Es ist unverständlich, dass der Wiener Bürgermeister an der großzügigen Übergangsregelung für seine rote Beamtenschaft festhält
Der Wiener Bürgermeister ist ein machtbewusster Mann, der seine Meinung ungeniert kundtut. Standard & Poor's stuft Österreich herab? Um zu wissen, dass gespart werden muss, hätte man keine Ratingagentur gebraucht, tönt Häupl. Alle Bundesländer außer Kärnten und Wien haben längst das Pensionssystem für ihre Beamten an die Bundesregelung angepasst? An der Übergangsregelung bis 2042 werde keiner herumpfuschen, lässt der Bürgermeister gereizt ausrichten.
Wien steht - im Gegensatz zu anderen - finanziell nicht mit dem Rücken zur Wand, das stimmt schon. Und es ist natürlich löblich und notwendig, dass Häupl nun mit seinem niederösterreichischen Amtskollegen Erwin Pröll nach Doppelgleisigkeiten bei Förderungen fahndet. Doch auch im Wiener Rathaus muss überall nach Einsparungsmöglichkeiten gesucht werden. Trotz Anpassung der Pensionregelung ist in keinem der sieben anderen Bundesländer bis Redaktionsschluss die Verwaltung zusammengebrochen.
Es ist völlig unverständlich, dass Häupl auf Kosten der Wiener Steuerzahler weiter an der großzügigen Übergangsregelung für seine rote Beamtenschaft festhält. Noch dazu, wo sich Wien laut Rechnungshof damit 350 Millionen Euro entgehen lässt. Und die Pensionsreform hätte noch einen weiteren positiven Effekt: Die kräftigen Gebührenerhöhungen für alle Wiener wären glaubhafter argumentierbar. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.1.2012)