Präsidentenaffäre

Keine juristischen Konsequenzen für Wulff

18. Jänner 2012, 14:18

Staatsanwaltschaft will wegen Darlehens nicht ermitteln - Heftiger Schlagabtausch im niedersächsischen Landtag - Anwalt weist Vorwürfe zu VIP-Vertrag bei Autohändler zurück

Stuttgart/Berlin - Gegen den deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff und Verantwortliche der BW-Bank wird nicht wegen der Vergabe eines günstigen Kredits ermittelt. "Zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für die Bejahung eines Anfangsverdachts sind nicht ersichtlich", teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart am Mittwoch mit.

Wegen des Kredits hatte es etwa ein Dutzend Anzeigen gegen die BW-Bank gegeben. Dabei ging es um den Verdacht auf Untreue, Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung. Die Kreditaffäre währt nun schon sechs Wochen.

Wulff hatte Anfang 2010 als niedersächsischer Ministerpräsident einen Privatkredit der befreundeten Unternehmergattin Edith Geerkens in ein sogenanntes kurzfristiges Geldmarktdarlehen bei der BW-Bank umgewandelt. So löste er die Schuld bei Geerkens ab, die ihm 2008 eine halbe Million Euro für seinen Hauskauf im niedersächsischen Burgwedel bei Hannover geliehen hatte.

Die Behörde erklärte, dass sich "weder aus dem Vorbringen der Anzeigeerstatter noch aus den bisherigen Presseveröffentlichungen und den durch die Bank vorgelegten Unterlagen zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für eine verfolgbare Straftat ergeben".

Debatte im niedersächsischen Landtag

An Mittwoch befasste sich der niedersächsische Landtag mit den Vorwürfen gegen Wulff. Dabei kam es zu einer hitzigen Debatte. Die niedersächsische Opposition warf der Landesregierung eine Verweigerungshaltung bei der Aufklärung der Affäre vor. Die Regierung unter Ministerpräsident David McAllister (CDU) verweigere überfällige Auskünfte über das Verhalten Wulffs in seiner Zeit als Ministerpräsident bis Mitte 2010, kritisierten SPD und Grüne.

SPD-Fraktionschef Stefan Schostok sagte an die Adresse der CDU/FDP-Landesregierung: "Sie behindern die Aufklärung und Sie nutzen ebenfalls die Salami-Taktik à la Wulff. Nur das, was öffentlich ist, wird wiederholt." Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel hielt der Regierung vor, sie habe nur ein Drittel der von den Oppositionsparteien gestellten Fragen beantwortet: "Anstatt lückenlos aufzuklären, geben Sie Christian Wulff weiter Rückendeckung, im Kern verweigern Sie sich der Aufklärung."

Zuvor hatte die niedersächsische Landesregierung zur Mehrheit der über 150 gestellten Fragen Auskünfte verweigert unter Hinweis auf die Privatsphäre des Bundespräsidenten und Verschwiegenheitsverpflichtungen. Das galt für den Hauskredit über 500.000 Euro, den Wulff in seiner Zeit als Ministerpräsident aufgenommen hatte, aber auch für Fragen nach Urlaubsreisen und geschäftlichen Verbindungen des Landes zu Unternehmen und Unternehmern aus dem Freundeskreis von Wulff.

Im Landtag hatte Wulff 2010 verneint, geschäftliche Beziehungen zu Egon Geerkens zu pflegen und den Kredit auch nicht erwähnt. Nach Ansicht der Opposition hat Wulff mit dem Darlehen möglicherweise gegen das niedersächsische Ministergesetz verstoßen. Die christlich-liberale Landesregierung sieht in dem Kredit indes ein reines Privatgeschäft.

Als Wulffs Geldgeschäfte zum Jahresende 2011 öffentlich wurden, unterschrieb er im Dezember bei der BW-Bank einen weiteren Vertrag, der sein anfängliches Geldmarktdarlehen durch einen langfristigen Kredit ablöste. Kritiker vermuten, dass Wulff als ein prominenter Politiker bei der BW-Bank womöglich Sonderkonditionen bekam. Zudem wurde die Höhe des Kredites als nicht angemessen kritisiert.

Auto für Wulffs Frau

Unterdessen wurden neue Vorwürfe über Sonderkonditionen von befreundeten Geschäftsleuten laut, die von Wulffs Anwälten umgehend dementiert wurden. Es geht um ein Auto für seine Frau Bettina und ein Geschenk für den gemeinsamen Sohn.

Laut einem Bericht der "Berliner Zeitung" vom Mittwoch soll die Frau des Bundespräsidenten Ende Dezember - also nach dem Bekanntwerden der Kreditaffäre - für einen Audi Q3 von einem Berliner Autohaus "einen VIP-Vertrag mit sehr günstigen Leasing-Konditionen" bekommen haben. Wulffs Anwalt Gernot Lehr bestreitet dies. Es habe keinen "Prominentenrabatt" gegeben.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung hat der Bundespräsident einen geplanten Besuch auf dem Weltwirtschaftsforum Ende Jänner in Davos abgesagt. Das Präsidialamt habe dafür terminliche Gründe angeführt. (APA)


Link: Alle Fragen und Antworten zur Wulff-Affäre

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 127
1 2 3 4
der tueftler
00
20.1.2012, 08:35
bessere trennung

die beurteilung, ob ein kredit handelsüblich war, ist schwieriger, als man meinen möchte. natürlich spielt die bonität und auch der wunsch der bank einen bestimmten kunden anzulocken/zu behalten eine große rolle. und diese beiden aspekte lassen sich von der beruflichen stellung und damit dem amt eines bundespräsidenten nicht trennen. aber man kann soweit wie möglich die beiden bereiche trennen, etwa indem man den kredit bewusst bei einer ausländischen bank aufnimmt und sicher nicht bei jener bank, die mit dem eigenen land(bundesland) intensiv verflochten ist.

1116er
00
20.1.2012, 08:20
"..Auskünfte verweigert unter Hinweis auf die Privatsphäre des Bundespräsidenten und Verschwiegenheitsverpflichtungen. "

mehr nicht?
wo bleibt die unschuldsvermutung?

in ösistan taucht die in jedem absatz, in jedem nebensatz auf!

Just N. Opinion
 
00
19.1.2012, 15:59
Keine juristischen Konsequenzen für Wulff.

No geh.

mika33
00
19.1.2012, 13:31
Keine juristischen Konsequenzen für Wulff ...

Und warum dann die ganze Aufregung? Na dann ist er eben moralisch schuldig.

Anaxagoras
03
19.1.2012, 13:17
Inzwischenstehen gewisse Teile von der Presse am Pranger.

Es wird langsam zum Fall "Bild". Man kann die Deutschen nur bewundern, wir wären froh, nur solche Sorgen zu haben.

Peter Panther
45
19.1.2012, 09:37
Mittlerweile mehren sich die Hinweise

dass Wulff als zehnjähriger Bub eines Abends in den Garten des damaligen Nachbarn hinübergepinkelt hat.

Andreas W
20
19.1.2012, 12:54
Wir haben ja alle korrupte Politiker sooo gern, gell???

Andreas W
30
19.1.2012, 12:34
Sie haben's auch noch immer nicht begriffen und werden's auch NIE

Geschenkannahme, Bestechlichkeit etc hat in der Politik nichts zu suchen; er wurde ja nicht gezwungen, in die Politik zu gehen
und glaubt ernsthaft wer, er haette auch nur irgend eines der oeffentlich gewordenen Geschenke wie Billig- und Gratisurlaube etc geschenkt bekommen, wenn er irgend ein gewoehnlicher Privatangestellter waere? Traeumens weiter

Peter Panther
02
19.1.2012, 16:52
Unterscheiden S´ bitte

zwischen strafrechtlichen Tatbeständen und dem Moralin der BILD-Zeitung.

Wählen S´halt Politiker, die Ihren privaten Moralvorstellungen genügen. Ob Sie dazu ausreichend Kandidaten finden werden, kann ich nicht beurteilen.

suboptimal
 
06
19.1.2012, 14:54
SIE habens nicht begriffen:

Wer schon auf Kinderspielzeug und frühere Schulpraktika (!) von Wulff zurückgreifen muss und ihn vehement anschüttet, weil er Redaktionsschlüsse nicht eingehalten hat / nicht einhalten konnte, sieht ziemlich alt aus. 7 Wochen Wulffen auf diesem Niveau sind genug.

Nach ZWEI Mediendesastern hintereinander (KÖHLER und Wulff) wird auch nichts Besseres nachkommen. Soll doch der BILD-Fuzi den nächsten Bundeskasperl machen, der ist integer, kann alles und weiß alles und hat dann wenigstens sein eigenes Schmierblattl hinter sich.
ha ha

Takeshi Kovacs
00
19.1.2012, 09:18
wenn Wulff in D gestanzt werden sollte,

könnte er ja eine karriere als leistungsträger in ö überlegen.....

der tueftler
20
19.1.2012, 09:15

wenn zwei das gegenteil behaupten, dann erscheint es ungewöhnlich, wenn man keinem glaubt... aber so ist es hier:
W. hat ganz offensichtlich von seinem amt, seiner politischen stellung etc. profitiert. das ist nicht unbedingt strafbar, manches tun wir alle, aber für ein so hohges amt ist da einiges nicht passend. hätte er nicht den kredit bei einer ihm völlig fremden bank aufnehmen können? und auch war alles ziemlich... patschert (zumindest).
aber die beschuldigungen sind z.t. lächerlich, etwa, dass der kredit "unangemessen hoch" war. inwiefern? für einen armen ministerpräsidenten bzw. bp? oder für ein kleines schrebergartenhäuschen oder für eine so klitzekleine bank?
upgrades und rabatte hin oder her, es ist ein match medien vs. politik!

1116er
00
20.1.2012, 08:22
es ist ein match

von korrektheit/anstand gegen ein abgleiten in ösistanische verhältnisse (in denen sie sich offensichtlich wunderbar zurechtgefunden haben)

Eduard van Hinten
00
19.1.2012, 08:53
grüßaugust

der posten als bundespräsident gehört eh abgeschafft. braucht keiner und ist reine geldverschwendung.

so wohlwollend man auch wulff gegenüber sein mag... beide kredite (privat und bei der bw-bank) hätte er nie nie nie annehmen dürfen. als politiker darf er das nicht und es deutet ganz stark auf korruption hin.

oooooooooops
01
19.1.2012, 08:51
Pipifax

NONE
00
19.1.2012, 08:30

Ich finde er ist korrupt.

Aber selbst wenn man das nicht findet, agiert er merkwürdig.

Und das im höchsten Amt Deutschlands?

Wo bleibt die Rücktrittskultur die man immer wieder lobt?!

Jan Sommer
10
19.1.2012, 00:06
.... und dass seine Frau, bevor sie ihn heiratete,

als "Betty-Blow" im Milieu bekannt war, wird sicherlich von der Bildzeitung auch noch aufgedeckt.
js

Mann40
01
19.1.2012, 09:00

um welche arme Betty handelte es sich, und....wo fliegt sie nun, luftgefüllt, herum? ;-)

CEEIT
15
18.1.2012, 22:47
Ich denke korrupt ist bei Wulff nicht der richtige Ausdruck

Sein Verhalten zeigt aber eindeutig, dass das Amt ein paar Nummern zu groß für ihn ist.

binGeladen
31
18.1.2012, 22:20

lächerlich!

es ist ein media-desaster der bild zeitung axel springer daraus geworden und das freut mich!
sie hätten lieber einen gold sucks manager wie monti oder draghi als Bp.

nkngbdr
00
18.1.2012, 21:39
Lindau

Die Annahme von Geschenken war natürlich falsch und ist zu verurteilen, jedoch wüsste ich gerne in wie fern seine Rede in Lindau das Bekanntwerden begünstigt hat...

http://www.youtube.com/watch?v=zaNkGACNVOU

RS69
 
06
18.1.2012, 21:36

"Zudem wurde die Höhe des Kredites als nicht angemessen kritisiert."

Also man kann ihm vieles vorwerfen, aber DAS ist Unsinn.

Seria
31
18.1.2012, 21:18

auch ein nach Gesetzen unschuldiger BP sollte den Hut nehmen. Sein Vorgänger hat es ja vorgemacht, wie sich ein BP verhalten sollte.

alexanderletten
 
01
18.1.2012, 20:05

"http://www.spiegel.de/kultur/ge... 8,00.html"

Wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, dass sich der SPIEGEL selbst schön langsam aus der Posse Wulff herausschreiben will.
Da passt auch Niggermeiers Artikel "im Namen des Journalismus" in der aktuellen Print-Ausgabe recht gut dazu.

gekaufter poster
00
19.1.2012, 01:56
schattenboxen mit der BLÖD

tja der spiegel ist schon seit längerem nur noch ein schatten seiner früheren selbst. die qualität sinkt stetig, aber (in diesem falle zwar berechtigtes) bashing der bruder"zeitung" aus eigenem hause sollen wohl den eindruck erwecken der spiegel berichte kritisch über den boulevard. das gegenteil ist der fall: die antiwullfkampagne der blöd wurde mitgetragen und die wird auch im artikel nicht diskutiert.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 127
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.