Breitere Ausbildung für künftige Lehrergeneration

Kommentar der anderen | Elke Jurasszovich
17. Jänner 2012, 20:16
  • "Denn was nützt die schönste Glut ohne einen Doktorhut?"
    bild: wilhelm busch

    "Denn was nützt die schönste Glut ohne einen Doktorhut?"

Schon als Junglehrerin geschockt vom geringen Bildungsniveau meiner Berufskolleginnen

Als VS-Lehrerin, die bald in Pension geht, hat mich der kluge und interessante Brief von Josef Christian Aigner sehr beeindruckt. Zwei Aspekte zum Thema Lehrerausbildung, die mir wesentlich erscheinen, möchte ich deshalb gerne kommentierend ergänzen und mit eigenen Erfahrungen belegen.

Erstens: Die Forderung, dass jedwede Lehrerausbildung generell in einen größeren Gesamtzusammenhang gestellt werden müsste - also auf die Uni gehört -, möchte ich vehement unterstützen, denn ich habe mein Leben lang schwer darunter gelitten, dass es praktisch während meiner gesamten Berufslaufbahn zwar jede Menge didaktische Fortbildungsangebote gab, aber keinerlei geistige, horizonterweiternde Anregungen geboten und gefordert wurden. Ja nicht einmal persönlichkeitsbildende oder therapeutische Angebote gibt es, obwohl wir das in den Schulen wahrlich dringend bräuchten, da die "Problemkinder" immer zahlreicher werden.

Schon als Junglehrerin war ich zutiefst geschockt vom geringen Bildungsstand und Horizont meiner Berufskolleginnen (Männer trifft man kaum mehr). Gespräche im Lehrerzimmer lassen erschaudern. Ich konnte und kann es bis heute nicht fassen, dass Lehrer/innen, die eigentlich das Bildungsvorbild der Nation sein sollten, auf so niedrigem Niveau agieren. Da ist es kein Wunder, dass die derzeitigen Zustände stillschweigend und geduldig hingenommen werden. Das sehe ich - neben vielen anderen Faktoren - mit als Grund für den Stillstand im Bildungsbereich. Wer ungebildet ist, ist uninformiert und hat Angst vor Veränderungen.

Um trotz dieses Berufs geistig wach zu bleiben, habe ich meine Fortbildungen privat betrieben: zu den in der Schule gelernten Fremdsprachen noch drei dazu gelernt, zwei Universitätsstudien nebenberuflich angefangen (die ich dann aber wegen Arbeitsüberlastung letzten Endes abgebrochen habe, da man als für persönliche Fortbildung, die nicht unmittelbar der Didaktik dient, als Lehrer nicht freigestellt wird), dazu eine Montessori-Ausbildung, Ausbildungen in systemischer Familientherapie, Atemtherapie .... - alles privat finanziert.

Zweitens hat mich die Problematik der von Aigner richtig erkannten "Monokultur" besonders angesprochen und in mir ein tieferes Verständnis meines eigenen Dilemmas ausgelöst. Er beschreibt es ganz genau: Meine Eltern waren schon Lehrer und haben mich, als ich jung und relativ unentschlossen war, in diesen Beruf gedrängt. Die Ausbildung an der sogenannten Pädagogischen Akademie, damals noch zweijährig, hat mich zutiefst frustriert und mich Schlimmes ahnen lassen. Diese Institution sehe ich heute rückblickend als realitätsfernen Schnellsiedekurs für Lehramtsanwärter/innen, wo selbst Leute, die nicht rechtschreiben konnten, aufgenommen wurden. Nach zwei Jahren Pädak war ich orientierungslos und fühlte mich seltsam leer. So habe ich mich jahrelang mehr recht als schlecht durch den Lehrerberuf geschleppt und habe erst Sinn darin gefunden, als ich mich mit reformorientierter Pädagogik zu beschäftigen begann.

Wie der Autor richtig feststellt, fehlte auch mir der Abstand zu meiner eigenen Schulzeit zusammen mit der Familienaltlast. Zudem fehlte mir die Botschaft, meinen Bildungshorizont lebenslang erweitern zu dürfen und zu sollen. Dieses Bedürfnis in mir, weshalb ich eigentlich Lehrerin wurde, schien in meinem gesamten Berufsumfeld niemanden zu interessieren. Meine Burnout-Phänomene begleiten mich deshalb nicht nur im reifen Alter, sondern schon ein Leben lang, und ich beginne erst jetzt, sie allmählich zu verstehen. Obwohl ich selbst nun keine Lehrerzukunft mehr habe, hoffe ich sehr, dass wenigstens die zukünftigen Lehrergenerationen eine breitere Ausbildung genießen dürfen, zum Wohle der uns anvertrauten Schüler. (Elke Jurasszovich, DER STANDARD, Printausgabe, 18.1.2012)

ELKE JURASSZOVICH ist Diplompädagogin an einer Volksschule in Niederösterreich.

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VL-Lehrerinnen sind generell schlecht qualifiziert - außer die 3 Jahre Studium vor Jahrzehnten haben sich die alten VS-Lehrerinnen wenig weitergebildet. Hat mehrer Gründe: erstens wollen sie gar keine Weiterbildung, zweitens gabs bisher zu wenig Angebote für Weiterbildung. Die guten Weiterbildungsangebote mussten Lehrer selber bezahlen, kostenlos gabs nur eine bestimme Anzahl an Weiterbildungsangeboten, die qualitativ eher schlecht sind. Kein Wunder, an den PH's unterrichten auch nicht gerade die qualifiziertesten Leute - und die PH's sind für die Weiterbildung der Pflichtschullehrer verantwortlich und wollten diese aber abzocken mit ihren Weiterbildungsangeboten. Da macht kein Lehrer mit.

Es mag schon sein, dass viele Lehrer/innen

eher dürftig gebildet sind, doch ein wenig Googlen über Frau Jurasszovich genügt, um festzustellen, wie wenig sie qualifiziert ist, über das Niveau anderer zu befinden.

Arroganz ist ja kein Verbrechen, doch ganz sicher keine Legitimation.

Offenbar ist die Dame Astrologin im Nebenberuf,

und DAS ist wiederum etwas, was mich zutiefst schockieren würde, wenn ich ihre Kollegin wäre.

Eines der Probleme im österreichischen Bildungswesen ist der eklatante Mangel an Bewusstsein für die Denkfallen und Stolpersteine menschlicher Erkenntnis. Statt (selbst)kritischer Hypothesenbildung und anschließender produktiver Diskussion herrscht unkritische Reproduktion und stures Behaupten: "Ich seh das halt so."

Deshalb gedeiht im Bildungsmilieu der esoterische Schas mindestens so gut wie im Gesundheitsbereich. Naturwissenschaften und rationales Denken sind gaaanz böse, "uraltes, ganzheitliches Wissen" gaaaanz gut.

also hat sie jetzt doch recht obwohl sie - durch Google belegt - wenig qualifiziert ist? ;-)

Sagen wir, ich habe schon in vielen Berufen ziemlich

ungebildete Menschen kennengelernt. Trotzdem sehe ich mich nicht berechtigt, anderen pauschal Bildungs- und Intelligenzmängel zu unterstellen.

Allerdings halte ich Astrologie für einen kindischen Zeitvertreib, der eines gebildeten Menschen nicht würdig ist. Tja.

"Netter Brief", aber...

... von den eigenen Erbproblemen des Autors und der selbstgewählten Entscheidungsschwäche und mangelnden Vorgehensbereitschaft gegen die eigene Orientierungslosigkeit auf andere zu schließen und diese reine Selbstschuld als Systemschwäche abzuschieben ist eine Frechheit, ebenso die Forderung nach einer selbstverständlich vollbezahlten Bildungsfreistellung für weitere Studien. So ein Superprivilleg besitzt (neben Magistratsbeamten) niemand in Österreich.
Dieser Brief ist schlicht eine verhöhnende Zumutung und Ausdruck des dilettantischen Selbstverständnisses dieser Berufsgruppe.

Einigermaßen fassungslos

bin ich nach Lektüre des Kommentars von Frau Jurasszovich. Ich bin selbst AHS-Lehrerin f. E & GW und arbeitete jahrzehntelang sowohl an einem Gymnasium als auch an einer Pädagogischen Akademie bzw. Pädagogischen Hochschule.
Ich bezweifle, ob sich Frau Jurasszovich in den letzten 20 Jahren die Mühe gemacht hat, die Liste der Fortbildungsangebote wenigstens durchzusehen. Ansonsten hätte sie doch wohl zahlreiche persönlichkeitsbildende und horizonterweiternde Angebote entdeckt.
Ich selbst habe eine praxisorientiertere Ausbildung an der Uni sehr vermisst. Sie hätte uns viele Anfangsprobleme erspart.
Und zum Thema Fachkompetenz: zahlreiche Uni-Fächer waren zwar interessant, für den Beruf aber völlig irrelevant. Wichtiges blieb unbehandelt.

inn dem hauptfach, das ich unterrichtete, hatte ich in fast 40 jahren nicht die möglichkeit, was dazuzulernen, außer bei einem kurs, in denen man internetseiten für den unterricht ausgehändigt bekam
das war vor ca 2 jahren, der rest - schweigen, in den anderen fächern war es nicht anders

life long learning!

nicht die Möglichkeit oder nicht die Fähigkeit dazuzulernen. Hab auch schon über 30 Jahre Unterrichtserfahrung (E , GW) und natürlich zahlreiche sinnlose Fortbildungen besucht aber wenn ich lese in 40 Jahren keine Möglichkeit was dazuzulernen? Möchte ja nicht unhöflich sein, aber wie ist das möglich???

damit meine ich, daß ich alles, was ich dazugelernt habe, mir nicht aus den mickrigen seminaren des pi geholt habe
einmal sagte ich zu meinem direx: das haben wir schon vor 30 jahren auf der pädak gelernt, ein witz, was sich die anbieten trauen
antwort: na siehst du, wie aktuell das immer noch ist
dabei handelte es sich nicht um grammatik

Einen Syntaktikkurs wird's aber gegeben haben.

egal, in welchem kurs, ich habe in keinem was neues gehört
meine fehler passieren mir deshalb, weil ich schnell schreibe, da ich auch noch was anderes zu tun habe

"aber keinerlei geistige, horizonterweiternde Anregungen geboten und gefordert wurden."

Urpeinlich. Ein Lehrer, der zur geistigen Horizonterweiterung "Anregungen" von außen braucht, hat seinen Beruf ohnehin verfehlt!

wo bekommen sie denn ihre anregungen her? sind sie schon gebildet aus dem uterus geschlüpft? als geborenes genie sozusagen?

in der it ist es selbstverständlich dazuzulernen

warum sollte es für volksschullehrer anders sein?

was soll die Streiterei? Hier besser, oder doch da. Ich orte überall Verbesserungsmöglichkeiten. Solange Lehrerinnen von den Vorgesetzten wie unartige Kinder behandelt werden, solange gym-Direktoren sehr guten Schülerinnen die Lehrerausbildung mit den Worten: dafür bist du zu intelligent! ausreden, solange die verpflichtende Fortbildung dazu dient den Parteitreuen ein Körberlgeld zukommen zu lassen indem sie den Kolleginnen 2 Stunden lang Gebrauchsanweisungen vorlesen, solange .............. ist es so was von demotivierend, ganz egal ob Pflichtschule oder Ahs.

doppelt unterstrichen
genau so erlebt
von folie abgelesen: dann stand ein kollege auf und sagt: schicken sie mir das, lesen kann ich selber
nachher wurde das seminar bewertet und ich hatte die aufgabe, die bewertungszettel mitzunehmen, die betreffende person schloß sich damit in ihr kammerl ein und wollte mir nur die positiven aushändigen
dank meiner insistenz bin ich dann mit allen abgezogen, auch mit den negativen
das war ein kindergarten, ah nein, eine hauptschulpartie

sie könnte ich mir in der privatwirtschaft nicht vorstellen

sowas von unselbständig,gehemmt und von selbstmitleid durchsetzt- beginnen sie zu leben, verdammt - es ist noch nicht zu spät.
was haben denn sie an ihre kinder weitergegeben?
kleinmut, kuschen, schleimen, jammern, etc.
dafür gibts jetzt noch eine fette pension?
na klar, schuld sind immer die andern, wenn einem selbst die einsicht fehlt - ist eine ganz natürliche reaktion.

nein, der dame ist zu gratulieren, daß sie mit ihrem namen den mumm hatte, das zu artikulieren
gefällt mir, daß nicht alle lehrer duckmäuser sind

Schön wäre es, wenn der Standard zwischen Bildung und Ausbildung unterscheiden lernen würde.
Der Autorin kann man nichts vorwerfen, von wegen sie hätte ja.... Wenn man immer im Keller sitzt, weiß man nicht wie die Ausicht am Dach ist und findet daher keinen Grund hinaufzugehen. Manch schaffen es, andere brauchen eine Motivation zum hinaufgehen. Ein bißchen milderer, verständnisvollerer Umgang mit Mitmenschen wäre hier bei manchen angebracht.

sagen sie das den nö parteibonzen

Das Problem ist dass die Einstiegsgehälter sehr niedrig sind. Das sorgt natürlich dafür dass alle die Alternativen haben sich nach was anderem umschauen und hauptsächlich die niveaulosesten übrigbleiben, die die sonst nichts finden würden. (Plus ein paar unverbesserliche Idealisten, meist -innen.)

Selbst an den Unis genießen Lehramtsstudenten ja einen eher zweifelhaften Ruf - die meisten sind Arbeits- und Aufwandsminimierer Ende nie.

Noch schlimmer ist es bei den Krankenschwestern, dort ist man geistig wirklich auf Hauptschulniveau.

mein Einstiegsgehalt war vor 3 Jahrzehnten

sehr niedrig, habe mich aber trotzdem nicht nach etwas anderem umgeschaut, bin nach wie vor ein idealist, sonst würde ich nicht noch immer gerne mit kindern arbeiten. woher sie die unverfrorenheit nehmen beinahe all lehrerInnen als niveaulos zu bezeichnen, entzieht sich meiner kenntnis.Ebenso die haltlose behauptung über das geistige niveau von krankenschwestern.
mich wundert nur, dass sie mit einer solchen einstellung den standard lesen, vielleicht ist er aber in die krónenzeitung o.dgl. reingerutscht.

krankenschwestern: hauptschule, 2. leistungsgruppe

Komische Ansichten...!

Es hat die Kollegin niemand gehindert, den Lehrerberuf hinzuschmeißen und sich einen anderen Beruf zu dem man steht zu suchen. Wenn der Beruf nicht mehr Spass macht, dann mach ihc halt etwas anderes, was mir liegt und beklage nicht das Schicksal, das mich als Lehrerkind in diesen Beruf gestoßen hat. Das nennt man freie Entscheidung eines reifen Menschen.
Klarerweise ist nicht alles paletti, vor allem im Volksschulbereich, wo das Wort "Lehrer" (männliche Besetzung) nur mehr in Lehrbüchern auftaucht. Auch dass in den Pausen manchmal nur über Kochrezepte und Kleider gesprochen wird, aber das nimmt man halt emotionslos hin. Themen wie Politik, Technik, Sport, Energie, usw. gibt es kaum. Meist dreht sich dann das Gespräch um die eigenen Kinder.

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