nicht weit verbreitet

Jetzt wiss ma also, warum österreichischer Qualitätsjournalismus lieber apa-Meldungen copy&pastet. Recherchieren ist halt "unglaublich mühsam"

Amm, der zweite Link im Text verweist auf die FH Campus Wien welche "Journalismus & Medienmanagement" gar nicht anbietet.

Recherche ist eben "unglaublich mühsam" ;)

FH=Böse

Hätts ne Uni gemacht wärs "toll" und "wissenschaftlich wertvoll".

ein bissrl mehr rumgeklickt..qualitätsjournalisten der zukunft

wie schön die leute immer im anonymen web rumkritisieren können ohne die details zu wissen. das können auch nur personen sein die noch nie eine fh von innen gesehen haben. "tja, ein bissl mehr auf der homepage der statistik austria herumgeklickt und man hätte das gefunden" ich nehme stark an, dass die studenten sehr wohl "rumgelickt" haben jedoch dies für ihre anforderungen nicht gereicht hat. einfach lesen, meinung bilden und nicht klugscheissen.

net beleidigt sein ...

die daten der statistik austria sind halt reine (zahlen)werte, die man interpretieren muss.

da gibt's halt keine app die für einen denkt.

kann schon sein, dass das den 'anforderungen' nicht gerecht wurde ...

Hihi

Die hätten die Files wenigstens in einem Editor öffnen und die Daten da rauskletzeln sollen, automatisiert... Wuahahahaha.... Und man stelle sich vor, die haben dann rote Kreise auf eine Karte gezeichnet.... Dazu ham se vermutlich TschiPiEs Daten genommen. Als Projektarbeit! Des is so klass.... Na hoffentlich waren wenigstens die Statistischen Auswertungen schwierig, haaaahaaaaahaaaaaaa..... Unbedingt mehr Fachhochschulen her, unbedingt!

recherchiert ?

tja, ein bissl mehr auf der homepage der statistik austria herumgeklickt und man hätte das gefunden:
http://www.statistik.at/isis/curr... _ssl.shtml

die isis datenbank.

ein bissl mehr gefragt und man hätte wahrscheinlich zur probe sogar ne user-id bekommen.

naja, künftige 'qualitäts-journalisten' halt...

Die Statistik Austria sammelt zwar ausreichend Daten, stellte diese aber erst nach mehrfachem Nachfragen und vielfach nur als PDF-Dateien zu Verfügung, weshalb die Zahlen händisch in Excel-Dokumente übertragen werden mussten.

Was ist denn das für ein Betrieb? Daten als PDF anzubieten!? Vielleicht noch als Ausdruck, oder als Lochkarte anbieten.
Überall werden die Daten in verschiedensten Formaten angeboten, OECD, PISA, Schweden, U.K. etc.
Statistik Austria wird doch von Steuergeldern finanziert, da kann man doch ein verwertbares Format verlangen.

go to:
http://www.statistik.at/web_en/pu... index.html

The publication is also accompanied by a CD-ROM containing the entire contents in PDF format as well as the tables in MS Excel format.

das hat man im FH lehrgang
offensichtlich nicht gefunden

Warum die Daten nur als PDF angeboten wurden, wie im Artikel angegeben, ist nicht klar.

ja, es war nicht klar, dass man das statistische jahrbuch samt cd mit allen daten in excel tabellen
beim statistischen amt bestellen kann

So wie ich das aus dem Artikel verstehe, wurde spezielle Daten angefragt:

Am besten sichtbar wurde dieses Problem beim Bericht der Arbeitsgruppe "Unfallzahlen". Die Statistik Austria sammelt zwar ausreichend Daten, stellte diese aber erst nach mehrfachem Nachfragen und vielfach nur als PDF-Dateien zu Verfügung.

Diese speziellen Daten wurden dann nur als PDF zur Verfügung gestellt - absurd.

Diese speziellen Daten wurden dann nur als PDF zur Verfügung gestellt - absurd

wissen Sie da genaueres?

im artikel steht nämlich "vielfach"

Vielfach würde ich als mehr als 50% einschätzen. Wenn man dann Daten zu allen Verkehrsunfällen als PDF bekommt, würde ich das als absurd ansehen.
Was ist das Problem?

-siehe postings oben #Fräulein Szabo, #Erimias Doolittle
- ich hab auch nicht die zeit den studenten einer hochschule hinterherzurecherieren - und ich meine
coaching und erfolgsziele festlegen und die arbeiten zu überprüfen (auch die öffentliche berichterstattung) ist die aufgabe der lehrgangsleitung

...nur als PDF-Dateien zu Verfügung, weshalb die Zahlen händisch in Excel-Dokumente übertragen werden mussten

in 120 Stunden geschafft?
für diese "recherche" brauchen wir natürlich FHler

die fehlenden daten hätten ja tatsächlich recherchiert werden können

noch dazu wird die eigentliche datenquelle nicht mal
am bild zitiert - also ein recherche-plagiatsfall

wo beibt hier die lehrgang-evaluation?

statistik austria ist privat?

Bundesanstalt öffentlichen Rechts.

warum sind sie dann so zuruckhaltend mit ihren daten?
nochdazu für schulische zwecke?

man bekommt sie eh

waren halt ein bißchen ungeschickt

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