Per Gesetz

Athen will Gläubiger zur Umschuldung zwingen

18. Jänner 2012, 14:45

Die Regierung nimmt die Ver­handlungen über den Schulden­schnitt wieder auf, Papademos fährt schweres Geschütz auf

New York - Kurz vor der mittlerweile gestarteten Verhandlungsrunde mit dem Internationalen Bankenverband hat der griechische Ministerpräsident Lukas Papademos privaten Gläubigern mit einem Gesetz zum Forderungsverzicht gedroht. Sollte es mit den Banken zu keiner Einigung über deren Beteiligung an dem 130 Milliarden Dollar (101,6 Mrd. Euro) schweren Schuldenschnitt kommen, wäre dies eine Möglichkeit, sagte Papademos der "New York Times". Man könnte demnach rückwirkend sogenannte Umschuldungsklauseln in die Anleihenverträge einfügen - das geht bei Emissionen, die nach griechischem Recht begeben wurden.

Vertreter des Internationalen Bankenverband IIF und der griechischen Regierung wollten am Nachmittag ihre Gespräche über eine Beteiligung des Privatsektors am zweiten Hilfsprogramm für Athen fortsetzen. Papademos zeigte sich in dem Interview jedoch überzeugt, dass es nicht zu einer gesetzlichen Regelung kommen werde. Trotz der schwierigen Materie stehe eine Einigung kurz bevor, könnte bereits Mittwochabend erfolgen. Wahrscheinlicher sei dies aber bis zum Ende der Woche.

Von dem Erfolg der Gespräche hängen Wohl und Wehe des hochverschuldeten Landes ab. In Grundzügen beschlossen wurde die "Rettungsoperation" ja schon im Oktober letzten Jahres. Gestritten wird jetzt noch über den Zinssatz der neuen Anleihen, die nach einer Einigung die alten ersetzen sollen.

Die Banken wollen dem Vernehmen nach etwa fünf Prozent, Athen schlägt vier Prozent vor. Wichtige Geldgeber Griechenlands aus Mitteleuropa sollen sogar einen Zinssatz von weniger als drei Prozent vorgeschlagen haben, hieß es aus Bankkreisen in Athen. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble forderte, die Banken dürften ihre Forderungen nicht überziehen. Dies stößt offenbar vor allem dem Internationalen Bankverband (IIF) sauer auf. 

Private Gläubiger sollen Schuldenerlass schultern

Den teilweisen Schuldenerlass für Athen sollen private Gläubiger wie Banken, Versicherungen und Hedge Fonds "freiwillig" schultern. Dabei werden alte, noch laufende Anleihen in neue umgetauscht. 50 Prozent des Nennwerts wird der südeuropäischen Republik dabei erlassen, was rund 100 Milliarden Euro entspricht. Die neuen Schuldpapiere sollen dabei zum Teil vom Rettungsschirm EFSF garantiert werden. Insgesamt ist Griechenland bei privaten und staatlichen Gläubigern mit 350 Milliarden Euro verschuldet.

Zugleich ist das Engagement des Finanzsektors ein entscheidender Baustein für das zweite, 130 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm für Griechenland. Doch vor allem Hedge Fonds sollen sich Berichten zufolge weigern, dabei mitzumachen. Ihre Motive dafür sind nicht bekannt. Kritiker denken, dass sie an einer Staatspleite geschäftlich interessiert sind. Über sogenannte Kreditausfalls-Versicherungen (CDS) im Falle eines Bankrotts könnte unterm Strich nämlich für diese Marktakteure mehr Profit herausschauen.

Die Zeit wird immer knapper. Bis zum 23. Jänner soll eigentlich das Rahmenabkommen mit den Banken stehen, damit die Eurogruppe und danach der EU-Gipfel Ende Jänner grünes Licht geben können. Sollte ein unerwartetes Problem auftreten, könnte Griechenland am 20. März die nächste Rate seiner Schuldentilgung nicht zahlen und pleitegehen.

Voraussetzung für neues Geld

Die Beteiligung der privaten Investoren ist eine Bedingung für das ursprünglich auf 130 Milliarden Euro veranschlagte zweite Rettungspaket von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF). Ein Verzicht der privaten Gläubiger von rund 100 Milliarden Euro werden dabei angepeilt. Dies würde aber nur funktionieren, wenn die ursprünglich geplante Beteiligungsquote von 90 Prozent erreicht wird. Stimmen weniger Gläubiger dem geplanten Forderungsverzicht von 50 Prozent zu, müsste die dadurch aufgerissene Finanzlücke voraussichtlich von den Euro-Partnern geschlossen werden.

Wahlen im April?

Vielleicht verabschiedet sich dann der Ex-EZB-Banker Papademos mit einem gelungenen Schuldenschnitt wieder aus der Politik. Er strebt nämlich Neuwahlen im April an, die wieder einen Regierungschef der Sozialisten oder Konservativen bringen könnten. Es sei vorgesehen, "im Laufe des April" vorgezogene Neuwahlen abzuhalten, sagte Papademos der Zeitung "International Herald Tribune" vom Mittwoch, ohne ein genaueres Datum zu nennen. (Reuters, red, derStandard.at, 18.1.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 163
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vgnuser
10
19.1.2012, 10:15
verträge rückwirkend beliebig ändern

was hat dieses betrügerische gesindel in einer EU, die sich ja angeblich auch als rechtsgemeinschaft versteht, verloren ?

so so ....
00
20.1.2012, 08:38

hamma Geld verloren mit dem Big Fat Greek Bond ?

daBart
00
29.1.2012, 11:28

Wenn der Big Fat Greek Bond auf Kosten der EU-Gelder ein Gewinn wird sollte sich jeder Ösi ernsthaft Gedanken machen ob er im Sommer nicht doch lieber das AMS liked oder e-Card Urlaub beantragt wird.

)so(
02
19.1.2012, 05:42
Welche Personen zeichnen eigentlich für die Aufnahme Griechenlands in die Eurozone verantwortlich? Wurden die schon gefragt, wie sie den Karren wieder aus dem Dreck ziehen würden?

Unterhält man sich persönlich mit Griechen, so hört man auffällig oft, dass sie sich damals selbst wunderten, dass Griechenland damals quasi "in letzter Sekunde" noch auf den Euro-Zug hinauf geschubst wurde. Von wem eigentlich?

daBart
00
29.1.2012, 11:16

Goldman Sachs.

„Ich bin ein Banker, der Gottes Werk verrichtet“ Vorstandschef der Investmentbank Goldman Sachs, Lloyd Blankfein

Wer glaubst verdient mit der Griechen-Krise derzeit sehr gut?

so oder so (oder so ähnlich)
 
03
19.1.2012, 03:14
Griechenland ist nicht mehr zu retten. An ihm soll ein Exempel statuiert werden, das ist das das Einzige wozu es noch zu gebrauchen ist

Wenn das restliche Europa dann mit eigenen Augen sieht wohin ungeordnete Staatsfinanzen letztendlich führen, dann - und nur dann - haben zumindest diese restlichen Länder eine reelle Chance auf radikale Restrukturierungen.

Nur über einen Schock kommt Europa aus dem derzeitigen halbherzigen Durchwursteln raus das nirgendwohin führt. Der Staatsbankrott Griechenlands würde ziemlich sicher ein solcher Schock sein.

Frodo Der Hobbit
00
19.1.2012, 16:05

so einfach ist das nicht.
was für zustände werden eintreten?
wir haben da länder wie bosnien, mazedonien, kosovo.
wenn griechenland zum hungernden unruheherd wird, könnte sich der ganze balkan in ein somalia verwandeln.
es genügt dazu eine generation lang bürgerkriegsähnliche zustände bzw die entsprechende unsicherheit und abwesenheit eines rechtsstaates.
wer glaubt, dass in einem derart gescheiterten GR ein rechtsstaat herrscht?
militärdiktatur, separatisten, und deserteure werden einander bekriegen.
niemand (ausser vlt china und albanien) würde waren dahin liefern.

so oder so (oder so ähnlich)
 
00
20.1.2012, 00:17
Glaub ich nicht

sogar die ansonsten recht lernresistente politische "Elite" Argentiniens hat aus dem Default einige Lektionen gelernt und - zumindest ein paar Jahre lang - aus diesen schmerzhaften Erkenntnissen profitiert. Auf einige Nachbarländer wie zB Brasilien hat sich der damalige Schock noch heilsamer und nachhaltiger ausgewirkt.

Oft gibt es kaum einen fruchtbareren Boden für einen prosperierenden Neubeginn als durch Kriesen. Hier wäre das mE ohne Zweifel der Fall.

friesfux
00
19.1.2012, 01:22
Auch die übrigen IWF-Mitglieder scheinen nicht zu wissen, woher sie das Geld zur Krisenbekämpfung nehmen sollen.

Alle reden über die 2 Billionen Euro der “PIGS” aber niemand über die mindestens 500 Billionen $ die die Banken mit der Derivaten-Blase aufgebaut haben.
Da kommen sicher noch mehr Billionenforderungen.Monti möchte auch wieder ein paar Wochen über die Runden kommen. Die Welt ist zur Bad Bank verkommen.

Thomas3D
05
19.1.2012, 00:12
"Die Finanzmärkte"

Manchmal frage ich mich was sich sich einige hier unter "den Finanzmärkten" vorstellen.

In etwa wie mit fauligen Birnen auf den Bauernmarkt stellen und trotz niedrigster Preise will "der Bauernmarkt" nicht kaufen. Eine klare Verschwörung der internationalen Bauernmarktmafia!

Jeder kann selbst griechische Anleihen kaufen und wenn das genug tun, gibt es plötzlich Geld am Finanzmarkt für Griechenland, wenn es ganz viele tun, sogar zu vernünftigen Konditionen.

Nur warum bloß tut das kaum jemand? Achja richtig, das liegt nur an den Ratingagenturen...

strike_back_mw3
02
18.1.2012, 21:21
es gibt nur eine Lösung und die bedeutet

Austritt aus der EURO Zone, Einführung einer eigenen griechischen Währung (wie auch immer diese heißen mag) und die sofortige Abwertung derselbigen. Danach kann Griechenland Schritt für Schritt mit den Gläubigern verhandeln und ihnen die Pistole auf die Brust setzen. Entweder es gibt einen Haircut oder die Rückzahlungsmühle steht komplett und sie verlieren alles.

Frodo Der Hobbit
00
19.1.2012, 16:07

dann wäre der staatschef in einer ähnlichen lage wie orban und müsste die kontrolle über die nationalbank ergreifen bzw der EU jede kontrolle entreissen.
sonst macht die drachme keinen sinn.

strike_back_mw3
00
19.1.2012, 16:26

dann muss er das tun.

warp.faktor
02
18.1.2012, 20:32
Was kann Griechenland verlieren ...

... als seine Schulden?

Die Finanzmärkte geben so und so kein Geld zu vernünftigen Konditionen. Ein Schuldenschnitt würde nur den Täter nützen. Die Finanzmärkte müssen für für ihre Gier bestraft werden, sonst wird ein Land nach dem anderen zu deren Opfer!

Utrillitn
00
19.1.2012, 03:41
Die Täter und die Unschuldslämmer.

.
Die Finanzmärkte werden bestraft ... und mit welchem Geld beginnt der Neustart ? Mit Ihrem vielleicht ?

Abgesehen von primitiven Klischees , ist die Lage ziemlich verfahren. Der Euro war für Griechenland keine gute Idee, da er nicht abgewertet werden kann.

warp.faktor
00
19.1.2012, 06:38
Geld ist ein Werkzeug!

Es kann beliebig erzeugt und verteilt werden. Gelernt sollten wir aber aus der Krise haben, dass die "unsichtbare Hand des freien Marktes" nicht für diese Aufgabe geeignet ist.

Eine gemeinsame Währung ist für Staaten mit unterschiedlichen Steuer, Gesetzen und Wirtschaftsstrukturen natürlich immer eine Katastrophe.

strike_back_mw3
02
18.1.2012, 21:32

genau so ist es. Reformen in Griechenland müssen langfristig und mit Rücksicht auf die dort lebende Bevölkerung angegangen werden. Mit Gewalt oder von Heute auf Morgen geht das nicht. Es gibt keinen Grund der Welt sich diesem gnadenlosen Finanzmarkt in demütiger Sklavenmanier zu unterwerfen, der Finanzmarkt ist nichts ohne die Staaten - WIR sind der Finanzmarkt - WIR müssen denen sagen was sie zu tun und zu lassen haben, nicht umgekehrt.

das ist fix
15
18.1.2012, 18:13
Wortwahl

Im Klartext:
Griechenland sagt den Gläubigern: "Wir zahlen nicht"

"grob fahrlässige Krida"

...and miles to go before I scream
12
18.1.2012, 21:08

Man sollte schon wissen, was so ein großes Wort bedeutet, bevor man es rausposaunt.

Enrico Dal Vero
00
18.1.2012, 21:04
Ach Gottchen - man verliert nichts schwerer als den schlechten Ruf.

CMYK
01
18.1.2012, 17:53

ein schlechter bluff um sich in eine bessere verhandlungsposition gegenüber gläubiger zu bringen.

1. Fan der Europaregion Tirol
35
18.1.2012, 16:59
Allein schon deshalb, sollte man die Griechen gegen die Wand fahren lassen!

---Man könnte demnach rückwirkend sogenannte Umschuldungsklauseln in die Anleihenverträge einfügen - das geht bei Emissionen, die nach griechischem Recht begeben wurden.----

so so ....
41
18.1.2012, 18:56

du hast auch wirklich NICHTS verstanden, die letzten 3 Jahre, oder ?

1. Fan der Europaregion Tirol
11
18.1.2012, 19:02

UND DU ???

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