Ungarn

Finanzwelt blickt auf Budapest und Wien

András Szigetvari, Andreas Schnauder, 17. Jänner 2012, 21:19
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    grafik: der standard

Die Probleme Ungarns und die Reaktionen der heimischen Aufseher führen nun zu einer neuen Wiener Initiative light

Die EU-Kommission nimmt auch die Konvertierung von Fremdwährungskrediten aufs Korn.

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Ungarn droht weiterer Ärger in der EU. Die Kommission hat am Dienstag drei Verfahren gegen Budapest eingeleitet - prüft aber wegen weiterer zwei umstrittener Gesetze ein Vertragsverletzungsverfahren. Eines davon betrifft die Einführung einer 16-prozentigen Flat Tax in Ungarn. Als heikler - und für die österreichischen Banken besonders interessant - gilt aber ein mögliches Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn wegen der Zwangskonvertierung der Fremdwährungskredite.

Das Gesetz zur neuen Flat Tax wurde kurz vor Jahreswechsel verabschiedet und kann nur mit einer Zweidrittelmehrheit verändert werden. Anders gesagt: Künftige Regierungen werden die Flat Tax ohne Zustimmung der derzeit regierenden Fidesz wohl nicht ändern können.

Ausgangspunkt des fünften möglichen Verfahrens ist eine Beschwerde mehrerer Banken - darunter Erste, Raiffeisen und UniCredit - gegen das Gesetz, das Bankkunden erlaubt, Fremdwährungskredite weit unter Marktkursen in Forint zu wechseln. Laut der Bestimmung mussten die Banken einen festgelegten niedrigen Tauschkurs (180 Forint je Franken) akzeptieren. Rund 100.000 Menschen haben bisher konvertiert - noch einmal doppelt so viele haben sich angemeldet.

Die Kommission hat Ungarn eine Reihe von Fragen dazu übermittelt und prüft insbesondere, ob die Bestimmungen gegen die EU-Kapitalverkehrsfreiheit verstoßen. Vor zwei Wochen sind die Antworten aus Budapest eingetrudelt - nach der Analyse soll entschieden werden, ob Verfahren eingeleitet werden, hieß es auf Standard-Nachfrage in Brüssel.

Sollte die Kommission vor den Europäischen Gerichtshof ziehen, könnte Ungarn zu Schadenersatzzahlungen verurteilt werden. Im schlimmsten, nach Experteneinschätzung aber unwahrscheinlichen Fall muss Ungarn die Transaktion sogar rückabwickeln.

Tatsächlich haben Banken ungarische Kunden unterschreiben lassen, dass sie die Differenz zwischen realem und fiktivem Wechselkurs rückzahlen müssen, sollte das Fremdwährungsgesetz aufgehoben werden. Die ungarische Finanzaufsicht hat das untersagt und der Volksbank bereits eine Strafe von 50 Million Forint (160.000 Euro) aufgebrummt.

Zuletzt hat sich das Klima zwischen Finanzinstituten und Budapest etwas entspannt. Gemeinsam wurde ein Paket beschlossen, um den Fremdwährungsschuldnern zu helfen. Doch die Beschwerde ist weiter anhängig und könnte als Druckmittel dienen.

Das Engagement der österreichischen Banken in Ungarn war einer der Gründe für die Herabstufung Österreichs durch Standard & Poor's. Die heimischen Institute kommen auf fast 40 Milliarden Euro an Ausleihungen im Nachbarland. In Ungarn überschreiten Ausleihungen die Bankeinlagen um 30 Prozent. Das Geschäftsmodell gilt daher im Falle von Störungen als besonders anfällig. Eine von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) gestartete Initiative soll Abhilfe schaffen. Die OeNB schreibt künftig fest, dass die Neukreditvergabe 110 Prozent der Einlagen nicht überschreiten darf. Neben Ungarn würde diese Maßnahme vor allem die Aktivitäten in Rumänien, Bulgarien und Slowenien treffen.

Nebel über Wiener Initiative

In Wien hat dazu am Montag ein Treffen zwischen Vertretern des Internationalen Währungsfonds, der Osteuropabank EBRD, der Weltbank sowie Finanzministerium und Notenbankern stattgefunden. Thema war eine Neuauflage der Wiener Initiative. Dabei handelt es sich um eine Anfang 2009 geschlossene Vereinbarung zwischen IWF/EBRD und Weltbank mit Banken und nationalen Aufsehern, durch die ein Totalabsturz in Osteuropa verhindert wurde. Die Banken verpflichteten sich dazu, ihr Engagement in Osteuropa aufrechtzuerhalten. Die Vereinbarung ist ausgelaufen, die EBRD drängt auf eine Neuauflage. Hintergrund: Da Banken bis Sommer 2012 strengere Anforderungen ans Eigenkapital erfüllen müssen, fürchtet die EBRD einen Rückzug aus Teilen Osteuropas.

Tatsächlich sträuben sich die Banken, diesmal Zusagen zu machen. Die Wiener Initiative 2.0 wird kommen, aber vermutlich eine reine Übereinkunft der Aufseher und internationaler Finanzorganisationen - ohne Beteiligung der Banken - bleiben. So sollen etwa von Geldhäusern an die Europäischen Bankaufseher (EBA) übermittelte Pläne zur Erfüllung der Kapitalvorgaben darauf geprüft werden, welche Auswirkungen sie auf einzelne Länder in Osteuropa haben werden, sagt EBRD-Chefstrategin Piroska Nagy. Heimische Banker sind ratlos und sprechen von "Chaos" : Die Aufseher legten Kreditschranken fest, die internationalen Organisationen warnen vor einem Zudrehen des Geldhahns.

International schlägt die Region wieder Wellen. Das Wachstum der vergangenen Jahre sei zu einem Fünftel Folge der Kreditflüsse aus Westeuropa, sagt Yves Zlotowski, Chefökonom des französischen Kreditversicherers. Den Ländern zusätzlich Probleme bereitet die starke Abhängigkeit der Ausfuhren von der Eurozone. "Die Banken werden ihre Engagement in Osteuropa reduzieren" , ist Zlotowski überzeugt. Zu spüren bekämen das Unternehmen und Haushalt in Form einer Kreditklemme. (András Szigetvari, Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 18.1.2012)

Kommentar posten
23 Postings
hans georg h.
11
18.1.2012, 06:04
als Deutscher in Österreich...

Hallo Freunde,
ich bin Deutscher und lebe seit vielen Jahren hier im Ösiland (Salzburg).
Da ich auch viel im Osten unterwegs bin muss ich wiedersprechen: Ich sehe keinen direkten Unterschied zwischen z.B. Tschechien und Ösiland, da ihr diese im Freien Fall auch erreicht habt.
Angenehm ist es jedoch immer wieder in den "Technologiestandort" Deutschland einzureisen. Schade dass wir es trotz unserer Entwicklungshilfe nicht geschafft haben, euch aufrecht gehen zu lernen.

Ein (fast) integrierter deutscher Entwicklungshelfer.

Staatssekretär
02
18.1.2012, 11:41
Hallo Freunde - Sido?

Und weil's in Deutschland so schön ist, seid ihr seit langem die größte Immigrantengruppe (auch in der Schweiz).

Also das System, dass junge Menschen aus Sachsen oder Brandenburg bei uns kellnerieren und Geld heimschicken, kennt man eher aus 3. Welt-Ländern.

Aber man hilft doch gerne.

der schwitzbär der schwitzt sehr
04
18.1.2012, 09:41
eure "Technologie"

beschränkt sich mittlerweile auf das Halten großer Bevölkerungsteile in kriegswirtschaftlich anmutender Subsistenzversorgung (Hartz IV) und im Export lernbegieriger Studenten, die an den heruntergehungerten deutschen Universitäten keinen Platz bekommen

Eure nach Schweden gelieferten Lokomotiven geben bei minus 30 Grad den Geist auf und der Transrapid fährt in China. Ihr habt EHEC im Gemüse und Antibiotika in jedem Hendl

Kulturlos und unfähig bis dorthinaus, aber immer die Klappe offen. So liebt euch die Welt.

DieWahrheit die niemandwissenwill
05
18.1.2012, 08:59

Deutscher Humor?

Marth
02
18.1.2012, 08:50

Sprach er und reiste ab durch alte desolate Wirtschaftstandort Deutschalnds, bevor er seinen Wohnung im Plattenbau in einem wunderbaren Ghetto von Berlin erreichte und mit den am Existenzminimum Lebenden eine Party feierte.

Das Fragezeichen
03
18.1.2012, 08:47
haha...

...und genau deshalb seid ihr die besten umd hocjtecjnisiertesten Kellner in unseren primitiven Fremdenverkehrsgebieten ;-)

Bertha von Suttner verabschiedet sich
65
17.1.2012, 18:56
16 Prozent Flat Tax

statt hier 50% Einkommenssteuer, Sozialabgaben dazu, von denen ich nie einen vernünftigen Return on Investment sehen werde (wer's nicht glaubt, vergleiche die privaten Anbieter von Kranken- und Pensionsversicherung für unsere UNO-Angestellten mit der Option des Beitritts zur österreichischen Sozialversicherung für ebendiese Leute, der Unterschied ist nur lachhaft[oder für uns Zwangsbeglückten tragisch]), Zwangskammerumlage für die Katz, Zwangs-ORF-Gebühr, neuer Kanalabgabe der Gemeinde in Riesenhöhe und dann noch ein Haftungsrahmen für Pleite-Euro-Staaten, für die ich in Zukunft zahlen muss? Ich glaub', ich wander' jetzt nach Ungarn aus! Eljen a Magyar, oder was?

Nummer6
12
18.1.2012, 01:39
Bleib doch hier

und hoffe, dass strache eine 2/3-mehrheit bekommt.
dann marschieren die bescheuerten auch bei uns wieder und die wirtschaft ist bis zum nächsten krieg auch wieder komplett im arsch!!!

Nummer6
01
18.1.2012, 01:35
bleib doch hier

*Andreas*
12
18.1.2012, 01:04

Bitte, gehen Sie! Vielleicht fällt Ihnen dann auf, warum die Ungarn so neidisch auf andere Länder (auch auf Österreich) blicken!

steve low
01
17.1.2012, 22:53
A viszontlátásra!

Die grausame Realität 2012
00
17.1.2012, 21:14
Bitte gehen Sie.

W.Hammerl
03
17.1.2012, 19:20

Warum nicht. Jeder ist seines Glückes Schmied. Aber ich fürchte, Sie werden bald wieder zurück sein.

linx
00
18.1.2012, 00:34
dann nehman nimmer :-)

Bertha von Suttner verabschiedet sich
51
17.1.2012, 19:36
ich sag' einmal herzlichen Dank für Ihre Einschätzung

und ich weiss, dass Ungarisch sauschwer zum erlernen ist. Nur ist für mich die Belastung in Österreich einfach auf Dauer zu erdrückend. Nach Malta und Zypern hab' ich schon längst meine Fühler ausgestreckt. Die schauen ganz gut aus, aber mit auch jeweiligen Problemen. Wissen Sie, welches Land in der EU am besten aufgestellt ist? Estland. Ja, wirklich, kein Scherz. Niedrigste Staatsverschuldung, 10% Einkommenssteuer, angenehme Leut`, sehr liberal, kaum Staatsdefizit (können's alles nachprüfen in den Euro-Länder-Stats) Nur gibt's ein Problem - mir ist dort zu kalt. Und viel zu lang im Jahr finster. Mein persönliches Pech, sonst wär' ich schon längst bei den für mich ganz bewundernswerten Esten, die ihr Land so gut entwickelt haben....

le chat botté
00
18.1.2012, 08:41
Warum nicht?

Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber Ihr Nachdenken über alternative, Ihren Vorstellungen besser entgegenkommende Lebensräume in Europa ist genau das, was sich die Union von ihren Bürger/innen so sehnlichst erhofft. Der Mehrwert sollte freilich darin liegen, dass auch Sie durch Ihre Qualifikation, Fähigkeiten, Motivation usw. zu einer win-win-Situation beitragen. Eine "Flucht" primär aus zB Steuergründen ist da zu kurz gegriffen.

Nummer6
12
18.1.2012, 01:48
sie sind einer der ganz wenigen menschen

denen ich von herzen wünsche einmal von der solidarität anderer abhängig zu sein, wenn es ihnen nicht gut geht.
denn sie haben es nicht verdient, dass man ihnen hilft.
denn den meisten menschen wünsche ich, dass es ihnen gut geht.
sie sind leider tatsächlich das paradebeispiel eines dummen egozentrikers (das wort Soziopat wollte ich vermeiden, obwohl es vielleicht zutreffend wäre)

max notax
40
18.1.2012, 07:15

So ein Soze wie Sie lebt wahrscheinlich eh schon immer von der Solidaritaet sprich der Arbeit anderer. Da fuer Sie Andersdenkene (sprich Leute die Ihr von Arbeit wenig belastetes Leben nicht freiwillig finanzieren wollen) gleich Soziopathen sind, empfehle ich Ihnen blos nicht in andere Kulturkreise, die nicht so vom Kollektivismus verseucht sind einzureisen, da Sie sich unter sovielen Soziopathen bestimmt nicht wohlfuehlen. In der Schweiz kommt Ihnen zb vmtl das Kotzen.

sentvromeieifon
00
17.1.2012, 20:05
Machen Sie es wie die Deutschen

und übersiedeln Sie in die Schweiz. Problem gelöst, vielleicht nur für 2-5 Jahre bis es auch dort richtig anfängt zu brennen, aber immerhin hatten Sie bis dann eine schöne Zeit.

Hannes31
02
17.1.2012, 19:11
Sorry - dummer Vergleich

Und wieviel denken Sie zahlt die UNO für die Sozial- und Krankenversicherung ihrer Mitarbeiter?

Nur weil die UNO-Angestellten SELBST nicht viel zahlen müssen dafür, heisst dass nicht, dass die UNO ebenfalls nix dafür zahlt (Arbeitgeberanteil ist sehr hoch!).

johannes schenk1
01
18.1.2012, 07:26
Bin da nicht so sicher. Meistens hat die UNO Sonder-

konditionen. UN Angestellte zahlen zB auch keine Steuern. Dafür müssen sie eben ihre Sozialversicherung selbst zahlen.
Die UNO ist ein wirklich eigener Spezialfall.
Ich würde mich wundern, wenn sie in Österreich einen Arbeitgeberanteil zahlen.

Bertha von Suttner verabschiedet sich
31
17.1.2012, 19:28
gut...Sie greifen hier eine interessante Frage auf

aber bitte bedenken Sie folgendes: Wenn die UNO wirklich irgendeinen Arbeitgeberanteil zahlt (ich bezweifle das, weiss es aber nicht - ich glaube, die zahlen gar nix) dann muss die UNO ja wohl auch den selben Beitrag zu der für die UNO-Leute wählbaren, österreichischen Kassensituation zahlen, nicht wahr? Aber wie gesagt, ich bin kein UNO-Mensch, ich weiss es also nicht. Aber Logik ist ja noch immer vorhanden.

Hannes31
00
17.1.2012, 19:36

Kann sein, dass die UNO eben sehr gute Konditionen bei den privaten Versicherungen kriegt.

Sozialversicherung in AUT:
Nehm an hier gibt es ein Spezialabkommen mit der UNO, dass jene Angestellten auch leichten und günstige Zugang zur Sozialversicherung bekommen.
Vl gibts ja jemand, der die genaue Sachlage kennt.

Aber wenn man bedenkt, dass einen UNO-Mitarbeiter eh alles bezahlt wird (Wohnung, billiger UNO-Supermarkt usw), würde es mich wundern, wenn in diesem Bereich die UNO (oder Österreich im Fall der Sozialversicherung) nicht ordentlich einspringt.

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