Passwort-Tausch als Zeichen der Liebe

18. Jänner 2012, 10:59
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Jugendliche gehen in einer Beziehung immer öfter das Risiko ein und teilen ihre Passwörter mit ihrem Partner

Liebe 2.0 bedeutet, dass man nicht mehr nur gemeinsam von einem Teller ist, das Bett teilt und wie in manchen Fernsehserien nur eine Zahnbürste benutzt. Verliebte Jugendliche teilen heutzutage auch Passwörter für E-Mail-Accounts, Facebook oder andere soziale Netzwerke. In manchen Beziehungen wählen die Partner sogar das selbe Passwort. So kann man die privaten E-Mails und Facebook-Nachrichten des jeweils anderen lesen. Fremdgehen wird dadurch schwieriger.

Risiko wird bewusst eingegangen

Der Austausch der Passwörter wird allerdings romantisch begründet. Die jungen Paare gehen ganz bewusst das Risiko ein, dass dem Partner Geheimnisse verraten werden, die nach der Beziehung gegeneinander ausgespielt werden können. Das fördert die Bedeutung eines gemeinsamen Passworts.

"Es ist ein Zeichen des Vertrauens"

"Es ist ein Zeichen des Vertrauens", sagt Tiffany Carandang gegenüber der New York Times. Sie habe nichts vor ihrem Freund zu verstecken und er nichts vor ihr. Darum entschieden sie sich für den Passwort-Tausch. Cherry Ng findet das Vertrauen der Partner zueinander "süß". Carandang ist sich sicher, dass ihr Freund niemals ihre Reputation beschädigen wird.

Böse Folgen und Beziehungskiller

Die Einstellung zeugt von Blindheit aus Liebe oder jugendlicher Naivität. Denn nicht immer geht der Austausch von Passwörtern gut. Denn oft ist eine Beziehung schneller vorbei, als das Passwort geändert und der Ex-Partner hat Geheimnisse online ausgeplaudert. Oft ist auch das gemeinsame Online-Leben ein Beziehungskiller.

Die sind bereits einige Geschichten über die negativen Folgen bekannt. Ein verschmähter Freund hat versucht seine Ex-Freundin zu demütigen, indem er ihre E-Mail-Geheimnisse verbreitet hat. Spannung entstehen oft, weil die Partner die Accounts nach Hinweisen auf Untreue durchsuchen.

Passwort-Tausch = Sex

Rosalind Wiseman forscht, wie Teenager mit Technologie umgehen und sie meint, dass der Austausch von Passwörtern etwas ähnliches wie Sex an sich hat. Es fühlt sich verboten an, weil es von Erwachsenen missbilligt wird und beinhaltet außerdem Verletzlichkeit. In vielen Teenager-Beziehungen ist zudem der Druck hoch, die Passwörter zu tauschen, ähnlich wie jener Sex zu haben.

30 Prozent tauschen Passwörter

In einer Telefonumfrage des Pew Internet and American Life Project gaben 30 Prozent der Teenager an, die regelmäßig online sind, dass sie ihr Passwort mit einem Freund oder einer Freundin geteilt haben. An der Umfrage haben 770 Teenager zwischen 12 und 17 Jahren teilgenommen. Mädchen sind eher dazu bereit, das Passwort zu teilen, als Burschen.

Dreh- und Angelpunkt der Intimität

Sam Biddle von Gizmodo bezeichnet den Passwort-Tausch als den Dreh- und Angelpunkt der Intimität im 21. Jahrhundert. In einem Artikel gibt Biddle Tipps, in welchen Fällen man das Passwort teilen kann und wann nicht. Im Interview mit der New York Times sagt Biddle: "Ich kenne viele Paare, die ihre Passwörter geteilt haben und kein einziger hat es nicht bereut. Es ist die Art von Symbolismus, die immer schief geht."

Nicht nur aus Liebe

Einige Studenten erklären, dass Passwörter nicht nur als Beweis für Vertrauen geteilt werden. Manche geben einem Freund ihr Passwort zu Facebook, damit dieser es ändert. So soll verhindert werden, dass man beim Lernen abgelenkt wird. Das Passwort erhält man erst nach der Prüfung wieder.

Nicht leichtfertig teilen

Das Teilen von Passwörtern kann sehr gefährlich sein. Darum sollte man für E-Mail-Accounts und soziale Netzwerke niemals sein Passwort hergeben. Sollte ein Freund mal im Internet etwas suchen wollen, kann man ihm natürlich das Passwort für den Computer geben, wenn man ihm vertraut. Oder man legt ein Gastkonto an. (soc)

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    Teenager lesen oft in den Konten ihrer Freunde

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