"Mitfühlendes Erwürgen"

Boas drücken bis zum letzten Herzschlag

18. Jänner 2012, 18:07
  • Artikelbild
    foto: dr scott boback

    Boas drücken, bis das Herz ihrer Beute zu schlagen aufhört, wie US-Forscher nun herausgefunden haben.

Würgeschlangen haben einen raffinierten Trick entwickelt, um sicher zu sein, dass ihre Beute auch wirklich tot ist, bevor sie diese fressen

Es muss ein besonderer Anblick sein: Ein paar Kilometer vor der Küste des mittelamerikanischen Staates Belize kreuzt eine drei Meter lange Schlange munter durch die Wellen. Es ist eine ausgewachsene Boa constrictor, eine Art, die normalerweise im tropischen Regenwald zuhause ist. "Fischer haben mir regelmäßig von Boas berichtet, die im Salzwasser schwimmen", sagt der US-Biologe Scott Boback im Gespräch mit dem STANDARD. Vermutlich setzen die Tiere gezielt zu den vorgelagerten Inseln über, auf der Suche nach Nahrung oder einem Paarungspartner.

Boa constrictors Seetüchtigkeit ist indes nicht die einzige Überraschung, die diese Schlangenspezies dem Reptilienforscher in letzter Zeit bereitet hat. Boback ist am Dickinson College in Carlisle, Pennsylvania, USA tätig und betreibt schon seit vielen Jahren Feldforschung in Belize und anderen Ländern Mittelamerikas. Boas sind eines seiner Hauptstudienobjekte.

Zusammen mit einigen Kollegen ist Scott Boback der Beutefangtaktik dieser Schlangen auf den Grund gegangen. Boas erdrosseln ihre Opfer, bevor sie sie verschlingen. Eine zeit- und vor allem kraftaufwändige Angelegenheit. Die Schlange wickelt sich um den Rumpf des Beutetieres und übt mit ihren Muskeln einen gewaltigen Druck aus. Dabei steigt die Stoffwechselrate des Räubers um knapp das Siebenfache an. Offenbar ist das Erwürgen eine körperliche Extremleistung.

Aber wie weiß die Boa, wann sie aufhören kann? Wenn ein Tier nicht mehr zappelt, muss dies nicht bedeuten, dass es nicht mehr lebt. Manche könnten stillhalten und versuchen zu fliehen, sobald die Schlange ihren Griff lockert, oder schlimmer, zu Beginn der Mahlzeit plötzlich zum Gegenangriff übergehen. Das Reptil ist mit weit geöffnetem Maul am verwundbarsten, erklärt Scott Boback. "Deshalb will es wirklich sicher sein, dass das Tier tot ist."

Der Wissenschafter hatte eine Vermutung: Womöglich können Boas den Herzschlag ihrer Beute spüren. Um dies zu testen, führte er zusammen mit drei seiner Studentinnen ein faszinierendes Experiment durch. Das Team setzte elf wild gefangenen und sieben gezüchteten Boa constrictors tote Ratten vor, von denen einige auf besondere Weise präpariert waren. Die Nager trugen im Brustkorb einen winzigen Ballon. Dieser war mit Wasser gefüllt und über einen dünnen Schlauch mit einer Präzisionspumpe verbunden. So ließ sich exakt ein Ratten-Herzschlag simulieren. Allen Test-Beutetieren hatten die Forscher zudem einen Druckmesser implantiert.

Die Ergebnisse der Versuchsreihe zeigen ein sehr deutliches Muster. Die Schlangen drückten Ratten ohne Simulationsherz nur schwach, gleichmäßig, und nicht länger als gut zwanzig Minuten. Beim Einsatz eines falschen Herzschlags jedoch setzen die Boas zeitweilig etwa doppelt so viel Kraft ein, variierten den Druck, und hörten erst auf, wenn das "Herz" ihres Opfers nicht mehr pochte, also bis die Wissenschafter die Pumpe abschalteten. Und sei's erst nach einer Dreiviertelstunde. Weitere Details wurden heuer vom Fachblatt "Biology Letters" veröffentlicht.

Scott Boback vermutet, dass Boas den Herzschlag ihrer Beute über einfache aber sensible Mechanorezeptoren wahrnehmen. Solche haben Schlangen wohl reichlich, sagt Boback. Sie dürften sich im Laufe der Evolution in erster Linie zur Koordinierung der komplexen Kriechbewegungen dieser Reptilien entwickelt haben. Die Fähigkeit zur Herzschlag-Erkennung ist auf jeden Fall angeboren. Auch die in Gefangenschaft geschlüpften Boas reagierten auf den simulierten Puls, und diese hatten noch nie Kontakt mit einem lebendigen Beutetier gehabt. (Kurt F. de Swaaf , 19. 1. 2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 51
1 2
Norbert Müller
 
161
19.1.2012, 11:39
also i find des supa!

und? was machen wir jetzt da wir das wissen? wo ist der nutzen dieser wissenschaftlichen studie?

der kleine Tiger
00
31.1.2012, 12:42

wenn sie eine Boa drückt: Puls abschalten, dann eine Gestreckte ins Maul.

Manchen muss man auch das Offensichtlichste noch vorkauen...

meineMeinung1969
00
23.1.2012, 22:23
Diese Frage ...

... hab ich schon öfter gestellt. Aber nie so viele rote Stricherl bekommen. Wie machen Sie das? :)

mM

meinrad
00
20.1.2012, 17:55
mich interessierts!

das reicht schon!

Timagoras
 
00
20.1.2012, 12:49
"und? was machen wir jetzt da wir das wissen?"

.
offenbar sinnlose postings schreiben ... ;o)

will kommen in Österreich
00
20.1.2012, 10:31

wo is dei Leistung? Sie nutzen mir auch nichts.

Kahuna
00
19.1.2012, 20:58
Gehen Sie bitte zurueck zur Kronenzeitung, dort finden Sie Passendes.

S.Cooper
00
19.1.2012, 19:58
Die helfen Ihnen sicher weiter:

http://www.ag-lernen.de/

dranbleiben, es ist nie zu spät!

Otto Maximalverbraucher
011
19.1.2012, 16:08

Jetzt wissen Sie, dass wenn Ihnen eine Boa den Weg versperrt, Sie ihr einfach eine präparierte tote Ratte mit Präzisionsherzpumpe hinwerfen sollten. Dann brauchen Sie nurmehr abwarten, bis die Boa an Erschöpfung stirbt.

lukav jez
01
19.1.2012, 15:20

Ist doch schön, mal etwas zu erforschen, das nicht unmittelbaren "Nutzen" hat. Ah ja, damit hat es auch einen Nutzen: es erfreut mich - und vielleicht auch andere.

NoComment
02
19.1.2012, 14:52

erfreulicherweise ist ihre meinung für den nutzen weder relevant noch ein kriterium. eher ein ausdruck von hoffnungslosigkeit oder/und überforderung.

Cayenne69
02
19.1.2012, 11:29

Der Trick mit dem Herzschlag funktioniert nicht immer :P

http://www.youtube.com/watch?v=3... ure=relmfu

Dyrn
01
19.1.2012, 09:41

im übrigen ein schön geschriebener, verständlicher artikel.

Sensei Onaga
06
19.1.2012, 08:37

Biologie zweites Semester, Thema Schlangen.

"Alle Schlangen können von Geburt an schwimmen"
"Würgeschlangen hören zu würgen auf wenn Sie den Herzschlag des Beutetieres nicht mehr spüren"

irata
00
19.1.2012, 22:38

"Alle Menschen können von Geburt an schwimmen"
Hab ich auch schon oft gehört ;-)

Kraefzke
00
19.1.2012, 10:42
Habe ich auch so gelernt...

...aber mehrere Kilometer von der Küste weg, in Salzwasser, das macht die Sache bei einer Urwaldart schon interessant. Im übrigen haben Sie natürlich vollkommen recht!

Club-der-dichten-Toten
00
19.1.2012, 09:47
Alle Schlangen können von Geburt an schwimmen

Und sie tun das auch alle in Salzwasser?

Sensei Onaga
00
19.1.2012, 10:03

Das kann ich beim besten Willen nicht sagen, allerdings ist es durchaus möglich daß es den Schlangen schlicht und einfach egal ist.
Es gibt eine endemische, hochgiftige Schlangenart (Insel Lanzenotter) auf "Queimada Grande" (Brasilien)
die ebenfalls dem Salzwasser nicht abgeneigt ist.

Bababim
00
19.1.2012, 20:03

Das Schlangen Salzwasser egal ist, kann ich mir nicht vorstellen. Allien schon die Probleme, welche mit der Osmose entstehen sind nicht zu verachten (und der Hauptgrund, warum Süßwasserfische im Salzwasser draufgehn)
Allerdings könntest mit deinen Schlange recht haben. Immerhin stellen auch Lachse ihren Wasserhaushalt innerhalb von 3 Wochen um und können vom Meer ins Süßwasser schwimmen.
(Außerdem ist die Natur extrem vielfältig, somit würd ich nie jemanden widersprechen, der behauptet er habe dieses und jenes schon mal gesehn)

meinrad
00
20.1.2012, 17:56

hinter dir, ein dreiköpfiger affe!

Am Klo brennt noch Licht
12
19.1.2012, 07:17
Es gibt Ehefrauen die machen das auch nit so viel anders.

"mitfühlendes erwürgen" würde ich das allerdings nicht nennen :-P

Serafin Keil
10
19.1.2012, 04:42

Nur blöd wenn die Beute ein Krokodil ist das kann den Herzschlag nämlich aussetzen. Dann sieht man ja was passiert.

DreadCat
01
19.1.2012, 08:30
Trau Boas ja wirklich viel zu...

...aber Krokodile...? ^^

bad user
01
19.1.2012, 12:46
In Florida ...

gibt es angeblich eine Tigerpython-Plage, die die einheimischen Alligatoren recht bald dezimieren würde, wenn der Mensch nicht mehr eingreift.

Im folgenden Link findest ein schönes Foto mit einer netten Story:

http://totalwar-forum.de/wbb/index... eadID=3172

http://de.wikipedia.org/wiki/Tige... Florida-26

Serafin Keil
00
19.1.2012, 11:06
Das Kroko stellte sich tot,kein Schmäh

Da gibt es ein Foto da hat eine Phyton ein Krokodil verschlungen und die ist dann geplatzt. In Brasilien.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 51
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.