Journalisten Bernold und Henaine legen in neuem Buch Bedeutung digitaler Tools für Protestbewegungen dar
Schnelle Kommunikation, Organisation und Umsetzung:
Weltweit sind Online-Dienste wie Twitter und Facebook mittlerweile zu
wichtigen Instrumenten von Protestbewegungen geworden. Noch bevor der
arabische Raum von einer Welle des Widerstands gegen die Machthaber
erfasst wurde, begann der österreichische Journalist Matthias Bernold
gemeinsam mit Co-Autorin Sandra L. Henaine der Frage nachzugehen, ob
"die Existenz von sozialen Online-Netzwerken, die Verbreitung von
Mobiltelefonen und der freiere Zugang zum Internet die Menschen zu
aktiveren, widerständigeren Bürgern machen". In "Revolution
3.0. Die neuen Rebellen und ihre digitalen Waffen." wurden zehn Aktivisten mit ihren Beweggründen und digitalen Instrumenten porträtiert.
Von Ägypten mit Uni brennt
Die Aktivisten sind über den gesamten Globus verstreut und treten
für unterschiedliche Ziele ein: Während die junge Ägypterin Sarrah
Abdelrahman mit ihren Videoblogs zur Stärkung der Protestbewegung und
dem Sturz des Ex-Präsidenten Hosni Mubarak beitrug, setzte sich der
Student Luca Hammer mit einem Live-Stream für die Protestbewegung
"Uni brennt" an der Universität Wien ein. Wie andere Porträtierte
auch, machten die beiden oftmals Gebrauch von dem
Kurznachrichtendienst "Twitter", um über jeweils aktuelle Ereignisse
zu informieren.
Anonymous und Wikileaks
Ein anderes Porträt widmet sich einem "Anon", einem
(wahrscheinlich) mexikanischen Mitglied des digitalen Netzwerks
"Anonymous", der die Möglichkeiten und die Arbeitsweise des Netzwerks
erklärte. Bezug wird auch auf bisherige Aktionen von Anonymous
genommen - wie beispielsweise die Lahmlegung der Websites von
Mastercard und Visa zur Unterstützung der Enthüllungsplattform
"Wikileaks" im Dezember 2010. Und ein weiterer Beitrag handelt von Brigitta Jonsdottirs
Engagement für einen "Informationsfreihafen" in Island, das durch ein
Zusammentreffen mit dem Wikileaks-Gründer Julian Assange seinen
Anfang nahm.
Hintergrundinformationen
Insgesamt geben die Beiträge nicht nur Aufschluss über die
Aktivisten selbst, sondern liefern auch knapp gehaltene
Hintergrundinformationen. Diese beinhalten eine Beschreibung der
jeweiligen Initiative und der bisherigen Erfolge, Links zum Nachlesen
sowie Erläuterungen zu den politischen Ausgangssituationen in den
jeweiligen Ländern. Auch wird man detailreich über die Vorzüge von
verschiedenen Online-Diensten wie Youtube oder Twitter informiert.
Spannende Momentaufnahme moderner Protestbewegungen
Das Buch stellt eine durchaus spannende Momentaufnahme von
modernen Protestbewegungen dar. Umso verwunderlicher ist ein Beitrag,
der so gar nicht in das Buch passen will: Hierbei geht es um den
neoliberalen Schweizer Daniel Model, der aus Protest den Staat
"Avalon" ausgerufen hat. Im Gegensatz zu den anderen Aktivisten setzt
Model sich kaum mit Online-Instrumenten und dem Internet zur Stärkung
seiner Initiative auseinander - ein zentraler Ausgangspunkt für das
Buch. Model braucht auch gar keine breite Unterstützung, da er über
die nötigen finanziellen Mittel verfügt, um seinen elitären "Staat"
im Alleingang aufzubauen. (APA)