Plötzlicher Rückzug des einflussreichen Managers schürt Spekulationen über Zukunft des geschwächten Internetkonzerns
Sunnyvale - Für den schwächelnden Internetpionier Yahoo endet eine
Ära. Der einflussreiche Mitgründer Jerry Yang hat sich nach 17 Jahren plötzlich
aus dem Unternehmen verabschiedet. Er legte sowohl sein Amt als
Verwaltungsratsmitglied bei Yahoo selbst, als auch bei der Japan-Tochter und der
chinesischen Beteiligung Alibaba nieder, wie der Konzern am Dienstag mitteilte.
Yang stand zwar schon seit Jahren in der Kritik. Zuletzt wies jedoch nichts auf
einen baldigen Abschied hin. Allerdings hatte Yahoo vor zwei Wochen nach
monatelanger Suche einen Firmenchef gefunden.
Beobachter in den USA brachten Yangs Abgang mit den andauernden Spekulationen
um die Zukunft von Yahoo in Verbindung. Der Konzern, der im wichtigen
Online-Werbemarkt immer mehr Boden an Google verloren hatte, prüft einen Verkauf
oder die Trennung von den wertvollen Tochtergesellschaften in Asien. In welche
Richtung das Pendel nun ausschlägt, ist allerdings weiter unklar.
Yang hatte Yahoo 1995 zusammen mit David Filo gegründet und war von 2007 bis
2009 auch Konzernchef, bevor er sich auf den Verwaltungsratsposten zurückzog. Er
galt aber weiterhin als mächtiger Strippenzieher im Hintergrund. Yang sagte, er
habe die Jahre sehr genossen. "Dennoch ist die Zeit reif für mich, anderen
Interessen außerhalb von Yahoo nachzugehen."
Investoren verzeihen nicht
Investoren hatten Yang nie verziehen, dass er 2008 eine Übernahme durch
Microsoft verhindert hatte. Damals wollte der Windows-Riese 33 Dollar pro Aktie
zahlen, in der Summe mehr als 45 Mrd. Dollar (35,2 Mrd. Euro). Heute dümpelt das
Papier bei 15 Dollar herum.
Die Börsianer gehen davon aus, dass sich nach Yangs Abgang etwas bewegt.
Nachbörslich sprang die Aktie um fast 3 Prozent nach oben. Zwischenzeitlich
wurde etwa über den Einstieg von Finanzinvestoren oder gar des Softwarekonzerns
Microsoft spekuliert. Die bisher radikalste Lösung, die in US-Medien
herumgeisterte, war die komplette Übernahme durch die beiden asiatischen Partner
Alibaba und Softbank.
Über die Hintergründe des Abgangs von Yang wurde zunächst nur wenig bekannt.
Das über Ereignisse bei dem Internetkonzern stets gut informierte Blog "All
Things Digital" schrieb, Yang habe die Entscheidung allein getroffen und auch
Vertraute erst kurzfristig informiert.
Freundlich nach außen
Nach außen hin hatte die Konzernspitzen nur freundliche Worte übrig.
Verwaltungsratschef Roy Bostock lobte Yang als "Visionär und Pionier", der Yahoo
entscheidend vorangebracht habe. "Wir danken Jerry." Der von der
eBay-Bezahltochter PayPal herübergewechselte neue Konzernchef Scott Thompson
sagte, die Werte Yangs lebten im Unternehmen weiter. "All Things Digital"
schrieb zugleich, auch weitere Mitglieder des Verwaltungsrates könnten demnächst
gehen, darunter auch der ebenfalls oft kritisierte Bostock.
Yahoo hat eine Achterbahnfahrt hinter sich. Der Verwaltungsrat hatte Anfang
September die bisherige Konzernchefin Carol Bartz gefeuert. Dem obersten Gremium
ging der Umbau des Unternehmens zu langsam voran. Bartz wollte den als
Webverzeichnis gestarteten Konzern zum Anbieter von Medieninhalten umbauen. Doch
durchschlagende Erfolge blieben aus.
Bei der Internetsuche hat sich Yahoo notgedrungen mit Microsoft verbündet, um
Google Paroli bieten zu können, nachdem Mitgründer Yang selbst einen Verkauf des
gesamten Unternehmens für mehr als 40 Mrd. Dollar an den Softwareprimus
verhindert hatte. Heute ist Yahoo nicht mal mehr die Hälfte wert. (APA)